In Dangast: Franz Radziwill – In der Nähe des Paradieses

Der Maler entdeckt die Natur – Ausstellung vom 24.3.2013 – 12.1.2014

Dangast/Friesland – Nach dem 25-jährigen Jubiläum des Franz Radziwill Hauses 2012 steht das zentrale Motiv des Malers im Fokus der Betrachtung: Landschaft und Meer, Flora und Fauna.  An diesem Wochenende wird in Dangast die neue Ausstellung „In der Nähe des Paradieses“ eröffnet. Sie ist bis Anfang 2014 zu sehen.

Deich von Schillig, 1939, Sammlung Würth (Foto I. Barschang)
Deich von Schillig, 1939, Sammlung Würth (Foto I. Barschang)

Betrachtet man das Gesamtwerk von Franz Radziwill, so sind es vorrangig Motive aus der Natur, die der Maler in rund fünf Jahrzehnten geschaffen hat. Bis hin zum späten Werk spielt Landschaft die zentrale Rolle. Um dem Thema insgesamt gerecht zu werden, ist die Ausstellung als zweijähriges Projekt konzipiert. In zwei Jahren zeigt das Franz Radziwill Haus  Landschaft in vielen Formen: zunächst als friedlichen Raum, in dem Reetdachhäuser eingebettet sind und Bauern und Fischer ihrer Arbeit nachgehen. Und als Raum, in dem dicke Pilze wachsen oder Spatzen pfeifen. Einst auf der untersten Stufe der Rangskala der Künste positioniert, ist das Thema Landschaft mithin hochaktuell, es avancierte von der Staffage zum Idyll und zeigt sich immer öfter als Abbild von Zerstörung – die Bandbreite reicht mithin sehr weit.

1895 geboren, fand Franz Radziwill schnell seinen Lebensmittelpunkt, als er sich 1923 in Dangast niederließ. Mit dem Umzug von Stadt zu Land erhält die unmittelbar erlebte Landschaft den ersten Rang in seinem Oeuvre. Im Zentrum seines Interesses stand der nahe Kontakt zur rauen Natur und die sinnliche Erfahrung augenblicksgebundener Atmosphäre. Die Motive sind erlebte Beschreibungen seiner Umgebung. Dangast war damals ein Bauern- und Fischerdorf inmitten einer Landschaft von beachtlicher Vielfalt – vor der Haustür das Wattenmeer und nicht weit entfernt die Nordsee.

Das Plakatmotiv: In der Nähe des Paradieses, 1951, Privatbesitz -Sammlung Würth (Foto I. Barschang)
Das Plakatmotiv: In der Nähe des Paradieses, 1951, Privatbesitz -Sammlung Würth (Foto I. Barschang)

Zwar brachten Reisen und Studienaufenthalte sowie eine Professur an der Düsseldorfer Akademie den Maler auch an andere Orte, doch eigentlich ist die norddeutsche Landschaft das Fundament seines Schaffens. Und deshalb wurde bei der Auswahl der Leihgaben der Fokus auf Motive aus dem Nordwesten gesetzt – von der Ostsee bis zur holländischen Küste.

Das Frühwerk des norddeutschen Malers kennzeichnet noch eine expressive Farbpalette und ein schwungvoller Pinselduktus, was gegenüber dem Ölgemälde „Ostseelandschaft bei Hohwacht“, 1922, zum Ausdruck kommt. Das Gemälde belegt das frühe Interesse an der Natur, in dem sich Mann und Frau bewegen. Üppiges Grün dominiert die Szenerie.

Angesichts der faszinierenden Naturschauspiele, die er in seiner Wahlheimat am Jadebusen erlebte, distanzierte sich Radziwill von der expressionistischen Ausdrucksform und bemühte sich um eine weit mehr naturalistische Wiedergabe des Sichtbaren, wenngleich er seine kräftige Palette nicht ablegte. Mit einer altmeisterlichen Lasurtechnik strebte Radziwill eine stärkere Naturnähe an und studierte dazu die altdeutsche und die niederländische Kunst des 16. bis 18. Jahrhunderts. Gleichzeitig unternimmt er regelmäßig Reisen nach Holland, insbesondere zum nördlichen Küstenort Schoorl. Die hohen Dünen faszinierten ihn derartig, dass er sie gleich in mehreren Varianten auf die Leinwand brachte, eine davon befindet sich in der Ausstellung: „Blick von den Dünen bei Schoorl“. Das Werk aus dem Jahr 1926 wurde jüngst restauratorisch überarbeitet und besticht jetzt durch eine krasse Farbigkeit.

