Erinnerungen an Hein Bredendiek

Jever war seine Lebensform

Der Maler-Schriftsteller starb vor zehn Jahren

Von Helmut Burlager

Jever/Oldenburg. Es sollte ein kurzer Besuch werden, als wir ihn im Frühjahr 2001, das letzte Mal sahen. Hein Bredendiek sei schwach geworden, lange Besuche könne er nicht mehr verkraften, hatten uns Freunde erzählt. Wie immer meldeten wir uns telefonisch an. „Seid mir willkommen. Das ist die beste Idee dieses Wochenendes“, lud er uns mit unverhofft kräftiger Stimme ein. Als wir in der Huntemannstraße 5 a klingelten, kam er wie stets im Sonntagsanzug samt korrekt gebundener Krawatte an die Haustür und strahlte: „Willkommen Jever. Gut, dass Ihr pünktlich seid, ich habe den Tee fertig“, führte er uns in sein gemütliches Wohnzimmer.

Der Besuch, der ein Abschied war, dauerte länger als drei Stunden, und als wir uns bei Einbruch der Dunkelheit voneinander trennen mussten, da spürten wir, dass er gerne noch weiter erzählt hätte. Er war tief eingetaucht in die Vergangenheit, hatte uns die schon oft gehörte Geschichte seines Besuches beim großen Philosophen Karl Jaspers in den fünfziger Jahren in Basel noch einmal vorgetragen, aber auch Neues über seine gerade erschienene CD und vom Treiben seiner Enkelkinder berichtet und uns dann mit der Erzählung überrascht, er habe den betagten Maler Emil Nolde kurz vor dessen Tod im Jahre 1956 einmal in dessen Ruhesitz Seebüll besucht. „Kommt mal mit, ich will Euch etwas zeigen“, leitete er uns in sein Atelier und Bücherzimmer, suchte ein wenig und zog dann ein altes, schon etwas abgegriffenes Büchlein heraus, schlug die Titelseite auf und wies auf eine mit blauer Tinte hingesetzte Unterschrift: Emil Nolde.

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Hein Bredendiek (im Bild  während eines Empfangs zu seinen Ehren im Schloss Jever, mit Bürgermeisterin Margot Lorentzen und Pastor Volker Landig) lebte seine letzten Lebensjahre nicht wie so viele Hochbetagte in der Vergangenheit. Er war bis zuletzt von äußerst klarem Verstand und nahm Anteil an allen Diskussionen der Gegenwart. Aber er lebte in seiner Kunst, und die Wochen und Monate vor seinem Tod verbrachte er zunehmend damit, zu sichten, zu sortieren, zu bewerten und sich noch einmal zu erinnern, Rückschau auf ein langes, erfülltes Leben zu halten, dessen Kreis sich jetzt schloss.

In Jever, Alter Markt 12, wurde er am 18. September 1906 geboren. Wiewohl Hein Bredendiek die Stadt 1954 endgültig verlassen hat, um in Oldenburg als Studiendirektor am Alten Gymnasium Kunst zu unterrichten und am Staatlichen Studienseminar als Fachleiter für Kunst angehende Lehrer auszubilden, blieb er seiner Marienstadt immer treu.Bredendiek als Kind „Es ist ja so, dass man immer wieder heimkehrt“, sagte er, als Bürgermeister Dr. Heinz Behrends ihm 1986 im Auftrag des Rates die Ehrenbürgerschaft der Stadt Jever verlieh. Behrends zitierte damals Karl Veit Riedel mit den Worten: „Jever ist mehr als ein Wohnort, Jever ist eine Lebensform“. Auf wen hätte das mehr zugetroffen als auf Hein Bredendiek, der der Stadt und ihren Menschen in zahlreichen plattdeutschen Erzählungen, mit vielen Zeichnungen und Gemälden und in seinem jahrzehntelangen Engagement für das Schlossmuseum, die Heimatgeschichte und für die regionale Kultur ein bleibendes Denkmal gesetzt hat?

