Carola Schede: Worum dreht sich deine Welt!

Foto – und Audioausstellung im Mehrgenerationenhaus Zetel

Der Ursprungsgedanke entstand in der Planungsphase für das Mehrgenerationenhaus in Zetel vor vier Jahren. Auf einem Treffen sprach Carola Schede erstmals ihre Idee an, die Bürgerinnen und Bürger mitten in das Mehrgenerationenhaus zu holen, nämlich in Form einer Ausstellung.

Schede1.jpg
Carola Schede im Gespräch mit Dareen Kanaan. Sie ist seit zwei Jahren deutsche Staatsbürgerin. Foto: Tanja Finke

Es sollte eine Ausstellung werden, die Fotos und Hörgeschichten kombiniert. Die Idee: Die Besucher entdecken Menschen, die sie kennen, oder denen sie vielleicht einfach nur häufig im Ort über den Weg laufen, ganz neu. Die Geschichten, produziert wie professionelle Radiobeiträge, könnten, so die Hoffnung der Zetelerin, sogar im besten Fall Hemmschwellen abbauen und ein bisschen den Blick aufeinander ändern oder füreinander öffnen. „Ich würde gerne Menschen miteinander ins Gespräch bringen, die sonst keine Berührungspunkte haben“, sagt Carola Schede.

Sie fand Unterstützung bei Joann Hagen von der Gemeinde, die zusammen mit der freien Journalistin das Konzept beim Landkreis Friesland einreichte. Vor allem wegen des inklusiven Grundgedankens gab es sofort eine breite Zustimmung.

Zehn Menschen hat die Hörfunk – und Fernsehautorin nun in den vergangenen Wochen besucht und interviewt. Tanja Finke, noch Studentin der Jade Hochschule und angehende Medienwirtin, hat die Porträtaufnahmen gemacht. Sie trafen Menschen, die sie zum Teil gar nicht selber kannten. Engagierte Jugendliche, Ältere, die aus alten Zeiten berichten und Familien, die erzählen, warum sie sich entschieden haben, genau hier Zuhause zu sein. Sie sind Zurückgekehrte, Zugezogene und Hiergebliebene. Sogar eine blinde Frau ist dabei, die sich selbst das Klavierspielen beigebracht hat. Oder eine Syrerin, die schon seit Jahren hier lebt. Sie  erzählt, dass sie Wirtschaft studiert hat, wie das Leben vor dem Krieg in Damaskus war, und wie es für sie war, hier ganz anzukommen.

Schede2.jpg
Mit dabei: Björn Richter und seine Mutter. Seit seinem vierten Schlaganfall sitzt Björn im Rollstuhl. Die beiden sind immer zusammen unterwegs. Foto: Tanja Finke

„Jeder von uns hat eine besondere Geschichte, die sich lohnt, erzählt zu werden“, so die 43-jährige Journalistin. „Viel zu selten bleiben wir stehen, und hören hin. Oder nehmen uns mal die Zeit für die anderen. Es gäbe so viele Geschichten, die in diese Ausstellung gehörten. Es war echt hart, sich auf zehn zu reduzieren!“ Die Geschichten, die jetzt in der Ausstellung zu sehen und zu hören sind, sind auf jeden Fall: mitten aus der Gemeinde.

Die Eröffnung ist am 14. Januar im Mehrgenerationenhaus Zetel und öffentlich. Beginn ist um 9.30 Uhr.

Neues Buch über Seenotretter

Umfangreicher Band von Sven Claußen im Jubiläumsjahr der DGzRS

Bremen – „Die Voraussetzung für erfolgreiche Einsätze ist die ständige Bereitschaft erfahrener Seenotretter zum selbstlosen und aufopferungsvollen Einsatz auf See“, sagt Autor Sven Claußen. Dies gilt seit mehr als 150 Jahren für die Besatzungen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Im Jubiläumsjahr hat Claußen ihnen mit seinem soeben erschienenen Buch „Die Seenotretter – 150 Jahre DGzRS“ ein überzeugendes Denkmal gesetzt.

