„Respekt“ geht in eine neue Phase: Buch und Ausstellung mit Porträts alter Menschen aus dem Jeverland

Titel des Buches "Respekt", das am 15. März vorgestellt wird. Die Autoren Brigitte Meiners, Cornelia Lüers, Helmut Burlager und Christoph Hinz sowie die Fotografin Sigrid Kasdorf  stellen darin 53 Menschen aus dem Jeverland vor, die 75 Jahre und älter sind.
Titel des Buches „Respekt“, das am 15. März vorgestellt wird. Die Autoren Brigitte Meiners, Cornelia Lüers, Helmut Burlager und Christoph Hinz sowie die Fotografin Sigrid Kasdorf stellen darin 53 Menschen aus dem Jeverland vor, die 75 Jahre und älter sind.

Jever – Zehn Wochen nach Abschluss der Zeitungsserie „Respekt – Porträts von alten Menschen aus dem Jeverland“, in der die Lebensleistung von 53 Senioren gewürdigt wurde, geht das Projekt in eine neue Phase. In der kommenden Woche wird das Buch zur Serie vorgestellt, in der übernächsten Woche startet in Jever eine große Bilderausstellung mit großformatigen Fotoporträts der 53 „Respekt“-Kandidaten.

Sichtbarer Auftakt dieser Fortsetzung des „Respekt“-Projekts, das die Fresenia-Loge in Zusammenarbeit mit dem Jeverschen Wochenblatt und der Koordinierungsstelle „Älter werden“ des Landkreises Friesland seit mehr als eineinhalb Jahren vorangetrieben hat, wird ein Großformat-Banner mit dem Titelbild des neuen Buches sein. Das zwei mal drei Meter große Poster wird an diesem Sonnabend am Gebäude der „Spiel-Welt“ am Alten Markt aufgehängt. Es weist auf die Ausstellung hin, die vom 18. März an für einen Monat in zahlreichen jeverschen Geschäften zu sehen sein wird. Die mehr als 50 Porträtaufnahmen, die die Fotografin Sigrid Kasdorf im Laufe eines Jahres von Menschen ab 75 gemacht hat, werden als großformatige Abzüge, versehen mit Sinnsprüchen, in den Ladenräumen präsentiert.

Am kommenden Freitag wird dann das Buch „Respekt“ vorgestellt, das die Bilder und Texte der Serie  zusammenfasst. An der Präsentation des Werkes im „Schützenhof“ nehmen fast alle der Porträtierten teil. Als Ehrengast und Festredner hat der Präsident der Deutschen Roten Kreuzes, Bundesminister a.D. Dr. Rudolf Seiters, zugesagt.

Der Papst, der Rücktritt, der Tod und ich

Von Helmut Burlager

Ich persönlich finde es ja sympathisch, wenn ein Papst zurücktritt statt zu sterben. Obwohl mir der Tod von Päpsten beruflich mehr Vorteile verschafft hat, als es ein Rücktritt je könnte. So ein Rücktritt wie der von unserem Papst Benedikt ist schnell in der Welt, vom Vatikan bekanntgegeben, von den Agenturen verkündet, von Millionen per Twitter und Facebook kommentiert, noch bevor der Papst sich zum Mittagsschlaf gelegt hat. Keine Chance auf Exklusivität.

Das war 1978 ganz anders, als ich Jungredakteur beim Jeverschen Wochenblatt war, einer Tageszeitung, die damals noch mittags erschien. Redaktionsschluss war gegen zwölf Uhr, und da die beiden Mitbewerber als Morgenblätter herauskamen, eröffnete die ungewöhnliche Andruckzeit die Möglichkeit, aktuelle Ereignisse aus der Nacht und vom Morgen exklusiv und blitzschnell zu drucken.

