Ein ganzes Leben voller Bücher

Verleger Hermann Lüers starb im Alter von 92 Jahren

Von Helmut Burlager

Jever – Sollte man das Leben von Hermann Lüers mit einem Wort charakterisieren, es lautete: Bücher. Nun ist das letzte Kapitel beendet. Im Alter von 92 Jahren ist der Verleger am 10. Januar im „Pflegebutler“ friedlich eingeschlafen. Er war dort erst vor wenigen Wochen eingezogen. Der 1933 als Sohn eines Binnenschiffers in Thedinghausen geborene und 1959 in der Marienstadt angekommene Wahl-Jeveraner lebte bis fast zum Schluss in seiner eigenen Wohnung und hatte noch bis vor einem Jahr seinen Ein-Mann-Verlag geführt.

Hermann Lüers umgeben von Büchern. Das war seine Welt. Foto: Christoph Hinz (+)

Mehr als hundert Bücher hat er im Laufe vieler Jahre publiziert, nicht mitgezählt die unzähligen Werke, deren Erscheinen er zuvor im Verlag C. L. Mettcker & Söhne verantwortet hatte. Denn Hermann Lüers startete nach seiner Ausbildung zum Schriftsetzer und dem Meisterlehrgang an der Muthesius-Werkschule in Kiel nicht in die Selbstständigkeit, sondern bewarb sich in Jever. Als Lehrmeister eingestellt, wurde er 1963 Technischer Betriebsleiter für die Setzerei und Druckerei mit Verantwortung für bis zu 80 Mitarbeiter. 1997 ging er in den Ruhestand.

Gedruckt wurde alles von der Zeitung über Prospekte und Visitenkarten bis zu Büchern. Doch der Verlag konnte nicht alle Autoren aufnehmen, die Manuskripte einreichten. Manchmal schien der Geschäftsleitung ein Projekt zu riskant. Da konnte Hermann Lüers als Privatmann eine Alternative bieten. Ab 1982 veröffentlichte er solche Bücher, das Risiko mit den Autoren teilend, in seinem eigenen Verlag. Und machte weiter, als Mettcker mit der Buchproduktion aufhörte.

Mit seinem profunden Wissen begleitete er viele Autoren von der Idee bis zum fertigen, nach allen Regeln der Kunst erstellten Buch. Heimatkundliches, Historisches, Plattdeutsches, Erinnerungen, Romane, Bildbände, Gedichte, Kalender – es gibt fast nichts, was im Hermann Lüers Verlag nicht gedruckt werden konnte. Seine Autoren dankten es ihm, auch wenn nicht jedes Projekt den erwünschten Erfolg brachte. Dann hatte Hermann Lüers in seiner ruhigen, freundlichen, aber immer ehrlichen Art wenigstens davor gewarnt.

Seine Leidenschaft für das Gedruckte und das Wort hat er übrigens vererbt, von den drei Kindern des früh verwitweten Hermann Lüers haben zwei den Weg in die Verlagsbranche gefunden und zwei Enkel bereiten sich gerade darauf vor. An Hermann Lüers wird auch der Name seines Verlages weiter erinnern. Den führt sein Sohn Kai-Uwe fort.

Drei Frauen aus Jever in drei journalistischen Top-Jobs

Neues von Rieke Havertz, Britta Kollenbroich und Hilke Janssen

Von Helmut Burlager

2025 wird anscheinend das Erfolgsjahr von Journalistinnen, die aus Jever stammen oder ihre Karriere hier begannen. Oder auf die beides zutrifft, wie auf die ZEIT-Redakteurin Rieke Havertz. Sie ist regelmäßiger Gast in politischen Talkshows sowie in der Presseschau des Morgenmagazins im Ersten und Zweiten Fernsehen und nicht nur dadurch einem breiten Publikum bekannt. Dass die 45-jährige USA-Expertin sich in letzter Zeit ein bisschen rarmachte, hat damit zu tun, dass sie sich bei der ZEIT eine kleine Auszeit genommen hat, um ein Buch zu schreiben. Das ist jetzt fertig.     

