Tag 253 | Auf AB

Christian Wulff in Jever. Fragen aus dem Publikum. Thema Kai Diekmann. Ein Zuschauer: „Sprechen Sie heute noch Leuten auf die Mailbox?“

Wulff: „Ja, ich spreche noch auf Mailboxen. Ich liebe Mailboxen, weil man dann schnell loswird, was man zu sagen hat. Trotzdem war es dämlich. Ich habe zu spät überlegt, wem ich da auf die Mailbox gesprochen haben.“

Tag 252 | Literatur

Und Pressemitteilungen der Polizei gehören doch zur großen Literatur. Ihr glaubt es nicht? Hier ungefilterte Nachrichten vom vergangenen Wochenende aus dem Jeverland.

1. Erschleichen von Leistungen Am Samstag, 06.09.14, um 04:15 Uhr, ließ sich ein alkoholisierter 27-jähriger Mann von einer Schortenser Diskothek bis nach Hause ins Wangerland fahren. Dort ließ er sich, abseits seiner eigentlichen Wohnanschrift, absetzen und entfernte sich, ohne den Fahrpreis zu entrichten. Leider vergaß der Mann seine Geldbörse mit etlichen Papieren auf dem Rücksitz. Sichtlich erstaunt wurde er zu Hause angetroffen, wo ihm die Einleitung eines Strafverfahrens bekanntgegeben wurde.

 2. Einfacher Schnaps-Diebstahl Am Samstagnachmittag, 06.09.2014, gegen 17.00 Uhr, betritt ein alkoholisierter Mann die Wohnung der Geschädigten in Jever durch eine offenstehende Tür, entwendet aus dem Wohnzimmer eine Flasche Rum und flüchtet. Hierbei wird er vom Sohn der Geschädigten beobachtet und auch erkannt. Dem 62-jährigen Beschuldigten erwartet nun ein Strafverfahren. Die Bekanntgabe der Einleitung des Strafverfahrens beim Aufsuchen der Wohnanschrift des Beschuldigten misslang, da er aufgrund seiner erheblicher Alkoholisierung die Belehrung gar nicht mehr verstehen konnte.

3. Gefährliche Körperverletzung/ Sachbeschädigung / Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte:    Am Sonntagmorgen, 07.09.2014, gegen 02.43 Uhr, schlug ein 24-jähriger Mann aus Wilhelmshaven einem 39-jährigen Mann aus Schortens in einer Diskothek in Schortens ein Glas gegen den Kopf. Das Opfer würgte daraufhin den Glasschläger. Beide wurden der Diskothek verwiesen. Außerhalb der Diskothek verhielt sich der 24-Jährige weiterhin verbal aggressiv gegenüber anderen Personen und warf mit einer Bierflasche eine Heckscheibe eines geparkten Pkw ein.

Aufgrund der Verhaltensauffälligkeit des Beschuldigten musste dieser dem Gewahrsam des PK Jever zur Verhinderung der Begehung weiterer Straftaten zugeführt werden. Hierbei wehrte er sich zunehmend, schlug und trat um sich, so dass ein Polizeibeamter am Schienbein und ein Polizeibeamter am Handgelenk verletzt wurden. Dem Beschuldigten wurde in der Dienststelle des PK Jever eine Blutprobe entnommen und dieser durfte in der Zelle seinen Rausch ausschlafen. Bei späterer Entlassung wurde dem Beschuldigten die Einleitung mehrerer Strafverfahren bekanntgegeben.

4. Trunkenheit im Verkehr Am Sonntagmorgen, gegen 07.00 Uhr, fiel einer 31-jährigen Fahrzeugführerin in Schortens auf, dass ein vor ihr fahrender Pkw, auffallend in Schlangenlinien geführt wurde. Der Pkw wurde über mehrere Bordsteine gelenkt und beschleunigte zeitweise extrem. Einer entgegenkommenden Funkstreifenwagenbesatzung fiel der Pkw sofort in der Jeverschen Straße in Schortens auf, da ein Reifen augenscheinlich „platt“ war. Bei der anschließenden Kontrolle der Fahrzeugführerin stellte sich heraus, dass diese offenkundig erheblich alkoholisiert war. Ein Test ergab jedoch lediglich eine Atemalkoholkonzentration von 0,87 Promille. Die weiteren Befragungen ergaben, dass die 64-jährige Fahrzeugführerin aus Schortens eine erhebliche Sehschwäche aufwies und zudem etliche Medikamente zu sich genommen hatte. Die Blutentnahme und die vorläufige Entziehung der Fahrerlaubnis wurde richterlich angeordnet.

