Tag 92 | Oma wird 30

„Gäbe es diese Zeitschrift nicht“, so sagte es einmal „Stern“-Gründer Henri Nannen über das Ostfriesland Magazin, „ich müsste sie erfinden.“ Henri Nannen, Jahrgang 1913, hat seine Jugend im ostfriesischen Emden verbracht. Diese Jahre in der Seehafenstadt, die Paddeltouren im Faltboot auf Ostfrieslands Kanälen, die grünen Weiden und Wiesen mit ihren Gerüchen haben Henri Nannen geprägt und eine Sinnlichkeit geweckt, für die er später berühmt und berüchtigt wurde. Den „Stern“ hat er mindestens ebenso „aus dem Bauch“ wie mit dem Intellekt gemacht.  Der Journalist, der als Chefredakteur über viele Jahrzehnte eine Millionenauflage zu verantworten hatte, hat das Ostfriesland Magazin gemocht, hatte es abonniert und zu Hause im Wohnzimmer auf einem Tisch hinter dem Sofa – neben anderen renommierten Zeitschriften wie „GEO“, „Der Spiegel“ oder „art“ – gestapelt. Zum 50. Heft im April 1988 hat er der Redaktion ein „Salut gen Norden!“ geschrieben, in dem es heißt: „Dem Verein zur gegenseitigen Beweihräucherung gehören wir nicht an, und doch muss ich Ihnen heute von Herzen die Hand drücken und sie dreimal schütteln, weil es Ihnen gelungen ist, in diesem Monat die 50. Ausgabe Ihres Magazins vorzulegen, ohne dass Ihr Verleger darüber hätte Konkurs anmelden müssen.“

Oma Nummer 1 mit einem Beitrag über das sagenhafte Städtchen Jever.
Oma Nummer 1 mit einem Beitrag über das sagenhafte Städtchen Jever.

Im April 1984 begann die Ära Ostfriesland Magazin. Das Heft wartete damals mit 104 Seiten auf. Mittendrin und in Farbe: 26 Seiten zum „sagenhaften Städtchen Jever“. Die erste Reportage im Heft titelte mit „Selbstvertrauen aus der Folterkammer – warum Frauen Wert auf Muskeln legen“. Seitdem ragt das Regionalmagazin im Nordwesten aus der Flut der Zeitschriftentitel heraus und gewährt exklusive Einblicke und Aussichten. Es berichten über Land, Inseln und Leute zwischen Dollart und Jadebusen – und Monat für Monat gibt es zwischen Ems und Jade viel Neues zu entdecken. Das Angebot der Themen ist breit gefächert: Menschen und Landschaften, Häfen und Seefahrt, Politik und Wirtschaft, Inseln und Küste, Gärten und Umwelt, Geschichte und Geschichten, Kunst und Kultur, Bücher und Humor, Hoch- und Plattdeutsch. Mit jeder Ausgabe nimmt das Ostfriesland Magazin seine Leser mit auf eine Entdeckungsreise und zeigt ihnen den Landstrich in qualitätsvollen Texten und erstklassigen Fotos aus immer neuen Perspektiven.

Eine der erfolgreichsten Regionalzeitschriften

Als 1984 die erste Ausgabe vom Ostfriesland Magazin erschien, konnte niemand ahnen, dass es sich zu einer der erfolgreichsten Regionalzeitschriften Deutschlands entwickeln würde. Als erste Illustrierte für Land und Inseln zwischen Dollart und Jadebusen im Ostfriesland Verlag – SKN (Soltau-Kurier-Norden) von dessen Verleger Christian Basse gegründet, ist das Ostfriesland Magazin seit 1984 monatlich mit immer neuen Perspektiven sowohl auf dem regionalen Markt als auch am überregionalen Markt präsent. Nur einmal, zum Millennium, gab es eine Doppelausgabe. So erschien zum 25. Jubiläum im April 2009 nicht die 300., sondern exakt die 299. Ausgabe. Zum 30. Geburtstag erscheint nun die 359. Ausgabe: das sind schätzungsweise 37.500 Seiten.