Leben und Arbeiten Bredendieks ging über diese kleine Stadt weit hinaus. Schon Studium und Berufsanfang hatten ihn aus provinzieller Enge herausgeführt, Berlin, Hamburg, Flensburg, Cottbus waren die Stationen, bevor er von 1940 bis 1945 Kriegsdienst bei der Marine leisten musste. Begegnungen seiner Jugendzeit, von Barlach bis Hindemith, von Yehudi Menuhin bis zum erwähnten Karl Jaspers, der seine Wurzeln ebenfalls in Jever hatte, prägten ihn bis zuletzt, doch keiner prägte sein künstlerisches Leben stärker als sein jeverscher Lehrer und väterlicher Freund, der Malerdichter Georg von der Vring, dessen Gedichte noch an seinem Sterbebett lagen.

Hein Bredendiek schrieb in seiner plattdeutschen Muttersprache, kraftvoll wie kaum ein anderer, und weitab von Heimattümelei und Verklärung. „Die plattdeutsche Dichtung muss vor allen Dingen echt und wahr sein, und sie muss einen guten Grund haben und muss jegliches Wortgeklingel vermeiden“, sagte der Schriftsteller einmal, und so war er als Leiter des Schrieverkrings, der Arbeitsgemeinschaft Niederdeutsche Sprache und der Bevensen-Tagungen auch ein kritischer Förderer und Wegbegleiter für viele andere, die Niederdeutsch schrieben. Sein plastisches Plattdeutsch und seine markante Stimme machten ihn auch zu einem beliebten Gast bei Radio Bremen, dessen Sendung „Hör mal’n beten to“ er viele Dutzend Mal mit seinen Beiträgen bereichert hat.

In seinen plattdeutschen Bildbetrachtungen über Breughel, Rembrandt und Barlach schlug er die Brücke zu seiner zweiten Leidenschaft, der Malerei. Hunderte und Tausende von Skizzen, Zeichnungen, Aquarellen, Ölbildern hat er im Laufe seines Lebens geschaffen, seinen Stil dabei oft gewandelt, sowohl gegenständlich als auch abstrakt gearbeitet – auch diese Arbeit von dem „echten und aufrichtigen Ernst geprägt, die Dinge unserer Anschauung zu analysieren und ohne Formgeklingel darzustellen“, wie der Oldenburger Oberbürgermeister Dr. Heinrich Niewerth es bei der Verleihung des Großen Stadtsiegels im Jahre 1986 ausdrückte.

Die größte Begabung Hein Bredendieks aber war es wohl, auf andere zugehen zu können, bis ins hohe Lebensalter. Befragt nach seinem Rezept fürs Altwerden, sagte der über 90-Jährige, der einen riesigen Freundes- und Bekanntenkreis hatte, einmal: „Das macht der dauernde Umgang mit den Menschen.“

Der Beitrag erschien 2001 in etwas längerer Fassung als Nachruf auf Hein Bredendiek im Jeverschen Wochenblatt.

Das Schlossmuseum Jever zeigt unter dem Titel “Summa summarum” vom 6. Februar bis zum 30. April aus Anlass des zehnten Todestages eine Retrospektive mit Werken des Malers Hein Bredendiek.  Programmvorschau des Schlossmuseums

Wikipedia-Eintrag zu Hein Bredendiek

Kleinkredite werden für große Profite geopfert

 

Ein Beitrag von Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus in der New York Times vom 14. Januar 2011, übersetzt von Stefanie Reichenbach (Opportunity International Deutschland, Köln). Der Originaltext (Sacrificing Microcredit for Megaprofits) ist hier zu lesen: New York Times 

Kleinkredite werden für große Profite geopfert

Von Muhammad Yunus

In den 1970er Jahren, als ich angefangen habe an dem zu arbeiten, was man heute als „Mikrokredit“ kennt, war es eines meiner Ziele, die Kredithaie zu vertreiben, dich sich bereichern, indem sie die Armen ausnutzen. Im Jahr 1983 habe ich die Grameen-Bank gegründet, um kleine Kredite zu vergeben, damit die Menschen, und vor allem arme Frauen, sie nutzen können, um sich selbst aus der Armut zu befreien. Zu dieser Zeit hätte ich mir nie vorstellen können, dass die Mikrofinanzierung eines Tages ihre eigenen Kredithaie hervorbringen würde.