Seenotretter.jpg
Buchvorstellung auf dem Seenotrettungskreuzer HERMANN RUDOLF MEYER/Station Bremerhaven (v. l.): Autor Sven Claußen, Vormann Torsten Möllenberg und Markus Holzhauer vom Sutton-Verlag. Foto: DGzRS

An Bord des Seenotrettungskreuzers HERMANN RUDOLF MEYER/Station Bremerhaven stellte er den im Sutton-Verlag erschienenen Band am Dienstag, 1. Dezember 2015, der Öffentlichkeit vor. „Die Entwicklung vom Ruderrettungsboot zum modernen Seenotrettungskreuzer ist ein faszinierendes Beispiel für die Initiativkraft dieser Organisation“, sagt Claußen. Und er zieht seinen Hut vor den Besatzungen: „Trotz aller Technik bleibt der Mensch im Mittelpunkt.“

150 Jahre Seenotrettung in Deutschland sind ein guter Anlass, einen Blick auf die Geschichte der Seenotretter und die Entwicklung der Rettungseinheiten zu werfen. Claußen, der der DGzRS seit seiner Kindheit eng verbunden ist, tut dies ausführlich. 160 eigene Bilder sind in seinem Buch enthalten, dazu viele bisher selten gezeigte Aufnahmen aus dem DGzRS-Archiv.

Claußen erzählt aus der Geschichte und über die Arbeit der Seenotretter anhand beispielhafter Einsätze. Er stellt die Schiffe und die Rettungsschuppen vor. Er berichtet über Museumsboote und die Neuentwicklung von Rettungseinheiten ebenso wie über den Seenotrettungsdienst der DDR. Ein Bilderbogen über die Jubiläumsveranstaltungen der DGzRS Ende Mai/Anfang Juni 2015 mit rund 30.000 Besuchern in Bremen und Bremerhaven sowie eine Schiffsliste runden das Buch ab.

150 Jahre nach der Gründung steuern die Seenotretter klar Richtung Zukunft – Kurs: Menschen retten. „Stillstand bedeutet Rückschritt, und so ist zu hoffen, dass dieses Buch dazu beiträgt, neue Freunde und Förderer für die Arbeit der DGzRS zu gewinnen, damit die Seenotretter auch morgen noch rausfahren können, wenn andere reinkommen“, sagt DGzRS-Vorsitzer Gerhard Harder.

Das Buch „Die Seenotretter – 150 Jahre DGzRS“ ist erhältlich im Seenotretter-Shop (www.seenotretter-shop.de). Von jedem verkauften Exemplar erhält die DGzRS einen Spendenanteil.

Die Seenotretter

Die DGzRS ist zuständig für den maritimen Such- und Rettungsdienst in den deutschen Gebieten von Nord- und Ostsee. Zur Erfüllung ihrer Aufgaben hält sie rund 60 Seenotrettungskreuzer und -boote auf 54 Stationen zwischen Borkum im Westen und Usedom im Osten einsatzbereit – rund um die Uhr, bei jedem Wetter. Jahr für Jahr fahren die Seenotretter mehr als 2.000 Einsätze, koordiniert von der SEENOTLEITUNG BREMEN der DGzRS (MRCC = Maritime Rescue Co-ordination Centre). Die gesamte unabhängige und eigenverantwortliche Arbeit der Seenotretter wird ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen finanziert, ohne Steuergelder. Seit Gründung der DGzRS 1865 haben ihre Besatzungen rund 82.000 Menschen aus Seenot gerettet oder drohenden Gefahren befreit. Schirmherr der Seenotretter ist der Bundespräsident.

Der Autor

Sven Claußen wurde 1967 in Oldenburg i. O. geboren. Der promovierte Zahnarzt engagiert sich seit mehr als 15 Jahren ehrenamtlich an Land für die DGzRS. Schon seit seiner Jugend beschäftigt er sich mit den Seenotrettern und fotografiert seit fast 40 Jahren in seiner Freizeit die Rettungseinheiten, aber auch Schiffe ausländischer Schwesterorganisationen. Seit 2007 veröffentlichte er sechs Bücher über die Schiffe der DGzRS, darunter zusammen mit einem weiteren Autor das dreibändige Standardwerk „Die Seenotkreuzer der DGzRS“. Claußen ist zudem Autor zahlreicher Artikel über Seenotrettungsboote und -kreuzer in Fachzeitschriften und veröffentlichte 2007 zusammen mit seinem Vater einen Bildband zur Stadtteilgeschichte in der Reihe Oldenburger Ansichten.