„Es war einmal… eine Idee – die Idee von der Illustrierten zwischen Dollart und Jadebusen“, so schrieb es damals der Verleger Christian Basse in seinem Wort vorweg. „Ausgelöst wurde der anfangs vage Gedanke von den vielen bunten Prospekten, die Ostfriesland als das Erholungsland an der südlichen Nordsee priesen. In Wirklichkeit gaben die Fremdenverkehrsprospekte jedoch fast alle ein falsches Bild von unserer Region wieder. Der sprichwörtlich ,etwas beschränkte Ostfriese‘ oder die ,Costa Granata‘ sind eigentlich eine Beleidigung für das wirkliche Ostfriesland.“ Die Idee von der ostfriesischen Illustrierten knüpft hier an. In vielen Momentaufnahmen soll das Geschehen in der Region mit Reportagen eingefangen werden. Reportagen sind wie Entführungsfälle aus bekanntem Terrain, ein Aufbruch ins Ungewisse. Sie sind Abenteuerreisen zu Menschen auf nahen und fernen Planeten. Reportagen beginnen mit einem Befremden. Denn wer den Mittelpunkt der Erde nicht an seinen Schreibtisch glaubt, der kann noch immer überall ins Staunen geraten. Und nur der wird es finden: Das Ungewöhnliche im Gewöhnlichen. Das Verborgene unter der Oberfläche. Das zweite Gesicht der Wirklichkeit. Aufbrüche ins Unbekannte, Beobachtungen aus der Abenteuerlichkeit des Alltags. Dieses Magazin, geliebt und vielfach gelobt für eine Reportage-Fotografie, die selbst schon Zeitschriften-Geschichte geschrieben hat und vor allem von Martin Stromann geprägt wurde. Schon immer standen beim Ostfriesland Magazin Wort und Bild nebeneinander.

Leser in 14 Ländern

In 14 Ländern der Erde wird das Ostfriesland Magazin gelesen. Dazu gehören Australien, Dänemark, Griechenland, Großbritannien, Italien, Luxemburg, Kanada, Marokko, Mexiko, Niederlande, Österreich, die Schweiz, Spanien und die Vereinigten Staaten von Amerika. Mehr als  290 Abonnentinnen und Abonnenten sind seit 1984 dabei! Sie leben unter anderem in Achim, Adelsheim, Affinghausen, Berlin, Bad Homburg, Bad Kreuznach, Bad Reichenhall, Bad Zwischenahn, Bielefeld, Bremen, Bockhorn, Bonn, Butjadingen, Dachau, Darmstadt, Delmenhorst, Dillenburg, Dörpen, Düsseldorf, Duisburg, Ellwangen, Ennepetal, Erkelenz, Frankfurt, Gevelsberg, Grevenbroich, Großkrotzenburg, Gummersbach, Halle, Hamburg, Hannover, Hasbergen, Heidelberg, Hildesheim, Jüchen, Kassel, Kiel, Krefeld, Leonberg, Lingen, Loxstedt, Lüdenscheid, Lüneburg, Mannheim, Markdorf, Meckenheim, Meppen, Minden, München, Neutraubling, Nordhorn, Nürtingen, Oberkirch, Oldenburg, Osnabrück, Papenburg, Preußisch Oldendorf, Recklinghausen, Rethem, Sendenhorst, Singen, Spardorf, St. Augustin, Sulingen, Tornesch, Unna, Unterschleißheim, Varel, Verden, Waiblingen, Westerstede, Wetter, Weyhe, Witten, Wolfenbüttel, Wunstorf und Wuppertal … sowie unter anderem im ostfriesischen Aurich, Berumbur, Carolinensiel, Detern, Dornum, Emden, Esens, Großefehn, Großheide, Hage, Hesel, Hinte, Ihlow, Jever, Krummhörn, Leer, Lütetsburg, Marienhafe, Moormerland, Norden, Osteel, Schortens, Stedesdorf, Südbrookmerland, Weener, Westoverledingen, Wiesmoor, Wittmund … und auf den Inseln Borkum, Juist, Langeoog, Norderney und Spiekeroog.

Die Jubiläums-Ausgabe 30 Jahre.
Die Jubiläums-Ausgabe 30 Jahre.

148 Seiten Jubiläumsausgabe

Die aktuelle Geburtstags-Ausgabe des Ostfriesland Magazins ist jetzt am Kiosk. Die Ausgabe hat einen Umfang von 148 Seiten und kostet 5,50 Euro. In einem 30-seitigen Sonderteil blickt die Redaktion auf 30 Jahre Ostfriesland Magazin zurück, blättert unter anderem zurück in die April-Ausgabe von 1984 und erinnert an das Aus der Spiekerooger Inselbahn im Jahr 1981. Im Jubiläumspreisrätsel gibt es exklusive Schmuckstücke aus einer eigens für das OMa-Jubiläum entworfenen Kollektion von Hermann Arends zu gewinnen.

