Der Bundespräsident und die Bürgermeister

Von Helmut Burlager

Natürlich bekommt jeder Chefredakteur Anrufe von Politikern, die wegen eines Berichts oder eines Kommentars sauer sind. Sonst würden er und seine Leute ja was falsch machen. Wenn sich nie ein Politiker über die Zeitung aufregt, ist die Zeitung nicht kritisch und distanziert genug.

Chefredakteure gehen, wenn sie Charakter und Berufsethos haben, auf solche Beschwerdeanrufe nicht ein, sofern die Kollegen sauber recherchiert, die Betroffenen angehört und die Sachverhalte korrekt dargestellt haben. Gibt es begründete Beschwerden über einen Beitrag, dann wird der Verfasser befragt, werden die Fakten gegebenenfalls noch einmal geprüft, im ungünstigeren Fall muss mit einer Richtigstellung oder einer Entschuldigung reagiert werden. Das kommt vor.

Es kommt, allerdings sehr, sehr selten, auch vor, dass von einer Berichterstattung Betroffene im Vorfeld versuchen, einen unbequemen Beitrag zu verhindern. Ein Chefredakteur, der sich darauf einließe, ebenso ein Verlagsleiter oder Verleger, der dem nachgäbe, hätte komplett versagt. Ein Politiker, der so etwas versuchen würde, ebenfalls. Ein guter Politiker weiß das auch. Deshalb versuchen es auch nicht viele. In meiner mehr als 35-jährigen Laufbahn ist das noch nicht vorgekommen, und ich habe in meinem kollegialen Umfeld hier im Nordwesten selten davon gehört.

Was mich nun in diesen Tagen ärgert, ist neben der Causa Wulff vor allem die Art und Weise, wie große Medien darüber berichten. So sagte der stellvertretende Chefredakteur der „taz“, Rainer Metzger, in einem Interview mit dem Heute-Journal am Montag, 2. Januar 2012, über Wulff: „Worum geht es ihm eigentlich? Er denkt, er kann da einfach Einfluss ausüben, mit einem Telefonat bei einer so großen Zeitung. Das ist keine Lokalzeitung.“

Und ähnlich hat sich laut Deutschlandfunk eine bekannte Journalistin der Süddeutschen Zeitung geäußert: „’Die Symbiose zwischen Medien und Politikern sei enger geworden. Aber es sei außergewöhnlich, dass ein Bundespräsident sich so benimmt‘, sagt die SZ-Journalistin Franziska Augstein. Das kenne man von Lokalpolitikern und von wütenden Rumpelstilzchen wie dem französischen Präsidenten Sarkozy.“ Und so ähnlich argumentieren auch andere.

Nun hat man bei der taz und der Süddeutschen im besseren Falle Vorstellungen von der Arbeit bei einer Lokalzeitung, die sich nicht ganz mit der Realität decken. Im schlimmeren Fall ist es Arroganz. Es macht nämlich überhaupt keinen Unterschied, ob ein Lokalpolitiker oder ein Bundes-Promi versucht, missliebige Berichterstattung zu unterbinden, und es sollte genauso gleichgültig sein, ob er sich dabei an die Verlegerin der „Bild“ wendet oder an die einer kleinen Provinzzeitung. Denn Pressefreiheit unterscheidet nicht  zwischen groß und klein, bedeutend oder unbedeutend. Und gute Journalisten und Verleger lassen sich nirgendwo in der Bundesrepublik einschüchtern, egal ob da der Bundespräsident anruft oder der Bürgermeister.

„Bild dir deine Meinung“ mit der Süddeutschen

„Bild dir deine Meinung“ mit der Süddeutschen.

via„Bild dir deine Meinung“ mit der Süddeutschen.

Ein Beitrag von Heinz-Peter Tjaden  zur Frage, warum eigentlich die Süddeutsche und nicht Bild über einen merkwürdigen Anruf des Bundespräsidenten berichtete. Plausibel…

Das Friesenblog-Weihnachts-Bilderrätsel

Da rechnet man stündlich mit dem Rücktritt des Bundespräsidenten und sucht schon mal Archivbilder raus. Und dann kündigt er uns vertrauensvolle Zusammenarbeit auch 2012 an. Na schön. Und was mache ich nun mit dem Bild? Ein Bilderrätsel vielleicht? Der erste, der dem Friesenblog alle sechs Personen auf diesem Bild in der richtigen Reihenfolge von links nach rechts mit vollem Namen benennen kann, der kriegt von mir, der kriegt, na was kriegt er denn? Ich werde mir was einfallen lassen. Also: Einfach eine Mail an friesenblogger@googlemail.com und her mit den Namen.