Doch genau das ist passiert. Und das Ergebnis davon ist, dass viele Kreditnehmer in Indien mit der Rückzahlung ihrer Kredite in Verzug geraten, was wiederum dazu führen könnte, dass Kreditgeber aus dem Geschäft gedrängt werden. Die Krise in Indien macht deutlich, dass es dringend notwendig ist, die Mikrofinanzierung wieder auf den richtigen Weg zu bringen.

Die Probleme mit den Mikrokrediten begannen um das Jahr 2005, als viele Kreditgeber nach Wegen suchten, wie sie von den Krediten profitieren können, indem sie ihren Status als Non-Profit-Organisation aufgeben und zu einem kommerziellen Unternehmen werden. Im Jahr 2007 ging Compartamos, eine mexikanische Bank, als erste Mikrokreditbank Lateinamerikas an die Börse. Und im letzten August brachte SKS Microfinance, die größte Bank dieser Art in Indien, bei ihrem Börsengang 358 Millionen US-Dollar auf.

Um sicherzustellen, dass die kleinen Kredite für ihre Anteilseigner profitabel sind, mussten solche Banken die Zinsen erhöhen und aggressive Methoden für das Marketing und die Kredite-Eintreibung anwenden. Das Mitgefühl, das gegenüber den Kreditnehmern einst gezeigt wurde, als die Kreditgeber noch Non-Profit-Organisationen waren, verschwand. Den Menschen, denen Mikrokredite helfen sollten, wurde Schaden zugefügt. In Indien kamen Kreditnehmer zu dem Schluss, dass die Kreditgeber sie ausnutzen, und hörten auf ihre Kredite zurückzuzahlen.

Die Kommerzialisierung war eine schrecklich falsche Wendung für die Mikrofinanzierung, und sie zeigt eine besorgniserregende Kursänderung in der Motivation derer, die den Armen Geld leihen. Armut sollte ausgerottet, nicht als Möglichkeit Geld zu verdienen betrachtet werden.

Es gibt ernste praktische Probleme, wenn Mikrokredite als gewöhnliches Geschäft zur Profitmaximierung behandelt werden. Anstatt große Fonds zu schaffen, die dazu dienen, Geld an Mikrofinanzinstitutionen zu verleihen, wie es Bangladesh getan hat, bringen diese kommerziellen Organisationen größere Summen auf volatilen internationalen Finanzmärkten auf und übertragen die finanziellen Risiken dann auf die Armen.

Des Weiteren bedeutet das, dass kommerzielle Mikrofinanzinstitute zum Gegenstand von Forderungen nach immer höheren Profiten werden, die nur durch höhere Zinsraten, die von den Armen verlangt werden, durchgesetzt werden können. Dadurch wird der eigentliche Zweck der Kredite zerstört.

Einige Verfechter der Kommerzialisierung sagen, dass dies der einzige Weg ist, um das Geld zu beschaffen, das notwendig ist, um die Verfügbarkeit von Mikrokrediten zu erweitern und das System von der Abhängigkeit von Stiftungen und anderen wohltätigen Gebern zu „befreien“. Doch es ist möglich, Investment in Mikrokredite nutzbar zu machen – und sogar Profit zu erwirtschaften – ohne auf Almosen oder den globalen Finanzmarkt zurückzugreifen.

Die Grameen-Bank, deren Geschäftsführer ich bin, hat 2.500 Filialen in Bangladesh. Sie verleiht mehr als 100 Millionen US-Dollar im Monat, durch Kredite von weniger als 10 Dollar für Bettler in unserem „Struggling Members“ Programm (Programm für Mitglieder, die sich in Schwierigkeiten befinden), bis zu Krediten für Mikrounternehmen von ungefähr 1.000 Dollar. Die meisten Filialen tragen sich finanziell selbst und sind nur von den Spareinlagen gewöhnlicher Bangladescher abhängig. Wenn Kreditnehmer der Bank beitreten eröffnen sie ein Sparkonto. Alle Kreditnehmer haben Sparkonten bei der Bank, viele mit Guthaben die höher sind als ihre Kredite. Und jedes Jahr werden die Gewinne der Bank an die Kreditnehmer – 97 Prozent davon sind arme Frauen – in der Form von Dividenden zurückgegeben.