Tag 91 | Jungbrunnen

Tja, hmm, ich bin ehrlich gesagt etwas überrascht. Habe heute unaufgefordert einen Mitgliedsausweis zugeschickt bekommen. Nicht, dass ich mit dem Verein nichts am Hut hätte, im Gegenteil, ich finde ausgesprochen sympathisch, was die so machen. Aber ich war nie drin, nicht mal vor Jahrzehnten, als ich noch ein Landei war, und dass ich heute noch zur Zielgruppe gehöre, wundert mich doch. Aber man ist ja bekanntlich so jung wie man sich anfühlt. In dem Sinne: Seht mich ab sofort als Mitglied der Landjugend an!

Im Begleitbrief steht übrigens: "Hallo Helmut, wir freuen uns, Dir den Mitgliedsausweis der Niedersächsischen Landjugend für das kommende Jahr präsentieren zu können. Mit Deinem Mitgliedsausweis kannst Du Dich niedersachsenweit als Mitglied einer großen Landjugend-Gemeinschaft ausweisen und zahlreiche Vergünstigungen nutzen. (...) Wir würden uns freuen, Dich auf einer unserer nächsten Veranstaltungen zu sehen..."
Im Begleitbrief steht übrigens: „Hallo Helmut, wir freuen uns, Dir den Mitgliedsausweis der Niedersächsischen Landjugend für das kommende Jahr präsentieren zu können. Mit Deinem Mitgliedsausweis kannst Du Dich niedersachsenweit als Mitglied einer großen Landjugend-Gemeinschaft ausweisen und zahlreiche Vergünstigungen nutzen. (…) Wir würden uns freuen, Dich auf einer unserer nächsten Veranstaltungen zu sehen…“

Tag 88 | Kunst

Vater und Sohn – das kann ein spannungsgeladenes Verhältnis sein. Der eine will dies, der andere will das. So spannungsgeladen wie die Kunstwerke von Andreas Reiberg und Stephan Schmidt, die inzwischen an drei Standorten in Jever zu sehen sind, ist auch die Diskussion um diese Kunstwerke. Die einen finden sie schön, die anderen hässlich. Was will der Künstler mehr, als dass die Menschen sich mit ihren Arbeiten auseinandersetzen, statt achtlos vorbeizugehen? Das neue Werk des Grafiker-Bildhauer-Duos steht am Elisabethufer, direkt gegenüber der Brauerei.

Vater und Sohn. Skulptur von Andreas Reiberg und Stephan Schmidt. Jever, Elisabethufer, März 2014. Foto: Helmut Burlager
Vater und Sohn. Skulptur von Andreas Reiberg und Stephan Schmidt. Jever, Elisabethufer, März 2014.
Foto: Helmut Burlager

Tag 87 | Dienst ist Dienst

Fall jemanden interessiert, was ich den ganzen Tag so treibe. Musik hören zum Beispiel …

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Appell zur Neuausrichtung des Objektschutzregiments der Luftwaffe „Friesland“ am 28. März 2014 in Upjever.

Tag 87 | Radiotipp

Franz Radziwill (1895-1983) präsentierte die Natur und das Meer als geheimnisvolle Idylle, engagierte sich aber auch für den Schutz der Natur. Das Franz-Radziwill-Haus in Dangast und das Schlossmuseum in Jever würdigen den Maler und sein Lebenswerk vom 6. April bis 31. August in dem Ausstellungsprojekt „Die Halbinsel der Seligen – Franz Radziwill in der Natur“. Damit befasst sich am Dienstag, 1. April, in der Stunde ab 19 Uhr der „Kulturspiegel“ auf NDR 1 Niedersachsen. Livestream