Zu den Aufgaben des jüngsten Redakteurs gehörte es, den dpa-Ticker abzureißen, also die Endlosfahne von aktuellen Nachrichten in handliche Stücke zu zerschnippeln und dem Chefredakteur vorzulegen. Am 6. August 1978 stand ich also, den Schlaf noch in den Augen, früh morgens am Fernschreiber und hörte plötzlich die Alarmklingel für Eilmeldungen schellen. Die Schriftfarbe des Nachrichtenstranges wechselte von schwarz auf rot, und die Agentur meldete, der Papst sei gestorben. Mittags konnten unser Blatt exklusiv und mit einem Archivbild verkünden, dass Paul der Sechste das Zeitliche gesegnet habe. Die Welt war erschüttert, Jevers katholischer Pastor samt seiner Schäfchen tief traurig, wir aber freuten uns über den Scoop.

Es war nur wenige Wochen später, wieder früh morgens, wieder Dienst am Ticker, der einschläfernd vor sich hin ratterte, als erneut die Alarmglocke klingelte. „Eil + Eil + Eil + Papst Johannes Paul I. gestorben“. Nun funktionierten Fernschreiber damals so, dass Meldungen auf Lochstreifen geschrieben wurden, die Lochstreifen wurden in einen Lochstreifenleser gelegt, der aus der Abfolge gestanzter Löcher elektrische Signale machte und sie an die Fernschreiber auf der anderen Seite der Leitung schickte. Da konnte schon mal vorkommen, dass ein ebenfalls müder Agenturjournalist den falschen Lochstreifen griff und veraltete Nachrichten verbreitete. Meist folgte kurz darauf ein Rückruf. Der erste Verdacht bei dieser unwahrscheinlichen Meldung lautete also: Versehen bei der Agentur. Der zweite Impuls war, das Radio einzuschalten und Nachrichten zu hören. Der dritte Gedanke: Wenn das stimmt, wo kriegen wir ein Foto her? Der Papst war so frisch im Amt, dass das Archiv der Lokalzeitung überhaupt nichts hergab.

Die Agentur bestätigte den Tod des 33-Tage-Papstes nach wenigen Minuten, die Recherche für einen schnell geschriebenen Nachruf war kein Problem – wir hatten ja gerade erst über die Wahl und Amtseinführung des neuen Papstes berichtet. Aber das Foto…

Gegen 8 Uhr morgens traute ich mich, beim örtlichen katholischen Pfarrer anzurufen. „Herr Pastor Westendorf, Sie haben sicher schon gehört, dass der Papst gestorben ist …“. Der Pfarrer reagierte etwas unwirsch auf die morgendliche Störung. „Das ist sechs Wochen her, und da rufen Sie mich jetzt an?“ „Nein, Herr Westendorf, es tut mir Leid, es geht nicht um den alten, Papst, der neue ist heute Nacht gestorben.“ Man hätte die Todesnachricht zugegebenermaßen gefühlvoller überbringen können. Eine halbe Stunde später fand ich im Pfarrhaus einen am Boden zerstörten Priester vor, der aber in der Zwischenzeit eine katholische Zeitschrift herausgesucht hatte, deren Titelbild den neuen, nun auch schon wieder toten Papst zeigte. Dankbar nahm ich das Heft an mich, hastete damit ins Verlagshaus, die Treppe hinauf in die Setzerei, wo der Techniker das Bild auf den Klischografen spannte, um eine Druckvorlage herzustellen. Mittags meldete das Wochenblatt exklusiv den Tod des Papstes. Twitter und Facebook gab’s noch nicht. Dafür gibt’s heute keine Mittagszeitungen mehr.

Klamotten, die man länger als ein Jahr nicht getragen hat, sollte man in die Altkleidersammlung geben, man zieht sie sowieso nicht wieder an. Aber woher weiß ich, welche Sachen wie lange schon  unbenutzt auf dem Bügel hängen? Als beim Aufräumen des Kleiderschranks unverhofft ein rostiges Markstück aus einer Hosentasche fällt, ist die Sache jedenfalls klar …

Jeversches Wochenblatt

Als Kind im Lande des Erbfeinds

Von Helmut Burlager

Zu den Dingen, die mir aus meiner frühesten Kindheit in Erinnerung geblieben sind, gehört das alte Nordmende-Röhrenradio meines Großvaters, das auf einem Bord über seinem Lehnstuhl stand. Er saß dort mit dem Ohr am Lautsprecher und der Hand am rechten Drehknopf, auf der Suche nach Kurz-, Mittel- und Langwellenstationen. Und dann lauschte er den rauschenden und knisternden Sendern.