Mehr Mikrokredit-Institutionen sollten dieses Modell anwenden. Die Gemeinschaft muss die ursprüngliche Definition der Mikrokredite noch einmal bestätigen, die Kommerzialisierung aufgeben und dazu zurückkehren den Armen zu dienen.

Eine strengere Regulierung durch die Regierung könnte hilfreich sein. Der maximale Zinssatz sollte nicht höher sein, als die Kosten für die Finanzierung – also die Kosten, die der Bank entstehen, um das Geld, das verliehen wird, aufzubringen – plus 15 % der Finanzierung. Diese 15 % sollen die Betriebskosten decken und zum Gewinn beitragen. Im Fall der Grameen-Bank betragen die Kosten für die Finanzierung 10 %. Deshalb könnte der maximale Zinssatz 25% betragen. Wir erheben jedoch nur 20% von den Kreditnehmern. Die ideale Spanne zwischen den Kosten für die Finanzierung und dem Zinssatz für den Kredit sollte nahe bei 10 % liegen.

Um eine solche Deckelung durchzusetzen braucht jedes Land, in dem Mikrokredite vergeben werden, eine Regulierungsbehörde. Bangladesh, das die meisten Mikrokreditnehmer pro Quadratmeile in der Welt hat, hat seit mehreren Jahren eine solche Behörde, und sie konzentriert sich darauf, Transparenz bei der Kreditvergabe zu garantieren, und hat übermäßige Zinssätze und Methoden zur Kredit-Eintreibung unterbunden. In Zukunft könnte sie dazu in der Lage sein Mikrofinanzbanken zu akkreditieren. Indien, mit seinem boomenden Mikrokreditsektor braucht eine solche Regulierungsbehörde dringend.

Es gibt immer Leute, die darauf erpicht sind, die Schwachen auszunutzen. Doch Kreditprogramme, die versuchen aus dem Leiden der Armen Profit zu schlagen, sollten nicht als „Mikrokredit“ bezeichnet werden und Investoren, die solche Programme besitzen, sollten nicht vom Vertrauen und dem Respekt, den sich Mikrokreditbanken rechtmäßig erworben haben, profitieren dürfen.

Regierungen sind dafür verantwortlich, solchen Missbrauch zu verhindern. Als im Jahr 1997 die damalige First Lady Hillary Clinton und Sheikh Hasina, die Premierministerin von Bangladesh, mit anderen führenden Politikern der Welt zusammentrafen, um sich zu verpflichten, bis zum Jahr 2005 Mikrokredite und andere Finanzdienstleistungen für 100 Millionen arme Menschen zur Verfügung zu stellen, da sah es aus, als wäre das eine absolut unmögliche Aufgabe. Doch 2006 hatten wir dieses Ziel erreicht. Die führenden Politiker der Welt sollten wieder zusammenkommen und eine mächtige und visionäre Führung anbieten, um zu helfen die Mikrofinanzierung wieder auf Kurs zu bringen.

Fusionsgerüchte – was ist dran?

Überraschend hat das Niedersächsische Innenministerium Jever, das Wangerland und Schortens als mögliche Kandidaten für eine Gemeindefusion genannt. Was ist dran? Darüber berichtet das Jeversche Wochenblatt in seiner Mittwochausgabe. Konkrete Fusionspläne gibt es wohl nicht, aber immerhin Gespräche zwischen Jever und dem Wangerland, und einen Termin mit dem Ministerium. Mehr dazu: zum Wochenblatt-Artikel

Wo die Krabben landen, die der Fischkutter vom Friesenblog (ACC 1) fängt:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/fischverarbeitung-marokkaner-statt-maschine-1.1046344

Das Fanal – Erinnern an die Selbstverbrennung von Oskar Brüsewitz 1976

Ein Beitrag von Ulrich Kasparick über das Buch "Das Fanal" , in dem es um die Situation von Regimekritikern in der DDR und den Tod des Pfarrers Oskar Brüsewitz geht. Ulrich Kasparick ist Zeitzeuge.

Das Fanal – Erinnern an die Selbstverbrennung von Oskar Brüsewitz 1976.