Rieke Havertz

„Goodbye, Amerika? Die USA und wir – eine Neuvermessung“ ist der Titel. Das Thema könnte aktueller nicht sein. „Das Amerikabuch, das wir jetzt brauchen“, kündigt der Aufbau-Verlag den 240-Seiten-Band an, der am 11. November erscheinen wird. „Ein zweites Mal Trump, Tech-Milliardäre im amerikanischen und im deutschen Wahlkampf, das transatlantische Bündnis in der Krise: Der Blick auf die USA macht zunehmend ratlos, die Berichterstattung hierzulande ist geprägt von Antiamerikanismus, Sensationalismus und dem Mantra vom gespaltenen Land. Aber es geht auch anders. Und vor allem produktiver. Denn die USA sind nach wie vor das mächtigste Land der Welt, ein echtes Verständnis als Basis einer zukunftsfähigen Beziehung ist daher unerlässlich. Die langjährige USA-Expertin und -Korrespondentin Rieke Havertz lädt uns ein in ihr Amerika. Sie spürt überraschenden Fakten nach, führt uns zu den Schlüsselorten des Landes und macht deutlich: Wer die US-Politik verstehen will, muss die Menschen verstehen.“

Soweit der Werbeblock. Dass Rieke Havertz die Richtige ist, uns Amerika zu erklären, daran besteht kein Zweifel. 1980 geboren, machte die Jeveranerin ihre ersten journalistischen Gehversuche in der kleinen Redaktion des NWZ-Jeverlandboten in ihrer Heimatstadt. Nach dem Journalistik-Studium an der Universität Leipzig und der Ohio University ging sie als Redakteurin zur taz und wechselte 2016 als Redaktionsleiterin und Chefin vom Dienst zu ZEIT ONLINE. Mehrfach war sie für die ZEIT als Korrespondentin in den USA tätig und berichtete unter anderem über spannende Wahlkämpfe. Seit 2020 betreibt sie zusammen mit Klaus Brinkbäumer den Podcast „OK, America?“, in dem die beiden Experten sehr regelmäßig und ausführlich die aktuelle politische Lage in den Vereinigten Staaten analysieren.

Soeben ist dieser Podcast mit dem renommierten scoop-Award der Initiative nextMedia in Hamburg ausgezeichnet worden. Die Verleihung an Rieke Havertz und Klaus Brinkbäumer wird am 10. September 2025 im Rahmen des „scoopcamp“ stattfinden, in der Vorankündigung heißt es, mit dem Preis sollten zwei herausragende Medienpersönlichkeiten und ein Format gewürdigt werden, das exemplarisch für journalistische Exzellenz und digitale Verbreitung stehe. „OK, America?“ liefere „fundierte Analysen zur US-amerikanischen Politik aus einer deutschen Perspektive – klug, kontinuierlich und journalistisch präzise. Einen entscheidenden Anteil am Erfolg haben Klaus Brinkbäumer und Rieke Havertz, deren Persönlichkeit und Expertise das Format tragen.“ Dr. Nina Klaß, Leiterin von nextMedia Hamburg und Verantwortliche für das scoopcamp und den Award, schrieb: „Wer die USA verstehen will, kommt an Rieke Havertz und Klaus Brinkbäumer nicht vorbei.“

Hilke Janssen

An Hilke Janssen kommt nicht vorbei, wer regelmäßig NDR-Fernsehen und NDR-Radioprogramme sieht und hört. Auch sie stammt aus Jever. In diesem Sommer (2025) hat sie die Leitung der Redaktion für Landespolitik, Wirtschaft und die ARD-Zulieferung übernommen. Seit 14 Jahren ist Hilke Janssen hauptberuflich für den NDR tätig. In Dortmund und Budapest hat sie Journalistik, Politik und Anglistik studiert und danach als freie Journalistin gearbeitet, bevor sie zum Norddeutschen Rundfunk kam. Seit 2023 ist sie Mitglied im Vorstand der Landespressekonferenz Niedersachsen und übernahm dort das Amt der Schatzmeisterin. „Ich habe diesen Beruf ergriffen, weil es nichts Besseres gibt, als Neues zu lernen, um die Welt besser zu verstehen“, hat sie vor einiger Zeit in einem Interview mit dem DJV Niedersachsen gesagt.

