Überraschend hat das Niedersächsische Innenministerium Jever, das Wangerland und Schortens als mögliche Kandidaten für eine Gemeindefusion genannt. Was ist dran? Darüber berichtet das Jeversche Wochenblatt in seiner Mittwochausgabe. Konkrete Fusionspläne gibt es wohl nicht, aber immerhin Gespräche zwischen Jever und dem Wangerland, und einen Termin mit dem Ministerium. Mehr dazu: zum Wochenblatt-Artikel
Kategorie: Jever
Zum Abschied ein Orden erster Klasse
Dr. Karl Harms wurde als Präsident der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer verabschiedet
David McAllister verlieh im das Niedersächsische Verdienstkreuz
Oldenburg/Jever/HBU – Nach neun Jahren als Präsident der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer ist Dr. Karl Harms aus Jever am Mittwochabend (12. Januar 2011) beim Neujahrsempfang der IHK aus seinem Amt verabschiedet worden. Zugleich wurde ihm eine der bedeutendsten Ehrungen zuteil, die das Land Niedersachsen zu vergeben hat. Ministerpräsident David McAllister höchstpersönlich überreichte dem IHK-Chef das Verdienstkreuz Erster Klasse des Niedersächsischen Verdienstordens.
Vor rund 850 Gästen des Neujahrsempfangs in der Oldenburger Weser-Ems-Halle würdigte McAllister den Unternehmer als „eine Persönlichkeit, die beruflichen Erfolg und ehrenamtliches Engagement miteinander verbunden hat.“ Auf beeindruckende Weise habe Dr. Harms nicht nur seine Unternehmen aufgebaut, sondern sich auch um berufsständische Belange in Handel und Industrie gekümmert. Besonders ging der Ministerpräsident auf den Einsatz für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur des Nordwestens, für die Stärkung der Innenstädte sowie für die Ausbildung ein, die Harms „ein Herzensanliegen“ sei. Dr. Harms nahm den Orden unter stehenden Ovationen der Gäste entgegen und versprach, sich weiter für Region und Wirtschaft einzusetzen.
Seine Abschiedsrede stellte er unter das Motto „Kurs halten“ und verlangte dies auch von der Politik, „damit wir unsere bedeutenden Projekte weiter befördern können“. An erster Stelle nannte er den Jade-Weser-Port, der 2012 in Betrieb gehen wird und eine gute Hinterlandanbindung brauche. „Wir zählen bei diesen Infrastrukturprojekten auf Ihre Unterstützung“, wandte er sich direkt an McAllister und den Wirtschaftsminister Jörg Bode. Die Belange der Industrie dürften nicht verkannt, rechtmäßig vorbereitete Projekte nicht durch opportunistische Skeptiker und überfrachtete Planungsgesetze verhindert werden.
IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Peters dankte Harms für sein „fast grenzenloses Engagement für die regionale Wirtschaft“. Harms seinerseits bedankte sich bei allen Partnern für die langjährige gute Zusammenarbeit. „Wir waren ein kraftvolles Gespann.“
Dr. Karl Harms ist Unternehmer in Jever, Inhaber der Firma Certus Warensicherungssysteme, Investor des neuen Altstadtquartiers in Jever. Er ist Schirmherr von Opportunity International Deutschland, einer Nichtregierungsorganisation, die in Entwicklungsländern Mikrokredite vergibt. Opportunity International
Quelle: Jeversches Wochenblatt / Friesisches Tageblatt vom 13. Januar 2010
Auch 2011: Moin in Ostfriesland
Kostenloser Reiseführer stellt die Region zwischen Dollart und Jadebusen vor
Auf 85 Seiten präsentiert die Neuauflage des kostenlosen Reisemagazins „Ostfriesland – Der Reiseführer 2011“ wieder die gesamte ostfriesische Halbinsel. Ob für Familien, Radfahrer oder Kulturinteressierte – eine bunte Mischung aus Altbewährtem und Neuem informiert Gäste über die schönsten Ecken der Region und gibt Insider-Tipps zu verschiedenen Themen. Ein ausführlicher Serviceteil informiert zu An- und Abreise sowie zur Unterkunftssuche. Gleichzeitig hilft eine detaillierte Karte dem Gast, sich in der Region zurechtzufinden. Das Magazin unterstützt den Gast sowohl bei der Urlaubsplanung als auch direkt vor Ort.