Durch ein Studium der Romantik in Dresden wurden Radziwills Bildräume größer und die Himmel farbiger. Die Inspiration durch die Malerei der Romantiker findet ihren sichtbaren Niederschlag zum Beispiel im Gemälde „Blick auf Dangast“, 1927 oder „Brandungsmauer mit Netzflickern“, 1933. Der Naturraum wird hier nicht als reine Idylle idealisiert, sondern stellt vielmehr den Daseinsraum des Menschen dar, als Fundament und Lebensgrundlage.

Im Gegensatz zu den sehr großformatigen Panoramen entstanden schon seit den 20er Jahren zahlreiche kleine Naturstudien, die einzelnen Entdeckungen gewidmet sind: Gräser mit Schneeglöckchen, ein dicker Steinpilz, ein Vogelnest, das Bild einer Maus – ebenso ein Spatz.

Selbstverständlich sind wieder Bilder dabei, die seit vielen Jahrzehnten nicht öffentlich ausgestellt wurden, darunter „Das kleine Bienenhaus“, 1948 und „Das Stillleben mit Bastkorb“, 1958.

In den späten 50er Jahren wandelte sich das Paradies Franz Radziwills. Kaum hat sich die Natur von den Einschlägen des Krieges erholt, folgt eine neue Bedrohung von Flora und Fauna. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung wuchsen Utopien der Modernisten im Ort und der Tourismus brach in das Kleinod ein. Sich jetzt in idyllische Bildwelten friesischer Natur zurückzuziehen, war Radziwills Sache keineswegs – doch sollen Sie genügend Gründe und Neugier behalten, um 2014 zum zweiten Teil der Ausstellung zu kommen.

Die Ausstellung 2014 wird den späten Werken aus der Nachkriegszeit bis 1971 gewidmet sein. Parallel dazu wird im Schlossmuseum Jever eine Dokumentation zum persönlichen Engagement des Malers für seine Wahlheimat stattfinden. Über das künstlerische Schaffen hinaus hat sich Franz Radziwill seit den späten 50er Jahren auch aktiv als Umweltschützer für die Region am Jadebusen eingesetzt, um die ursprüngliche Landschaft und gleichsam Dangast als pittoresken Künstlerort zu erhalten.

Blick in den Dangaster Groden. 1936. Franz Radizwill Haus
Blick in den Dangaster Groden. 1936. Franz Radizwill Haus

Zur Eröffnung der Ausstellung an diesem Sonntag, 24. März 2013, sprechen Ivo Kügel, 1. Vorsitzender der Franz Radiziwill Gesellschaft, Varels Bürgermeister Gerd-Christian Wagner, Frieslands stellvertretender Landrat Gustav Zielke, Konstanze Radziwill, 2. Vorsitzende der Radziwill Gesellschaft, und Kuratorin Birgit Denizel.

Zur Eröffnung des zweiten Teils – am 30. März 2014 – an den Standorten Franz Radziwill Haus in Dangast und Schlossmuseum inJever erscheint ein umfangreicher und reich illustrierter Katalog, in dem die friedvollen Frühwerke den zivilisationskritischen Spätwerken gegenüber treffend gestellt werden.

„IN DER NÄHE DES PARADIESES – Der Maler entdeckt die Natur“
Zeitraum: 24. März 2013 bis 12. Januar 2014
Adresse: Franz Radziwill Haus, Sielstraße 3, 26316 Dangast/Varel, Tel. 04451 – 2777, www.radziwill.de
Öffnungszeiten: Mi – Fr 15-18 Uhr / Sa, So und Feiertag 11-18 Uhr

Quelle: Pressemitteilung des Franz Radziwill Hauses

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