Britta Kollenbroich

Sie ist nicht die Erste, die ihr journalistisches Handwerk beim Jeverschen Wochenblatt gelernt hat und dann beim renommierten „SPIEGEL“ landete. Britta Kollenbroich (Jahrgang 1986) ist Anfang Juli bei dem Hamburger Nachrichten- und Meinungsmagazin einen weiteren Karriereschritt gegangen. Seit etlichen Jahren war die aus Wittmund stammende Redakteurin beim Spiegel stellvertretende Leiterin des Auslandsressorts. Anfang Juli hat sie ihre neue Position als Auslandskorrespondentin in Washington D.C. angetreten, ein Traumjob für die weitgereiste Friesin. Von 2006 bis 2008 hatte sie in Jever in der Lokal- und Sportredaktion volontiert und anschließend bis 2009 als Redakteurin gearbeitet. Dann wechselte sie zum Bachelor- und Masterstudium nach Hamburg, blieb aber vier Jahre lang nebenbei für die Financial Times Deutschland und bis 2016 für die Deutsche Presseagentur tätig.

2014 berichtete sie von der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien, unter anderem schrieb sie auch eine Kolumne über ihre Erfahrungen dort für das Jeversche Wochenblatt. Im selben Jahr stieg sie als studentische Hilfskraft beim Spiegel ein und ist dort seit Anfang 2016 Redakteurin. Schon zwei Jahre später wurde sie stellvertretende Ressortleiterin, zunächst bei Spiegel Online, dann im Auslandsressort. Nun ist sie mit ihrer ganzen Familie wieder dort, wo sie schon immer gerne war: im Ausland. Der spannende Korrespondentenjob in den Vereinigten Staaten ist zunächst auf zwei Jahre ausgelegt.

Wild Thing – Leben ohne Sicherheitsgurt

Kariona Kuffmann schrieb ein Buch über ihr wilden Zeiten in Ostfriesland und Berlin

Von Helmut Burlager

Wer in den Sechziger- und Siebzigerjahren als Jugendlicher in Ostfriesland aufwuchs, dem kommt das bekannt vor. Raus aus der Enge des Dorfes, weg von der Spießigkeit von Eltern und Nachbarschaft. Es lockten das Kino, der Tanzschuppen oder die Disko in der nächstgelegenen Kleinstadt oder irgendwo auf dem Fehn. Aber wie hinkommen? An die Straße stellen, Daumen raus, und irgendwie fand sich immer jemand, der einen mitnahm. Wenn du Glück hattest, war er oder sie nicht betrunken oder bekifft und fasste dir nicht ans Knie. Und meist ging es gut.

Buchcover „Wild Thing. Sex & Drugs & Rock ’n‘ Roll. Kariona Kuffmann als Jugendliche in Ostfriesland.

Weg von zu Hause, tauchten die jungen Leute in eine andere Welt ein, in der die Musik lauter, die Sitten lockerer, die Jungs langhaarig und cool und die Mädchen nicht so keusch und züchtig gekleidet waren, wie die Mütter und Väter es gern gesehen hätten. Und wenn die wirklich gewusst hätten, was der Nachwuchs da so treibt, wären sie wahrscheinlich eingeschritten.

Die Sechziger und Siebziger, das war für viele der damals jungen Leute ein Hauch von Wildheit und Abenteuerlust, sogar auf dem Lande. Aber natürlich auch Gefahr und Risiko – ein Leben ohne Sicherheitsgurt im wahren, aber auch im übertragenen Sinn des Wortes. High sein, frei sein, überall dabei sein, so hieß das Motto, und nicht für jeden und jede ging das gut aus.

