Jubiläums-Jahrbuch der Seenotretter

DGzRS feiert 160-jähriges Bestehen und 150 Jahre Sammelschiffchen

DGzRS. Ohne Deine Spende geht’s nicht.

1775 Einsätze auf Nord- und Ostsee, 79 Menschen aus Seenot gerettet, 403 aus drohender Gefahr befreit, 2967 Personen Hilfe geleistet, 900 Wasserfahrzeuge aus schwierigen Situationen geborgen, 26 Schiffe und Boote vor dem Totalverlust bewahrt. Das ist die Bilanz der Seenotretter im Jahr 2024. Und noch eine Zahl: „Null“ steht für die Summe der Steuergelder, die in diese wichtige Arbeit flossen. Denn die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger finanziert sich ausschließlich über freiwillige Beiträge und Spenden.

Neben diesen und vielen anderen Zahlen präsentiert das Jahrbuch 2025 der Seenotretter, das soeben an die registrierten Spender verschickt wurde, wieder eine Fülle von Geschichte und Informationen rund um die einerseits segensreiche, andererseits auch spannende Arbeit der Männer und Frauen, die rund um die Uhr für die Sicherheit auf See im Einsatz sind. Das neue Heft feiert aber auch ein Doppeljubiläum. 160 Jahre Seenotretter und 150 Jahre Sammelschiffchen. Letztere tragen dank ihrer Präsenz an 13.000 verschiedenen Orten nicht wenig zum Spendenaufkommen für die DGzRS bei. 832.429,94 Euro „Kleingeld“ steckten Freunde der Seenotretter im vergangenen Jahr in die originellen Spendenbüchsen, die den historischen Rettungsbooten nachempfunden sind. 1875 wurde das erste aufgestellt, mittlerweile finden sie sich in Geschäften und Gaststätten, Apotheken und Arztpraxen, auf Inselfähren und auf Großcontainerschiffen, ja sogar auf Forschungsschiffen in der Arktis und Antarktis. 1996 wurde sogar eins auf der Zugspitze aufgestellt, weit weg von Nord- und Ostsee.

Sie sind bis heute nicht aus der Mode gekommen, auch wenn Spenden an die Seenotretter heute auf vielen anderen Wegen möglich sind, von der klassischen Banküberweisung über die Online-Spende bis zum mobilen Zugang per QR-Code. Der DGzRS fließen aber auch Bußgelder zu und in erheblichem Umfang auch Zuwendungen auch Nachlässen. Unterm Strich kam die Organisation zum Beispiel 2023 auf Spendenerträge von mehr als 60 Millionen Euro. Davon werden nicht nur die Personal- und Materialkosten der gesamten Rettungsorganisation mit fast 60 Rettungsstationen und der Zentrale in Bremen finanziert, sondern auch die laufende Modernisierung der großen Schiffs- und Bootsflotte der DGzRS.

Das Jahrbuch 2024 berichtet, neben Exkursen in die Geschichte der Seenotrettung und der Sammelschiffchen, auf 136 Seiten über die vielfältigen Aspekte dieser wertvollen Arbeit. Kaufen kann man es übrigens nicht, aber man erhält es als Spender. Schon dafür lohnt sich eine Zuwendung. https://www.seenotretter.de/magazin/jahrbuch

Klimaaktivist aus Wilhelmshaven wechselt zu den Grünen

Fahrradlobbyist Heinrich Strößenreuther verlässt nach knapp vier Jahren die CDU

Der aus Wilhelmshaven stammende Klimaaktivist und Fahrradlobbyist Heinrich Strößenreuther (57), der vor knapp vier Jahren überraschend in die CDU eingetreten war, hat die Partei wieder verlassen und wird den Grünen beitreten. Das hat er am Freitag in Berlin mitgeteilt. 

Strößenreuther ist Gründer der Initiative German Zero, Initiator des Berliner Fahrrad-Volksentscheids und Chef des Vereins Changing Cities. Er gilt wahlweise als der „erfolgreichste deutsche Verkehrslobbyist“ (taz) oder „Verkehrsrebell im schwarzen Anzug“ (Die Zeit). In der CDU gründete er die Klima-Union mit.