Tag 77 | In der Kürze

An Telefonzellen (jüngere Leser wissen mit dem Begriff etwas anzufangen) stand früher (mein Gott, ich werde alt) der Hinweis „Fasse Dich kurz!“ Das war vor allem denen sympatisch, die in der Schlange darauf warteten, dass sie endlich an die Reihe kommen. In Zeiten des Mobiltelefons und der Flatrates labert jeder so lange und so viel er will. Für Schreiber gilt die Aufforderung „Fasse dich kurz“ ja im Grunde auch, wenngleich eher diejenigen berühmt geworden sind, die sich nicht daran gehalten haben, was jeder erinnert, der die „Glocke“ auswendig lernen oder die Buddenbrooks lesen musste. Journalisten aber plagen sich tagtäglich mit mangelndem Platz herum und müssen deshalb schon aus Eigeninteresse einen Weg finden, die Wörterdiarrhoe aufzuhalten. Eine Kollegin einer befreundeten Zeitung hat’s darin inzwischen zu wahrer Meisterschaft gebracht, sie schreibt – wenn auch privat und nicht für die Zeitung – seit einiger Zeit Haikus. Japanisches Versmaß. Drei Zeilen, siebzehn Silben. Konzentrierte Botschaft, alles drin. Vielleicht sollte ich sie abwerben. Würde ja mordsmäßig Honorar sparen, wenn man sie losschickte: „Berichte doch bitte für uns über die Ausstellungseröffnung im Schloss. Ach, übrigens, ein Haiku reicht!“

Susannas neues Buch mit Haikus: Hier

Tag 75 | Weltreise

GlobusVon England über die Türkei nach Amerika, und das mit dem Fahrrad, das geht nirgendwo anders als im Friesischen. Allerdings gibt es Ortsnamen, die zugleich Namen von Ländern oder gar Kontinenten sind, nicht nur auf der Ostfriesischen Halbinsel, sondern auch in anderen Regionen Deutschlands, wenn auch nicht so gehäuft. Die Zeit hat in ihrer Serie „Deutschlandkarte“ eine schöne Landkarte dazu veröffentlicht, die man sich glatt als Poster an die Wand hängen könnte. Hier geht’s zum Artikel und hier zur Karte.

Tag 66 | Im Gezeitentakt

Über eine etwas abenteuerlich wirkende Brückenkonstruktion passierte die Tidebahn die Deichlinie.  Foto: Archiv Manfred Terhardt
Über eine etwas abenteuerlich wirkende Brückenkonstruktion passierte die Tidebahn die Deichlinie.
Foto: Archiv Manfred Terhardt

Eine Bahnstrecke, deren Fahrplan sich nach Ebbe und Flut richtet – diese Besonderheit gaben die Deutsche Bahn AG und der Landkreis Friesland vor 25 Jahren freiwillig und voreilig auf. 1989 wurde die Linie Jever-Harle stillgelegt. Im vergangenen Jahr hätte sie ihr 125-jähriges Jubiläum feiern können. Aber sie „überlebte“ nur gerade mal 100 Jahre. Im vergangenen Jahr, zum 125-jährigen „Geburtstag“ der Bahnstrecke, hat Manfred Terhardt einen Beitrag über die Tidebahn und ihr Ende verfasst, den er dem Friesenblog zur Verfügung stellte. Nachzulesen ist er hier

Tag 62 | Was macht eigentlich…?

ICEDas war ein Ereignis im Sommer 2008, als ein Intercity Express (ICE) der Deutschen Bahn AG in den „Hauptbahnhof“ von Jever einfuhr und auf den Namen der Kleinstadt getauft wurde. Seitdem verkehren hier wieder nur die Züge der Nordwestbahn, die ja auch ganz schick, aber nicht so mondän sind. Bleibt die Frage: Was ist eigentlich aus dem Jever-ICE geworden? Er fährt. Und zwar auf der Strecke vom dänischen Århus nach Berlin Ostbahnhof (ICE 381), wie auf Bahnbilder.de dokumentiert ist. Wie es aussieht, geht’s dem Intercity „Jever“ gut. Schade nur, dass er nicht zwischen Wilhelmshaven und Berlin fährt.

Tag 52 | Fremdsprache

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Wer im Norden wohnt und ab und zu ein paar plattdeutsche Brocken in sein Reden einbaut, wird verstanden und wundert sich, wenn es woanders nicht funktioniert. Die nette Dame aus Süddeutschland, die sich mal kurz das Buch „Respekt“ mit Lebensgeschichten älterer Menschen aus dem Jeverland ausgeliehen hat, erzählt beim Mittagessen, sie habe schon etliche Geschichten gelesen, sie sei sehr beeindruckt. „Da oben wird ja anscheinend noch viel Plattdeutsch gesprochen“, sagt sie, jedenfalls sei sie an solchen kurzen Passagen im Buch hängengeblieben. „Verstanden“, gibt sie zu, „habe ich kein Wort.“