Das Buch

Sven Claußen: Die Seenotretter – 150 Jahre DGzRS
168 Seiten, ca. 230 Abbildungen, Format 22,7 x 27,4 cm, Hardcover
Euro 29,99
ISBN-13: 978-3-95400-561-1
Sutton-Verlag, Erfurt

Wittmunder Holger Heymann ist neues Mitglied im Beirat der friesischen Volksgruppen

Berlin/Hannover – Der niedersächsische Landtagsabgeordnete Holger Heymann (SPD) ist neues Mitglied im beratenden Ausschuss für Fragen der friesischen Volksgruppe. Der Ausschuss tagte in dieser Woche im Bundesinnenministerium  in Berlin.

Heymann_BMI.jpg
Holger Heymann. Foto: Sören Mandel

Der Landtagsabgeordnete aus Neuschoo im Kreis Wittmund rückt für den  aus dem niedersächsischen Landtag ausgeschiedenen SPD-Politiker Claus Peter-Poppe in den beratenden Ausschuss nach. Heymann sagte, für ihn seien die Pflege und die Akzeptanz kultureller Identität sehr wichtig. Die niederdeutschen Sprachen und insbesondere das Saterfriesische und das Plattdeutsche „gehören zu Niedersachsen genauso wie Harz und Nordsee“.

„Ich selbst bin mit der plattdeutschen Sprache groß geworden und befürworte die Bemühungen der Landesregierung beispielsweise in Schulen regionale Sprachen am Leben zu erhalten“, so der ostfriesische Landtagsabgeordnete. Aus der Sitzung in Berlin berichtet Heymann, dass auf hohem Niveau zukünftige, auch interregionale Projekte angestoßen und besprochen wurden. Es gehe keineswegs um Abgrenzung gegenüber anderen Regionen, sondern darum, „die kulturellen Errungenschaften wertzuschätzen und pflegen zu können“, so der SPD-Politiker.

Friesenblog 5.12.2015

„Flüchtlinge mit einem Koppke Tee willkommen heißen“

Friesisches Forum erinnert an ostfriesische Auswanderung

Aurich – Das Friesische Forum hat sich mit der Flüchtlingssituation befasst. In diesem Zusammenhang erinnert der Verein an die eigene Geschichte der Friesen: „Die Bilder von den Flüchtlingstrecks auf der „Balkanroute“ erinnern stark an Fotos von Flüchtlingsfluten gegen Ende des 2. Weltkriegs und wecken manche Erinnerung bei der älteren Generation. Damals konnten vier Millionen Menschen im weitgehend zerbombten Westdeutschland untergebracht und versorgt werden, eine stattliche Zahl auch in Ostfriesland und Friesland“, so Paul Kluge (Leer), stellvertretender Vorsitzender des Friesischen Forums.

Andererseits seien im 19. und auch noch im 20. Jahrhundert zahlreiche Friesen vor der herrschenden Armut geflohen. Sie hätten vor allem in den USA ein besseres Leben erhofft und oft auch gefunden, seien als Armuts- und Wirtschaftsflüchtlinge willkommen gewesen.

Das Friesische Forum erinnert angesichts der zurzeit ankommenden Flüchtlinge an beide Erfahrungen. Es bittet die Bewohnerinnen und Bewohner Ostfrieslands und Frieslands, den heute Ankommenden offen und hilfsbereit zu begegnen und die alte Sitte, Fremde mit einem Koppke Tee willkommen zu heißen, auch im übertragenen Sinne lebendig zu erhalten.