„Jedes Jahr sind wir begeistert, wie viele originelle Veranstaltungen und Ausflugsziele die Eigenarten Ostfrieslands, also das ganz besondere und typische Ostfriesland, für unsere Gäste erlebbar machen“, berichtet Kurt Radtke, Geschäftsführer der Ostfriesland Tourismus GmbH. Ob eine der vielen Veranstaltungen rund um das Thema Garten & Lebensart in den imposanten Ostfriesischen Schlössern und Schlossparks, Ostfriesensportarten wie Boßeln oder Padstockspringen oder Erlebnisse im UNESCO Weltnaturerbe, wie das Schollenbraten im Watt, viele Tipps im Magazin zeigen das Ostfriesland abseits der bekannten Touristenpfade.
Für jede Neuauflage recherchiert das Team der Ostfriesland Tourismus GmbH zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen der örtlichen Tourismusstellen die besonderen Urlaubserlebnisse. Zu jedem Thema wird dabei eine Auswahl der vorgestellten Angebote vorgenommen. Eine komplette Übersicht aller Angebote eines Themenbereichs ist auf der Internetseite www.ostfriesland.de abrufbar.
Das Magazin „Ostfriesland – Der Reiseführer 2010“ kann ganz praktisch über die Telefon-Nummer 0491 – 91 96 96 60 oder unter www.ostfriesland.de bestellt werden. Ab Januar liegt das Magazin in den angeschlossenen fünfzig Tourist-Informationen Ostfrieslands aus.
Jahresrückblick im Video
Das Jahr 2010 im Film: Wochenblatt-Kameramann Jürgen Eden hat aus den vielen Beiträgen, die er im Laufe dieses Jahres für den Internet-TV-Kanal des Jeverschen Wochenblatts erstellt hat, die schönsten, interessantesten, lustigsten zu einem kurzweiligen Jahresrückblick zusammengestellt. Zu Wort kommen in dem Video mit einem Grusswort zum Jahreswechsel auch Landrat Sven Ambrosy und Jevers Bürgermeisterin Angela Dankwardt. Viel Spass beim Zuschauen. www.youtube.com/wochenblatttv
Big Easy: Abschiedskonzert am Sonnabend
Um allen Missverständnissen aus dem Weg zu gehen, sagt Claus Fischer es gleich am Anfang: „Wir gehen nicht im Streit auseinander.“ Das wäre auch schade nach fast 20 Jahren Partnerschaft – auf der Bühne. So lange schon kennen sich Fischer (44) und Ingmar Viertel (44), die am morgigen Sonnabend zum (vorerst) letzten Mal gemeinsam auftreten.
Claus Fischer, links, und Ingmar Viertel von “Big Easy”
Mit einem Abschieds- und Benefizkonzert ab 20 Uhr im „Café Maria“ bei Maurizio Esposito in der Großen Burgstraße sagt Ingmar Viertel seiner Band und den Fans von „Big Easy Acoustic“ adieu. Er wechselt zur Band „Black Jack“, wo er immer schon mal ausgeholfen hat. „Big Easy“ macht weiter, mit Claus Fischer und Dieter Schoon und ab Januar 2011 verstärkt um Claus Rettkowski und Yvo Herckelrath. Alles so Namen, die man in der Szene kennt, und eigentlich hat sowieso jeder schon mal mit jedem auf der Bühne gestanden.
Kein Wunder also, dass beim Abschiedskonzert morgen Abend Rettkowski und Herckelrath mit von der Partie sind und als Gäste einen Vorgeschmack auf das neue „Big Easy“ geben.
„Wir sind ja alle ein bisschen ruhiger geworden“, sagt Claus Fischer schmunzelnd. Aus seiner wilden Zeit sind die langen Haare geblieben, das ist er seinem Image als Metal-Rocker schuldig, auch wenn’s nicht so hundertprozentig zu seiner bürgerlichen Existenz als kaufmännischer Angestellter passt. 1979 stand er zum ersten Mal auf der Bühne. Heavy Metal war angesagt, und Fischer hatte die Röhre dafür: Er war und blieb ausschließlich Sänger.