2021 hatte das Bekenntnis Strößenreuthers zur CDU ein enormes Medienecho ausgelöst, vielfach mit Spekulationen darüber, ob die Entscheidung ein Vorbote von Schwarz-Grün sein könnte. Er selbst sah in einer neuen Klimapolitik der Unionsparteien einen entscheidenden Hebel, um die 1,5-Grad-Klimapolitik voranzubringen. Er wolle die gesamte Partei für das Ziel der Klimaneutralität 2035 gewinnen.

Das ist ihm offenbar nicht gelungen. Am Freitag kritisierte er in einer Pressemitteilung, besonders die Unions-Spitzen verspielten durch despektierliche Äußerungen und mangelndes Verständnis für Klimaschutz und Wirtschaft die Chancen zur Transformation. „Die CDU ignoriert die Größenordnung der Klimaaufgabe sowie die rechtlichen Verpflichtungen. Ich bin lieber Teil einer Partei, die die Verantwortung kennt, sich ihr stellt und versucht, dafür Mehrheiten zu gewinnen“, erklärte Strößenreuther. Er will auch andere für einen Eintritt bei den Grünen gewinnen.

Strößenreuther wuchs in Breddewarden bei Sengwarden auf. Seine Eltern waren Mitglieder der CDU und in Wilhelmshaven auch sonst ehrenamtlich stark engagiert. Strößenreuther selbst war in der evangelischen Jugend aktiv. Nach dem Studium der Wirtschaftsinformatik in Mannheim war er in verschiedensten Tätigkeiten immer auch politisch engagiert, ob als Mitarbeiter des Bundestags, Vorstand eines Wirtschaftsforschungsinstituts, Campaigner für Ökosteuern bei Greenpeace, Projektmanager im Vorstand der Deutschen Bahn, Gründer eines Fernbusunternehmens, als Berater, Interims-Manager, Inhaber der Agentur für clevere Städte, Buchautor und „Business Angel“. Er ist früher schon einmal Mitglied der Grünen gewesen.

NS-Menschenhandel: Per Reichsbahn in die Freiheit

Änne Gröschler aus Jever und der Transport 222 aus Bergen-Belsen

Recht wenig ist bisher über die Austausche jüdischer Menschen aus den NS-Todeslagern gegen nichtjüdische Deutsche in britischer Internierung oder gegen Devisen bekannt. Der Historiker Hartmut Peters gibt am 31. Oktober 2024 (Donnerstag) ab 19 Uhr im GröschlerHaus Jever im Vortrag „Per Reichsbahn in die Freiheit. Änne Gröschler aus Jever und der NS-Menschenhandel“ einen Einblick in dieses verwirrende Randkapitel des Holocaust. 

Änne Gröschler um 1930 (Sammlung B. Löwenberg)

Wie kann es sein und wie kam es, dass NS-Deutschland buchstäblich alle jüdischen Menschen Europas und darüber hinaus ermorden wollte, gleichzeitig aber einige wenige vor ihrer Vernichtung in die Freiheit entließ?  Sechs Millionen wurden ermordet – insgesamt etwa 2500 in der Folge eines Austausches nicht.  

Im Mittelpunkt steht der „Transport 222“, mit dem 1944 die jeversche Jüdin Änne Gröschler (1888 – 1982) aus dem KZ Bergen-Belsen in das britische Mandatsgebiet Palästina entkommen konnte. Vor genau 80 Jahren, im Herbst 1944, schrieb sie sich auf Anraten von Ärzten ihre traumatischen Erfahrungen von der Seele.

Ihr Bericht ist die beste primäre Quelle zum „Transport 222“ und ein einzigartiges Dokument. Es schildert ein Panorama von Schrecken und Durchhaltewillen: die Verfolgung der Juden in einer deutschen Kleinstadt, die Flucht 1939 in die Niederlande, der Überfall Deutschlands 1940, der gescheiterte Versuch, mit dem Schiff nach England zu entkommen, das verratene Versteck in Groningen, die Haft im Lager Westerbork, die drohenden Deportationen nach Auschwitz und die Leiden im „Austauschcamp“ des KZ Bergen-Belsen, wo der Ehemann umkam. 

