Ich bin eine Karteileiche. Das merke ich jedesmal zu Jahresbeginn, wenn Spendenbescheinigungen ins Haus flattern und wieder fleißig vom Konto abgebucht wird von all den Vereinen, Verbänden und Hilfsorganisationen, in die man im Laufe des Lebens so eintritt oder denen man sich als Dauerspender verpflichtet hat. Manchmal auf einen Anruf hin oder aus einer Laune heraus, ohne mit großem Engagement dahinter zu stehen. Es geht ja meist auch nicht um weltbewegende Summen, hier zehn Euro im Monat, dort 24 Euro im Halbjahr. Aber übers Jahr läppert es sich schon. Es ist die reine Bequemlichkeit oder das Gefühl, niemandem weh tun zu wollen, dass man nicht einfach austritt, abbestellt, kündigt, widerruft. Es scheint leichter sein, aus der Kirche und der Gewerkschaft rauszukommen als aus dem örtlichen Sportverein, dem Bürgerverein, den ganzen Fördervereinen und Freundeskreisen, weil man ja die Vorsitzenden kennt oder die Schatzmeister oder vielleicht doch noch mal eine Dienstleistung in Anspruch nehmen möchte, die an eine Mitgliedschaft gebunden ist. Auch wenn man das seit Jahren nicht getan hat. Jahr für Jahr nimmt man sich also vor, das doch endlich mal zu bereinigen und mehr Geld dort zu investieren, wo es einem wirklich wichtig ist, in meinem Fall zum Beispiel bei Opportunity International oder für das Friedel-Orth-Hospiz. Aber am Ende werden es wohl doch die Erben erledigen müssen, den ganzen Kram zu beenden, wenn eines hoffentlich fernen Tages aus der Karteileiche eine echte geworden ist.
Kategorie: Leben
Tag 10 | Gesunde Ernährung
Jetzt, nach den vielen Feiertagen, ist es an der Zeit, über eine Ernährungsumstellung nachzudenken. Die Volkshochschule in Leer hat da auch das Richtige im Programm. Sie startet am 15. Januar den Kursus „Ostfriesische Küche“. Petra Siehl vermittelt leckere Rezepte für Grünkohl, Schnippelbohnen, Steckrübeneintopf, Rote Grütze & Co. Drei Abende, zwölf Stunden – fünf Kilo? Zur Anmeldung geht es hier: VHS Leer
Tag 9 | Jan Temme

Lehrer können nichts ausrichten? Dass ich gerne Bilder an die Wand hänge und Ausstellungen besuche, schreibe ich jenen Frauen und Männern zu, die mich an der Friesenschule (das unvergessene Ehepaar Bonow) und am Teletta-Groß-Gymnasium (der ebenso unvergessene Jan Temme) unterrichtet haben. Und auch dem Leeraner Bildhauer Karl-Ludwig Böke, dessen abstrakten, erotisch angehauchten Steinskulpturen wir staunend betrachteten und berührten, oder dem Maler und Kunsterzieher Siegfried Kunstreich, allesamt seinerzeit in Leer (Ostfriesland) aktiv. Nicht dass auch nur einer von ihnen es geschafft hätte, mir selbst irgendein künstlerisches Talent zu entlocken. Aber die Liebe zum Betrachten und Entdecken von Bildern haben sie in uns Schülern der sechziger und siebziger Jahre zu wecken verstanden. Auch weil sie selbst sich mit moderner Kunst beschäftigten und Dinge machten, die so ganz „anders“ waren. Im Kunsthaus in Leer läuft nun eine Ausstellung mit Arbeiten von Jan Temme, der 1923 in Veldhausen nahe der niederländischen Grenze geborene Maler und Zeichner Jan Temme wäre nämlich im vergangenen Jahr 90 Jahre alt geworden. Bis zum 2. März 2014 sind sind seine Aquarelle, Gemälde und Zeichnungen noch im Turnerweg 5 zu sehen.
