Tag 201 | Wulff

Wer das soeben erschienene Interview des Spiegel mit Christian Wulff lesen will, muss dafür bezahlen. Das ist zum einen mal was Nettes für treue Spiegel-Abonnenten, die sich vierteljährlich ihren Beitrag zur Erhaltung des deutschen Qualitätsjournalismus vom Konto abziehen lassen und sich manchmal fragen, warum sie sich nicht mit den kostenlosen Angeboten von Spiegel online begnügen. Zum anderen ist das Interview auch wirklich seinen Preis wert, denn in dem Streitgespräch schonen sich Ex-Bundespräsident und Spiegel-Redakteure nicht im Geringsten. Während beide Seiten nicht von ihrer Position lassen, sich fast jederzeit völlig korrekt verhalten zu haben, geht der Leser schon recht nachdenklich aus diesem spannenden Lehrstück über ethische Fragen in Politik und Journalismus heraus.

Wie gesagt: Wer es lesen möchte, muss es kaufen.

Tag 200 | Hinterzimmer

„Unter dem Deckmantel der Anonymität lästert es sich leicht…“ – ein interessanter WDR-Beitrag über Hintergrundgespräche, wie es sie im Lokalen ebenso gibt wie in Berlin. Wichtiger Hinweis an Politiker: „Besser keinen Alkohol trinken!“. Das hat man jüngst ja schon in dem Dokumentar-Spielfilm über die Spiegel-Affäre gelernt, wo ein völlig abgefüllter Franz-Josef Strauß vor (nüchternen) Journalisten so richtig die Sau rausließ.

Zum WDR-Beitrag

Tag 198 | Freizeittipp

Falls es Euch jetzt gerade, 8.40 Uhr, schon zu warm ist und Ihr in Sorge seid, es könnte heute nicht zum Aushalten sein mit der angekündigten Hitze, dann tröstet Euch. Es kommen bessere Zeiten. Soeben verschickt der Nabu Oldenburger Land eine Pressemitteilung zum Thema „Irgendwann kommt der Winter: Nabu gibt Tipps zum Bau von Futtergeräten +++ Lange Sommerabende zum Bau nutzen“.

Ihr wisst also, was heute Abend zu tun ist. In dem Sinne: Schönen Sommer und schönes Wochenende!

Tag 197 | Kurztrip

Fünf Minuten vom Start bis zur Landung: Die Inselflieger bieten auf der Strecke Harle-Wangerooge eine der kürzesten Linienflüge der Welt. Foto: Helmut Burlager
Fünf Minuten vom Start bis zur Landung: Die Inselflieger bieten auf der Strecke Harle-Wangerooge eine der kürzesten Linienflüge der Welt. Foto: Helmut Burlager

Die „Welt“ beschäftigt sich in einem Beitrag mit den kürzesten Linienflügen der Welt, und bevor man es gelesen hat, ahnt man schon: Da sind wir doch dabei! Fünf Minuten dauert laut Flugplan der Trip von Harlesiel nach Wangerooge oder von der Insel aufs Festland. Je nach Windrichtung kann es auch mal etwas schneller gehen oder ein wenig länger dauern. Aber sonst kommt in Deutschland keine Airline mit den „Inselfliegern“ mit. International allerdings sehr wohl; der kürzeste Linienflug soll laut „Welt“ nur 47 Sekunden dauern und geht von einer Orkney-Insel zu einer anderen. Tomatensaft wird unterwegs nicht angeboten. Zum Bericht

Tag 196 | Praktikanten

Der Mindestlohn soll der „Generation Praktikum“ ein Ende bereiten? Als ob es allen, die Praktikanten einstellen, darum ginge, sie auszubeuten. Es ist doch in den meisten Betrieben völlig anders: Nicht die Unternehmen brauchen die Praktikanten, sondern die Praktikanten das Praktikum. Beinahe täglich meldet sich zurzeit jemand in der Redaktion, der schon letztes Jahr sein Abitur gemacht und danach eine ganze Weile herumgedaddelt hat und dem nun bei der Bewerbung für den Studiengang „Medienwirtschaft und Journalismus“ kurz vor Toresschluss siedend heiß einfällt, dass er gar nicht angenommen wird, wenn er nicht ein vierwöchiges Praktikum nachweisen kann. Geld? Gar kein Thema, dabei bezahlen wir die „Praktis“ ja durchaus. Wir haben nur leider auf Monate überhaupt keine Plätze mehr frei. Es tut einem in der Seele weh, dass man die Bewerber alle wieder wegschicken muss – ohne über das Thema Mindestlohn überhaupt nur nachgedacht zu haben.