Wie in einem Wunder bestieg Änne Gröschler dann mit den anderen „Austauschjuden“ auf dem Celler Bahnhof einen zur Täuschung der Weltöffentlichkeit luxuriös ausgestatteten Sonderzug zur mehrtägigen Fahrt in die Freiheit. Das Manuskript des Berichts  wurde von der Familie Gröschler-Löwenberg  dem GröschlerHaus zur Verfügung gestellt und seitdem in verschiedenen kommentierten Ausgaben in Deutschland und den USA veröffentlicht.

Der Weg der Palästina-Austauschhäftlinge von Bergen-Belsen nach Haifa im Juni/Juli 1944 (mit Fluchtweg von Änne Gröschler, oben rechts). Grafik: Andreas Reiberg

Während der „Transport 222“ jüdische Menschen gegen eine identische Anzahl von Auslandsdeutschen aus britischer Internierung tauschte, kamen die sogenannten „Kasztner-Juden“ gegen Devisen frei. Der Budapester jüdische Rechtsanwalt Rudolf Kasztner schaffte es Ende 1944 nach schwierigsten Verhandlungen mit der SS, 1670 Juden aus dem KZ Bergen-Belsen in die rettende Schweiz freizukaufen. Kasztner galt manchen nach dem Krieg als Kollaborateur und wurde 1957 deshalb in Tel Aviv ermordet.

Die Veranstaltung gehört zur Reihe „Zehn Jahre GröschlerHaus“ des Arbeitkreises  GröschlerHaus im Jeverländischen Altertums- und Heimatverein. Der Eintritt ist frei. 

Quelle: Pressemitteilung GröschlerHaus Jever, 21. Oktober 2024

„Das war die KI“ ist keine Ausrede

Deutscher Presserat stellt Verantwortung für künstlich erzeugte Inhalte klar

„Da kann ich nichts dafür, das war die KI.“ Mit so einer Ausrede kommt keiner davon, der Beiträge veröffentlicht, die er von einer Maschine hat schreiben lassen. Das hat der Deutsche Presserat jetzt klargestellt.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass jemand, der Texte publiziert, dafür auch geradestehen muss. Aber das Selbstkontrollorgan der deutschen Presse sah sich doch genötigt, diese Verantwortung schwarz auf weiß ins „Grundgesetz“ der seriösen Medien aufzunehmen.

„Der Pressekodex gilt auch für journalistische Inhalte, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz entstanden sind“, heißt es in einer Mitteilung des Presserats, dessen Plenum des Presserats 19. September 2024 die Präambel des Pressekodex um einen entsprechenden Passus erweitert hat. Er lautet: „Wer sich zur Einhaltung des Pressekodex verpflichtet, trägt die presseethische Verantwortung für alle redaktionellen Beiträge, unabhängig von der Art und Weise der Erstellung. Diese Verantwortung gilt auch für künstlich generierte Inhalte.“

Zusätzliche Änderungen im Pressekodex, etwa eine Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Texte, hält der Presserat der Mitteilung zufolge derzeit nicht für erforderlich. „Für die ethische Bewertung von Beschwerden spielt es keine Rolle, wer mit welchen Hilfsmitteln einen Beitrag erstellt hat. Die presseethische Verantwortung, zum Beispiel für die Einhaltung der journalistischen Sorgfaltspflicht, liegt weiter uneingeschränkt bei den Redaktionen”, so der Sprecher des Presserats Manfred Protze.

Bilder, die mithilfe von KI entstanden sind, müssen jedoch als Symbolbilder gekennzeichnet werden. „Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass künstlich generierte Bilder die Realität abbilden”, so Protze. Die Richtlinie 2.2, nach der symbolische Illustrationen als solche erkennbar zu machen sind, hat der Presserat bereits bei der Bewertung von Beschwerden in Bezug auf KI-generierte Bilder angewendet.

Mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz bei der Recherche und Erstellung von Inhalten, also Texten, Grafiken, Videos und Bildern, aber auch in der Produktion von Presseprodukten bis hin zu komplett von KI befüllten Portalen, automatisch erstellten Zeitungslayouts und Ablieferung von fertigen ganzen Seiten befassen sich inzwischen die meisten Medienhäuser. Dadurch stellt sich zunehmend die Frage nach der Verantwortung für die publizierten Inhalte. Auch wenn im Streitfall darüber sicher Gerichte entscheiden – presseethisch liegt sie nun auf jeden Fall bei den Redaktionen.

