Jürgen Eden von Wochenblatt-TV und sein Team haben die Eröffnungsveranstaltung der „Respekt“-Ausstellung in Jever im Video dokumentiert. Ein Zusammenschnitt der Veranstaltung ist hier auf Youtube zu sehen:
Das strahlt weltweit aus: Karfreitagsgottesdienst aus der Stadtkirche Jever
Karfreitag ist der höchste evangelische Feiertag. Und die Stadtkirche in Jever kommt an diesem Tag zu besonderen Ehren. Die Deutsche Welle strahlt den Gottesdienst am 29. März live aus dem modernen Gotteshaus in die ganze Welt aus:

Mein kleines Problem bei Facebook
Nur mal so zur Klarstellung: Wenn ich auf der Facebook-Seite eines Bürgermeisterkandidaten „gefällt mir“ klicke und die beiden anderen Kandidaten zu meinen „Freunden“ zähle, dann zeigt sich mal wieder, wie beschränkt FB in seinen Möglichkeiten ist. Bei google+ kann ich diesen Personen die Eigenschaften: Freunde, Familie, Bekannte, Kollegen, „Nur folgen“ und noch unzählige selbst kreierte Kategorien zuordnen, ohne dass der Betroffene oder Außenstehende erfahren, wie ich denjenigen oder diejenige einsortiert habe und persönlich zu ihm oder ihr stehe. Macht das jemand mit mir, erfahre ich nur, dass ich zu den „Kreisen“ desjenigen oder derjenigen gehöre, aber nicht, ob ich sein Freund bin oder er mich vielleicht unter seiner Rubrik „Pfeifen“ einsortiert hat.
Auf Twitter ist man einfach „Follower“ oder wird gefolgt (oder verfolgt?). Das ist jedenfalls neutral. Will ich auf Facebook jemandem folgen, was mir bei den Bürgermeisterkandidaten im bevorstehenden spannenden Wahlkampf in Jever natürlich wichtig ist, muss ich ihn zum „Freund“ machen oder „gefällt mir“ klicken, obwohl ich der Welt gar nicht zeigen will, ob mir einer der (bislang) drei überhaupt gefällt oder einer von ihnen zu meinen Freunden zählt. Was übrigens nicht der Fall ist. Und wer mir gefällt, das verrate ich am 22. September – meinem Stimmzettel!
In Dangast: Franz Radziwill – In der Nähe des Paradieses
Der Maler entdeckt die Natur – Ausstellung vom 24.3.2013 – 12.1.2014
Dangast/Friesland – Nach dem 25-jährigen Jubiläum des Franz Radziwill Hauses 2012 steht das zentrale Motiv des Malers im Fokus der Betrachtung: Landschaft und Meer, Flora und Fauna. An diesem Wochenende wird in Dangast die neue Ausstellung „In der Nähe des Paradieses“ eröffnet. Sie ist bis Anfang 2014 zu sehen.

Betrachtet man das Gesamtwerk von Franz Radziwill, so sind es vorrangig Motive aus der Natur, die der Maler in rund fünf Jahrzehnten geschaffen hat. Bis hin zum späten Werk spielt Landschaft die zentrale Rolle. Um dem Thema insgesamt gerecht zu werden, ist die Ausstellung als zweijähriges Projekt konzipiert. In zwei Jahren zeigt das Franz Radziwill Haus Landschaft in vielen Formen: zunächst als friedlichen Raum, in dem Reetdachhäuser eingebettet sind und Bauern und Fischer ihrer Arbeit nachgehen. Und als Raum, in dem dicke Pilze wachsen oder Spatzen pfeifen. Einst auf der untersten Stufe der Rangskala der Künste positioniert, ist das Thema Landschaft mithin hochaktuell, es avancierte von der Staffage zum Idyll und zeigt sich immer öfter als Abbild von Zerstörung – die Bandbreite reicht mithin sehr weit.
1895 geboren, fand Franz Radziwill schnell seinen Lebensmittelpunkt, als er sich 1923 in Dangast niederließ. Mit dem Umzug von Stadt zu Land erhält die unmittelbar erlebte Landschaft den ersten Rang in seinem Oeuvre. Im Zentrum seines Interesses stand der nahe Kontakt zur rauen Natur und die sinnliche Erfahrung augenblicksgebundener Atmosphäre. Die Motive sind erlebte Beschreibungen seiner Umgebung. Dangast war damals ein Bauern- und Fischerdorf inmitten einer Landschaft von beachtlicher Vielfalt – vor der Haustür das Wattenmeer und nicht weit entfernt die Nordsee.