Sobald ich lesen konnte, studierte ich die fremdartig klingenden Namen der Städte, die auf der von hinten beleuchteten Skala aufgeführt waren, Beromünster, Hilversum, Bruxelles, Dunkerque. „Dünkirchen“, sagte mein Großvater, „das ist Dünkirchen, das ist weit weg, in Frankreich.“ Er war im Krieg dort gewesen.

Der erste Ausländer, den ich näher kennenlernte und der mein Jugendfreund wurde, hieß Jean-Marie, er kam aus Dünkirchen. Wir waren dreizehn oder vierzehn, er war wie ich Eisenbahnerkind aus einfachen Verhältnissen, er sprach anfangs so schlecht Deutsch wie ich Französisch, und wir trafen uns auf einer internationalen Jugendfreizeit des Bundesbahnsozialwerks. Eisenbahnerkinder durften damals umsonst durch Europa fahren, und so haben wir uns ein paar Jahre lang Sommer für Sommer gegenseitig besucht.

Aus dem armseligen Ostfriesland der sechziger Jahre kam ich also mit dem Zug ins noch armseligere Nordfrankreich, die Familie von Jean-Marie nahm mich freundlich auf. Sie gaben mir Miesmuscheln zu essen und Artischocken, ich durfte Roséwein trinken und am Pastis nippen, der nach Lakritz schmeckte. Es war herrlich.

Merkwürdig waren nur die Ausflugsziele. Sie fuhren mit mir an die Küste und zeigten mir, wo die Alliierten gelandet waren. Zur Gedenkstätte für die gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkriegs. Trafen wir unterwegs oder in der Stadt Bekannte der Familie, so sprachen sie über mich, den kleinen „Boche“. Ich begriff nicht viel, nur dies: Sie strichen mir übers Haar und staunten, dass so ein kleiner, blonder und unschuldig dreinblickender „Allemand“ sich nach Nordfrankreich traute. Und dass er so vollkommen ungefährlich aussah.

Abends, zu Hause, erzählte der Vater voller Stolz heroische Geschichten von Krieg und Widerstand. Jean-Marie verdrehte die Augen. Wenn wir seine Freunde trafen, sprachen wir nicht über Krieg, sondern über Musik und Comics und die Unterschiede zwischen französischen und deutschen Mädchen. Soweit wir diese schon beurteilen konnten.

Jean-Marie habe ich später aus den Augen verloren, selbst das Internet hat uns nicht wieder zusammengebracht. Was geblieben ist, ist meine Zuneigung zu einem Land, von dem man meinem Großvater noch erzählt hat, dort lebe der „Erbfeind“, gegen den er ins Feld ziehen müsse. Wenn ich in diesem Sommer wieder hinfahre, fahre ich zu Freunden.

 

22. Januar 2013. 50 Jahre Elysée-Vertrag. Der Beitrag erschien erstmals 2009 im Jeverschen Wochenblatt

 

Leserdank

Wahlabend in Niedersachsen, die Redaktion hat bis kurz vor Mitternacht unter Hochdruck gearbeitet, es war wieder mal super-hektisch. Kurz vor Schluss noch schnell ein paar Beiträge ins Internet gestellt, als kostenlosen Service für Abonnenten und Nicht-Abonnenten. Da flutscht ein Artikel durch, der in Eile heruntergeschrieben und noch nicht korrigiert ist, steht über Nacht im Netz. Morgens kommt man müde, doch ziemlich zufrieden an den Schreibtisch. Wahlabende sind anstrengend, aber spannend, und wenn man dann noch alle Ergebnisse einigermaßen fehlerfrei ins Blatt gebracht hat …

Das erste, was ich lese, ist ein Kommentar eines angeblichen „Kollegen“ unter dem unkorrigierten Online-Artikel. Der Mann belohnt die ganze Mühe des Vorabends mit dem Satz: „liebe redaktion, auch wenn die wahlen sich erst sehr spät entschieden haben: achtet doch bitte etwas auf eure sprache.“

Vielen Dank, das brauchten wir jetzt!