Mit der Gruppe „Rave“ nahm er 1981 seine erste Single auf. In dem Jahr lernte er auch Ingmar Viertel kennen, der im Sommer des Jahres bei „First Aid“ im Mariengymnasium spielte. Zusammen standen die beiden dann schon einmal für ein Jahr lang mit der Formation „Diamond Breaker“ auf der Bühne, unter anderem bei einem ausverkauften Konzert im Pumpwerk in Wilhelmshaven.
1985 gründete sich in Jever im damaligen „Studio Selznick“ (heute „Taverna“) die legendäre Band „Ballermann“, zu der Claus Fischer 1994 hinzustieß, ebenso Ingmar Viertel. Bis 1999 fuhren sie Erfolg um Erfolg ein, dann pausierten beide für eine ganze Weile, musizierten zwar, gaben aber keine Konzerte.</p><p>Ende 2007 gründeten Fischer und Viertel dann mit Dieter Schoon die Band „Big Easy Acoustic“, die in Jever regelmäßig in der Reihe „Treffpunkt Kirchplatz“ anzutreffen ist. Von Metal über Blues-Rock sind die „Dinos“ der friesländischen Musikszene inzwischen bei solide handgemachtem Akustik-Rock angekommen und haben ihr treues Publikum.
Das kriegt Samstagabend alles zu hören, was Viertel, Fischer, Schoon & Co. im Laufe der Jahre so einstudiert und auf die Bühne gebracht haben. Gastwirt Maurizio Esposito serviert dazu einen Beviano Novello Italiano. Von jeder Flasche des roten Primeur-Weines gehen 5 Euro an die Kinderkrebshilfe.
Der Eintritt zu dem gemütlichen Konzertabend im „Café Maria“ ist frei.
Winter am Upschloot
Eine einsame Landschaft zwischen Oldenburger Land und Ostfriesland: Der Upschloot bei Grappermöns, nicht weit von Jever an der Landesstraße 813 gelegen.
Als Grenzpunkt einst zwischen den verfeindeten Jeverländern und den Ostfriesen, später zwischen dem Königreich Hannover und dem Herzogtum Oldenburg, spielt der Ort heute eine verbindende Rolle. 1948 errichtete unter dem Eindruck des 2. Weltkrieges und der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten ein Kreis von Betroffenen an dieser Stelle das Jeverländische Mahnmal, das sich gegen Krieg und Gewalt richtet und an dem sich zweimal im Jahr, am Himmelfahrtstag und am Totensonntag, Christen aus dem Jeverland und dem Harlingerland zu Freiluft-Gedenkgottesdiensten treffen. Ein überdimensionales Kreuz wurde im Scheitelpunkt einer langgezogenen Kurve so errichtet, dass es von Westen und von Osten her für jeden Passanten unübersehbar den Ort prägt. “In der schwermütigen Landschaft”, schreibt Walter Fleischauer, “ist es ein Zeichen christlicher Hoffnung auf den Frieden, der alle Grenzen überwindet.”
Die winterlichen Aufnahmen, die bei Baumpflegearbeiten an der historischen Anlage möglich wurden, unterstreichen den besonderen Charakter dieser Grenzlandschaft.
Mehr Infos unter: Mahnmal am Upschloot
Engagement und Intensität der Landesbühnen gewürdigt
Wanderbühnen erhielten den Deutschen Theaterpreis „Der Faust“ / “Stella” für Regiepreis nominiert
Wilhelmshaven/Essen – Die Landesbühne Niedersachsen-Nord ist in Essen zusammen mit 23 anderen deutschen Landesbühnen mit dem Deutschen Theaterpreis „Der Faust“ ausgezeichnet worden. Gestern wurde die dreistündige Gala zur Preisverleihung, die im Aalto-Theater über die Bühne ging, im Fernsehen auf 3Sat ausgestrahlt.