Zwar brachten Reisen und Studienaufenthalte sowie eine Professur an der Düsseldorfer Akademie den Maler auch an andere Orte, doch eigentlich ist die norddeutsche Landschaft das Fundament seines Schaffens. Und deshalb wurde bei der Auswahl der Leihgaben der Fokus auf Motive aus dem Nordwesten gesetzt – von der Ostsee bis zur holländischen Küste.
Das Frühwerk des norddeutschen Malers kennzeichnet noch eine expressive Farbpalette und ein schwungvoller Pinselduktus, was gegenüber dem Ölgemälde „Ostseelandschaft bei Hohwacht“, 1922, zum Ausdruck kommt. Das Gemälde belegt das frühe Interesse an der Natur, in dem sich Mann und Frau bewegen. Üppiges Grün dominiert die Szenerie.
Angesichts der faszinierenden Naturschauspiele, die er in seiner Wahlheimat am Jadebusen erlebte, distanzierte sich Radziwill von der expressionistischen Ausdrucksform und bemühte sich um eine weit mehr naturalistische Wiedergabe des Sichtbaren, wenngleich er seine kräftige Palette nicht ablegte. Mit einer altmeisterlichen Lasurtechnik strebte Radziwill eine stärkere Naturnähe an und studierte dazu die altdeutsche und die niederländische Kunst des 16. bis 18. Jahrhunderts. Gleichzeitig unternimmt er regelmäßig Reisen nach Holland, insbesondere zum nördlichen Küstenort Schoorl. Die hohen Dünen faszinierten ihn derartig, dass er sie gleich in mehreren Varianten auf die Leinwand brachte, eine davon befindet sich in der Ausstellung: „Blick von den Dünen bei Schoorl“. Das Werk aus dem Jahr 1926 wurde jüngst restauratorisch überarbeitet und besticht jetzt durch eine krasse Farbigkeit.
Durch ein Studium der Romantik in Dresden wurden Radziwills Bildräume größer und die Himmel farbiger. Die Inspiration durch die Malerei der Romantiker findet ihren sichtbaren Niederschlag zum Beispiel im Gemälde „Blick auf Dangast“, 1927 oder „Brandungsmauer mit Netzflickern“, 1933. Der Naturraum wird hier nicht als reine Idylle idealisiert, sondern stellt vielmehr den Daseinsraum des Menschen dar, als Fundament und Lebensgrundlage.
Im Gegensatz zu den sehr großformatigen Panoramen entstanden schon seit den 20er Jahren zahlreiche kleine Naturstudien, die einzelnen Entdeckungen gewidmet sind: Gräser mit Schneeglöckchen, ein dicker Steinpilz, ein Vogelnest, das Bild einer Maus – ebenso ein Spatz.
Selbstverständlich sind wieder Bilder dabei, die seit vielen Jahrzehnten nicht öffentlich ausgestellt wurden, darunter „Das kleine Bienenhaus“, 1948 und „Das Stillleben mit Bastkorb“, 1958.
In den späten 50er Jahren wandelte sich das Paradies Franz Radziwills. Kaum hat sich die Natur von den Einschlägen des Krieges erholt, folgt eine neue Bedrohung von Flora und Fauna. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung wuchsen Utopien der Modernisten im Ort und der Tourismus brach in das Kleinod ein. Sich jetzt in idyllische Bildwelten friesischer Natur zurückzuziehen, war Radziwills Sache keineswegs – doch sollen Sie genügend Gründe und Neugier behalten, um 2014 zum zweiten Teil der Ausstellung zu kommen.
Die Ausstellung 2014 wird den späten Werken aus der Nachkriegszeit bis 1971 gewidmet sein. Parallel dazu wird im Schlossmuseum Jever eine Dokumentation zum persönlichen Engagement des Malers für seine Wahlheimat stattfinden. Über das künstlerische Schaffen hinaus hat sich Franz Radziwill seit den späten 50er Jahren auch aktiv als Umweltschützer für die Region am Jadebusen eingesetzt, um die ursprüngliche Landschaft und gleichsam Dangast als pittoresken Künstlerort zu erhalten.