Kalender über Schiffe und Arbeit der Seenotretter erschienen

Seenotretter kennen keine Saison. Die Rettungsflotte der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ist 2016 an 366 Tagen und bei jedem Wetter einsatzbereit. Erneut ist es dem Hamburger Fotografen Peter Neumann (YPS/Yacht Photo Service) gelungen, die Arbeit der Seenotretter im Kalender „… wir kommen“ in eindrucksvollen, großformatigen Fotos festzuhalten.

Titelblatt des Kalenders „… wir kommen 2016“ über die Arbeit der Seenotretter. Foto: YPScollection, Peter Neumann
Titelblatt des Kalenders „… wir kommen 2016“ über die Arbeit der Seenotretter. Foto: YPScollection, Peter Neumann

„… wir kommen 2016“ ist bei Koehlers Verlagsgesellschaft erschienen. Peter Neumann hat aus seinem umfangreichen Bildarchiv einmal mehr 13 Motive ausgewählt, die die Anforderungen an Mensch und Technik im modernen Seenotrettungsdienst im Verlauf der Jahreszeiten realistisch widerspiegeln und die unterschiedlichen Facetten dieser Arbeit eindrucksvoll zeigen.

Für die Seenotretter ist dies von besonderer Bedeutung. Denn ihre Arbeit spielt sich nicht selten fernab der Küste, unter widrigen äußeren Umständen oder nachts unter Ausschluss der Öffentlichkeit ab. Eine Vorschau aller Kalendermotive 2016 ist zu finden unter http://seenotretter-shop.de/geschenke/kalender-wir-kommen-2016.html.

Die gesamte Arbeit der Seenotretter wird nach wie vor ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen finanziert. Im Verkaufspreis des Kalenders von Euro 24,90 (in Österreich Euro 25,60; in der Schweiz sFr. 34,80) ist eine Spende in Höhe von 3,00 Euro pro Exemplar enthalten.

Der neue Kalender ist zu beziehen im Seenotretter-Shop unter www.seenotretter-shop.de, im Buchhandel oder direkt bei Koehlers Verlagsgesellschaft.

Neues Buch: Saalkirchen im Wangerland

„Saalkirchen im Wangerland“ heißt ein neues Buch von Axel Bürgener und Klaus Siewert. Es ist die erste zusammenfassende Dokumentation zum Thema. In dem Band werden bedeutende historische Sakralbauten des Wangerlandes beschrieben und im Bild gezeigt.

Kirche in Wiarden, dem Wohnort der beiden Autoren. Foto: Axel Bürgener
Kirche in Wiarden, dem Wohnort der beiden Autoren. Foto: Axel Bürgener

Die zwölf Kirchen im nördlichen Jeverland – Hohenkirchen, Middoge, Minsen, Oldorf, Pakens, St. Joost, Tettens, Waddewarden, Westrum, Wiarden, Wiefels und Wüppels – haben neben ihrer geografischen Nähe und kirchengeschichtlichen Gebundenheit an die Gaukirche in Hohenkirchen weitere Gemeinsamkeiten, durch die sie sich in ihrer Gesamtheit von Sakralbauten anderer Regionen unterscheiden: sie liegen auf sturmflutsicheren Wurten, sind aus Granitquadern erbaut, die Glockentürme sind in der Regel nicht in den Kirchbau integriert, sondern stehen wegen des nachgiebigen Grundes der Wurten abseits. Schließlich sind sie ihrer baulichen Struktur nach allesamt Saalkirchen, Kirchbauten, deren Innenräume nicht durch freistehende Säulen oder andere stützende Konstruktionen gegliedert sind.

Die Texte sind von Klaus Siewert verfasst, aus verschiedenen Quellen bezogen und um neues Wissen ergänzt worden. Jede der Kirchen wird nach einem einheitlichen Beschreibungsmuster vorgestellt, das neben den historischen Kerndaten auch Aktuelles und Anekdotisches bietet. Die Fotos sind in den Jahren 2014/2015 von Axel Bürgener gemacht worden. Zum Abschnitt „Döntjes un Vertellsels“ haben Leser des Jeverschen Wochenblatts mit alten Geschichten beigetragen.