„Wild Thing. Sex & Drugs & Rock ’n‘ Roll“ heißt das Buch, das die gebürtige Ostfriesin Kariona Kuffmann (ein Künstlername) jetzt veröffentlicht hat und in dem sie diese Zeit im Rückblick beschreibt. Es ist die Geschichte eines unangepassten Mädchens, das früh aus den Zwängen eines schwierigen Elternhauses ausbrach und zunächst in Ostfriesland, dann in Berlin die Freiheit suchte. Leute wie Otto Waalkes und Rollo Fuhrmann waren ihre Weggefährten, Musikschuppen wie „Meta’s“ in Norddeich und „Sound“ in Berlin ihr Wohnzimmer. Die Autorin erzählt von ihrer nicht ganz einfachen Kindheit, von Schule und Ausbildung, von Abenteuern in Cliquen und Discos, von ihrer Liebe zur Musik und dem Hang zu Drogen, immer auf der Suche nach der großen, wahren Liebe.

Nur geriet sie dabei, auch nachdem sie als 18-Jährige nach Berlin gegangen war, immer wieder an die Falschen. Männer zumeist von tollem Aussehen und weniger tollem Charakter. Der Weg führte Kariona, wie sie sich in Abwandlung ihres richtigen Vornamens nennt, durch interessante Jobs und seriöse Büros bis hinein in Striptease-Bars, wo sie tanzte und sich auszog. Und wieder zurück ins halbwegs bürgerliche Leben, durch Dutzende verschiedener Wohnungen und fast genauso viele Beziehungen, bis sie am Ende doch noch den Mann ihres Lebens fand, ohne dass daraus wirklich ein Happyend geworden wäre.

„Wenn ich heute auf meine wilden Jahre zurückschaue, in denen ich mich sehr oft unglücklich, einsam und verloren fühlte, dann tue ich dies ohne Reue, Zorn oder Bedauern – es war mein Weg und ich habe versucht, immer das Beste daraus zu machen“, zieht Kariona Kuffmann am Ende des Buches Bilanz.

Es ist ein sehr persönliches Buch, dem anzumerken ist, dass sie gerne schreibt, aber keine Schriftstellerin ist und dass ihr kein Lektor zur Hand ging. Sie erzählt frei von der Leber weg. Nicht jeder würde so viel Privates ungeschminkt in der Öffentlichkeit ausbreiten, aber auch das spiegelt Leben und Haltung der Autorin wider, denn sie ist zeitlebens eine Unangepasste geblieben.

Wer wie ich in Ostfriesland aufgewachsen ist, wird vor allem in den Kapiteln über eine Jugend auf dem Lande viel selbst Erlebtes und Erfahrenes wiederentdecken. Ein Buch zum Erinnern. Zu beziehen ist es unter kariona.de

Pressefreiheit in Gefahr: Aktuelle Herausforderungen erforscht

Wissenschaftlerinnen der Jade Hochschule geben Publikation zu „Freiheit und Journalismus“ heraus

Wilhelmshaven. Der Terroranschlag auf Charlie Hebdo, die Inhaftierung von Deniz Yücel, die Medienangriffe von Staatschefs wie Erdogan oder Trump – die Bedrohung und die Grenzen von Freiheit im Journalismus gehören zu den großen aktuellen politischen Themen. Diesem Thema widmet sich auch das jetzt erschienene Buch „Freiheit und Journalismus“. Herausgegeben wird es von vier Wissenschaftlerinnen der Jade Hochschule: Prof. Dr. Andrea Czepek, Melanie Hellwig, Prof. Dr. Beate Illg und Prof. Dr. Eva Nowak in der Reihe „Aktuell. Studien zum Journalismus“ des Nomos-Verlages.