Klettern für den Regenwald

Auf die Bäume, Touristen!

Der Canopy Walkway bei Cape Coast in Ghana

Mehr als 80 Prozent des Urwalds ist schon abgeholzt. Nur in Reservaten wie dem Kakum-Nationalpark findet man noch ursprüngliche Natur.

Von Brigitte Meiners

Schweigen im Walde. Nur Vogelstimmen sind zu hören, hier Ghana605 und da ein Rascheln im Gebüsch, und sonst nichts als gedämpfte Schritte und das regelmäßige Keuchen der Vorderleute und derjenigen, die auf dem schmalen, nur teilweise befestigten Pfad durch den Urwald im Gästemarsch folgen. Reden wäre zu anstrengend, auch wenn der Weg weder besonders steil noch besonders lang ist. Es ist die Hitze, die jeden Ghana606Schritt beschwerlich macht. Dabei scheint die Sonne gar nicht, und selbst wenn sie schiene, käme hier unten, am Fuß der Baumriesen im tropischen Regenwald, kein Sonnenstrahl an. Es ist dunkel hier, und stickig. Plötzlich sagt doch einer was: „Kann nicht mal einer den Saunaofen abstellen?“ Anstrengung und Anspannung lösen sich in Gelächter auf. Dann wieder Keuchen bei 40 Grad und extremer Luftfeuchtigkeit.    Noch wissen die Wanderer nicht, ob das Schwitzen sich lohnt. Ziel des kaum zwanzigminütigen Fußmarsches ist der Canopy Walkway, eine der wenigen echten Attraktionen im touristisch noch nicht so recht erschlossenen Ghana. Und eine Art Mahnmal zugleich.

1995 ist der Baumwipfelweg im Kakum-Nationalpark in Betrieb genommen worden. Er ist nur für Besucher ohne Höhenangst geeignet, denn der Walkway ist ein System wackliger Hängebrücken; ein Spazierweg, der in gut 40 Meter Höhe auf einer Strecke von 350 Metern von Baumwipfel zu Baumwipfel führt. Ghana621 Doch nicht als Abenteuerspielplatz wurde der Walkway geplant, sondern als Projekt des Ökotourismus. Die Besucher, die Eintritt zahlen und neben dem eigentlichen Baumwipfelweg auch ein Regenwaldmuseum und andere Einrichtungen vorfinden, sollen das Geld bringen, das für die Rettung des Regenwaldes gebraucht wird.

In Ghanas bewaldetem Süden, nicht weit vom Golf von Guinea, liegen die östlichen Ausläufer des großen guineischen Regenwaldes, einem der biologisch vielfältigsten Ökosysteme des afrikanischen Kontinents. In Ghana ist davon allerdings nicht viel geblieben. Durch Holzeinschlag, Ausbreitung der Landwirtschaft, Erschließung von Bodenschätzen und sich ausdehnende Siedlungen sind mehr als 80 Prozent des ursprünglichen tropischen Regenwaldes verschwunden, und nach wie vor wird Tropenholz geschlagen, wird der Boden nach Gold und anderen Schätzen großflächig durchwühlt.

Mit der Unterschutzstellung des 607 Quadratkilometer großen Kakum-Nationalparks ist es 1990 immerhin gelungen, ein wertvolles Stück des ursprünglichen Regenwaldes zu retten. Regierungsstellen und NichtregierunGhana625gsorganisationen arbeiteten eng zusammen, den Nationalpark nicht nur zu sichern, sondern durch seine Erschließung für sanften Tourismus auch eine wirtschaftlich Grundlage für eine nachhaltige Bewahrung dieses Naturerbes zu schaffen.  Am „Earth Day“ 1995 wurde der Canopy Walkway eingeweiht, zwei Jahre später das dazugehörige Besucherzentrum, in dessen Museum die Touristen aus dem In- und Ausland und die Schulklassen auch viel über die kulturellen Bezüge des einheimischen Akan-Volkes zu ihrem ursprünglichen Lebensraum, dem Regenwald, erfahren.