Zur Eröffnung der Ausstellung an diesem Sonntag, 24. März 2013, sprechen Ivo Kügel, 1. Vorsitzender der Franz Radiziwill Gesellschaft, Varels Bürgermeister Gerd-Christian Wagner, Frieslands stellvertretender Landrat Gustav Zielke, Konstanze Radziwill, 2. Vorsitzende der Radziwill Gesellschaft, und Kuratorin Birgit Denizel.
Zur Eröffnung des zweiten Teils – am 30. März 2014 – an den Standorten Franz Radziwill Haus in Dangast und Schlossmuseum inJever erscheint ein umfangreicher und reich illustrierter Katalog, in dem die friedvollen Frühwerke den zivilisationskritischen Spätwerken gegenüber treffend gestellt werden.
„IN DER NÄHE DES PARADIESES – Der Maler entdeckt die Natur“
Zeitraum: 24. März 2013 bis 12. Januar 2014
Adresse: Franz Radziwill Haus, Sielstraße 3, 26316 Dangast/Varel, Tel. 04451 – 2777, www.radziwill.de
Öffnungszeiten: Mi – Fr 15-18 Uhr / Sa, So und Feiertag 11-18 Uhr
Quelle: Pressemitteilung des Franz Radziwill Hauses
„Ebb un Flood“ – experimenteller Dokumentarfilm über die Nordsee

Jever – Das Film-Service-Center in der Bahnhofstraße zeigt am Mittwoch, 20. März, um 20 Uhr erstmals in Jever den Film „Ebb un Flood“. Es ist ein experimenteller Film dokumentarischen Charakters, und zeigt durch Zeitrafferaufnahmen die Funktionsweise des Wattenmeeres, unterbrochen von Szenen in Echtzeit.
In dem zeitlichen Ablauf eines Tages – von null bis vierundzwanzig Uhr – wird der immer wiederkehrende Rhythmus der Nordseeküste deutlich gemacht. Die hohe Geschwindigkeit führt die Veränderungen der Gezeiten, der Meeresströmungen und die Wandlung des Wetters an der Küste, vor Augen. Auf Erklärungen und Beschreibungen wird größtenteils verzichtet, bis auf kurze plattdeutsch gesprochene Statements zweier auf dem Deich sitzender Dithmarscher Rentner, die dadurch das maritime norddeutsche Flair verstärken.

Längere Zeitrafferpassagen werden durch Echtzeitsequenzen, wie die Deichszenen, eine Wattführung und ein Fangfahrt mit einem Krabbenkutter, aufgelöst. Dadurch wird der Betrachter wieder in die gewohnte realistische Betrachtungswelt geführt und der Spannungsbogen wird so erhalten oder neu aufgebaut. Ziel des Films ist der Aufruf zu mehr Respekt und Achtung vor der Natur. Er zeigt wie bedrohlich die Natur sein kann, wie beinahe bedeutungslos der Mensch dagegen ist (obwohl er die wohl größte Bedrohung für sie darstellt), aber auch wie alles miteinander harmoniert, ebenso die atemberaubende Schönheit des Wattenmeeres mit surreal anmutenden Lichtspielen, bevor der Film mit einem in die blaue Nacht fahrenden Kutter endet, was eine Fahrt in eine ungewisse Zukunft symbolisiert. Eine Einladung, unsere Natur zu beobachten.
Autor von „Ebb un Flood“ ist der gebürtige Dresdener, Jahrgang 1967, der in Düsseldorf. Der PR- und Pressefotograf liebte von Kindheit an die Bilder, ob bewegt oder nicht. Mit elf Jahren gewann er mit einem Foto, das seinen kleinen Bruder zeigte, wie er sich am Portal der Frauenkirche nach der Türklinke reckte, den ersten Platz bei einem Schweizer Fotowettbewerb. Als DDR-Bürger konnte er die Auszeichnung aber nicht entgegennehmen. Mit 22, sechs Tage vor dem Mauerfall, flüchtete Döring in den Westen, arbeitete im Ruhrgebiet, in Hamburg und schließlich in Düsseldorf.

Die Nordsee hat 1989 sein Herz erobert, als er zum ersten Mal hier zu Besuch war. Drei Jahre arbeitete er an seinem Film, schoss dafür neben den Bewegtbildern auch 155.007 Fotos mit seiner Spiegelreflexkameras. Den Film sieht er als sein Lebenswerk.
„Respekt“ – Lebensgeschichten sind zu einem Stück Zeitgeschichte geworden

