Eilhard Mitscherlich: Gelehrter Herr mit gutem Geschmack

DSC_9949Stolz blickt er, ein wenig von oben herab, hat auch allen Grund dazu: Eilhard Mitscherlich, berühmter Sohn des Jeverlandes, Chemiker und Mineraloge. Er verstand was von der Zusammensetzung der Dinge. Auch von Gerste, Hopfen, Hefe und Wasser, jener Mixtur, aus der köstliches Bier entsteht. Ob er aber ganz freiwillig zum Werbeträger geworden ist? Irgendjemand wird wohl nachgeholfen haben. Ohne eine waghalsige Kletterpartie ging das bei dem hohen Herrn an der St.-Annen-Straße in Jever allerdings nicht.

Foto (c): Helmut Burlager

Christa Marxfeld stellt im Lokschuppen aus

Wilhelmshavener Künstlerin zeigt Collagen

Von Alexander Langkals

Christa Marxfeld. Foto (c): Helmut Burlager

Jever – Fotos, Kopien, Annoncen, Plakate, Zeitungen Zeichnungen, Bilder: geschnitten, gerissen und neu arrangiert – die Collage, die sich bildlicher und textlicher Aussagen bedient, sie aus ihren ursprünglichen Zusammenhängen löst und zu neuen Aussagen zusammenfügt, blickt auf eine erfolgreiche Geschichte in verschiedenen Kunststilen seit dem Kubismus zurück.

In dem eigenen, über Jahrzehnte entstandenen Werk von Christa Marxfeld-Paluszak nimmt die Collage einen großen Platz ein. Unter dem Ausstellungstitel: Collage – Phasen in Jahren stellt die Wilhelmshavenerin vom 11. November bis 9. Dezember 2012 in der Galerie im Lokschuppen des Künstlerforums Jever, Moorweg 2,  aus.  Eröffnet wird die Ausstellung am 11. November um 15 Uhr.

Meist in Phasen über die Jahre verteilt, hat Christa Marxfeld sich immer wieder mit gesellschaftlich relevanten Themen auseinandergesetzt und nicht davor zurückgeschreckt, auch eigene Bilder für Collagen zu „opfern“. Von Haus aus mit einem großen sozialen Gefühl gesegnet, engagiert sie sich nicht zuletzt durch die Gründung des Vereins ChaKa 2008 für benachteiligte und misshandelte Kinder und Jugendliche, wobei sie auch dort vorgefundene Missstände in ihrer Kunst thematisiert.

In der Ausstellung  in der Galerie im Lokschuppen zeigt die Künstlerin einen Querschnitt ihrer Collagen, deren Aussagen sich für sie nicht im Bereich der Bildenden Kunst erschöpfen, sondern stets einem höheren Sinn von Aufklärung und Bewusstbarmachung dienen.

In einer der jüngsten Collagen, Kunst trifft Kunst – bedingungslos, treffen bekannte Gestalten aus der Kunstgeschichte auf unbekannte Personen. Gemeinsam sind diese Vertreter unterschiedlicher Zeitepochen in eine irreale Umgebung eingebunden, in der selbst Versatzstücke der Wilhelmshavener Südzentrale zu entdecken sind.

In ein großes unbekanntes Gesicht blickt der Betrachter in Einer ist oft zu zweit von 1992. Die dunkle Tönung des Blattes verweist auf den nach innen gekehrten Blick eines sich mit dem eigenen Ego befassenden Menschen. Klein und ohne Details spiegeln sich in seinem Antlitz zwei Personen, die miteinander im Dialog stehen. Die übermalten Textfragmente aus Zeitungen verweisen zudem auf eine Selbstreflexion, in der häufig die Einschätzung eines Außenstehenden miteinbezogen wird.

Wenn nicht mit dir, dann mit Geschenkpapier stammt aus einer Reihe von 1993, die einen entschiedenen formalen Schritt in die Abstraktion gegangen ist. Hier formuliert die Künstlerin eine zunehmende gesellschaftliche Sprachlosigkeit, die durch ein mediales Überangebot hervorgerufen ist. Die häufige Substanzlosigkeit neugefundener „Ersatz“-Inhalte wird durch die Verwendung von aufgeklebtem, gebrauchtem Geschenkpapier ausgedrückt. In der Ausstellung kann sich der Besucher von der großen inhaltlichen wie künstlerischen Sprachmächtigkeit der Collagen von Christa Marxfeld-Paluszak überzeugen.