Axel Bürgerner und Klaus Siewert: „Saalkirchen im Wangerland“, ADW Verlag, www.adw-verlag.de , 120 Seiten, 29,90 Euro. ISBN: 978-3-939211-97-6

Die NS-Zeit in Schortens

Vortrag am Dienstag im Bürgerhaus

Schortens ist mit 20.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Frieslands. Soweit bekannt, hat es hier in den vergangenen Jahrzehnten noch keine Informationsveranstaltung über die NS-Zeit der Stadt gegeben. Die Premiere findet Dienstag, 6. Oktober 2015, 19.30 Uhr, im Bürgerhaus Schortens statt. Veranstalter sind die Initiative „Upjever Lieb Ich“ aus Schortens und das Zeitgeschichtszentrum Gröschler-Haus Jever. Der Eintritt ist frei, es wird um eine Spende für die Forschungsarbeit des Gröschler-Hauses gebeten.

Besuch des Chefs der Luftwaffe Hermann Göring am 27. Februar 1940 auf dem Flugplatz Upjever; links Oberstleutnant Carl-Alfred Schumacher. Bereits 1930 in die NSDAP eingetreten, war Schumacher 1940 Kommodore des Jagdgeschwaders und wurde 1943 zum Generalmajor ernannt. In der Nachkriegszeit saß er für verschiedene Parteien im Niedersächsischen Landtag. Archiv H. Peters
Besuch des Chefs der Luftwaffe Hermann Göring am 27. Februar 1940 auf dem Flugplatz Upjever; links Oberstleutnant Carl-Alfred Schumacher. Bereits 1930 in die NSDAP eingetreten, war Schumacher 1940 Kommodore des Jagdgeschwaders und wurde 1943 zum Generalmajor ernannt. In der Nachkriegszeit saß er für verschiedene Parteien im Niedersächsischen Landtag. Archiv H. Peters

Die Veranstaltung bietet keine abgeschlossenen Ergebnisse, sondern sieht sich als Initialzündung für die weitere Aufarbeitung der von den Schortensern offenbar besonders lange ausgeblendeten eigenen NS-Periode. Zeitzeugen und Beiträge aus dem Publikum sind ausdrücklich willkommen. Es mischen sich projizierte Dokumente, Fotos und Filmausschnitte mit Wortbeiträgen.

„Schortens“ meint für die Veranstaltung die heutige politische Gemeinde Schortens und damit auch den Ortsteil Sillenstede. Hier hatten die ersten Nationalsozialisten im Amt Jever (heute „Nordkreis“ genannt) zur Unterstützung des Hitler-Putsches von 1923 ein Waffenlager eingerichtet. Im Jahr darauf wählte Sillenstede zu 41,8 Prozent die NSDAP. In der SPD- und KPD-Hochburg Schortens/Heidmühle waren es aber ebenfalls zu diesem frühen Zeitpunkt bereits 27,6 Prozent. Hier kam es vor 1933 recht häufig zu handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen den Nazis und ihren Gegnern.

Aufmarsch von NS-Verbänden 1936 auf der Schooster Straße, im Hintergrund ist die St. Stephanus-Kirche zu erkennen. Archiv Rudi Rabe
Aufmarsch von NS-Verbänden 1936 auf der Schooster Straße, im Hintergrund ist die St. Stephanus-Kirche zu erkennen. Archiv Rudi Rabe

Der Historiker Hartmut Peters wirft u.a. Schlaglichter auf den Weg der Nazis zur Macht 1933, auf das in Auschwitz ermordete jüdische Ehepaar Max und Paula Solmitz aus der Jeverschen Straße, den Bau des Flugplatzes Upjever als Teil der Kriegsvorbereitungen, die NS-Verstrickungen des bereits 1930 in die NSDAP eingetretenen Generalmajors Carl-Alfred Schumacher sowie die Befreiung durch die Soldaten des polnischen Generals Stanislaw Maczek im Mai 1945. Der Historiker Holger Frerichs beleuchtet den Aspekt Terror gegen die Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen anhand eines öffentlichen Gestapomordes in Schortens.

