Tag 6 | Ballou

Gerd Brandt alias Ballou. Foto (c): Bianca Ites-Buck
Gerd Brandt alias Ballou. Foto (c): Bianca Ites-Buck

„Ich habe nie vergessen, woher ich komme“, hat Gerd Brandt in einem Interview mit dem NDR gesagt. Stimmt. Zum Beispiel war er mal Stadtjugendpfleger in Jever in jener Zeit, als die Jugend ein wenig rebellischer war als heute, und leitete das erste Jugendzentrum in der Stadt. Das hatten sich die jungen Leute regelrecht erkämpft. Ein „autonomes“ Jugendhaus wollten sie damals, in das die Erwachsenen nicht reinreden sollten, und den rebellischen alten Juden Fritz Levy wählten sie in den JZ-Beirat. Wilde Zeiten waren das, und ein bisschen wild sieht „Ballou“, wie Gerd Brandt sich schon damals rufen ließ, ja auch heute noch aus. Kaum zu glauben, dass der Folk-Barde bereits für sein „Lebenswerk“ geehrt wird. Am 24. Januar wird ihm der Wilhelmine-Siefkes-Preis der Stadt Leer verliehen. Eine größere Ehre kann jemandem, der sich das Plattdeutsche auf die Fahne geschrieben hat, kaum zuteil werden. Wer hätte das gedacht, als „Ballou“ mit seinen jungen Leuten Jever in Wallung brachte. NDR-Bericht

Radio Nordseewelle will in Ostfriesland senden

Ostfriesland – Ein neuer Radiosender geht auf der ostfriesischen Halbinsel an den Start, „Radio Norseewelle“. Die Niedersächsische Landesmedienanstalt hat dem Bewerber Radio Nordseewelle GmbH & Co. KG in ihrer Versammlung  am 18. Dezember 2013 lokale UKW-Frequenzen in der Region Ostfriesische Inseln / Küstenstreifen zugesprochen. Nach dem rundfunkrechtliche Zulassungs- und Zuweisungsverfahren muss allerdings noch die Frequenzzuteilung durch die Bundesnetzagentur erfolgen, bevor Radio Nordseewelle an den Start gehen kann. An dem künftigen Sender ist laut einer Pressemitteilung der Landesmedienanstalt die Zeitungsgruppe Ostfriesland (ZGO) mit knapp einem Viertel beteiligt, sie gibt auf der Halbinsel unter anderem die Ostfriesen-Zeitung (Leer), die Ostfriesischen Nachrichten (Aurich) und den General-Anzeiger (Rhauderfehn) heraus. Laut Landesmedienanstalt sind Gesellschafter der Nordseewelle folgende Anteilseigner: 28,1 %  Rechtsanwalt  Frank Wilken, Leer, 24,9 % ZGO Zeitungsgruppe Ostfriesland GmbH, Leer, 17,0 %  TBD Technische Baudienstleistungen GmbH & Co. KG, Friedeburg, 17,0 % Holger Franz, Leer, 13,0 % Joachim Klemm, Leer.

Anzeigen-Sonntagsblatt wechselt Besitzer

In der ostfriesischen Zeitungslandschaft, nach wie vor eine der buntesten in Deutschland, aber in den vergangenen Jahren bereits durch Fusionen und Übernahmen verändert, tut sich wieder etwas. Die ZGO Zeitungsgruppe Ostfriesland GmbH hat heute mitgeteilt, dass sie den Leeraner Anzeigenblattverlag Sonntags-Report GmbH & Co. Kommanditgesellschaft von der Nordwest Medien GmbH & Co. KG gekauft hat. Die Geschäfte werden der Mitteilung zufolge seit gestern (Mittwoch, 14. August) durch die ZGO übernommen. In der ZGO erscheinen bereits die Tageszeitungstitel Ostfriesen-Zeitung (Leer), General-Anzeiger (Rhauderfehn), Ostfriesische Nachrichten (Aurich) sowie die Anzeigenblätter „Der Wecker“ und „Von Haus zu Haus“. Der anzeigenstarke Sonntags-Report erscheint in Leer, Papenburg und im nördlichen Landkreis Emsland. Er hat eine Auflage von 108 693 Exemplaren. Erstmalig ist der Titel Sonntags-Report am 7. September 1986 erschienen. Der Kauf durch die ZGO Zeitungsgruppe Ostfreisland GmbH wurde der Pressemitteilung zufolge durch eine jüngst beschlossene Veränderung des Pressefusionsrechtes möglich. „Die Kundenbeziehungen werden durch den Sonntags-Report fortgeführt. Alle Mitarbeiter werden übernommen. Über die Höhe des Kaufpreises haben beide Parteien Vertraulichkeit vereinbart“, heißt es weiter.