Fakten:

Künstlerin: Christa Marxfeld-Paluszak

Ausstellungstitel: Collage – Phasen in Jahren

Ausstellungsort: Galerie im Lokschuppen, Kulturzentrum am Bahnhof, Moorweg 2, Jever

Ausstellungsdaten: 11. November bis 9. Dezember 2012

Ausstellungseröffnung: 11. November, 15.00 Uhr

Einführung: Alexander Langkals M.A., Landshut/Wilhelmshaven

Zum dritten Mal Gespannpflügen wie vor 60 Jahren in Wiesedermeer

Gespannpflügen in Wiesedermeer.

Friedeburg – In Wiesedermeer, Kleinwiesedermeerer Weg 5, findet am 14. Oktober von 10 bis 16 Uhr zum dritten Mal das Gespannpflügen wie vor 60 Jahren statt. Angemeldet haben sich bis jetzt elf Gespannführer mit ihren unterschiedlichen Pflügen.

Um 10 Uhr findet wieder ein plattdeutscher Gottesdienst unter freiem Himmel statt, den Pastor Holger Rieken von der Ev.-luth. Kirche Marcardsmoor abhalten wird. Musikalisch begleitet wird der Gottesdienst vom Posaunenchor Marcardsmoor. Schauplatz des Gottesdienstes ist der Garten von Familie Hinrichs, gleich neben dem Grundstück, auf dem gepflügt wird. Im Anschluss werden die Gespanne vorgestellt, die dann zum Pflügen eingesetzt werden. Als Gäste sind aus Wiesmoor die „Freesenmaihers“ mit ihren Sensen und ihrem Dengelwerkzeug dabei. Sie werden wie in alten Zeiten mit ihren Sensen Gras schneiden. Gegen 15 Uhr wird es ein Ponypflügen geben. Gisela Janßen pflügt mit ihren Classic-Ponys mit einem äußerst seltenen Pflug.

Bis in die 50er und Anfang der 60er Jahre wurden die Land- und Feldarbeiten häufig noch mit Zugtieren vorgenommen. Trecker und später schwere Zugmaschinen lösten das Pferd als Arbeitstier ab. In der damaligen Zeit hatten die Bauern ein, zwei, drei oder mehrere Pferde in ihrem Stall. Bei größeren Besitztümern wurden die Pferde wegen der schweren Arbeit sogar täglich oder noch am selben Tag ausgewechselt.

In Kleinwiesedermeer wollen die Veranstalter den Besuchern zeigen, dass auch heute noch Pferde in der Lage sind, ein Ackergerät zu ziehen. Das geht zwar nicht von heute auf morgen. Die Pferde müssen langsam wieder körperlich an ihre Zugkraft herangebracht werden, und das kann nur durch tägliches Training geschehen.

Der Gespannführer muss die Last so wählen, dass die Pferde nie ein negatives Erlebnis haben.

Die Zugkraft bringt das Pferd über seine Brust auf, so heißt denn auch das vor der Brust des Pferdes verlaufende Teil des Geschirres „Brustblatt“. Wird das Pferd über das Brustblatt zu sehr beansprucht, so lässt es nicht weiter zu, dass es angespannt wird. Es hat einen Muskelkater.

Das in Kleinwiesedermeer vorgeführte Pflügen bezeichnet man in der Fachsprache als „Schälpflügen“. Der hier benutzte Kartenpflug kann als Schälpflug wie auch als Bestpflug eingesetzt werden.

Gospels erklingen in Jevers Stadtkirche

Benefizkonzert am 17. Oktober mit Janine Wilson und ihrem Heidmühler Gospelchor 

Der Gospelchor Heidmühle, gemalt vor zwei Jahren von Heide und Idda aus der Klasse 4 der Tetta-von-Oldersum-Grundschule in Tettens. Der Erlös des Benefizkonzerts fließt in das Projekt „Klasse 2000“ dieser Schule.

Jever/Tettens – Zum zweiten Mal veranstalten der Lions Club Jever und der Gospelchor Heidmühle unter der Leitung von Janine Wilson ein Benefizkonzert. Konzertkritik: Hier Nach dem erfolgreichen, sehr gut besuchten letzten Gospelabend vor drei Jahren in der St.-Stephanus-Kirche in Schortens wird das zweite Konzert in Jever stattfinden. Geplant war es eigentlich schon 2011, damals musste es sehr kurzfristig abgesagt werden. Nun haben Gospelfreunde Gelegenheit, den beliebten Chor am Mittwoch, 17. Oktober, um 20 Uhr in der Stadtkirche Jever zu hören. Der Eintritt ist frei, am Ende des Konzerts wird um eine Spende für einen guten Zweck gebeten.

Seit 20 Jahren leitet Janine Wilson den Gospelchor Heidmühle, in dem etwa 60 Sängerinnen und Sänger aus der Region sich musikalisch mit der Tradition der christlichen afroamerikanischen Musik des vergangenen Jahrhunderts auseinandersetzen.