Fünf Jahre nach dem Krieg fiel die Mordmaschinerie der Nationalsozialisten auf Schortens zurück, als 1.500 jüdische Displaced Persons aus der Britischen Zone in den Kasernen von Upjever einquartiert wurden. Helmut Wilbers („Upjever Lieb Ich“) skizziert die Geschichte dieses Camps und stellt Einzelschicksale dar. Hier warteten 1950/51 meist aus dem aufgelösten KZ Bergen-Belsen stammende, schwer traumatisierte Holocaust-Überlebende auf ihre Auswanderung. Günter Buchold besuchte als Orthopädie-Meister einige Male das Camp zur Unterstützung von Versehrten und berichtet als Zeitzeuge darüber.

Prof. Dr. Antje Sander (Kulturverbund Schloss-Museum Jever) erläutert das jüngst von ihr initiierte Konzept der „Erinnerungsorte in Friesland“ und stellt dar, welche Rolle der Flugplatz und der „Erinnerungsort Jewish DP Camp Upjever“ darin zukünftig einnehmen kann. Weitere Informationen befinden sich auf http://www.erinnerungsorte-friesland.de

Drei verbreitete Irrtümer über das Radfahren

In Friesland ist immer Fahrradsaison. Oft stellt sich für Verkehrsteilnehmer die Frage, wie das Miteinander auf der Fahrbahn geregelt ist, besonders das Verhältnis von Autofahrern und Radfahrern. Die Deutsche Verkehrswacht klärt in einer Pressemitteilung drei populäre Irrtümer auf.

Irrtum 1: Fahrradfahrer gehören immer auf den Radweg

Radweg benutzen oder nicht? Da gibt es manches Missverständnis zwischen Autofahrern und Radfahrern. Foto: Deutsche Verkehrswacht
Radweg benutzen oder nicht? Da gibt es manches Missverständnis zwischen Autofahrern und Radfahrern. Foto: Deutsche Verkehrswacht

Den Radweg müssen Fahrradfahrer nur benutzen, wenn er mit einem der drei blauen Radwegschilder (Zeichen 237, 240 oder 241) gekennzeichnet ist. Allerdings müssen die ausgeschilderten Radwege nur dann benutzt werden, wenn sie befahrbar und zumutbar sind. Ist der Radweg durch Scherben, Mülltonnen oder parkende Autos versperrt, wird er durch Baumwurzeln und aufgeworfenen Belag für Radfahrer gefährlich, dürfen Radfahrer auf die Fahrbahn ausweichen. Auch, wenn der Radweg in eine andere Richtung führt (zum Beispiel bei Abbiegewünschen) kann sich der Radfahrer auf der Fahrbahn einfädeln.

Irrtum 2: Fahrradfahrer müssen immer hintereinander fahren

Auch wenn es häufig sicherer ist, hintereinander zu fahren, dürfen Radfahrer nebeneinander fahren, sofern sie dabei nicht den Verkehr behindern (§ 2, Abs. 4 StVO). Nach § 27, Abs. 1 StVO gelten mehr als 15 Radfahrer als geschlossener Verband. Sie dürfen zu zweit nebeneinander auf der Fahrbahn fahren – was auch für Autofahrer von Vorteil ist, da eine lange einreihige Schlange sich deutlich langsamer fortbewegt und riskanter zu überholen ist. In Fahrradstraßen ist das Nebeneinanderfahren grundsätzlich erlaubt.

Irrtum 3: Musikhören auf dem Fahrrad ist verboten

Grundsätzlich ist es erlaubt, auf dem Fahrrad Musik zu hören. Allerdings gilt laut § 23, Abs. 1 Satz 1 StVO: „Wer ein Fahrzeug führt, ist dafür verantwortlich, dass seine Sicht und das Gehör nicht durch die Besetzung, Tiere, die Ladung, Geräte oder den Zustand des Fahrzeugs beeinträchtigt werden.“ Radfahrer müssen also gewährleisten, dass sie den Straßenverkehr ausreichend wahrnehmen und vor allen Dingen Warnsignale wie Klingeln oder Hupen hören.