Und ansonsten: Ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr wünscht

der FRIESENBLOG

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P.S.: Das Bild entstand am 11. April 1994 in Waddewarden. Da hatte jemand Geburtstag…

P.P.S.: Na gut, ich gebe mich auch mit Teilergebnissen zufrieden. Mal sehen, wer die meisten Personen auf dem Bild benennen kann …

Wir Griechen

Was zeigen wir im Moment gern mit dem Finger auf die Griechen, von denen gefühlte 60 Prozent im Staatsdienst sind und die anderen 40 Prozent in Rente. Und wenn sie nicht gerade streiken, sitzen sie in den Cafés und schimpfen über den Staat und über Europa. In Deutschland ist alles ganz anders, da arbeiten alle fleißig, sind bescheiden und meckern nicht… Die ganze Geschichte hier: Die Samstagskolumne im Wochenblatt

Schlechte Aussichten für Ghanas Fischer

Ghana751 Die “taz” berichtet unter der Überschrift “Das Sha-ba-do-ga verstummt” über die Probleme der Fischer in Ghana: “Die Zeiten sind schwerer geworden für die Fischer. Immer weiter müssen sie rausfahren, immer weniger fangen sie. Schuld sind die Trawler, die sich im Golf von Guinea tummeln. Mit ihren Schleppnetzen plündern sie die Fischgründe und zerstören so die Lebensgrundlage der Kleinfischer.”

Foto: Fischer in Cape Coast, Ghana. © Helmut Burlager

Der ganze Beitrag auf taz.de ist hier nachzulesen: Zum Artikel

Jahre des Donners

Ein neues Buch über den Mythos “Starfighter”

2348 Bild KropfDrei Jahrzehnte lang bildete ein Flugzeug das Rückgrat der Deutschen Luftwaffe, das so umstritten war wie kein anderes. Für die Öffentlichkeit war die Lockheed F-104, besser bekannt als „Starfighter“, ein Skandalvogel, nicht nur wegen der nach Bestechung riechenden Umstände der Beschaffung des Waffensystems, sondern vielmehr wegen einer schrecklichen Absturzserie.

Von 916 Maschinen, die die junge Luftwaffe Anfang der sechziger Jahre beschaffte, stürzten im Laufe der Jahre 292 ab, 116 Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben. Gleichzeitig war der Kampfjet, der als Bomber, Jäger und Aufklärer eingesetzt wurde, ein Flieger mit herausragenden Flugeigenschaften – eigentlich eher eine bemannte Rakete als ein Flugzeug im klassischen Sinne.

Foto_Autor_Max Der Ex-Flugzeugführer Hannsdieter Loy, mit 1500 Flugstunden auf der F-104 ein erfahrener Starfighter-Pilot und heute als Schriftsteller in Rosenheim lebend, hat jetzt ein Buch geschrieben, in dem er – in Romanform – mit dem Mythos Starfighter aufräumt. Loy (links im Bild mit Hund Max“) zieht das Resümee: Nicht das Flugzeug war ein Skandal, sondern die Art und Weise, wie es in die Luftwaffe eingeführt wurde. „Fehler im System“ nennt Loy in seiner Abrechnung „Jahre des Donners“ als Hauptgrund für die tödliche Serie. Zum Bericht

Justizministerin für Stärkung der Pressefreiheit

Würzburg, 7.11.2011 / DJV – Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat am heutigen Montag auf dem Verbandstag des Deutschen Journalisten-Verbands in Würzburg die zahlreichen Verstöße gegen die Pressefreiheit in aller Welt verurteilt. Sie forderte einen stärkeren Einsatz für die freie Presse und betonte die wichtige Rolle der Medien bei der Aufdeckung von Skandalen: „Die Medien sind die wichtige vierte Gewalt in Deutschland.“ Die Politik müsse die rechtlichen Rahmenbedingungen für die freie Presse schaffen. „Der Staat darf nicht einmal den Eindruck erwecken, Journalisten von kritischer Recherche abhalten zu wollen.“

Vehement setzte sich Leutheusser-Schnarrenberger für den Gesetzentwurf ihres Ministeriums zur Stärkung der Pressefreiheit ein. Nur so seien Durchsuchungen und Beschlagnahmen bei Journalisten auf Dauer zu verhindern. Sie zeigte sich zuversichtlich, dass die Koalition im kommenden Frühjahr dem Gesetz zustimmen werde. Eine klare Absage erteilte sie hingegen gesetzlich verordneten Netzsperren.

Die Justizministerin wiederholte in Würzburg ihre Kritik an einer anlasslosen Vorratsdatenspeicherung. So lange die Überprüfung der Datenspeicherung auf europäischer Ebene nicht abgeschlossen sei, müsse Deutschland mit einer isolierten Gesetzgebung warten.

Leutheusser-Schnarrenberger unterstützte im Zusammenhang mit dem Einsatz des so genannten Bundestrojaners die Forderung des DJV nach einer lückenlosen Aufklärung. „Wir müssen politisch diskutieren, ob sich diese Technik auf den Zweck ihres Einsatzes begrenzen lässt.“

DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken forderte nach ihrer Rede die Bundesjustizministerin auf, in der Koalition weiterhin für die Pressefreiheit zu streiten.