Das vermittelt auch der grün uniformierte Wildhüter, der die Gruppe auf dem  Weg zum Walkway begleitet. Immer wieder macht er kurz Halt, weist hier auf einen seltenen Baum Ghana611und dort auf eine besondere Schlingpflanze und erklärt, welche Bedeutung sie für die indigene Bevölkerung hatten und haben, denn: „Der Regenwald gibt uns alles, was wir zum Leben brauchen. Nahrung und Medizin.“ An vielen Beispielen erklärt er, wogegen diese Wurzel, jene Rinde oder dieser grüne Spross hilft. „Der Urwald ist unsere Apotheke“, sagt er.

Über eine Holztreppe geht es schließlich zur ersten Station des Baumwipfelweges. Ohne einen Nagel oder Bolzen, nur geschickt mit schonenden Tauen und gut kaschierten Stahlseilen an den Baumriesen befestigt. schwingt sich die erste Hängebrücke vom Start weg zum nächsten Baumriesen. Nun hilft kein Führer mehr, nun muss jeder sich selbst überwinden und losmarschieren. Auf schmalen Brettern hinüber zur nächsten Plattform, fünfzig Meter entfernt. Die Brücke schwankt und wippt, doch das Betreten ist völlig gefahrlos, schulterhoch wird der Kletterer von einem stabilen, engmaschigen Netz abgesichert. Ghana619 Und die Tiefe – bis zu 40 Meter – lässt sich auch nur erahnen, denn fast nirgendwo schaut der Wipfelstürmer bis zum Boden hinunter. Unter der Hängebrücke dehnt sich undurchdringlich, sattgrün das Blätterdach der niedrigeren Urwaldvegetation aus.

So gibt es bis auf ein paar Vögel und Schmetterlinge auch nichts von der Regenwaldfauna zu sehen. Waldelefanten, Waldbüffel, Meerkatzen, Bongo-Antilopen und Riesenwaldschweine soll es hier geben. Der Tourist wird sie allenfalls bei speziellen Führungen mit erfahrenen Wildhütern weitab vom offiziellen Pfad erblicken.

Dem Erlebnis des Baumwipfelpfades tut das keinen Abbruch. Immer wieder halten die Brückengänger an, blicken in die „grüne Hölle“ hinab, wo warme feuchte Nebel wabern, und lauschen den Vogelstimmen. Und fühlen sich ein bisschen wie Heinz Sielmann auf seinen Expeditionen ins Tierreich.

Dabei ist die Zivilisation nicht weit wegGhana604. Nach der Coast, wo die anderen Touristenattraktionen des Südens, die alten Sklavenforts Elmina und Cape letzten Plattform geht’s über eine Holztreppe wieder hinab auf den Boden, zu Fuß zurück ins Besucherzentrum.  In einer halben Stunde ist man von hier in der Großstadt Cape Coast, liegen.

Unterwegs, am Straßenrand, sehen wir Lastwagen stehen. Die Fahrer machen Pause in einer kleinen Vorort-Raststätte. Sie kommen aus dem Urwald. Geladen haben sie riesige Baumstämme, Tropenholz. Viel wird vom tropischen Regenwald in Westafrika wohl nicht stehen bleiben.

(Der Beitrag erschien am 15. Januar 2011 im Jeverschen Wochenblatt)

Lesen Sie auch: https://friesenblog.wordpress.com/ghana-seite/ unseren Reisebericht über die Besuche bei Klienten von Opportunity International.

“Ich hasse Blogs”, bloggt der Redakteur

Der Journalismus reagiert defensiv auf die kostenlose Konkurrenz und macht die Leser für seine eigene Identitätskrise verantwortlich, meint Matthias Heitmann: http://www.novo-argumente.com/magazin.php/archiv/novo110_100

Ghana-Seite umgezogen

Nach mehreren Umzügen ist unser Ghana-Reisebericht vom März 2010 jetzt auch im Friesenblog gelandet: https://friesenblog.wordpress.com/ghana-seite/

Wir, Brigitte Meiners, Jochen Ewald und Helmut Burlager, erzählen in mehreren Beiträgen über unsere Rundreise durch das westafrikanische Land, die uns zu zahlreichen Klienten von Opportunity International führt. Opportunity ist eine weltweit agierende Mikrokredit-Organisation, deren deutscher Ableger OID vom Freundeskreis Weser-Ems unterstützt wird. Mehr über die Entwicklungshilfearbeit mit Mikrofinanzierung unter www.oid.org