Generell sollten sich Radfahrer genau überlegen, wann sie wie Musik hören – schließlich gilt das Gehör neben dem Auge als wichtige Absicherung im Straßenverkehr. Studien ergaben, dass auch Musik in der Lautstärke eines normalen Gesprächs die Wahrnehmung und Informationsverarbeitung beeinträchtigt. Die Deutsche Verkehrswacht empfiehlt aus Sicherheitsgründen auf das Musikhören während des Radfahrens ganz zu verzichten.

Informationen zur DVW:
deutsche-verkehrswacht.de
facebook.com/DeutscheVerkehrswacht
youtube.com/RiskierNichts
twitter.com/DtVerkehrswacht

Die Deutsche Verkehrswacht gehört zu den ältesten und größten Bürgerinitiativen Deutschlands. Seit ihrer Gründung 1924 arbeitet sie für mehr Sicherheit und weniger Unfälle auf unseren Straßen – heute mit mehr als 60.000 ehrenamtlich Engagierten. Sie informieren, beraten und trainieren mit Verkehrsteilnehmern jeden Alters sicheres Verhalten im Straßenverkehr. Die Zielgruppenprogramme der DVW erreichen rund 2,7 Millionen Menschen pro Jahr. Die DVW finanziert ihre Aktionen und Programme mit Unterstützung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur sowie durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Sponsoring.

Mit dem E-Bike durch Ostfriesland

Sieben Tage, 375 Kilometer: Die „On-Air-am-Meer“ Tour mit Radio-21-Moderator Per Eggers geht in die vierte Runde. Vom 3. bis zum 9. August 2015 wird jeden Tag ein anderer Teil Ostfrieslands mit dem E-Bike erkundet.

Ein Inseltag gehört während der E-Bike-Tour von Radio 21 auch wieder dazu. Foto: www.ostfriesland.de
Ein Inseltag gehört während der E-Bike-Tour von Radio 21 auch wieder dazu. Foto: http://www.ostfriesland.de

Für die Teilnehmer stehen dabei täglich neue Attraktionen auf dem Programm, wie Segway fahren, Kitesurfen oder gemütliches Flanieren auf dem Norderneyer Weinfest. In den 20 Euro Startgebühren pro Tag sind ein E-Bike, ein täglicher Mittagsimbiss, Getränke und der Bus-Shuttle vom Endpunkt der Tagesetappe zum jeweiligen Startpunkt inbegriffen. Auf www.ostfriesland.de kann man sich zur Tour durch den Norden anmelden. Aber nicht zu lange warten, die Gruppen sind auf 50 Teilnehmer pro Etappe begrenzt!
Die Etappen im Überblick:
03.08.2015 Emden – Greetsiel
04.08.2015 Südbrookmerland – Norddeich
05.08.2015 Friedeburg – Neuharlingersiel
06.08.2015 Bad Zwischenahn – Conneforde
07.08.2015 Ditzum – Leer – Westoverledingen
08.08.2015 Jever – Wangerland
09.08.2015 Norderney
Direkter Link zur „On-Air-am-Meer“ Tour: E-Bike-Tour

Neustadtgödens: Dorf der fünf Religionen

Unzerstörte Synagoge hält Erinnerung an jüdisches Leben fest

Religiöse Toleranz hat über Jahrhunderte das Dorf Neustadtgödens im Landkreis Friesland geprägt, fünf Glaubensrichtungen waren hier zeitgleich aktiv. Die Spuren des aktiven jüdischen Lebens in der Region zeichnet jetzt eine Ausstellung im Gebäude der ehemaligen Synagoge nach.