Jever – Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Bundesinnenminister a.D. Rudolf Seiters, hat dem Zeitungs-, Buch- und Ausstellungsprojekt „Respekt“ größten Respekt gezollt. Als Festredner war der prominente Emsländer am Freitag, 15. März, zu der Abschlussveranstaltung gekommen, in der das Buch zur Serie vorgestellt wurde. Im vergangenen Jahr waren im Jeverschen Wochenblatt 52 Folgen mit Porträts alter Menschen aus dem Jeverland erschienen. Die Texte und Bilder liegen nun zusammengefasst in einem Buch vor, das demnächst in den Verkauf geht, und in dieser Woche beginnt eine Ausstellung mit mehr als 50 Fotografien der Fotografin Sigrid Kasdorf. Die Porträtbilder werden in jeverschen Geschäften gezeigt.
Rudolf Seiters lobte ebenso wie die stellvertretende Landrätin des Kreises Friesland, Marianne Kaiser-Fuchs, das Engagement der an dem Projekt Beteiligten. Das waren neben dem Jeverschen Wochenblatt die Fresenia-Loge zu Jever, die nicht nur die Idee eingebracht, sondern auch die gesamte Organisation des Projekts übernommen hat, und der Landkreis Friesland, dessen Seniorenbeauftragte Nantke Ihnen aktiv daran mitarbeitete, und der das Buch und die Ausstellung mitfinanziert.
Für die Senioren, die in der Reihe porträtiert wurden, würdigte Hans-Georg Drescher aus Schortens die Arbeit des Autorenteams, das ein „Geschichtsbuch“ geschaffen habe. Lebensgeschichten seien hier zu einem Stück Zeitgeschichte geworden.
Hier die Rede von Hans-Georg Drescher im Wortlaut:
Wir waren damit beschäftigt zu überleben
Strategien gegen den Papierkorb oder: Wie Sie Medien richtig ansprechen
Sie sind für die Pressearbeit eines Vereins, einer Firma verantwortlich? Sie sollen zum Pressesprecher ernannt oder gewählt werden und hatten noch nie mit Zeitungen zu tun? Sie haben Probleme mit der örtlichen Redaktion? Vielleicht kann Ihnen dieser Vortrag weiterhelfen, den ich bei verschiedenen Vereinen und Clubs gehalten habe. Er gilt nicht für jedes Medium, vermittelt aber in einfachen Statements ganz allgemeine Erfahrungen über das Zusammenspiel gerade von Vereinen, Verbänden und Firmen mit Lokalredaktionen. Hier geht es weiter:
Wie Sie die Medien richtig ansprechen
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„Respekt“ geht in eine neue Phase: Buch und Ausstellung mit Porträts alter Menschen aus dem Jeverland