Sächsisch-ländisch

Niedersächsisch, niederländisch – ist ja auch alles ein bisschen schwer für Leute, die da wohnen, wo es hügeliger ist als bei uns. Meldete heute doch glatt das Internetforum “Stromtarife.com” folgende News: “Das niederländische Kabinett hat am Dienstag eine internationale Ausschreibung für das Deutsche Windenergie-Institut (DEWI) in Wilhelmshaven und dessen Tochter DEWI Offshore & Certification Centre beschlossen. Das Institut wurde 1990 gegründet und bietet 134 Mitarbeitern einen Arbeitsplatz. Eigenen Angaben zufolge erzielt es drei Viertel seines Umsatzes durch Dienstleistungen für die Windenergiebranche.” Alles soweit wahr, nur dass es das niedersächsische Kabinett war, das unser schönes Institut zu Knete machen möchte. Ist schon ein kleiner Unterschied. Wir haben ja auch keine niederländische Königin wie die Holländer, sondern nur einen (angel-)sächsischen Landesvater.

Zum Abschied ein Orden erster Klasse

Dr. Karl Harms wurde als Präsident der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer verabschiedet

David McAllister verlieh im das Niedersächsische Verdienstkreuz

Oldenburg/Jever/HBU – Nach neun Jahren als Präsident der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer ist Dr. Karl Harms aus Jever am Mittwochabend (12. Januar 2011) beim Neujahrsempfang der IHK aus seinem Amt verabschiedet worden. Zugleich wurde ihm eine der bedeutendsten Ehrungen zuteil, die das Land Niedersachsen zu vergeben hat. Ministerpräsident David McAllister höchstpersönlich überreichte dem IHK-Chef das Verdienstkreuz Erster Klasse des Niedersächsischen Verdienstordens.

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Vor rund 850 Gästen des Neujahrsempfangs in der Oldenburger Weser-Ems-Halle würdigte McAllister den Unternehmer als „eine Persönlichkeit, die beruflichen Erfolg und ehrenamtliches Engagement miteinander verbunden hat.“ Auf beeindruckende Weise habe Dr. Harms nicht nur seine Unternehmen aufgebaut, sondern sich auch um berufsständische Belange in Handel und Industrie gekümmert. Besonders ging der Ministerpräsident auf den Einsatz für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur des Nordwestens, für die Stärkung der Innenstädte sowie für die Ausbildung ein, die Harms „ein Herzensanliegen“ sei. Dr. Harms nahm den Orden unter stehenden Ovationen der Gäste entgegen und versprach, sich weiter für Region und Wirtschaft einzusetzen.

Seine Abschiedsrede stellte er unter das Motto „Kurs halten“ und verlangte dies auch von der Politik, „damit wir unsere bedeutenden Projekte weiter befördern können“. An erster Stelle nannte er den Jade-Weser-Port, der 2012 in Betrieb gehen wird und eine gute Hinterlandanbindung brauche. „Wir zählen bei diesen Infrastrukturprojekten auf Ihre Unterstützung“, wandte er sich direkt an McAllister und den Wirtschaftsminister Jörg Bode. Die Belange der Industrie dürften nicht verkannt, rechtmäßig vorbereitete Projekte nicht durch opportunistische Skeptiker und überfrachtete Planungsgesetze verhindert werden.

IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Peters dankte Harms für sein „fast grenzenloses Engagement für die regionale Wirtschaft“. Harms seinerseits bedankte sich bei allen Partnern für die langjährige gute Zusammenarbeit. „Wir waren ein kraftvolles Gespann.“

Dr. Karl Harms ist Unternehmer in Jever, Inhaber der Firma Certus Warensicherungssysteme, Investor des neuen Altstadtquartiers in Jever. Er ist Schirmherr von Opportunity International Deutschland, einer Nichtregierungsorganisation, die in Entwicklungsländern Mikrokredite vergibt. Opportunity International

Quelle: Jeversches Wochenblatt / Friesisches Tageblatt vom 13. Januar 2010