Der Begriff „Gospel“ bedeutet „Evangelium“, die Gospelmusik ist im engeren Sinne die Kirchenmusik, wie sie in schwarzen christlichen Gemeinden in Amerika entstand und gepflegt wird und die sich durch Jazz- und Blues-Einflüsse auszeichnet. In seinem Konzert in der Stadtkirche wird der Gospelchor Heidmühle gut eineinhalb Stunden lang eine bunte Auswahl an bekannten und weniger bekannten traditionellen Gospels bieten.

Der Spendenerlös fließt – über den Lions Club Jever – in ein Projekt der Tetta-von-Oldersum-Grundschule in Tettens. Seit mehreren Jahren finanziert der Serviceclub dauerhaft das Programm „Klasse 2000“ für Grundschulen. In diesem Jahr werden wieder Tettenser Kinder an dem Programm teilnehmen. Die Schule hat auch die Vorbereitungen des Gospelkonzerts tatkräftig unterstützt.

„Klasse 2000“ ist das bundesweit größte Programm zur Gesundheitsförderung, Sucht- und Gewaltvorbeugung in der Grundschule. Es begleitet Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse, um ihre Gesundheits- und Lebenskompetenzen frühzeitig und kontinuierlich zu stärken. Dabei setzt es auf die Zusammenarbeit von Lehrkräften und externen Klasse-2000-Gesundheitsförderern.

Klasse 2000 fördert die positive Einstellung der Kinder zur Gesundheit und vermittelt Wissen über den Körper. Bewegung, gesunde Ernährung und Entspannung sind ebenso wichtige Bausteine von Klasse 2000 wie der Umgang mit Gefühlen und

Stress, Strategien zur Problem- und Konfliktlösung. So unterstützt Klasse 2000 die Kinder dabei, ihr Leben ohne Suchtmittel, Gewalt und gesundheitsschädigendes Verhalten zu meistern.

Zwölf Monate Wilhelmshaven zwischen eisblauer Stunde und Sonnenuntergang

Fotografie   Klaus Schreiber legt zweiten Jahreskalender 2013 auf

Von Helmut Burlager

Atemberaubende Luftaufnahmen. Minsener Oog mit der dahinterliegenden Inselkette des Ostfriesischen Insel. Foto (c): Foto-Design Klaus Schreiber

Wilhelmshaven – Luftbilder machen heute viele, aber das Kunststück, ein Bild einzufangen, das Spiekeroog, Langeoog, Wangerooge, Minsener Oog, den neuen Jade-Weser-Port, die gesamte Topografie Wilhelmshavens und dazu noch den Leuchtturm Arngast im Jadebusen zeigt, bringt nur einer fertig, der hoch hinaus will. Im doppelten Sinne. Aus ungeheurer Höhe, in diesem Fall 2000 Meter, schießt der Fotokünstler Klaus Schreiber solche Bilder, wenn das Wetter es zulässt und sein Leib-und-Magenpilot Christian Pielstick gerade Zeit hat. Und dann stellt er an alle seine Aufnahmen noch den Anspruch, perfekt in der Komposition und technischen Umsetzung zu sein. Ob in der Luft, zu Wasser oder zu Lande.

Es ist das Titelbild des neuen, des zweiten Kalenders für das Jahr 2013, den Klaus Schreiber gerade aufgelegt hat, das oben beschrieben ist.

Die Jungs mit dem Paddel und den Seglerjacken in der Vita des Kalendermachers sind Marc und Marvin. Es gehört zu den Lieblingsbildern von Klaus Schreiber, aus gutem Grund, es sind seine Enkel. Sie sollen die Zukunft Wilhelmshavens symbolisieren. Auf dem Foto waren Marc und Marvin fünf Jahre alt – jetzt sind sie 16.

Fast jedes einzelne Haus in der Jadestadt ist darauf zu erkennen und dazu noch die friesische Landschaft und die maritime Seite, die Wilhelmshaven umgeben. So steht das Foto auch stellvertretend für den ganzen Kalender, der auf Anregung von Liebhabern der Klaus-Schreiber-Fotografie entstand.

18 Kalender hat er im Laufe der Jahre schon geschaffen. Es waren und sind durchweg Friesland-Kalender. „Lichtzauber | Friesland“ heißt der aktuelle, den er vor einigen Wochen vorstellte. Da verriet er schon, dass er dieses Jahr erstmals einen zweiten in Arbeit hat, weil er immer wieder gefragt worden war, ob er nicht mal einen reinen Wilhelmshaven-Kalender machen könnte.