Jever – Zehn Wochen nach Abschluss der Zeitungsserie „Respekt – Porträts von alten Menschen aus dem Jeverland“, in der die Lebensleistung von 53 Senioren gewürdigt wurde, geht das Projekt in eine neue Phase. In der kommenden Woche wird das Buch zur Serie vorgestellt, in der übernächsten Woche startet in Jever eine große Bilderausstellung mit großformatigen Fotoporträts der 53 „Respekt“-Kandidaten.
Sichtbarer Auftakt dieser Fortsetzung des „Respekt“-Projekts, das die Fresenia-Loge in Zusammenarbeit mit dem Jeverschen Wochenblatt und der Koordinierungsstelle „Älter werden“ des Landkreises Friesland seit mehr als eineinhalb Jahren vorangetrieben hat, wird ein Großformat-Banner mit dem Titelbild des neuen Buches sein. Das zwei mal drei Meter große Poster wird an diesem Sonnabend am Gebäude der „Spiel-Welt“ am Alten Markt aufgehängt. Es weist auf die Ausstellung hin, die vom 18. März an für einen Monat in zahlreichen jeverschen Geschäften zu sehen sein wird. Die mehr als 50 Porträtaufnahmen, die die Fotografin Sigrid Kasdorf im Laufe eines Jahres von Menschen ab 75 gemacht hat, werden als großformatige Abzüge, versehen mit Sinnsprüchen, in den Ladenräumen präsentiert.
Am kommenden Freitag wird dann das Buch „Respekt“ vorgestellt, das die Bilder und Texte der Serie zusammenfasst. An der Präsentation des Werkes im „Schützenhof“ nehmen fast alle der Porträtierten teil. Als Ehrengast und Festredner hat der Präsident der Deutschen Roten Kreuzes, Bundesminister a.D. Dr. Rudolf Seiters, zugesagt.
Der Papst, der Rücktritt, der Tod und ich
Von Helmut Burlager
Ich persönlich finde es ja sympathisch, wenn ein Papst zurücktritt statt zu sterben. Obwohl mir der Tod von Päpsten beruflich mehr Vorteile verschafft hat, als es ein Rücktritt je könnte. So ein Rücktritt wie der von unserem Papst Benedikt ist schnell in der Welt, vom Vatikan bekanntgegeben, von den Agenturen verkündet, von Millionen per Twitter und Facebook kommentiert, noch bevor der Papst sich zum Mittagsschlaf gelegt hat. Keine Chance auf Exklusivität.
Das war 1978 ganz anders, als ich Jungredakteur beim Jeverschen Wochenblatt war, einer Tageszeitung, die damals noch mittags erschien. Redaktionsschluss war gegen zwölf Uhr, und da die beiden Mitbewerber als Morgenblätter herauskamen, eröffnete die ungewöhnliche Andruckzeit die Möglichkeit, aktuelle Ereignisse aus der Nacht und vom Morgen exklusiv und blitzschnell zu drucken.
Zu den Aufgaben des jüngsten Redakteurs gehörte es, den dpa-Ticker abzureißen, also die Endlosfahne von aktuellen Nachrichten in handliche Stücke zu zerschnippeln und dem Chefredakteur vorzulegen. Am 6. August 1978 stand ich also, den Schlaf noch in den Augen, früh morgens am Fernschreiber und hörte plötzlich die Alarmklingel für Eilmeldungen schellen. Die Schriftfarbe des Nachrichtenstranges wechselte von schwarz auf rot, und die Agentur meldete, der Papst sei gestorben. Mittags konnten unser Blatt exklusiv und mit einem Archivbild verkünden, dass Paul der Sechste das Zeitliche gesegnet habe. Die Welt war erschüttert, Jevers katholischer Pastor samt seiner Schäfchen tief traurig, wir aber freuten uns über den Scoop.
Es war nur wenige Wochen später, wieder früh morgens, wieder Dienst am Ticker, der einschläfernd vor sich hin ratterte, als erneut die Alarmglocke klingelte. „Eil + Eil + Eil + Papst Johannes Paul I. gestorben“. Nun funktionierten Fernschreiber damals so, dass Meldungen auf Lochstreifen geschrieben wurden, die Lochstreifen wurden in einen Lochstreifenleser gelegt, der aus der Abfolge gestanzter Löcher elektrische Signale machte und sie an die Fernschreiber auf der anderen Seite der Leitung schickte. Da konnte schon mal vorkommen, dass ein ebenfalls müder Agenturjournalist den falschen Lochstreifen griff und veraltete Nachrichten verbreitete. Meist folgte kurz darauf ein Rückruf. Der erste Verdacht bei dieser unwahrscheinlichen Meldung lautete also: Versehen bei der Agentur. Der zweite Impuls war, das Radio einzuschalten und Nachrichten zu hören. Der dritte Gedanke: Wenn das stimmt, wo kriegen wir ein Foto her? Der Papst war so frisch im Amt, dass das Archiv der Lokalzeitung überhaupt nichts hergab.
Die Agentur bestätigte den Tod des 33-Tage-Papstes nach wenigen Minuten, die Recherche für einen schnell geschriebenen Nachruf war kein Problem – wir hatten ja gerade erst über die Wahl und Amtseinführung des neuen Papstes berichtet. Aber das Foto…
Gegen 8 Uhr morgens traute ich mich, beim örtlichen katholischen Pfarrer anzurufen. „Herr Pastor Westendorf, Sie haben sicher schon gehört, dass der Papst gestorben ist …“. Der Pfarrer reagierte etwas unwirsch auf die morgendliche Störung. „Das ist sechs Wochen her, und da rufen Sie mich jetzt an?“ „Nein, Herr Westendorf, es tut mir Leid, es geht nicht um den alten, Papst, der neue ist heute Nacht gestorben.“ Man hätte die Todesnachricht zugegebenermaßen gefühlvoller überbringen können. Eine halbe Stunde später fand ich im Pfarrhaus einen am Boden zerstörten Priester vor, der aber in der Zwischenzeit eine katholische Zeitschrift herausgesucht hatte, deren Titelbild den neuen, nun auch schon wieder toten Papst zeigte. Dankbar nahm ich das Heft an mich, hastete damit ins Verlagshaus, die Treppe hinauf in die Setzerei, wo der Techniker das Bild auf den Klischografen spannte, um eine Druckvorlage herzustellen. Mittags meldete das Wochenblatt exklusiv den Tod des Papstes. Twitter und Facebook gab’s noch nicht. Dafür gibt’s heute keine Mittagszeitungen mehr.