Jan Temme hatte in Nordhorn das Malerhandwerk erlernt und für die Städtischen Bühnen als Bühnenbildner gearbeitet, bevor er von 1951 bis 1953 an der Akademie der Bildenden Künste in Münchenstudierte. Im Anschluss betrieb er wiederum in Nordhorn ein Atelier für angewandte Kunst und schloss ein weiteres Studium zum Gewerbelehrer in Wilhelmshaven ab. Diesen Beruf übte er ab 1959 in Wittmund sowie in Leer aus, ehe er 1970 Kunsterzieher in Leer, später in Brinkum wurde. Temme trat dem Bund Bildender Künstler Ostfriesland bei und hatte dessen Vorsitz von 1971 bis 1981 inne. 1986 verzog der Künstler nach Hannover, wo er nach langer Krankheit 2005 starb. Sein zwischen Realismus und Surrealismus anzusiedelndes künstlerisches Werk entfaltete sich vollends erst in Ostfriesland, nachdem Temme 1960 nach Leer übergesiedelt war. Hier entstanden seit den späten 1960er Jahren gesellschaftskritische Gemälde, Interieurs, detailreiche Zeichnungen, sehnsuchtsvolle Fensterbilder und Landschaften. In den 1980er Jahren experimentierte der Künstler mit der Aquarellmalerei
Tag 8 | Safer surfen
Tag 7 | Ein Buch
Axel Bürgener lernte ich auf einer langen Autofahrt kennen. Ein Heeresgeneral a. D., der so aussieht und spricht wie ein Heeresgeneral a. D. – ein Mann mit scharfen Konturen, entschiedenen Ansichten, klarer Aussprache, befehlsgewohnter Stimme. Eine Weile redeten wir über seine Bundeswehrkarriere, seine Ansichten über die Notwendigkeit und Aufgaben des Militärs, über internationale Konflikte und über Politik, schließlich auch über meinen Beruf, den Journalismus. Die Fahrt war wirklich lang. Irgendwann sprachen wir über die prächtigen Wolkenbilder an diesem Sommertag, über Fotografie, über die Liebe zur Natur, über Tierschutz, über seinen Hund, sein Pferd, über Katzen und Vögel, über die Liebe zur norddeutschen Landschaft, über unsere Familien. Wie sehr kann ein erster Eindruck täuschen.
Vor wenigen Wochen hat Axel Bürgener mir sein neues Buch geschickt. „Wangerland von oben“ heißt es. Der Heeresgeneral ist in die Luft gegangen, hat Strände, Watt, Priele, Binnentiefe, Häfen, Dörfer, Burgen, Gehöfte, Schiffe, Boote und Robben aus der Vogelperspektive fotografiert. Zusammen mit seinem Nachbarn Klaus Siewert, einem renommierten Sprachforscher, hat er ein wunderschönes Buch daraus gemacht. Siewert stellte die Gedichte zusammen, die die einzelnen Fotos illustrierten, Klassiker von Goethe bis Mörike, aber auch viel Unbekanntes, Überraschendes darunter. „Impressionen aus dem Land zwischen den Gezeiten“ heißt das Buch im Untertitel, der nicht zuviel verspricht. Es geht um die unerfindlichen Sehnsüchte der Menschen und ihre Liebe zum Meer und dem Land, das sie ihm in Jahrhunderte abgerungen haben. Ich habe mich über das Geschenk eines Freundes gefreut. (Verlag Auf der Warft, Wiarden – Hamburg – Münster 2013, ISBN 978-3-939211-70-9)
Tag 6 | Ballou

„Ich habe nie vergessen, woher ich komme“, hat Gerd Brandt in einem Interview mit dem NDR gesagt. Stimmt. Zum Beispiel war er mal Stadtjugendpfleger in Jever in jener Zeit, als die Jugend ein wenig rebellischer war als heute, und leitete das erste Jugendzentrum in der Stadt. Das hatten sich die jungen Leute regelrecht erkämpft. Ein „autonomes“ Jugendhaus wollten sie damals, in das die Erwachsenen nicht reinreden sollten, und den rebellischen alten Juden Fritz Levy wählten sie in den JZ-Beirat. Wilde Zeiten waren das, und ein bisschen wild sieht „Ballou“, wie Gerd Brandt sich schon damals rufen ließ, ja auch heute noch aus. Kaum zu glauben, dass der Folk-Barde bereits für sein „Lebenswerk“ geehrt wird. Am 24. Januar wird ihm der Wilhelmine-Siefkes-Preis der Stadt Leer verliehen. Eine größere Ehre kann jemandem, der sich das Plattdeutsche auf die Fahne geschrieben hat, kaum zuteil werden. Wer hätte das gedacht, als „Ballou“ mit seinen jungen Leuten Jever in Wallung brachte. NDR-Bericht