Pressefreiheit_Karikatur
Karikatur: Ruedi Widmer 

„Die aktuellen Ereignisse, aber auch wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die die journalistische Berichterstattung einschränken können, machen deutlich, dass unabhängiger, freier Journalismus als Voraussetzung einer funktionierenden Demokratie immer wieder verteidigt werden muss“, erklärt Czepek.

Wissenschaftler_innen verschiedener Disziplinen aus unterschiedlichen Ländern diskutieren in ihren Beiträgen die diversen Facetten von Pressefreiheit, wie beispielsweise „Freiheit und Politik“, „Autonomie und Qualität“ sowie „Internationale Perspektiven“. Was darf Journalismus? Was sollte Journalismus dürfen, und wo sind gerechtfertigte Grenzen der Freiheit? Welche Einflüsse behindern eine unabhängige Berichterstattung? „Die Artikel sind als Anstoß zu weiterer Diskussion und Forschung gedacht“, so die Herausgeberinnen. „Die komplexen Fragestellungen zeigen den Bedarf an handlungsleitenden, wissenschaftlichen Erkenntnissen in Journalismus.“

Das Buch „Freiheit und Journalismus“ basiert auf den Ergebnissen der Jahrestagung der Fachgruppe Journalistik/Journalismusforschung in der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft (DGPuK), die 2016 an der Jade Hochschule stattfand. Die Beiträge wurden erweitert, ergänzt und aktualisiert.

Ostfriesland zwischen Buchdeckeln

Das Grüne Jahrbuch: 100. Ausgabe des Traditionskalenders aus Norden ist auf dem Markt

Irgendwie gehört er zu Ostfriesland dazu, der „Grüne Kalender“. Und das schon seit 1913. Damals erschien zum Jahresende, wenige Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, die Erstausgabe von „Ostfreesland“, dem damals neuen „Kalender für Ostfriesland“ auf das Jahr 1914. Mit grüner Titelseite (an dieser Hausfarbe sollte sich bis zur Gegenwart nichts ändern) und mit der Titelzeichnung des Dornumer Malers und Grafikers Ludwig Kittel. Das Motiv – ein Torfkahn auf einem Kanal vor Windmühlen, Brücken und Viehweide – mag heute etwas altbacken wirken, der Wiedererkennungswert ist enorm. Vor wenigen Tagen ist der Jubiläumsband herausgekommen, die 100. Ausgabe des „Ostfreesland“-Jahrbuchs.

Ostfreesland 2017.jpgGegründet in einer Zeit, als solche Kalendarien Hochkonjunktur hatten, und als Nachfolgepublikation eines Jahrbuchs mit dem etwas sonderbaren Namen „Christophorus der Stelzfuß“, wurde „Ostfreesland“ in den ersten acht Jahren von Pastor Bernhard Leemhuis aus Hatshausen redigiert, der mit einer Mischung aus ostfriesischer Geschichte und Heimatkunde, hoch- und plattdeutschn Erzählungen, Anekdoten, Rätseln und umfangreichen kalendarischen Daten und Adressverzeichnissen offenbar den Geschmack des Publikums traf. Unter seiner Federführung hat sich der Kalender in Ostfriesland und weit darüber hinaus etabliert – die Auflage stieg auf bis zu 20.000 Exemplare – und blieb es bis heute. An der redaktionellen Rezeptur hat sich nicht viel geändert, auch wenn das Jahrbuch heute viel frischer und moderner daherkommt, sei es in den Schriften, in der Grafik, im Layout, sei es in der Fotografie. Zur hundertsten Ausgabe erhielt der Kalender mal wieder eine ordentliche optische Auffrischung. Die patriotische Tendenz, die den Kalender in den ersten kriegerischen Jahren seiner Existenz umweht hatte, wich ohnehin schon längst einer Haltung der besonderen Heimatliebe und Heimatverbundenheit, die auch heute noch aus jedem Beitrag spricht.