Die Nazis und die Eliten der Mitte im Jeverland

Es gibt nur wenige Regionen, die der NSDAP so früh und so massiv folgten wie das Jeverland. 1924 gaben ihr hier 22,6 Prozent (Deutsches Reich 6,6 %) der Wähler die Stimme, 1933 waren es dann 62,8 % (Reich 43,9 %). Aber damit nicht genug. Bei den Niedersächsischen Landtagswahlen 1951 machten 22,1 % der Wähler die Sozialistische Reichspartei zur zweitstärksten politischen Kraft des Jeverlands. Kurz danach wurde die NS-Nachfolgepartei vom Bundesverfassungsgericht verboten.

Das Gröschlerhaus Jever veranstaltet am Donnerstag, 29. August 2024, um 19 Uhr einen Vortragsabend mit dem Historiker Hartmut Peters über das Thema „Extremismus in der Mitte. Der Sufstieg der NSDAP im Jeverland bis zur Machtübefnahme 1933“. Der Eintritt ist frei.

Hartmut Peters sieht den Schlüssel zur Erklärung der frühen Effolg  er deff tv Nationalsozialisten im Jeverland nicht allein in den Rahmenbedingungen Weimars und in der begünstigenden Sozialstruktur des Jeverlands, sondern bei namhaften Exponenten der eingesessenen bürgerlichen Eliten: „Der Aufstieg war hausgemacht, getragen von Studienräten des Mariengymnasiums, leitenden Verwaltungsbeamten, dem Jeverschen Wochenblatt, Kaufleuten, Wortführern des Landvolks und den evangelischen Pastoren. Das möchte ich an Biografien und Dokumenten aufzeigen.“ Als verbindenden Kitt sieht Peters Judenhass und Ablehnung von Demokratie und kultureller Moderne quer durch beinahe alle etablierten politischen Lager. Laut Peters wurde bisher aber fast manisch nur auf die NSDAP gestarrt, während die im historischen Schatten der offenen Verbrecher operierenden Eliten der „Mitte“ ungeschoren davon kamen. Obwohl sie dieselben extremistischen Grundüberzeugungen besaßen .

Am Ende Vortrags stehen offensichtliche Unterschiede und Gemeinsamkeiten der politischen Zeiten damals und heute zur Diskussion. Der langjährige Lehrer am Mariengymnasium Jever Hartmut Peters hat die NS-Geschichte des Jeverlands und der Juden der Region erforscht und seit 1984 darüber publiziert. Seine Aufsätze sind auch über die Webseite groeschlerhaus.eu zugänglich.

Quelle: Pressemitteilung Gröschlerhaus Jever

Wenn der Krieg plötzlich zu uns kommt

Meine neue Ombudsmann-Kolumne dreht sich darum, dass die Welt immer kleiner wird und was das für Folgen für den Lokaljournalismus hat. Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine ist dafür ein gutes Beispiel. Und eine Beitrag der ukrainischen Journalisten Natalia Vershko aus Jever zeigt, wie es geht. Weiterlesen auf Ombuds-News.

Ein monströses Paradies

Zeitnah zum Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar ist gestern in Frankreich der Holocaust-Film „The Zone of Interest“ mit der Oscar-nominierten Hauptdarstellerin Sandra Hüller an den Start gegangen. Wir haben ihn im Theatre + Cinéma Scène nationale Grand Narbonne gesehen. Er wurde hier in der Originalversion auf Deutsch mit französischen Untertiteln gezeigt. Fazit: Schwere Kost, aber absolut sehenswert. Ein Film, der angesichts der Sorge um ein Erstarken des Rechtsextremismus in Deutschland in die Zeit passt. In Deutschland ist der Kinostart in einem Monat, am 29. Februar, vorgesehen.

Dem britischen Regisseur Jonathan Glazer gelingt mit „The Zone of Interest“ das Kunststück, einen eindringlichen Film über Auschwitz zu drehen, ohne ein einziges Bild vom grausigen Geschehen innerhalb des Zauns des Vernichtungslagers zu zeigen. Alles wird nur aus der Binnenperspektive des idyllischen Gartens sichtbar, den Hedwig Höss (Sandra Hüller), die Frau des Lagerkommandanten Rudolf Höss (Christian Friedel), für ihre siebenköpfige Familie erschaffen hat, während ihr Mann nebenan den Massenmord organisiert.