Tag 5 | Vom Alter
Alter ist irrelevant, es sei denn, du bist eine Flasche Wein. (Joan Collins)
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Je älter man wird, desto mehr ähnelt die Geburtstagstorte einem Fackelzug. (Katharine Hepburn)
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Alt werden ist natürlich kein reines Vergnügen. Aber denken wir an die einzige Alternative. (Robert Lembke)
Tag 4 | Willkommenskultur
Apropos Willkommenskultur. Da können wir, und erst recht die CSU, vielleicht von den Marokkanern lernen. Seit dem 2. Januar stehen dort Tausende von „Sans Papiers“, illegal im Land lebenden Ausländern, vor den Präfekturen Schlange, um sich registrieren zu lassen. Es sollen sich geschätzt zwischen 25.000 und 40.000 Illegale im Land aufhalten. Das nordafrikanische Land hat eine Kampagne zur „Regulisarisation“ der Immigranten gestartet. Zwar sind die Voraussetzungen streng – zwei Jahre nachgewiesener Arbeit im Lande oder fünf Jahre in gutnachbarschaftlichem Zusammenleben mit Marokkanern – doch hoffen nun viele Menschen aus Subsahara-Staaten, endlich legal im Land leben zu können. Sie erhalten in diesem Fall die gleichen Rechte wie Staatsbürger. Menschenrechtsgruppen in Marokko fordern allerdings, den Kreis der Berechtigten stark auszudehnen und auch jenen Hoffnung zu geben, die noch nicht so lange in Marokko sind.
Wär doch mal ein Modell für Bayern…
Tag 3 | Alkohol
Der kürzeste Witz der Welt: „Geht ein Journalist an einer Kneipe vorbei…“ Hahaha. In Wirklichkeit ist es ganz anders. Da sind zehn Journalisten auch schon mal bereit, im Dienste der Wissenschaft einen Monat lang auf Alkohol zu verzichten. Interessant: „Ein Monat bringt schon was“
Jürn hat sie doch nicht alle. Oder?
Der Alles-Sammler“ – ein Porträt auf auf NDR
Großefehn – Der hat sie nicht mehr alle! Oder doch? Jürgen Tjaden betreibt mit seinem „Oll Reef Hus“ das originellste, chaotischste, lustigste Museum des Nordens. Der 71-jährige Landwirt aus Wrisse bei Großefehn will „die Dinge erhalten“, und dafür sammelt er seit 30 Jahren, was ihm in die Finger kommt – vom Trecker bis zum Zuckertopf. Zwischen Mähdreschern und Mopeds hat sich „Jürn“, wie ihn hier in Ostfriesland alle nennen, sein eigenes Reich gebaut. Zehntausende von Objekten türmen sich in seiner Halle, und zu jedem Exponat hat er eine kleine Geschichte parat. Und weil „Jürn“ eben „Jürn“ ist, reist er durch ganz Ostfriesland und schaut auf Dachböden und Scheunen nach „erhaltenswerten Dingen“. Seine Sammlung wächst und wächst. Fragt sich nur, was seine Familie davon hält.

„Jürn“ ist Chronist und Chaot zugleich. Auf der einen Seite kann er nicht genug von „alten Dingen“ (plattdeutsch: oll Reef“) bekommen, auf der anderen Seite stattet er auch schon mal Filmproduktionen mit Requisiten aus oder unterstützt Museen durch Leihgaben.
Das Filmteam Papstein und der Reporter Jens Brombach haben Jürgen Tjaden mit der Kamera begleitet und sind mit ihm auf die Suche nach neuen Schätzen gegangen. Das Portrait „Jürn – der Alles-Sammler “aus der NDR-Reihe „Typisch!?“ ist vor allem eines: typisch ostfriesisch!
NDR-Reihe „Typisch!?“ – “Jürn – der Alles-Sammler”, am Donnerstag, 2. Januar 2014, um 18:15 Uhr im NDR-Fernsehen. Trailer in Kürze unter: http://www.ndr.de/fernsehen/
Autor: Jens Brombach, Kamera: Henning Papstein, Schnitt: Laura Bechtold

erhalten“ und dafür sammelt er seit 30 Jahren, was ihm in die Finger kommt – vom Trecker
bis zum Zuckertopf. Foto: NDR
Weitere Informationen: www.ollreefhus.de