Die ehemalige Synagoge in Neustadtgödens ist jetzt ein Erinnerungsort.  Foto: Landkreis Friesland
Die ehemalige Synagoge in Neustadtgödens ist jetzt ein Erinnerungsort. Foto: Landkreis Friesland

Es ist eine der wenigen Synagogen, die die Pogromnacht von 1938 überstanden. Als Erinnerungsort erlaubt die ehemalige Synagoge in Neustadtgödens im Landkreis Friesland wichtige Einblicke in ein reiches und aktives jüdisches Gemeindeleben in der Region seit dem 17. Jahrhundert. Die Ausstellung ist ein Kulturprojekt des Zweckverbandes Schlossmuseum Jever als Mieter, der Gemeinde Sande und des Landkreises Friesland.

Obwohl sie an einem in Nordwestdeutschland einzigartigen Ort religöser Toleranz entstand, verdankt die Nachwelt den Erhalt des Synagogenbaus letztlich einem bedrückenden Umstand: Repressalien hatten die seit Ende des 17. Jahrhunderts in Neustadtgödens beheimatete jüdische Gemeinde im Februar 1938 bewogen, das Gebäude zu verkaufen. So wurde es im November des gleichen Jahres als einer von wenigen Synagogenbauten in Deutschland nicht Ziel antisemitischer Angriffe und Zerstörung. Heute sind die Projektpartner dankbar, dieses Gebäude als Erinnerungsort dem wachen Gedenken und Erforschen jüdischen Lebens in der Region öffnen zu können. Das Erdgeschoss ist als Informationsstätte eingerichtet und soll zu einem Baustein der Erinnerung an jüdisches Leben und Kultur in Friesland werden.

Die politische Situation in der kleinen Herrlichkeit Gödens ließ ab dem 16. Jahrhundert für lange Zeit ein tolerantes Klima entstehen. In kaum einem anderen Ort ist auf so dichtem Raum das Miteinander der verschiedensten Konfessionen und Religionen erlebbar, für Nordwestdeutschland ist dies einzigartig. Davon zeugen noch heute die erhaltenen Gotteshäuser – die mennonitische, reformierte, lutherische und katholische Kirche sowie die Synagoge. Mitte des 19. Jahrhunderts war jeder vierte Einwohner jüdischen Glaubens, die stark gewachsene Gemeinde entschied sich deshalb zu einem Synagogen-Neubau, der 1852/53 entstand.

Durch den Ausbau Wilhelmshavens und die Umstrukturierungen in der Landwirtschaft in dieser Region verlor die jüdische Gemeinde ab 1900 immer mehr Mitglieder. Als dann ab 1933 die Repressalien gegen die Gemeinde deutlich stärker wurden und von Seiten der nationalsozialistischen lokalen Behörden der Synagoge „Baufälligkeit“ attestiert wurde, fand dort schließlich im August 1936 ein Abschiedsgottesdienst statt. Sie wurde schließlich im Frühjahr 1938 an einen Privatmann verkauft. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass der Synagogenbau während der Pogromnacht im November 1938 unversehrt blieb. 1986 konnte das Gebäude umfangreich renoviert und restauriert werden.

Heute befindet es sich in Privatbesitz, doch wird das Erdgeschoss ab dem 9. Juli 2015 der Öffentlichkeit im Rahmen von Führungen durch Neustadtgödens wieder zugänglich sein. Im Mittelpunkt der Präsentation soll dabei die Geschichte der jüdischen Gemeinde und ihrer Synagoge vom Ende des 17. Jahrhunderts bis zur Deportation und Ermordung der letzten jüdischen Einwohner von Neustadtgödens 1941/42 stehen. Sie ergänzt so optimal andere Bausteine im Konzept der Erinnerungsorte für den Landkreis Friesland wie etwa das im Aufbau befindliche Gröschlerhaus in Jever, das ebenfalls an jüdische Mitbürger erinnert.

Das Projekt ist eng mit der jüdischen Gemeinde in Oldenburg abgestimmt, gleichzeitig bauen die Projektpartner eine Kooperation mit den weiterführenden Schulen im Landkreis Friesland und darüber hinaus auf. Außerdem ist die Synagoge eng in das kulturtouristische Konzept der Gemeinde Sande und des Landkreises Friesland eingebunden und wird sich auch an Gemeinschaftsprojekten der Oldenburgischen und Ostfriesischen Landschaft zu diesem Themenkomplex beteiligen können.