Als Rudolf Höss nach zwei Jahren in Auschwitz nach Oranienburg versetzt werden soll, kämpft sie um ihre „Interessenzone“. Hedwig Höss bleibt mit ihren Kindern da, in ihrem grünen Paradies mit Blumen- und Gemüsegarten, Gewächshaus und Swimmingpool direkt neben der Hölle des Todeslagers. Eine Hölle, die die Bewohner des Paradieses nicht ignorieren können, denn sie sehen die Rauchschwaden, den nächtlichen Feuerschein, sie husten wegen des Gestanks und der Rußpartikel, sie hören die Geräusche der Öfen, die Schreie, Befehle, Schüsse. Und sie ignorieren sie doch, feiern ihre Gartenfeste, spielen lustige Spiele, lesen Märchen vor, baden am nahegelegenen Fluss, plaudern mit Freundinnen über teure Kleidung und kostbaren Schmuck, die ihnen aus dem Lager nebenan „geschenkt“ werden.

„The Zone of Interest“ ist ein monströses Schauspiel in starken, manchmal bizarren Bildern und eindringlichen Tönen. Für den Zuschauer ist das ungerührt gelebte Familienidyll im Schatten der Schornsteine von Auschwitz nur schwer erträglich. Man sollte sich diesen Film dennoch antun. Gerade in heutiger Zeit.

Wie sich die Natur nach Waldbränden erholt

Der Süden brennt. In Frankreich, Griechenland, Spanien und Portugal gehen in der akuten Hitzewelle Zigtausende Hektar Pinienwälder und Heideflächen in Flammen auf. Können sich diese Landschaften je davon erholen?

Französische Biologen und Forstwissenschaftler haben in Langzeituntersuchungen verfolgt, wie sich mediterrane Waldgebiete nach einem solch verheerenden Brand entwickeln. Sie unterteilen die Regeneration der Brandflächen in fünf Phasen.

Waldbrände zerstören Natur, aber auch Naherholungsräume für die Menschen. Nissan-leu-Enserune im Languedoc. Hier brannten die unter Natur- und Landschaftsschutz stehenden Kiefernwälder in den vergangenen Jahren mehrfach. Foto: Helmut Burlager

Die ersten Monate

Tote und geschwächte Bäume dienen zur Ernährung und zur Eiablage für verschiedene Insekten (Fliegen, Käfer), die wiederum Nahrungsquelle für Vögel sind. Die grüne Natur kehrt schon bald in Form nachwachsender Moose, Kräuter und erster frischer Triebe an den Baumstümpfen zurück.

Das erste Jahr

Drei Monate nach dem Waldbrand. Les collines de Nissan-lez-Enserune, Languedoc. Foto: Helmut Burlager

Die Wüste lebt: Vögel, kleine Säugetiere und weitere Insekten besiedeln die Landschaft und tragen Samen von Pflanzen ein. Kleine Gewächse wie Thymian und Rosmarin, Zistrosen und der Erdbeerbaum sprießen. Schnell wächst die Aleppo-Kiefer nach, ein Baum, der sich optimal an die Bedingungen potenzieller Waldbrandgebiete angepasst hat. Denn während der leicht entflammbare harzhaltige Baum im Feuersturm komplett vernichtet wird, öffnen sich durch die Hitze die Kiefernzapfen und streuen Hunderte von Samen in die Asche. Aus ihnen erwachsen bald neue Bäume.

Ein Jahr nach dem Waldbrand, hier bei Nissan-lez-Enserune im französischen Languedoc, sprießt schon erstes Grün. Foto: Helmut Burlager

Nach fünf Jahren

Die Spuren des Feuers sind längst weniger sichtbar, den prärieartigen Boden bedeckt ein Teppich von Beerensträuchern. Die großen Säugetiere wie Hirsch, Fuchs, Dachs, Wildschwein, Hase und Fasan sind zurückgekehrt. Die Aleppo-Kiefern sind schon drei Meter groß.