Tag 251 | Vergessen

Lese gerade, dass Ruth Kappelsberger 86-jährig gestorben ist. Wer war noch mal Ruth Kappelsberger? Ach ja, eine der ersten deutschen Fernsehansagerinnen. Vom Bayerischen Rundfunk. Saß ständig mit in unserem Wohnzimmer, wenn wir auf Kulenkampff oder Dalli-Dalli warteten. 

Und was waren noch mal Fernsehansagerinnen?

Tag 250 | Pressefreiheit

Dass ein Chefredakteur in Deutschland sagen muss: „Wir lassen uns auf keinen Fall einschüchtern“, nachdem die Zeitung immer wieder von Rechtsradikalen bedroht und attackiert wird. „Kill them. Wir kriegen Euch alle!“  – schon beklemmend… 

Lausitzer Rundschau erneut von Nazis angegriffen

Tag 249 | Kamikaze II

Und hier nun das Gegenstück zur gestrigen Klage über rücksichtslose Autofahrer: die Klage über rücksichtslose Radfahrer. Nicht von mir geschrieben, sondern von Reinhard Mohr, ein Beitrag in Deutschlandradio Kultur. Zum Schmunzeln. 

Die neue Massenbewegung – oder zum Anhören hier klicken

Tag 248 | Kamikaze

Nachdem mir heute auf dem Weg zur Arbeit ein rasender Autofahrer in einem Wohngebiet die Vorfahrt genommen hat und eine weitere Autofahrerin an einer Einmündung mich erst im allerletzten Moment sah und bremste, also zwei Beinahunfälle auf eineinhalb Kilometern, geht mir das Thema Sicherheit für Radfahrer mal wieder durch den Kopf. Ich fahr ja schon kaum noch auf Radwegen, weil es dort in Jever ziemlich gefährlich ist. Und, siehste: Der Tagesspiegel berichtet just im Moment darüber: Die Straße, der unbekannte Radweg

Tag 247 | Rettung

Mal wieder was von den Seenotrettern, Pressemitteilung von heute:

Großangelegte Übung der Seenotretter vor Wilhelmshaven

Seenotretter üben Ernstfall mit dänischen und niederländischen Einheiten und THW

Hooksiel – Vom 4. bis zum 7. September 2014 findet vor Wilhelmshaven die DanGerNed SAREX 2014 statt (SAREX = Search and Rescue Exercise, Such- und Rettungsübung). Mit dabei sind zwei Seenotkreuzer und vier Seenotrettungsboote der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), die auch Ausrichter der Übung ist, sowie voraussichtlich zwei Einheiten der dänischen Marineheimwehr, eine Einheit der niederländischen Seenotrettungsgesellschaft KNRM, sowie drei Mehrzweckarbeitsboote des THW (Technisches Hilfswerk), sowohl von der THW-Bundesschule Hoya als auch vom THW Ortsverband Wilhelmshaven. Zwei weitere Schiffe vom Jade-Dienst dienen als „Havarist“ und zur Unterstützung der Übung.

 Die DanGerNed SAREX dient vor allem dem Training der Einsatzkoordination bei grenzübergreifenden Einsätzen. Das genaue Übungsszenario wird den beteiligten Einheiten erst mit der „Alarmierung“ mitgeteilt, um eine möglichst realistische Situation zu erzeugen. Koordinierte Suche, medizinische Erstversorgung und Verletztentransport sowie Rettung und Bergung von Schiffbrüchigen werden Bestandteile der Übungsszenarien sein.