Video von der Preisverleihung, Landesbühne ab Min. 106
Fast preisgekrönt: die “Stella”-Inszenierung von Jan Steinbach.
Foto: Landesbühne Nord
„Der Faust“ ist ein nationaler, undotierter Theaterpreis, der die Leistungskraft und künstlerische Ausstrahlung der Theater würdigt. Er wird vom Deutschen Bühnenverein gemeinsam mit den Bundesländern, der Kulturstiftung der Länder und der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste vergeben. Ausgezeichnet werden Künstlerinnen und Künstler, deren Arbeit wegweisend für das deutsche Theater ist. Der Preis wird in acht Kategorien verliehen. Zudem gibt es den Preis für das Lebenswerk und den Preis des Präsidenten. Letzterer wurde in diesem Jahr den 24 Landesbühnen in der Bundesrepublik zuerkannt, darunter die Wilhelmshavener Landesbühne.
In seiner Laudatio würdigte der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Prof. Klaus Zehelein, „das Vermögen, die Kraft, das Engagement und die Intensität“ der 24 über die Lande ziehenden Wanderbühnen in ganz Deutschland, die an 900 Spielorten jährlich 3,2 Millionen Zuschauer erreichten. Zehelein, der in den siebziger Jahren Chefdramaturg am Staatstheater in Oldenburg war, erinnerte an das Entstehen der Landesbühnen nach den Katastrophen der beiden Weltkriege und deren Auftrag es war, ein demokratisch inspiriertes Angebot von Kunst für möglichst alle Bürger im Land zu sichern und damit dem Ungeist zu begegnen, der zuvor Kultur verfolgt, missbraucht und korrumpiert habe.
In einem Filmbeitrag über die Arbeit der Landesbühnen wurde auch die Aktion der Landesbühne Niedersachsen-Nord hervorgehoben, die in der vergangenen Spielzeit die Zuschauer vor jeder Aufführung aufgefordert hatte, gemeinsam den Satz „Lang lebe die Landesbühne“ zu deklamieren, um damit Druck gegen die Sparpläne des Kulturministers zu machen.
Für die Landesbühne in Wilhelmshaven nahm der Pressesprecher Torben Schumacher zusammen mit Vertretern anderer Bühnen den Preis entgegen, mit dabei waren Regisseur Jan Steinbach, der mit seiner Inszenierung von „Stella“ für den Regiepreis nominiert worden war, aber leer ausging, sowie Intendant Gerhard Hess, Aufsichtsratsvorsitzender Walter Theuerkauf und die Schauspieler Aom Flury, Kathrin Ost, Peter Lindhorst und Lenja Busch in Essen dabei. Nach kurzer Enttäuschung über den „zweiten“ Platz für Steinbach überwog dann doch die Freude, wie Schumacher gestern schilderte, „denn wir sind schon stolz über die Nominierung, eine der drei besten Inszenierungen 2010 zu haben. Somit war auch auf der Feier nach der Verleihung keine Enttäuschung zu spüren, schließlich konnten wir nach der Nominierung bereits im Schauspielhaus Hamburg spielen und sind unter den Theaterleuten im Gespräch.“
Quelle: Jeversches Wochenblatt / Friesisches Tageblatt
Weihnachtsoratorium in Jever
Die Stadtkantorei Jever, ergänzt um die Solisten Susanne Martin, Sopran, Melanie Frenzel, Alt, Henning Klocke, Tenor, Dietmar Sander, Bass, und dem Ensemble „concertino jever“, führen am 11. und 12. Dezember in der Stadtkirche Jever das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach, Kantaten I-III, auf. Die Leitung hat Kantor Klaus Wedel. Für die beiden Konzerte der Stadtkantorei Jever am Sonnabend, dem 11. Dezember, um 17 Uhr und am Sonntag, 12. Dezember, um 17 Uhr in der Stadtkirche zu Jever sind ab sofort Karten in den Buchhandlungen „Am Kirchplatz“ und „Babatz“ in Jever sowie „Lohse-Eissing“ in Wilhelmshaven erhältlich. Der Vorverkauf endet am 9. Dezember. Die Eintrittspreise der vier Kategorien liegen bei € 20, 15, 12 und 8 Euro; Ermäßigung in Höhe von drei Euro€ erhalten Schüler, Studenten, Auszubildende, behinderte und sozial schwach gestellte Menschen (Ausweis). Die Stadtkantorei, namhafte Solisten und Orchester musizieren unter der Leitung von Kreiskantor Klaus Wedel. In beiden Konzerten erklingen die ersten drei Kantaten des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach. Unterstützt wird das Konzert durch die Annegret-Ruge-Stiftung, die Philipp-Orth-Stiftung, die Stadt Jever sowie von Noten Bartels (Bremen).