Themen des Jahrbuchs 2017 sind neben einem umfangreichen Sonderteil aus Anlass des 100. Jubiläums unter anderem das Reformationsjubiläum in Emden, die ewige Frage, ob Friesland singt oder nicht, eine Fotoreportage über Ostfrieslands Moore und ein weiteres Jubiläum: Der „Ostfriesische Kurier“, der wie „Ostfreesland“ im Soltau-Verlag erscheint, wird 2017 das 150-jährige Bestehen feiern.

Sollte sich jemand fragen, warum die 100. Ausgabe erst 104 Jahre nach der Gründung erscheint – hier ist die Antwort: Wegen Papierknappheit konnten in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs mehrere Jahrgänge nicht gedruckt werden.

Ostfreesland 2017. Kalender für Ostfriesland. 256 Seiten, 10,95 Euro, Verlag Soltau-Kurier Norden

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Naturschutzgebiete im Oldenburger Land

Acht Naturschutzgebiete im Oldenburger Land zum Entdecken und Erleben stellt die Autorin Katrin Zempel-Bley für Einheimische und Touristen vor. Naturschutzgebiete sind Areale, die wegen ihrer besonderen Eigenarten oder seltenen Fauna und Flora ausgewiesen wurden. Wer sie in der Region entdecken möchte, kann ab sofort auf einen 60 Seiten umfassenden und bunt bebilderten Wegweiser zum aktiven Erleben von Natur zurückgreifen.

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Landschaftspräsident Thomas Kossendey (l.), Autorin Katrin Zempel-Bley und Verleger Florian Isensee. Foto: Sarah C. Siebert, Oldenburgische Landschaft

Im Oldenburger Land gibt es zahlreiche Naturschutzgebiete, die für Besucher keineswegs tabu sind. Auf ausgewiesenen Wegen dürfen sie durchquert werden. Dabei gilt es jedoch, sich an Regeln zu halten. So dürfen z.B. keine Pflanzen gepflückt oder Picknick außerhalb gekennzeichneter Flächen gemacht werden. Doch die Gebiete laden Spaziergänger, Wanderer und Radfahrer zu ganz besonderen Naturerlebnissen ein. „Es sind Ausflüge ins Zeitlose, die vor allem durch ihre Stille, Gerüche und natürlichen Geräusche außerordentlich beeindruckend sind“, findet die Autorin.

Vom „schwimmenden“ Sehestedter Moor in der Wesermarsch über den Neuenburger Urwald in Friesland, das Engelsmeer im Ammerland, den Hasbruch im Landkreis Oldenburg, die Ahlhorner Fischteiche in den Landkreisen Oldenburg und Cloppenburg, die Thülsfelder Talsperre und die Molberger Dose im Landkreis Cloppenburg bis hin zum Dümmer in den Landkreisen Vechta und Diepholz reichen die Ausflugsangebote, die in der Regel nichts kosten, aber eine Menge an Erlebnissen und Eindrücken bieten. Mit Hilfe dieses Wegweisers können sie entdeckt werden. Ob zu Fuß oder mit dem Fahrrad, in allen Naturschutzgebieten können die Besucher die Natur intensiv auf sich wirken lassen. Lehrpfade können ausprobiert werden und manch ein Aussichtsturm bietet prächtige Blicke in die Natur. „Wer Natur auf intensive Art und Weise erleben will, für den ist dieser Führer eine wertvolle Hilfe“, so Landschaftspräsident Thomas Kossendey.


Katrin Zempel-Bley: „Naturschutzgebiete im Oldenburger Land. Ein Wegweiser zum aktiven Erleben“, broschiert, 60 Seiten, zahlr. farbige Abb., Isensee Verlag,  Oldenburg 2016, ISBN 978-3-7308-1288-4, Preis: 9.95 Euro.