Sonntagsreport online

Epaper Sonntagsreport

Friesland von der Schokoladenseite

Bildband mit dreisprachigen Erläuterungen – die leider nicht immer zutreffen

DruckSchade, wenn ein gut gemachter Bildband unter den Mängeln des bisschen Textes leidet, der die schönen Fotos illustriert. So wie im neu erschienenen Werk aus dem Wartberg-Verlag, „Im Land der Friesen“. Es gibt ja nicht wenige solcher Bildbände, die das Land zwischen Ems und Jade mit seinen pittoresken Städtchen, Sielhäfen und Inseldörfern so zeigen, wie es sich auch in Tourismusprospekten gern präsentiert. Das ist nicht ganz das wahre Ostfriesland, sondern nur die Schokoladenseite eines Landstrichs, der auch Hinterhöfe hat. Aber Bayern besteht ja auch nicht nur aus Bergen, Seen und Lederhosen.

Es ist also ein Bildband wie viele, mit Ansichten zahlreicher friesischer Sehenswürdigkeiten von Kutterhäfen bis Windmühlen, von Inselstränden bis zu holländisch anmutenden Altstadtgässchen. Die Fotos von Günter Franz, ergänzt um eine Reihe von Agenturbildern, zeigen, dass er den Blick fürs Typische hat, aber das außergewöhnliche Motiv nicht übersieht.

Die Idee, die das Buch von der Masse abhebt, ist eine andere: Es ist dreisprachig, die erläuternden Texte stehen auf Deutsch, Englisch und Französisch nebeneinander. Der Bildband ist dadurch ein ausgezeichnetes Mitbringsel für ausländische Besucher der Region. Die werden auch, anders als der heimatkundlich bewanderte einheimische Leser, nicht bemerken, dass die beschreibenden Texte aus der Feder des Sachbuchautors Ulf Kaack hier und da etwas fehlerhaft daherkommen.

Das fängt mit sonderbaren Aufzählungen („Ostfriesland, das Wangerland und Butjadingen sind…“) an, geht über veraltete Informationen („Seit 1903 ist Emden die Heimat der Nordseewerke. Heute werden hier nicht nur Schiffe gebaut…“) und falsche historische Angaben („Die 1896 errichtete Alte Inselkirche ist die älteste Kirche Ostfrieslands“) bis hin zur Erfindung neuer geografischer Bezeichnungen („Die östlichste der ostfriesischen Inseln gehört als Einzige politisch nicht zu Ostfriesland, sondern zum friesischen Weserland“). Das mindert die Qualität der sonst gefällig und kurzweilig verfassten Erläuterungen ein wenig, stört am Ende wohl aber nur den, der sich etwas besser auskennt. Vielleicht verkauft die erste Auflage sich so gut, dass vor dem Druck der zweiten die kleinen Pannen ausgebügelt werden. Der Bildband selbst wäre es wert.

Ulf Kaack, Günter Franz, Im Land der Friesen – Zwischen Ems und Weser. 72 Seiten, gebunden, zahlreiche Farbfotos, deutsch/englisch/französisch. 15,90 Euro, Wartberg Verlag, ISBN 978-3-8313-2490-3

DieMilchMacht. Ostfriesische Milchgeschichte

Werbebroschüre für das Libby-Milchwerk in Leer, das ostfriesische Kuhmilch zu Kondensmilch verarbeitete.

