Tag 123 | Not und Elend

Als einer, der dafür in Frage käme, weil er schon so lange malocht, denkt man ja über die Rente mit 63 nach, die uns von der GroKo beschert wurde. Jetzt lese ich allerdings eine Ankündigung der Selbsthilfekontaktstelle Wittmund-Wilhelmshaven, wonach in Esens gerade eine neue Selbsthilfegruppe „Junge Rentner“ gegründet wird.

„Endlich nicht mehr zur Arbeit, ausschlafen bis in den Vormittag, ein Leben ohne Verpflichtung und Druck. Man kann tun und lassen, was man möchte. Herrlich so ein Rentnerdasein! So oder so ähnlich stellt man sich diese Lebensphase vor. Doch nach und nach, wenn das „Urlaubsgefühl“ verflogen ist, Keller und Dachboden aufgeräumt, Garten und Haushalt auf dem neuesten Stand der Dinge sind, schleicht sich die Frage ein: Und jetzt? Hierauf möchte die Selbsthilfegruppe Junge Rentner Antworten finden, wie auch immer sie aussehen mögen…“

Ich glaub, ich lass es bleiben …

Tag 122 | Alles gut?


Von Heike Pohl


„Und bei euch? Alles gut so weit …?“ Eine Frage, wie ich sie oft stelle, aus Sympathie heraus. Und wenn ich jemanden länger nicht gesehen habe. Eine Frage, die voraussetzt, dass die Antwort so positiv ist wie die Laune, in der ich sie stelle.

Heike hatte ich das letzte Mal auf dem Markt gesehen. Mit ihrem lebenslustigen und fröhlichen Mann und ihrem Hund. Es mag ein paar Monate her sein? Ein halbes Jahr? Und eben heute wieder. 

„Nicht so gut“, lautete ihre Antwort. Und dass ihr Mann im Dezember gestorben sei. So ist das, wenn man voraussetzt, dass das Leben zu den anderen Menschen auch so gut ist.

Tag 121 | Autorisiert

„Kann ich den Text noch mal lesen, bevor er gedruckt wird?“ Während meiner Ausbildung hat man mir eingebleut, dass es darauf nur eine Antwort gibt: „Nein!“ Ausnahme war immer und ist in der Regel noch das autorisierte Interview. Der Befragte erhält den Text noch mal zum Gegenlesen, um zu prüfen, ob er sich wirklich so ausgedrückt haben will wie es der Fragesteller niedergeschrieben hat. Unter Journalisten ist inzwischen umstritten, ob diese Autorisierung überhaupt sinnvoll ist oder ob  das Feilschen um Formulierungen nicht aus einem real geführten Gespräch ein kaum noch authentisches Kunstprodukt macht. Inzwischen scheint aber das „Gegenlesen“ auch bei ganz normalen journalistischen Beiträgen, etwa Porträts von Personen, um sich zu greifen, wie der Chefredaktor des „Schweizer Journalist“, Markus Wiegand, kritisiert: „Vom Wahnsinn des Gegenlesens“

Tag 120 | ePaper

Apropos Tag der Arbeit. Rasant verändert sich die Arbeitswelt für Journalisten, ob sie es wollen oder nicht. Papier zu bedrucken, ist zwar zum Glück noch nicht aus der Mode gekommen, aber immer mehr Menschen finden auch Gefallen daran, die Zeitung auf dem Tablet oder am Computerbildschirm zu lesen. Die Zeitungs-Marketing-Gesellschaft (ZMG) hat dazu aktuelle Zahlen veröffentlicht. Die ePaper-Auflage der deutschen Zeitungen ist demnach im Vergleich zum Vorjahr um 60 Prozent gestiegen. Die Zahl der Abonnements verdoppelte sich im gleichen Zeitraum sogar auf 257.000. Aktuell werden in Deutschland 564.000 ePaper verkauft. Mehr als eine halbe Million Leser entscheidet sich für die digitale Ausgabe ihrer Zeitung, so die Auswertung der aktuellen IVW-Erhebung durch die ZMG. Im Vergleich zum Vorjahresquartal haben sich die ePaper-Verkäufe damit um rund 60 Prozent gesteigert. Allein die Tageszeitungen verzeichnen 436.000 ePaper-Verkäufe pro Tag. Pressemitteilung der ZMG

Jeversches Wochenblatt – ePaper

Tag 119 | Spielregeln

Morgen ist der 1. Mai, da werden wieder überall Maibäume aufgestellt. Was zumindest in Friesland überhaupt nicht der Tradition entspricht. Hier stellt man sie nämlich eigentlich am Vorabend auf und bewacht sie über Nacht. Und klauen darf man Maibäume auch, wenn man bestimmte Regeln einhält.

„Der Maienbaum und seine Regeln“

Tag 118 | Vielseitig

Zu viele Stationen im Lebenslauf können in Bewerbungsunterlagen genauso tödlich sein wie zu wenige. Gilt der eine als Job-Hopper, setzt der andere sich dem Verdacht aus, wenig Mut und Neugier zu zeigen und ein Langweiler zu sein. Der Top-Fotograf, der mit knapp 30 Jahren die Ausbildungs- und Arbeitsorte Düsseldorf, London, Tokio, Jever, Shanghai, Singapur, Los Angeles und Berlin angeben kann, sollte sich keine Sorgen machen müssen. „Was machen Sie denn zurzeit?“, fragt man ihn ganz arglos. „Oh, zurzeit“, sagt er. „Zurzeit arbeite ich als Barkeeper in einem Fünf-Sterne-Hotel“.