Mit gutem Auge und wachem Geist
Rede anlässlich der Buchvorstellung “Wegen Reichtums geschlossen”, Bildband mit 450 Fotos des legendären Wochenblatt-Reporters Hugo Rase, herausgegeben von Ingo Hashagen und Klaus Andersen
Von Helmut Burlager
Ich möchte Ingo Hashagen und Klaus Andersen zu diesem Buch gratulieren, haben sie doch etwas geschafft, was weder das Verlagshaus, für das Hugo Rase so viele Jahre gearbeitet hat, noch seine Journalistenkollegen, noch das Schlossmuseum Jever in den 15 Jahren nach Hugos Tod geschafft haben: Aus dem typischerweise flüchtigen Werk eines Journalisten, in das schlimmstenfalls am nächsten Tag Fisch eingewickelt wird, etwas Bleibendes zu machen: ein Buch.
Das hätte Hugo Rase sich gewünscht. Wenn überhaupt eines in seinem langen Arbeitsleben offengeblieben ist, dann dies: ein Buch zu schreiben.
Ich bin gebeten worden, ein paar Sätze über den Journalisten und meinen Kollegen Hugo Rase zu sagen, und wenn mir eines besonders am Herzen liegt, dann dies: Herauszustellen, dass Hugo eben nicht der „rasende Reporter“ war, zu dem er wegen der so naheliegenden Wortspielerei gerne gemacht wurde.
Er hatte viel um die Ohren, aber er war nicht hektisch. Er musste viele Termine wahrnehmen und eine Menge schreiben, aber er war dabei nicht oberflächlich. Im Gegenteil. Er feilte an seinen Sätzen herum, er diskutierte darüber mit seinen Kollegen, er war sorgfältig im Umgang mit der deutschen Sprache und auch mit dem, was zwischen den Zeilen zu lesen war. Er war – das wissen viele sicherlich nicht – ein Schöngeist. Belesen und klug.
Und schon habe ich den Bezug zu diesem schönen Buch, das Ingo Hashagen und Klaus Andersen gemacht haben. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mit zwei möglichen Missverständnissen aufzuräumen, die entstehen könnten, wenn jemand das Buch durchblättert und durchliest, der Hugo Rase nicht gekannt hat.
Erstens könnte der Eindruck entstehen, Hugo Rase sei in erster Linie ein Fotograf gewesen. Das war er auch. Ein guter sogar, mit einem Auge für den richtigen Bildausschnitt und den richtigen Moment, auf den Auslöser zu drücken – auch wenn es ihn zeitlebens geärgert hat, dass nicht er, sondern Franzl Tuhy es war, der im genau richtigen Moment abdrückte, als der Dachreiter der Stadtkirche beim traurigen Kirchenbrand herunterstürzte. Dafür hat er bei vielen anderen Gelegenheiten den Finger „am Abzug“ gehabt, wenn’s drauf ankam. Nur so konnte dieses Buch entstehen.