Ausstellung im Heimatmuseum
in Leer ab 23. September

Von Burghardt Sonnenburg

Ostfriesland – Kühe kennt jeder – sie sind lila – und die Extraportion Milch macht müde Männer munter. Der ostfriesische Milchbauer lächelt oft über die Auswüchse der Milch-Werbeindustrie. Für ihn ist die Erzeugung eines der wichtigsten Lebensmittel der Welt ein hartes Geschäft. Im Spannungsfeld zwischen Stall und Weide, Ökonomie und Ökologie, Region und Europa ist heute nur wenig Raum für sonnige Kuhromantik. Trotzdem kommt dem Nutztier und der Milch mit all seinen Produkten – Butter, Käse, Joghurt, Quark, Butter und, zunehmend, Milchpulver – fast schon mythologische Qualität zu.

Seit Jahrtausenden kennt und nutzt der Mensch das Lebensmittel Milch. Schon Tacitus wusste zu berichten, dass die Germanen gerne „geronnene Milch“ verzehrten. Im Mittelalter gewinnen Butter und Käse an Bedeutung. Kunstvoll verzierte und zur Schau getragene „Butterberge“ kennzeichnen die Tafel wohlhabender Bauern und Bürger in der Frühen Neuzeit.

Für die ostfriesische Wirtschaft sind die Produktion von und der Handel mit Butter und Käse wichtig. Seit den 1960er Jahren gewinnt die Produktion von Milchpulver zunehmend an Bedeutung. Zeit für einen Rückblick und Ausblick auf die Geschichte der Milch in Ostfriesland.

Die Sonderausstellung „DieMilchMacht“ zeigt die Entwicklung der Milchwirtschaft in der Region von der Römerzeit bis in die Gegenwart hinein. Dabei werden sowohl wirtschaftliche und soziale Aspekte angesprochen als auch politische und ökologische Fragen. Vor allem der Übergang von der „traditionellen“, extensiv betriebenen Milchwirtschaft „von Hand auf dem Land“ hin zur „modernen“ industriellen Verarbeitung und Vermarktung von Milchprodukten in den Molkereien stehen dabei im Blickpunkt.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Geschichte des ostfriesischen Molkereiwesens: Zahlreiche Objekte, Bilder und Darstellungen aus der Sammlung Gerhard Busemann (Jemgumgeise) bilden hier die Grundlage und ergänzen die Schau.

Die Ausstellung ist als Lern- und Mitmachausstellung konzipiert. Über eigenes Erleben – melken, buttern, Sahne schlagen, Umgang mit der Handzentrifuge – erlangt der Besucher ein Gespür für die historische Milchverarbeitung auf den Bauernhöfen und bekommt gleichzeitig Einblicke in die Arbeitsweise moderner Molkereien. Spezielle Angebote für Kindergärten und Schulen (Sonderführungen, Workshops, Milchrallye, Milchquiz) runden das Angebot ab.

Die Ausstellung eröffnet am 23. September 2012 und ist bis zum 31. Dezember 2012 im Heimatmuseum Leer zu sehen. Das Museum ist Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Kontakt: Heimatmuseum Leer | Neue Straße 12-14 | 26789 Leer | Tel. 0491 2019 | www.heimatmuseum-leer.de

Ein schöner Text über Ostfriesland

News.de-Redakteurin Ulrike Bertus über ihre (und meine) ostfriesische Heimat:

Allein mit sich und dem Herzschlag

Ein neues Buch von Theo Schuster über jüdisches Leben in Ostfriesland

Fast vergessen: jüdisches Leben, jüdische Redensarten in Ostfriesland. Der Leeraner Verleger Theo Schuster hat über Jahre gesammelt und jetzt ein neues Buch herausgegeben: “Weet je wall, wor Löbje wohnt…” Mehr lesen: https://friesenblog.wordpress.com/ber-jdisches-leben-in-ostfriesland/