Tag 110 | Wattsegler

Verleger Florian Isensee und Autor Detlef Hinz bei der Buchvorstellung in Harlesiel. Foto (c): Isensee
Verleger Florian Isensee und Autor Detlef Hinz bei der Buchvorstellung in Harlesiel. Foto (c): Isensee

Das ostfriesische Wattenmeer ist ein Lebensraum, der von der Natur beherrscht und geprägt wird. Jeder, der das Wattenmeer mit all seinen Facetten erleben möchte, muss sich über die Dynamik und stetigen Veränderungen in dieser Welt klar sein und eine Portion Skepsis walten lassen. Das Buch „Segeln im Watt – Als Wattstrieker des 21. Jahrhunderts“  ist ein Ratgeber zum Segeln in eben diesem Gebiet. Es gibt wichtige Hinweise zum Lebensraum Wattenmeer und zu der Ausrüstung, die ein wattgehendes Schiff benötigt. Zudem werden die rechtlichen Grundlagen und Verkehrsregeln im niedersächsischen Wattenmeer erläutert. Detlef Hinz hat sein Buch jetzt in Harlesiel vorgestellt.

Hinz berichtet  aus eigener Erfahrung. Schon seit vielen Jahren segelt er im Watt, er kennt alle Eigenarten dieses anspruchsvollen Gebiets und gibt nützliche Tipps und Tricks. Zusätzlich kann er mit einem abgeschlossenen Meeresökologie- und Nautikstudium ein breites Fachwissen vorweisen. Der Autor betreibt eine eigene Segelschule in Harlesiel. Mit seinem Buch möchte er auf einem weiteren Weg seine Erfahrungen teilen und interessierten Seglern das Wattenmeer in seiner Einzigartigkeit näher bringen.

Detlef Hinz: Segeln im Watt. Als Wattstrieker des 21. Jahrhunderts. 228 Seiten, 120 farbige und 32 s/w Abb., 31 Tabellen, broschiert, 2014, 18,80€. ISBN 978-3-7308-1061-3

Tag 102 | Kranke Akten

Im Deutschen Marinemuseum in Wilhelmshaven hat die Oldenburgische Landschaft jetzt den Band „Vernichtung lebensunwerter Soldaten? Die nationalsozialistische Militärpsychiatrie in der deutschen Kriegsmarine – das Beispiel Wilhelmshaven“ von Roman Behrens vorgestellt. Erschienen ist das Buch als Band 76 der von der Oldenburgischen Landschaft herausgegebenen Reihe Oldenburger Studien.

Das heutige Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch, während des Weltkrieges Militärlazarett. Titelseite des Buches von Roman Behrens. Isensee-Verlag.
Das heutige Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch, während des Weltkrieges Militärlazarett. Titelseite des Buches von Roman Behrens. Isensee-Verlag.

Psychische Erkrankungen von Soldaten wurden in der NS-Zeit durchweg nicht im Zusammenhang mit deren Kriegserlebnissen gesehen, sondern auf Charaktermängel der Betroffenen zurückgeführt. Die jetzt vorgestellte Veröffentlichung beruht auf einer Auswertung von vier Krankenakten von Marinesoldaten, die im Zweiten Weltkrieg in den Marinelazaretten Wilhelmshaven und Sanderbusch und in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen wegen psychischer Erkrankungen behandelt worden sind. Die als Masterarbeit an der Universität Oldenburg entstandene Untersuchung umreißt anhand der vier Fallbeispiele den Umgang mit psychisch erkrankten Marinesoldaten. Außerdem gibt sie Belege für die Verstrickung von Kriegsmarine und Marinesanitätsdienst in die Sterilisationsverfahren und den Krankenmord in der NS-Zeit.

„Roman Behrens hat mit seiner Studie eine wichtige Anregung für die Wissenschaft gegeben, auf einem bisher nicht untersuchten Gebiet intensiv zu forschen“, charakterisierte Landschaftspräsident Thomas Kossendey die Arbeit.

