Tag 326 | Respekt

Fast zwei Jahre sind vergangen, seit unsere preisgekrönte Zeitungsserie „Respekt“ zu Ende ging. Die Porträts von 53 alten Menschen aus dem Jeverland sind anschließend als Buch erschienen. Die Auflage ist inzwischen nahezu vergriffen. Es liegt in der Natur der Sache, dass, wenn man über so viele betagte und hochbetagte Menschen schreibt, nach einiger Zeit die ersten nicht mehr am Leben sind. Das „Respekt“-Team ist jedesmal traurig, wenn es Todesanzeigen von den bemerkenswerten Männern und Frauen liest, die in der Serie aus ihrem Leben berichtet haben. In den vergangenen Tagen sind wieder zwei der Porträtierten gestorben, die mir persönlich besonders nah standen, die eine familiär, der andere beruflich. Hier kann man die Lebensgeschichten der beiden noch einmal nachlesen:

Gerdine Rogalla – „Was Vater sagte, war Gesetz“

Gerdine Rogalla (Foto: Sigrid Kasdorf)
Gerdine Rogalla (Foto: Sigrid Kasdorf)

Heinz Hinrichs – „Ich kannte jede Schraube“

Heinz Hinichs (Foto: Sigrid Kasdorf)
Heinz Hinrichs (Foto: Sigrid Kasdorf)

Tag 323 | Wir und ihr

„Journalisten müssen oft vereinfachen, um komplizierte Sachverhalte für Mediennutzer kurz und verständlich darzustellen. Manchmal führt das zu einem Dilemma: Wie beschreibe ich die Gruppe, der ich zugehöre? Wie beschreibe ich die Anderen …?“
2013 sind auf Initiative der »Neuen deutschen Medienmacher« bundesweite Vertreterinnen und Vertreter von Medien, Wissenschaft und Verwaltung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zusammengekommen und haben Begriffe diskutiert und Definitionen abgeglichen. Daraus wurde Glossar „Formulierungshilfen für die Berichterstattung im Einwanderungsland“. Von „Afrodeutsche“ bis „Zuwanderer“ sind darin Begriffe zu den Themen „Wer sind wir – wer sind die Anderen?“, Islam, Kriminalitätsberichterstattung, Migration und Asyl erläutert und bewertet.

Tag 322 | Toleranz

Ist diese ARD-Themenwoche Toleranz denn nötig? Wir sind doch alle so tolerant. Sollte man meinen. Da hat der Tanzclub „Capitol“ in Bremerhaven denn auch glatt abgestritten, dass er einem lesbischen Paar, das Tanzen lernen wollte, die Tür gewiesen hat. Inzwischen aber haben sich weitere Paare gemeldet, denen das Gleiche widerfahren ist. Originell die Begründung, die der stellvertretende Vorsitzende des „Capitol“ einem lesbischen Paar genannt haben soll: „Wir bringen einer Frau keine Männerschritte bei!“ Na denn…

Nordsee-Zeitung

Tag 321 | Abstand

„Und führe mich nicht in Versuchung“ – je weiter ein Radfahrer sich freiwillig rechts an den Fahrbahnrand quetscht, desto eher bringt er Autofahrer dazu, ihn zu überholen, auch wenn der Platz dafür eigentlich nicht ausreicht. Der Radfahrer, der ziemlich weit in der Mitte der Fahrbahn fährt, mag zwar den einen oder anderen Autofahrer ärgern. In Wirklichkeit hilft er ihm aber, unfallfrei durchs Leben zu kommen. Sagt der Autor dieses interessanten Artikels im Blog Alle Macht den Rädern

Tag 315 | Geteilt

Passierschein für den Übertritt vom griechischen in den türkischen Teil der geteilten zyprischen Hauptstadt Nikosia. Foto: Helmut Burlager
Passierschein für den Übertritt vom griechischen in den türkischen Teil der geteilten zyprischen Hauptstadt Nikosia.
Foto: Helmut Burlager

Nach 25 Jahren bin ich vor wenigen Tagen wieder in einer geteilten Hauptstadt gewesen: in Nikosia. Um vom griechisch-zyprischen Südtteil der Stadt in den türkischen Norden zu kommen, muss man durch die Ausweiskontrolle und bekommt einen Passierschein, der bei der „Wiedereinreise“ erneut kontrolliert wird – wie einst in Berlin beim Wechsel von der Bundesrepublik in die DDR und zurück. Die Kontrollen sind allerdings lax. Nikosia ist die Hauptstadt der Republik Zypern und zugleich Hauptstadt der Türkischen Republik Nordzypern, die 1974 nach dem Einmarsch der türkischen Streitkräfte faktisch entstand und 1983 offiziell ausgerufen, bis heute aber von der internationalen Staatengemeinschaft nicht anerkannt worden ist. Die Stadt wird durch eine Grüne Linie (Green Line) geteilt. Friedenstruppen der Vereinten Nationen, die United Peacekeeping Forces in Cyprus (UNFICYP), bewachen die in der Stadt nur meist wenige Meter breite Pufferzone zwischen den beiden Teilen Zyperns. Mehrere hundert Soldaten aus zahlreichen Ländern sind auf Zypern zur Friedenssicherung im Einsatz, obwohl es schon seit Langem nicht mehr zu gewalttätigen Konflikten gekommen ist und die Grenze im Prinzip durchlässig ist – bis auf besagte Personenkontrollen.

Tag 313 | Mauerfall

Und weil ja heute jeder erzählen muss, was er vor genau 25 Jahren gemacht hat, als abends die Mauer fiel: Ich saß drüben und konnte nicht rüber. Habe nur im Fernsehen staunend und ungläubig verfolgt, was sich auf der anderen Seite tat. Auf der anderen Seite des Wassers. Ich war mit meinem damals sechsjährigen jüngsten Sohn im Kurzurlaub in einer Ferienwohnung auf Wangerooge. An Spaziergänge und Inselwanderungen war am nächsten Tag nicht mehr zu denken. Ich hing nur noch vor der Glotze, wie die meisten, die nicht in unmittelbarer Nähe zur innerdeutschen Grenze lebten. Vergessen wird man diese Tage nie.