Zwischen zehn und zwanzig Jahren

Das schützende Dach der groß gewordenen Kiefern fördert das langsame Wachstum von Laubbäumen wie Eichen. Die meisten Pflanzen haben inzwischen ihre Geschlechtsreife erlangt und könnten sich auch im Fall eines neuen Brandes fortpflanzen. Typische Waldbewohner wie etwa Schildkröten und Eidechsen, die das Feuer nicht überlebt haben, sind wieder zugewandert, nahezu alle Vogelarten zurück.

Nach 30 Jahren

Der Wald hat seinen alten Zustand für etwa ein Drittel der früher dort anzutreffenden Lebewesen wiedergefunden.

Fazit

Die mediterranen  Ökosysteme sind recht gut an Waldbrände angepasst, sie können die Folgen auch regelmäßig in größeren Abständen sich wiederholender Feuer ausgleichen. Kommt es innerhalb weniger Jahre zu mehrfachen Bränden, wird letztlich nur noch eine Heidelandschaft mit niedrigem, aber dichten Bewuchs zurückbleiben.

Überlebenskünstler

Neben der Aleppo-Kiefer ist die Korkeiche ein Baum, der sich durch besondere Resilienz gegenüber Bränden auszeichnet. Ihre dicke Korkrinde hält die enorme Hitze vom eigentlichen Stamm fern, 20 Monate nach einem Waldbrand schlägt der Baum wieder grün aus.

Informationen aus: Midi Libre

Ein Forum, kein Pranger

Was dürfen Leserbriefschreiber? Eine neue Kolumne auf meiner Ombudsmann-Seite. Gerne auch abonnieren!

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Über die Frage, was in Leserbriefen erlaubt ist

Der kritische Blick auf Missstände gehört zu den Aufgaben der freien Presse. Fehlentwicklungen zu benennen, ist im demokratischen Staat nicht nur das Recht, sondern geradezu die Pflicht von Journalisten, die ihren Beruf ernst nehmen. Bevor eine Redaktion etwas anprangert, muss sie den Sachverhalt sorgfältig ermitteln. Stimmen die Fakten? Sind alle Argumente bekannt? Hat man alle Seiten gehört? Je härter ein Vorwurf, desto wichtiger die gründliche Recherche.

Aber gilt das auch für Leserbriefe? Darüber diskutierte ich vor einigen Wochen mit einer Leserin. Sie hatte einen aus meiner Sicht berechtigten Vorwurf erhoben. In einem Leserbrief war eine vereinsinterne Angelegenheit in die Öffentlichkeit gebracht worden. Die Verfasserin hatte einen nicht ganz glücklich abgelaufenen Disput während einer Übungsstunde geschildert und sich über den Übungsleiter beschwert. Der hatte keine Gelegenheit bekommen, seine Version des Vorfalls zu erzählen. Der Abdruck des Leserbriefs führte zu einem Zerwürfnis innerhalb des…

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Alles nur gekauft?

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft … ?
Eine neue Kolumne vom Ombudsmann.

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Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen, deshalb vorweg der Hinweis: Ich habe zweimal an der Spargelfahrt des Seeheimer Kreises der SPD-Bundestagsfraktion teilgenommen, Bier getrunken und mich am Büffet bedient, ohne dafür zu bezahlen. Eine von drei Sprechern der Seeheimer ist Siemtje Möller aus Friesland. Mich hat damals die Abgeordnete Karin Evers-Meyer eingeladen.

Dieses Bekenntnis ist notwendig, um unbefangen über ein Thema schreiben zu können, das die Bild-Zeitung und danach die Zeitschrift „The Pioneer“ aufgegriffen hat. Es ging um das Sponsoring, mit dem die Parlamentarier alljährlich die luxuriöse Wannsee-Schiffstour finanzieren. „The Pioneer“ nannte etliche Namen aus der langen Spenderliste. Die reicht vom Rüstungsunternehmen Rheinmetall bis zum Bundesverband der Zigarrenindustrie, von der Veltins-Brauerei bis zu Union Investment.

5000 Euro, hieß es in dem Artikel, müssten Verbände und Firmen mindestens hinlegen, um mit ihrem Logo auf einer diskret angebrachten Werbewand auf dem Schiff vertreten zu sein. Vor allem aber, um…

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