Aber er war eben nicht nur Fotograf, sondern auch ein guter Schreiber, der anschaulich schildern konnte, wie sich ein Ereignis zugetragen hat, warum es so war und wohin es führen könnte. Er wurde oftmals verkannt …
Das zweite Missverständnis, das entstehen könnte, ist Folgendes: Die teilweise pointierten Kommentare unter und neben den Fotos, die aus der Feder von Ingo Hashagen und teils auch von Klaus Andersen stammen, könnten dazu verleiten zu glauben, auch Hugo Rase hätte Texte dieser Art geschrieben. Das hat er nicht. Es wäre Hugo Rase eher nicht in den Sinn gekommen, zu kommentieren, wo er seine Aufgabe doch darin sah, zu beschreiben. Zu beschreiben, was war und was er gesehen und was er gehört hatte. Ein Foto vom Alten Markt mit dem Johann-Ahlers-Haus – Hugo hat sich sicher seinen Teil gedacht über das Bauwerk, das man dort in den Siebzigern hingestellt hat. Ich weiß nicht, ob er es eher schön fand oder eher hässlich. Aber geschrieben hätte er nur, dass es dort steht und nicht, dass es weg muss…
Apropos Ahlers-Haus. Das war nur eine von Hugos Wirkungsstätten, wo er sich Informationen holte. Anders als mancher Journalistenkollege heute ist Hugo kein Schreibtischtäter gewesen. An seinem Schreibtisch, der so groß war wie ein größerer Umzugskarton von Obi, gab es auch keinen Grund sich wohlzufühlen. Er brauchte ihn, um dort auf seiner Olympia herumzuhacken, was bei Hugos voluminösen Händen einigen Lärm verursachte, und er brauchte ihn, um seinen Aschenbecher für die unvermeidlichen Filterlosen abzustellen oder auch mal ein Whiskyglas. Wobei ich miterlebt habe, dass mal dies, mal jenes über Bord ging, weil der Tisch gar zu winzig war, und in einem Fall geriet schließlich der danebenstehende Papierkorb in Brand, was einigen Alarm auslöste.
Zu den anderen Wirkungsstätten gehörten – neben den Sportplätzen übrigens, Hugo war ja auch Sportreporter – vor allem die Gaststätten. Hier fanden erstens die meisten Termine statt, hier holte er sich zweitens seine Informationen ab, die er oftmals exklusiv besaß, weil er sie am Tresen als erster erfahren hatte. Stand er bei Hans Dardemann an der Theke, so holte dieser zuerst zwei Gläser hervor, um sie mit Jägermeister zu befüllen, und dann seine Terminkladde, aus der Hugo sich sorgfältig notierte, was dort an interessanten Terminen für ihn stand.
Hugo Rase mit seinen Kollegen Helmut Burlager, Helmut “Theo” Bath und Wilfried “Ackermann” Zucht.
Soll ich am Ende noch verraten, dass Hugo mich, den 20-jährigen Jungredakteur, der da von Ostfriesland nach Jever kam und – wie er, der damals schon fast Siebzigjährige, anfangs glaubte – an seinem Stuhl sägte, dass er mich also zunächst nicht besonders mochte und mir nichts von seinen vielfach exzellenten Informationen verriet. Allenfalls eine Telefonnummer, denn das Telefonbuch von Jever hatte er im Kopf.
Umso besser haben wir uns später verstanden, als wir beide begriffen hatten, dass wir keine Konkurrenten sind, sondern Brüder im Geiste eines guten, seriösen Journalismus. Ich freue mich aufrichtig, dass Hugo nun endlich „sein“ Buch bekommen hat.
Das Buch “Wegen Reichtums geschlossen”, Herausgeber Ingo Hashagen und Klaus Andersen, Brune-Mettcker-Verlag Jever (ISBN 978-3-87542-074-6, 22,90 Euro) ist für 22,90 Euro im Buchhandel erhältlich.
Lesetipp: Reporterglück oder die Männer der Leicas – Erinnerungen von Hugo Rase
Wegen Reichtums geschlossen
Fotografischer Streifzug durch 50 Jahre
„Ich habe ihn über alle Maßen geschätzt!“ Mit diesen Worten des früheren Regierungspräsidenten Bernd Theilen war alles ausgedrückt. Wie sehr der frühere Wochenblatt-Reporter Hugo Rase bei den Menschen in Jever auch 15 Jahre nach seinem Tod noch präsent ist, zeigte die Beteiligung an der Buchvorstellung am Montagabend im Graf-Anton-Günther-Saal: Mehr als 80 Interessierte waren der Einladung der Autoren Ingo Hashagen und Klaus Andersen sowie des Brune-Mettcker-Verlags gefolgt.