Pressemitteilung des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) vom 7. November 2011

Von der Kanzel in den Bundestag und zurück

Porträt eines Aussteigers: Ein interessanter kurzer Beitrag im MDR über den früheren Staatsekretär Ulrich Kasparick, der nach einer Auszeit wieder seinem alten Beruf als Pfarrer nachgeht (aufs Bild klicken):

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Ulrich Kasparick engagiert sich für Armutsbekämpfung durch Mikrofinanz und ist Schirmherr von Opportunity International Deutschland

Reporter ohne Grenzen: Maikel Nabil Sanad freilassen

Ägyptischer Blogger im Hungerstreik

Hamburg / 6.9.2011 – Reporter ohne Grenzen (ROG) wiederholt seine Forderung nach einer umgehenden, bedingungslosen Freilassung des ägyptischen Bloggers Maikel Nabil Sanad. Der Gesundheitszustand des inhaftierten Cyberdissidenten ist äußerst besorgniserregend, nachdem Sanad am 23. August 2011 in den Hungerstreik getreten war.

Mittlerweile wurde Sanad in das Krankenhaus des El-Marg-Gefängnis von Kairo verlegt und ihm wurde Glukose zugeführt. Der 25-Jährige verweigert allerdings weiter die Einnahme von Medikamenten, die er wegen seiner Herzkrankheit nehmen muss. Er kündigte zudem an, erneut in den Hungerstreik treten zu wollen, um den Protest gegen seine unrechtmäßige Gefängnisstrafe fortzusetzen.
Für den aktuellen kritischen Gesundheitszustand von Sanad macht ROG den Obersten Rat der ägyptischen Streitkräfte verantwortlich: „Auch wenn der Hungerstreik eine persönliche Entscheidung des Bloggers ist, so sind die Behörden doch für die Ursache seines Protestes verantwortlich: für die unrechtmäßige und antidemokratische politische Inhaftierung“, so ROG-Generalsekretär Jean-François Julliard.

Der 25-jährige Sanad gilt als erster politischer Gefangener seit Beginn der ägyptischen Revolution. Er wurde am 28. März 2011 verhaftet, nachdem er in seinem Blog Kritik an der Armee geübt hatte. Er warf dem Militär unter anderem vor, während der Revolution an Verhaftung und Folter von Demonstranten beteiligt gewesen zu sein.

Dafür musste sich der Blogger und Kriegsdienstverweigerer vor einem Militärgericht verantworten. Am 10. April wurde er wegen Verunglimpfung der Armee, Verbreitung falscher Informationen und Störung der öffentlichen Ordnung zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Der Prozess fand in Abwesenheit der Rechtsanwältin des Bloggers statt. Eine Berufung wurde ausgeschlossen.

ROG kritisierte seinerzeit die Art des Verfahrens gegen Sanad: Nach eigenem Bekunden strebt die ägyptische Übergangsregierung den Aufbau einer demokratischen Gesellschaft an. Es widerspreche aber demokratischen Standards, wenn Zivilisten vor ein Militärgericht gestellt würden, so ROG. Es müsse außerdem möglich sein, die Armee wie jede andere Institution des Staates zu kritisieren.

Noch könnten die ägyptischen Behörden verhindern, dass der Blogger zum Symbol eines repressiven „post-Mubarak“-Ägypten werde, so Julliard. Die Entlassung von Sanad wäre gleichfalls eine wichtige symbolische Geste gegenüber der internationalen Staatengemeinschaft.

Wieske: Pressekodex dient fairem Journalismus

Berlin – Der Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Lokalzeitungen, Martin Wieske, hat Kritik der Springer-Presse am Deutschen Presserat zurückgewiesen. „Die Zeitungen sind gut beraten, sich auch weiterhin an den Regeln des Deutschen Presserates zu orientieren“, sagte Martin Wieske in Berlin.

Die freiwillige Selbstkontrolle und der Pressekodex seien von den deutschen Zeitungen und Zeitschriften seit Jahrzehnten anerkannt und dienten einem fairen Journalismus, heißt es in einer Mitteilung des VDL. Natürlich unterliege auch der Pressekodex in einer sich ständig ändernden Medienwelt hin und wieder einer Überprüfung. Und sicher könne es bei der Bewertung von Veröffentlichungen auch in Einzelfällen mal zu unterschiedlichen Auffassungen kommen.

Es gebe aber keinen Anlass, die ethischen Grundsätze grundsätzlich und bewusst in Frage zu stellen und die Öffentlichkeit auch noch dagegen aufzuwiegeln, wie kürzlich in der „Bild“-Zeitung geschehen. „Wir sollten aufpassen, dass die gesamten Branche auf diese Weise keinen Schaden nimmt“, so der VDL-Geschäftsführer.