Roman Behrens, Vernichtung lebensunwerter Soldaten? Die nationalsozialistische Militärpsychiatrie in der deutschen Kriegsmarine – das Beispiel Wilhelmshaven, Oldenburger Studien Band 76, herausgegeben durch die Oldenburgische Landschaft, 90 S., Isensee Verlag, Oldenburg 2014, lSBN 978-3-7308-1009-5, Preis: 19,80 €.

Tag 83 | Erinnerung

JudenMehr als 300 Jahre lang haben Juden in Ostfriesland friedlich Tür an Tür mit ihren christlichen Nachbarn gewohnt. Die Vertreibung und Ermordung der jüdischen Einwohner in den dreißiger und vierziger Jahren des vergangene Jahrhunderts hat nicht nur eine ganze Bevölkerungsgruppe ausradiert, auch die Erinnerung an diese Menschen scheint ausgelöscht zu sein. Nur selten wird noch über die Familien gesprochen, die einst hier lebten, und wer Spuren jüdischen Lebens im Nordwesten entdecken will, muss schon sehr genau hinschauen. Das hat der Autor und Buchverleger Theo Schuster aus Leer getan und vor drei Jahren das Buch „Weet ji wall, wor Löbje wohnt… Spuren jüdischen Lebens in Sprache und Literatur“ herausgegeben. Er trug darin viel Material zusammen, zahlreiche Texte, deren Protagonisten Juden waren. Nach Erscheinen des Buches erhielt Schuster so viele weitere Hinweise, dass er jüngst die Fortsetzung herausgebracht hat. „Aber die Juden sind fort…“ heißt der Band, indem der Autor weitere Spuren jüdischen Llebens in Sprache und Literatur in und um Ostfriesland offenlegt.

Anekdoten und Geschichten, Volkskundliches, Literaturbeispiele aus Lyrik und Prosa hat Schuster zusammengetragen, darunter bemerkenswerte Lesefunde wie das Gedicht eines Juden aus Bunde, der 1933 seine fast hellseherische Klage darüber in Reime fasste, warum Deutschland, dem er Treue und Liebe versprochen habe, ihn ächte und meide. „Ich habe keine Heimat mehr“, schreibt er, „und dennoch lieb ich dieses Land, in dem schon meine Wiege stand.“ Das Buch dokumentiert Vorurteile und Aberglauben im Zusammenhang mit Juden, die zunehmenden Vorbehalte ihnen gegenüber ebenso wie die Verzweiflung mancher Nichtjuden darüber, was ihren Nachbarn in der Nazizeit angetan wurde. Ein faszinierendes Mosaik literarischer „Stolpersteine“, die die Erinnerung an das einst so friedliche und selbstverständliche Miteinander von Christen und Juden lebendig halten soll.

Illustriert ist das neue Buch mit 14 Radierungen von Gerd Rokahr aus Esens, die einzelne Kapitel des Bandes und das jüdische Leben in Ostfriesland veranschaulichen.

Theo Schuster (Hrsg.): Aber die Juden sind fort… 122 Seiten, 14 Illustrationen, gebunden, 19,90 Euro. Verlag Schuster, Leer, ISBN 978-3-7963-0394-4 | Buchbestellung

Tag 81 | Antiquarisch

Schatz im Bücherregal. Bloß nicht verkaufen. Foto (c): Helmut Burlager
Schatz im Bücherregal. Bloß nicht verkaufen. Foto (c): Helmut Burlager

Das Ding ist ja längst vergriffen, im eigenen Bücherregal verstauben noch einige wenige Exemplare so vor sich hin. Aus den Augen, aus dem Sinn, und plötzlich wird einem das eigene Buch zum Verkauf angeboten. Hat leichte Gebrauchsspuren, wie der Herausgeber inzwischen auch. Nicht schlecht: Der Wert hat sich in 14 Jahren jedenfalls ungefähr verdreifacht. Grund genug, vom Altbestand nichts mehr rauszurücken. Immerhin, „100 Jahre Jeverland“ gibt’s wieder, und zwar hier!