Tag 117 | Humor

Über den subtilen Humor eines Unternehmers, der mit Getränken handelt und Unckenboldt heißt, hab ich mich ja schon immer gewundert, wenn ich auf meiner Lieblingsradtour im Kanalhafen in Wilhelmshaven am Depot dieser Firma vorbeikam. Aber der Mann versteht wirklich Spaß, wie gestern vor dem „Tatort“ auf Twitter zu lesen war.

Unckenboldt

Tag 116 | Die Hütte

Mein Lieblingsgastwirt gehört nicht zu den Aufschneidern. La Casetta hat er sein Lokal ganz bescheiden genannt, und von außen sieht es ganz genau so aus. Eine Holzbude mitten auf einem hässlichen Parkplatz, aber mit einer schönen Außenterasse, wo der Verkehr vorbeirauscht, doch es wird einem wenigstens nicht langweilig, wenn man dort sitzt und auf seine Pizza wartet. Man kann in der Zeit die jungen männlichen Angeber angucken, die auf der Bahnhofstraße noch mal richtig Gas geben, bevor sie am Bahnübergang abheben und mit einem heftigen „Plupp“ auf der Schützenhofstraße wieder aufsetzen. Man kann den viel zu leicht bekleideten Mädchen nachschauen, die die ersten Aprilsonnenstrahlen mit Sommer verwechselt haben und nun gegen halb acht hübsche Gänsehautpickel bekommen, wie sie da vorbeiflanieren oder viel zu gerade auf ihren Hollandrädern sitzen. Und dann die Speisekarte. Quattro Stagioni für sechs Euro, Insalata Italia für sechs zwanzig, der Wein immer gut gekühlt, einen Grappa oder “ ’n klein‘ Marsala“  gibt’s hinterher. Man muss allerdings erst mal einen Platz bekommen bei Stefano, und das sieht schon mal schlecht aus. So wie gestern. Nur noch ein Tisch frei, und da steht „reserviert“ drauf. Man geht also rein zu Stefano, er strahlt wie immer. „Moin Helmut, wie geht’s? Wollt Ihr essen? Drinnen oder draußen?“ „Am liebsten draußen, aber da ist ja alles voll und der eine Tisch reserviert.“ „Ja“, strahlt Stefano weiter. „Für Dich!“ – Was soll man sagen?

La Casetta

Tag 115 | Verlierer

Meine Facebook-Freundin Marinela, die inzwischen in Santiago de Chile lebt, hat mir gestern so richtig aus dem Herzen gesprochen, denn sie gehört, wie ich, zu den Verlierern. Sie schrieb:

„I proudly announce that it took me almost one year (with a LOT of help of my friends) until I finally lost my umbrella – I think this is a personal record!“ 

Schirme besitze ich schon seit Jahren nicht mehr. Aber Ich suche gerade mal wieder eine Schirmmütze …

Tag 114 | Viehhändler

Ein Programmtipp vom NDR. In der „nordstory“ geht es um Viehhändler:

Viehhandel vom Ammerland bis nach Ostfriesland: erst werden Sprüche geklopft, dann wird zwischen den Vertragspartnern lautstark geschachert, am Schluss einigt man sich per Handschlag. Und der zählt seit über 500 Jahren. Die traditionellen Viehmärkte sind Anziehungspunkt für Tausende Schaulustige und Landwirte aus ganz Deutschland. Rund drei Dutzend Familien in der Region bestreiten schwerpunktmäßig ihren Lebensunterhalt durch den Handel mit Vierbeinern, auch wenn die Geschäfte schwieriger werden.

Detlef Ferdinand aus Ostfriesland handelt mit Rindern. Der Ferdinand-Clan ist ein professionell aufgezogenes Familienunternehmen. Ehefrau Elke kümmert sich um das Büro. Sohn Eike, inzwischen 24 Jahre alt, hat eine Ausbildung im Fleischhandel absolviert und mehrere Jahre in Lübbecke gearbeitet. Nun ist Eike zurück und im Betrieb seines Vaters angestellt. Vorerst wohnt er auch wieder bei seinen Eltern. Seine erste Bewährungsprobe wird der Gallimarkt sein.

Dirk Sandstede besitzt im Ammerland einen Betrieb mit fast 300 Tieren. Der Pferdehandel läuft schleppend. Nebenbei züchtet Sandstede Limousin-Rinder, die er an den Mann bringt. Handeln liegt ihm im Blut. Bereits als Elfjähriger verschacherte er Tauben in der Schule. In der Region ist Dirk Sandstede wie bunter Hund bekannt. Nach dem Motto „man muss im Gespräch bleiben“, setzt er sich gerne in Szene, nimmt bei den jährlichen Landesmeisterschaften in der Kutschvielseitigkeit teil, veranstaltet legendäre Viehabtriebe im Herbst und auch er lässt den Gallimarkt nie aus.

„die nordstory“ begleitet die beiden Viehhändler und ihre Familien in ihrem Kampf um lebendige Tradition und blickt mit ihnen hinter die Kulissen des Gallimarktes.

die nordstory – Die  Viehhändler | Sendung am Freitag, 25. April 2014 um 20.15 Uhr im NDR Fernsehen

 

 

 

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