Insgesamt werden über 75 Personen an der Übung beteiligt sein. Ausbildungsleiter Jörg Kemna der DGzRS, der das Szenario leitet, hatte bereits 2012 eine vergleichbar komplexe Übung mit dem dänischen Seenotrettungsdienst auf Helgoland durchgeführt. Im März dieses Jahres hatte es in der Zentrale der DGzRS in Bremen ein umfangreiches Vortreffen der beteiligten Länder zur Übungskonzeption gegeben.

 „Dass bei Einsätzen im Grenzgebiet die Seenotrettungsdienste zusammenarbeiten, ist eine Selbstverständlichkeit“, so Jörg Kemna. „Wir können durch eine komplexe Übung wie diese allerdings gemeinsame Suchverfahren und Kommunikationsverfahren trainieren, was für den Ernstfall wesentlich ist.“

 Für echt wirkende „Schiffbrüchige“ und „Verletzte“ sorgt die DLRG-Gruppe Goch e.V. RUND (realistische Unfall- und Notfalldarstellung). Ein besonderer Dank gilt auch dem Wilhelmshavener Segelclub, der für die Übung seine Bootshalle bereitgestellt hat, Niedersachsen Ports für die Bereitstellung von Ponton, Steganlage und Parkplätzen sowie den freiwilligen Seenotrettern der Station Wilhelmshaven, die wesentlich zur Vorbereitung und Organisation vor Ort beigetragen haben.

 

Tag 246 | Sicherheit

Die Schlagzeile war ja zu erwarten. „Nach tödlichen Schüssen in Finanzamt Debatte über Sicherheit“ heißt es heute in den dpa-Nachrichten, nachdem in Rendsburg ein Steuerberater einen Finanzbeamten getötet hat. Die Überschrift passt immer, wenn einer einen erschießt, wo es nicht zu erwarten gewesen wäre. Man kann Finanzamt durch Schule, Arbeitsamt, Gericht, Jobcenter, Arztpraxis, Flughafen, Gefängnis, Spielplatz, Oktoberfest ersetzen und noch durch viele weitere Orte, an denen man gewohnheitsmäßig nicht erschossen wurde, bis es irgendwann doch passierte. Nun also wieder eine „Debatte über Sicherheit“. So wie damals, als die Justizbehörden beschlossen, in jedem Amtsgericht einen Metalldetektor aufzustellen, um Besucher kontrollieren zu können. Das passiert auch, wenn es Prozesse gibt, zu denen ein Publikum mit erhöhtem Aggressionspotenzial erwartet wird. An anderen Tagen staubt das Ding so vor sich hin, die Leute gehen dran vorbei. Bis einer kommt, vielleicht nur ein harmloser Steuerberater, dran vorbeigeht und jemanden erschießt. Dann wir es wieder eine „Debatte über Sicherheit“ geben. 

„Seien wir ehrlich“, hat Erich Kästner gesagt. „Leben ist immer lebensgefährlich.“

Tag 245 | Spenden

In gemeinnützig steckt ja das Wort gemein. Wenn eine wohltätige Organisation dank eines genialen PR-Coups so viel an Spenden einwirbt, dass für viele andere, die Gutes tun wollen, deutlich weniger Geld bleibt, dann können letztere dies durchaus als – sagen wir mal – unerfreulich empfinden. Das kann im Kleinen wie im Großen passieren. In einer norddeutschen kreisfreien Stadt etwa, wo ein neu eröffnetes und jeder Unterstützung wertes Hospiz derart im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit und in der Gunst der Spender steht, dass anderen seit Jahren hier karitativ tätigen Vereinen momentan angst und bange um ihre Projekte wird. Oder in der weiten Welt des Internets, wo sich mit dem Eiswasser aus Plastikeimern zugleich eine Spendenflut über die ALS-Forschung ergießt, die diese zweifellos sehr gut gebrauchen kann, die aber den Einnahmefluss für andere nicht weniger wichtige Hilfsorganisationen spärlicher dahinplätschern lässt.

„Ich wurde nominiert, aber…“ schreibt deshalb Martin Weigert in netzwertig.com. Ein Beitrag, den ich so unterschreiben kann. Um gleich noch eine dritte Organisation hizuzufügen, die in Weigerts Sinne arbeitet. Opportunity International. Dorthin geht meine Spende für die (noch) nicht erfolgte Nominierung zur Ice Bucket Challenge.