Tag 201 | Wulff

Wer das soeben erschienene Interview des Spiegel mit Christian Wulff lesen will, muss dafür bezahlen. Das ist zum einen mal was Nettes für treue Spiegel-Abonnenten, die sich vierteljährlich ihren Beitrag zur Erhaltung des deutschen Qualitätsjournalismus vom Konto abziehen lassen und sich manchmal fragen, warum sie sich nicht mit den kostenlosen Angeboten von Spiegel online begnügen. Zum anderen ist das Interview auch wirklich seinen Preis wert, denn in dem Streitgespräch schonen sich Ex-Bundespräsident und Spiegel-Redakteure nicht im Geringsten. Während beide Seiten nicht von ihrer Position lassen, sich fast jederzeit völlig korrekt verhalten zu haben, geht der Leser schon recht nachdenklich aus diesem spannenden Lehrstück über ethische Fragen in Politik und Journalismus heraus.

Wie gesagt: Wer es lesen möchte, muss es kaufen.

Tag 200 | Hinterzimmer

„Unter dem Deckmantel der Anonymität lästert es sich leicht…“ – ein interessanter WDR-Beitrag über Hintergrundgespräche, wie es sie im Lokalen ebenso gibt wie in Berlin. Wichtiger Hinweis an Politiker: „Besser keinen Alkohol trinken!“. Das hat man jüngst ja schon in dem Dokumentar-Spielfilm über die Spiegel-Affäre gelernt, wo ein völlig abgefüllter Franz-Josef Strauß vor (nüchternen) Journalisten so richtig die Sau rausließ.

Zum WDR-Beitrag

Tag 186 | Nie wieder

Ich hab ja vor vielen Kollegen Respekt, aber heute ganz besonders vor meinen Sportkollegen Kathrin Kraft und Thomas Breves, die zusammen mit drei Leserinnen und Lesern des Jeverschen Wochenblatts und des Anzeiger für Harlingerland den 1. MeinFernbus-Triathlon in Carolinensiel mitgemacht haben. Wochenlang haben sie trainiert, sind heute Mittag an den Start gegangen und haben das Ziel in wirklich ordentlichen Zeiten erreicht, wenn auch fix und fertig. Übereinstimmender Kommentar meiner beiden Kollegen: „So was mache ich nie wieder!“

Frischgebackene Triathleten, völlig gar. Von links Janna Hinrichs, Martina Meyer, Wochenblatt-Redakteurin Kathrin Kraft, Cord Eilers, Wochenblatt-Redakteur Thomas Breves. Foto (c): Helmut Burlager
Frischgebackene Triathleten, völlig gar. Von links Janna Hinrichs, Martina Meyer, Wochenblatt-Redakteurin Kathrin Kraft, Cord Eilers, Wochenblatt-Redakteur Thomas Breves. Foto (c): Helmut Burlager

Tag 181 | Per

Nun hab ich das Video mit Per Mertesacker schon fünf Mal oder öfter gesehen und finde ihn immer noch klasse in seiner Kotzbrockigkeit. Was ist das auch für ein bescheuertes Format, Leute zu interviewen, die sich gerade 120 Minuten die Seele aus dem Leib gerannt haben.

Tag 178 | Gemein? Nützlich!

Die FDP im Düsseldorfer Landtag hat ganz ernsthaft den Antrag gestellt, Journalismus auf eine Stufe mit Sport, Kultur und Tierschutz zu stellen und als gemeinnützig anzuerkennen, berichtet der Mediendienst „Newsroom“. Klingt interessant, sollte aber nicht dazu führen, dass Arbeitgeber den Journalisten in Zukunft Spenden statt Gehälter überweisen …

Der Beitrag zum Thema in Newsroom.de

 

Tag 175 | Ethik

Manchmal ist ja nicht selbstverständlich, was selbstverständlich sein sollte. Dann muss daran erinnert werden, was selbstverständlich ist. So hat gestern der Deutsche Journalisten-Verband an alle Journalisten appelliert, die gestohlene Krankenakte von Michael Schumacher, der  am 29. Dezember 2013 beim Skifahren im französischen Meribel verunglückt war, auf keinen Fall zu veröffentlichen. Offenbar wurde die Krankenakte gestohlen, möglicherweise aus der Klinik in Grenoble. DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken warnte: „Die Veröffentlichung dieser Akte wäre Sensationsjournalismus ohne Substanz und Relevanz. Der Inhalt dieser Akte hat schließlich weder politische noch gesellschaftliche Bedeutung. Die Veröffentlichung wäre ein vollkommen inakzeptabler und äußerst schwerwiegender Eingriff in die Persönlichkeitsrechte von Michael Schumacher.“ Konken sagte weiter, er hoffe, dass die Medienmacher ihre ethischen Grenzen kennen würden, wie sie unter anderem in Ziffer 4 und Ziffer 8 des Pressekodex definiert sind.

Wie gesagt: eigentlich selbstverständlich, aber …

Tag 174 | Verkauft

DSC_0222Ob es für die Kolleginnen und Kollegen beim Delmenhorster Kreisblatt wirklich eine „Hiobsbotschaft“ ist, wie der Mitbewerber in der publizistischen umkämpften Stadt an der Delme, die Nordwest-Zeitung, schrieb, muss sich erst noch herausstellen. Die Mitarbeiter beim DK haben ja schon in der Vergangenheit einige unverhoffte Kursänderungen mitmachen müssen oder dürfen, je nach Sichtweise. Outsourcing der Redaktion, neues Outsourcing, Einführung eines Newsdesks, Umwandlung des Newsdesks, Wechsel den Mantels von der Nordwest-Zeitung zum Weser-Kurier, dann Abschied vom Mantel und Aufbau einer kleinen Vollredaktion. Der Weggang des angesehenen Chefredakteurs und Anteilseigners an der Redaktions-GmbH, Ralf Freitag. Jetzt der Verkauf an die Neue Osnabrücker-Zeitung, die 75 Prozent der Anteile an der neuen Verlagsgesellschaft „DK Medien“ übernehmen soll. Und, wie die NWZ meldet, demnächst dann der Mantelbezug des DK aus Osnabrück. Was ja nicht weiter wundert…

Unruhige Zeiten in Delmenhorst, die ein wenig die schwierigen Zeiten in der gesamten Branche widerspiegeln. Für die fähigen und sympathischen Kollegen in der DK-Redaktion kann man nur hoffen, dass sie unter ordentlichen Bedingungen weiter eine gute Zeitung machen können. Das Delmenhorster Kreisblatt gibt’s immerhin schon seit 1832.

Nachtrag am 27. Juni: Wie inzwischen bekannt wurde, soll es zu Entlassungen kommen. Darüber berichtet der Deutsche Journalistenverband (DJV)

Mehr zum Thema:

Interview im Delmenhorster Kreisblatt

Neue Osnabrücker Zeitung

Medienmagazin DWDL

Kress-Report

Finanztreff.de