Konnte er natürlich, bei dem unerschöpflichen Fundus an Bildern, die der von Fotografie Besessene Woche für Woche, Monat für Monat dem bereits riesigen Archiv hinzufügt. Jetzt ist er im Handel. „Wilhelmshaven 2013. Eine Stadt blickt seewärts“ heißt er. Ein wenig pathetisch, greift er doch ein legendäres Zitat des früheren Wilhelmshavener Oberbürgermeisters Artur Grunewald (1902 – 1985) auf, aber andererseits auch so was von aktuell in diesen Wochen der Inbetriebnahme des Jade-Weser-Ports, der die Erfüllung der Visionen eines Grunewald und etlicher anderer ist. Der Kalender kommt also genau zur richtigen Zeit.

Er weist auch in seinen Bildern von der Historie in die Neuzeit, denn schon das Januar-Foto, die Kaiser-Wilhelm-Brücke in der eisblauen Stunde, wie Inga Hellwig die schöne winterliche Aufnahme betextet hat, knüpft an die Marine- und Hafengeschichte der Stadt an, das April-Motiv zeigt bereits den Jade-Weser-Port auf einem atemberaubenden Luftbild, das den gesamten Jadebusen von Norden her abbildet, einschließlich des zu diesem Zeitpunkt noch halbfertigen Jade-Weser-Ports. Das Septemberbild dokumentiert dann die Ankunft der Containerbrücken für den neuen Terminal.

Dazwischen viel Jade-Typisches, vom Leuchtturm Arngast über eine alte Brigg am Molenfeuer der ehemaligen 3. Einfahrt, die Boote und Yachten im Großen Hafen bei Sonnenuntergang bis zur Nassaubrücke im Nebel. Und immer wieder grandiose Luftaufnahmen.

Holger Mühlbauer hat den Kalender grafisch gestaltet, der bei Brune-Mettcker gedruckt wurde, in den Wilhelmshavener Buchhandlungen und beim Jeverschen Wochenblatt in Jever erhältlich ist. Er kostet 18,80 Euro.

Kunst in der Stadt

Zwei neue Skulpturen in Jever. Das Werk von Stephan Schmidt nach einem Entwurf von Andreas Reiberg wurde am 13. Septembr 2012 am Alten Markt aufgestellt. Eine weitere Skulptur steht bereits am Ortseingang von Jever. Die Kunstwerke haben in der Vergangenheit einige Diskussionen ausgelöst. Hier ein Video von Wochenblatt-TV, Jürgen Eden hat schöne Bilder eingefangen:

Friesen trinken mehr Tee als alle anderen auf der Welt

Tee, ein Getränk für Genießer. Foto (c): Deutscher Teeverband

Hamburg – Die Ostfriesen sind Spitzenreiter beim Teekonsum, und zwar weltweit. Das geht aus einer Pressemitteilung des Deutschen Teeverbandes hervor. Im Jahr 2011 hat Deutschland mit 53.768 Tonnen das Importvolumen vom Vorjahr (50.838 t) um knapp 6 % (3.000 t) steigern können. Auch die Exporte konnten ein Plus verzeichnen: Rund 27.196 t Tee (im Vergleich: 25.940 t in 2010), 4,8 % mehr als im Vorjahr, wurden in Deutschland veredelt und in 96 Länder rund um den Globus exportiert. Damit hat Deutschland seine wichtige Position im internationalen Teehandel weiter ausgebaut.

Tee gehört zu den beliebtesten Getränken der Deutschen: Der Pro-Kopf-Konsum in Deutschland blieb mit 26 Litern auf dem Niveau der Vorjahre. Insgesamt konsumierten die deutschen Verbraucher 18.490 t Tee, davon 76,5 % Schwarzen Tee und 23,5 % Grünen Tee.

Schwarztee bleibt demnach unangefochten der „Lieblingstee“ der deutschen Teegenießer. Bekannt für den höchsten Schwarzteekonsum in Deutschland ist Ostfriesland: Dort wird die Tradition der „Tee-Tied“ mit der echten ostfriesischen Schwarzteemischung seit Generationen gewahrt. Mit knapp 300 Litern, dem fast 12-fachen des bundesweiten Pro-Kopf-Verbrauchs, geben die Ostfriesen jedoch nicht nur in Deutschland den Ton in Sachen Schwarztee an. Sie sind auch die Spitzenreiter der Teegenießer rund um den Globus. Vor Kuwait (Platz 2 mit 290 Litern), Irland (Platz 3 mit 257 Litern) und der Türkei (Platz 4 mit 225 Litern) nehmen sie Platz 1 auf der „Hitliste der Teetrinker“ ein.