Tag 195 | Sundowner

Die Redaktionskonferenz tagt. Drei Redakteure anwesend, drei Abendtermine sind zu besetzen. Ein historischer Vortrag in Jever, eine feierliche Ordensverleihung in Jever, ein Hintergrundgespräch mit Bier und Würstchen im Beach-Club „Sonnendeck“ in Dangast. Ich hab mich dann geopfert und den Auswärtstermin übernommen…

Tag 193 | Salz

Die mögliche Einleitung von Salzabwässern aus dem Kaliabbau im hessisch-thüringischen Kalirevier beschäftigt die betroffene Region an der Nordsee, die Gemeinde Wangerland und die Stadt Wilhelmshaven, schon geraume Zeit. Das Vorhaben ist aberwitzig. Es soll 900 Millionen kosten, und die Firma, die das bezahlen soll, Kali & Salz (K+S), sieht überhaupt keinen Sinn darin. Man möchte wetten, dass die Pipeline von der Werra zum Jadebusen nicht kommen wird, aber wer weiß, man hat schon Pferde vor der Apotheke…

Ein aktueller Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Tag 192 | Schillighörn

Louis und Marie beim Tag der offenen Tür, mit dem die Jugendherberge offiziell in Betrieb genommen wurde. Foto (c): DJH
Louis und Marie beim Tag der offenen Tür, mit dem die Jugendherberge offiziell in Betrieb genommen wurde. Foto (c): DJH

Am Ende der Welt liegt sie, die Jugendherberge Schillighörn im Wangerland. Wen man von der A 29 auf die L 810 fährt und dann Richtung Norden, bis es nicht mehr weitergeht, und dann noch einmal links abbiegt, steht sie am Ende der Straße und am Anfang des Wattenmeers. Jetzt hat das Deutsche Jugendherbergwerk (DJH) noch einmal kräftig in dieses besondere Haus investiert. Es erhielt einen modernen Erweiterungsbau mit 76 Betten. Die Jugendherberge Schillighörn wird zukünftig besonders das Thema Integration und interkulturelles Lernen als profilbildendes Thema aufgreifen – und Schulklassen und Jugendgruppen die Herausforderungen nahe bringen, die ein Miteinander unterschiedlicher Kulturen an eine Gesellschaft stellt. Als erste Team-Jugendherberge im Nordwesten projiziert die Jugendherberge Schillighörn den Gemeinschaftsgedanken der Jugendherbergen auf die Fragen einer interkulturellen Gesellschaft. Dieses Anliegen wird auch in den Räumen des Neubaus sowie in der Verpflegung umgesetzt: In nach verschiedenen Migrantengruppen benannten Zimmern finden die Gäste Informationen zum jeweiligen Land und seinen Menschen sowie zum Leben der Migranten in Deutschland.

„Herzstück des Konzepts sind die interkulturellen Programme und -bausteine, die den Standort weiter für Schulklassen profilieren werden“, so Thorsten Richter, Geschäftsführer im DJH Landesverband Unterweser-Ems, bei der Eröffnung am Freitag. Diese setzen vor allem auf eine sensible Auseinandersetzung mit kultureller Vielfalt. Die Programme regen an, Gemeinsamkeiten und Unterschiede, Selbst- und Fremdbild wahrzunehmen und eigene Erfahrungen mit diesem Thema zu reflektieren. Nebenbei entdecken die Schülerinnen und Schüler ihre persönlichen Stärken, Interessen und Talente und entwickeln gemeinsam ihre sozialen Kompetenzen weiter.

Insgesamt bietet die Jugendherberge Schillighörn, inklusive Haupthaus, 188 Betten in 43 Zwei-, Vier-und Sechsbettzimmern sowie sieben Tagesräume. Die Jugendherberge Schillighörn konnte mit 124 Betten im Jahr 2013 15.166 Übernachtungen (davon 9.086 Schulklassenübernachtungen) von insgesamt 4.379 Gästen verzeichnen und zählt damit zu den stärksten Schulklassenstandorten im nordwestlichen Niedersachsen. Im Durchschnitt machen Schulklassen rund 40 Prozent der Gäste der Jugendherbergen im Nordwesten aus, in Schillighörn sind es 55 bis 60 Prozent Etwa die Hälfte der Schulklassen kommen aus Nordrhein-Westfalen und sind Grundschulklassen. Für das Jahr 2014 rechnet das Deutsche Jugendherbergswerk mit rund 17.500 Übernachtungen, ab 2015 sollen es dann mit 188 Betten mehr als 20.000 Übernachtungen pro Jahr werden.