Reicht

Da gibt es einen ziemlich klaren Grundsatz: Anonyme Briefe und Mails an Zeitungsredaktionen wandern in den Papierkorb. Man kann keine Meinung veröffentlichen, zu der der Einsender nicht mal mit seinem Namen stehen mag. Es kommen viele solcher Briefe an. Mal sind sie einfach nur nicht unterschrieben, mal unterzeichnet von Herrn „Ein empörter Bürger“, mal ist der Name des Absenders ausgedacht, die Adresse erfunden. Manchmal muss der Redakteur zweimal hinschauen. Der Wutbrief, den neulich  jemand per E-Mail schickte, war unterschrieben von: S. Reicht.

Sonntagslektüre

Das Schönste an einem Sonntag ist doch, bei einem Stück guter Literatur zu entspannen. Bei Sätzen wie diesen fliegen die Gedanken davon: „Die Lohnsteuerkarte 2010 verliert wegen des generellen Wegfalls der Papier-Lohnsteuerkarte grundsätzlich ihre übergangsweise Gültigkeit mit Ablauf des Jahres 2012. Ab 2013 gelten vorrangig die „elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale“ (ELStAM) die von der Finanzverwaltung für alle Arbeitgeber bereit gestellt werden. Die Zuordnung der ELStAM-Daten zu den Steuerpflichtigen erfolgt zukünftig ausschließlich über die steuerliche Identifikationsnummer (IdNr.). Der beigefügte Ausdruck beinhaltet die vom Gesetzgeber so bezeichnte eTIN (electronic Taxpayer Identification Number : elektronische Idenfikations-Nummer für Steuerzahler), die als Ordnungsmerkmal in der Finanzverwaltung eingeführt wurde und von Ihnen in Ihrer Steuererklärung angegeben werden muss. Ich empfehle, den beigefügten Ausdruck als Nachweis sorgfältig aufzubewahren“.

Ein überflüssiger Hinweis. Ich habe noch nie ein gutes Stück Literatur weggeworfen.

Die Nacht der Nächte in Jever

Püttbier bei der "Melkenklamppütt" in Jever mit Püttmeisterin Käthe Blumenthal, ihrem Nachfolger Dieter Lübben  und Gastgeber Otto Meents. Foto: Helmut Burlager
Püttbier bei der „Melkenklamppütt“ in Jever mit Püttmeisterin Käthe Blumenthal, ihrem Nachfolger Dieter Lübben und Gastgeber Otto Meents. Foto: Helmut Burlager

Die Stadt Jever wirkt heute morgen ein bisschen verkatert, in der Stadt wurde in der vergangenen Nacht „Püttbier“ gefeiert, ein Traditionsfest der fast 30 Brunnengemeinschaften, die teilweise mehrere Jahrhunderte alt sind und sich alljährlich am Montag nach Heilige Drei Könige zur Rechnungslegung und Neuwahl des Püttmeisters zusammenfinden. Die Wasserprobe gehört dazu, und natürlich wird sie mit Feuerwasser vollzogen.

Mehr über das Püttbier 

Eine Bildergalerie gibt’s beim Jeverschen Wochenblatt und hier den aktuellen Bericht

Rezept

Gestern war der Geburtstag von Konrad Adenauer. Der „Alte von Rhöndorf“ war ja ein bisschen sperrig, aber man kann von ihm lernen. Beispielsweise, dass man nicht immer nur nett sein darf. „Machen Sie sich erst einmal unbeliebt“, hat er gesagt. „Dann werden Sie auch ernst genommen!“