Buchvorstellung im Graf-Anton-Günther-Saal. Den Bildband mit 450 Aufnahmen des Wochenblatt-Reporters Hugo Rase präsentierten (von links) Hajo Allmers, Robert Allmers, Ingo Hashagen, Erika Rase, Klaus Andersen und Bernd Theilen.
Bild: Burlager
„Wegen Reichtums geschlossen. Jever und Umgebung. Fünf Jahrzehnte Stadtgeschichte fotografiert von Hugo Rase“ lautet der vollständige Titel des 160-seitigen Bildbandes. Aus tausenden vorliegender Fotos aus dem Fundus, den Erika Rase, die Witwe des verstorbenen Journalisten, verwahrt, haben Klaus Andersen und Ingo Hashagen 450 ausgewählt, nach Themengebieten wie Stadtbild, Gebäude, Denkmale, Personen, Schloss, Gewerbe, öffentliche Einrichtungen und Straßen, Getreuen, Rathausgeschichten, Kunst und Kommerz, Vereine und Verbände, Fliegerhorst Upjever usw. zusammengestellt. Sie haben Entstehung und Hintergründe recherchiert und Bildtexte geschrieben. So entsteht ein facettenreiches Bild von Jever in der Nachkriegszeit und dem Jeverland, wo Hugo Rase von 1952 bis 1995 als Reporter hauptsächlich für das Wochenblatt, aber auch für andere Medien unterwegs war.
In wenigen Wochen ist der 100. Geburtstag von Hugo Rase, der in Braunschweig zur Welt kam und nach dem Krieg in Jever hängenblieb. Dieser Geburtstag wie auch das im kommenden Jahr zu feiernde 475-jährige Stadtjubiläum sind der Anlass für die Buchveröffentlichung im Brune-Mettcker-Verlag, für den Robert Allmers bei der Präsentation sprach und den Autoren dankte: „Es ist ein tolles, interessantes Buch herausgekommen“, sagte er. Mike Müller sagte in Vertretung der Bürgermeisterin, es sei schön für die Stadt, dass dieses Buch gerade zum Jubiläum erscheine. Gewürdigt werde damit auch eine „unvergessene Persönlichkeit“. Hugo Rase war von der Stadt Jever mit der Schlossermedaille für sein journalistisches Lebenswerk geehrt worden.
Klaus Andersen hatte den Abend eröffnet und dem Verlagshaus für die gute Zusammenarbeit gedankt, vor allem aber auch Erika Rase, die das Buch erst möglich gemacht habe. „Für viele wird es ein Erinnerungsbuch werden“, prophezeite Andersen, und so war es auch an diesem Abend, als in einer Diaschau Bilder aus dem Buch gezeigt wurden und mancher sich und andere wiedererkannte auf Bildern aus vergangenen Zeiten. Ingo Hashagen berichtete über das Entstehen des Buches und die Recherchearbeit, die darin steckt. Vielen Bürgern sei für Auskünfte und Hilfe bei den Nachforschungen zu danken.
In einem Grußwort ging Regierungspräsident a. D. Bernd Theilen auf die mehrfach in dem Band wiederzufindenden Fotos von Politikerbesuchen in Friesland ein und schilderte eigene Erlebnisse aus seiner Zeit mit Hugo Rase. Über den Journalistenkollegen Hugo Rase und den als „rasender Reporter“ oftmals verkannten und unterschätzten Schöngeist, der hohe Ansprüche an sich und seine journalistische Arbeit stellte, erzählte Wochenblatt-Redaktionsleiter Helmut Burlager, der fast 20 Jahre lang mit Hugo Rase zusammengearbeitet hat. Dessen Traum sei es immer gewesen, ein Buch zu schreiben. Dazu kam es zu Lebzeiten nicht, dafür nun posthum zu einem schönen Bildband. Er ist ab sofort im Buchhandel und in den Geschäftsstellen des Wochenblatts erhältlich. (ISBN 978-3-87542-074-6, 22,90 Euro).
Hier kann man das Buch bestellen
Lesetipp: Reporterglück oder die Männer der Leicas – Erinnerungen von Hugo Rase