Touristen erliegen in Friesland (dem deutschen Friesland) ja manchmal dem Irrtum, hier werde Friesisch gesprochen. Dabei ist die Sprache hier längst ausgestorben, nur in wenigen begrenzten Regionen wie dem Saterland ist es noch Alltagssprache, vornehmlich für die Älteren. In Friesland spricht man, wenn überhaupt, noch Plattdeutsch, doch auch das ist auf dem absteigenden Ast. Um so überraschender, wenn dann in einer friesländischen Zeitung, dem Jeverschen Wochenblatt, plötzlich eine Todesanzeige auftaucht, die ganz und gar auf Friesisch gehalten ist. Ich habe sie mal eingescannt, die persönliche Daten natürlich rausgenommen, um ein Gefühl dafür zu geben,welche schöne Sprache die Friesen einst vom heutigen Holland bis nach Dänemark hoch gesprochen haben. Wie kommt so eine Todesanzeige in eine deutsche Zeitung? Durch die Kinder und Enkelkinder, die schon vor Jahren vom niederländischen Friesland ins Jeverland gezogen sind. Schön, dass sie ihre Muttersprache nicht vergessen haben.
Im Künstlerhaus Hooksiel ist heute eine besondere Fotoausstellung eröffnet worden. Der kaum 30 Jahre alte Fotograf Tim Keweritsch hat bereits in England, Deutschland, Japan, China, Singapur und in den USA gearbeitet. Eine Auswahl seiner Werke ist bis zum 21. September zu sehen, dienstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr. Ein Portät des Fotokünstler hier:
Das musste ja kommen. Sollte die deutsche Nationalhymne nicht langsam mal ersetzt werden? Fragt ein besorgter Blogger. Im Sinne des Gleichheitsgrundsatzes, argumentiert er mit halbem Ernst, könne man die dritte Strophe von Hoffmann von Fallerslebens Deutschlandlied doch nur mit schlechtem Gewissen mitsingen. Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland, brüderlich mit Herz und Hand? Stimmt. Ist mir so noch nie aufgefallen. Man könnte natürlich, statt gleich eine neue Hymne zu schreiben, auch die zweite Strophe nehmen, da kommen die Frauen sehr wohl zu ihrem Recht:
Für die Frage, ob die Südzentrale, das verfallende ehemalige Kraftwerk an der Kaiser-Wilhelm-Brücke in Wilhelmshaven, noch gerettet werden kann, wird die kommende Woche eine ganz wichtige sein. Am Mittwoch, 18. Juni, stellt Frau Redies vom Büro Profund Consult das Nutzungskonzept für das historische Bauwerk zunächst dem Stadtrat und dann um 20.15 Uhr dem Verein zum Erhalt der Südzentrale vor. Die Versammlung findet im Gemeindehaus der Christus- und Garnisonkirche statt.
Heute mal ein kleiner Terminhinweis. Das nächste Street Art Festival in Wilhelmshaven steht bevor. Der Veranstalter , die Wilhelmshaven Touristik und Freizeit GmbH, an deren Spitze inzwischen ja der „Erfinder“ des Festivals, Michael Diers, steht, will in dieser Woche das detaillierte Programm bekanntgeben. „Street Art“ gibt es an der Jade am 2. und 3. August 2014. Es ist schon das vierte Festival dieser Art in Wilhelmhaven.
Street Art Festival 2011 in Wilhelmshaven. Mittlerweile ist die vierte Auflage der Großveranstaltung in Planung. Foto: Helmut Burlager
50 Jahre Stadtkirche. Als wollte der Architekt Prof. Dr. Dieter Oesterlen aus dem Jenseits demonstrieren, wie er sich das mit den Glasbetonfenstern damals gedacht hat, schien während des ganzen Jubiläumskonzerts der Stadtkantorei Jever die Sonne und warf ein mystisches Licht auf die Szenerie. Unter der Leitung von Kantor Klaus Wedel sangen und musizierten die Stadtkantorei, die Solisten Dorothea Winkel, Frauke Becker, Hilke Andersen, Wolfgang Klose und Werner Kraus sowie das Ensemble concertino Jever erweitert um Instrumentalsolisten. Foto: Helmut Burlager
Jevers Stadtkantorei unter der großartigen Leitung von Kantor Klaus Wedel hat den Konzertfreunden der Region und dem „Geburtstagskind“ Stadtkirche gestern Abend ein sehr schönes Geschenk gemacht. Fast auf den Tag genau 50 Jahre nach der Einweihung der modernen Kirche, die die alte abgebrannte Stadtkirche ersetzte, führten Chor, Solisten und Instrumentalisten das Himmelfahrtsoratorium von Johann Sebastian Bach auf. Dazu gab es Werke von Henry Purcell und, wie so oft, für einen Teil der Konzertbesucher, die Antwort auf die Frage: „Wann darf man klatschen?“. Sie lautet: Nicht an der falschen Stelle. Jedenfalls heutzutage nicht. Früher war das anders. Kinderleicht erklärt ist es hier – für Kinder: Hör mal! Sieh mal. Eine Rezension des Konzerts gibt’s morgen von meinem Kollegen Christoph Hinz im Jeverschen Wochenblatt.
Ein besonderer Höhepunkt steht Ende Mai auf dem Programm der Stadtkirche in Jever: Zum 50. Geburtstag des Gotteshauses singt die Stadtkantorei eines der großartigsten Werke von Johann Sebastian Bach: das Himmelfahrtsoratorium.
Namhafte Solisten singen gemeinsam mit der Stadtkantorei, und die Orchesterbesetzung ist „mit Pauken und Trompeten“, Flöten, Oboen, Fagott und Streichern besonders festlich.
Ergänzt wird das Jubiläumsprogramm durch ein weiteres Werk des berühmten Meisters: Bachs Doppelkonzert für Violine und Oboe sowie einem zweiten großartigen Oratorium für Soli, Chor und Orchester: Henry Purcells „Te Deum und Jubilate“ – ebenso festlich wie das Hauptwerk des Abends.
Ausführende sind die Stadtkantorei Jever unter der Leitung von Kreiskantor Klaus Wedel, das concertino Jever und die Solisten Dorothea Winkel und Frauke Becker (Sopran), Hilke Andersen (Alt), Wolfgang Klose (Tenor) und Werner Kraus (Bass).
Karten für das Konzert am Sonnabend, 31. Mai, um 19 Uhr in der Stadtkirche gibt es im Vorverkauf bei der Buchhandlung Am Kirchplatz (Tel.: 04461 / 912015). Die Abendkasse öffnet um 18 Uhr, Einlass ist um 18.15 Uhr.
Die „Exodus“. Bildquelle: Wikimedia Commons / Pikiwiki Israel
Im Sommer 1947 versuchten 4500 heimatlose Juden mit dem Dampfer Exodus nach Palästina auszuwandern. Unter den Augen der entsetzten Weltöffentlichkeit holten britische Soldaten die Passagiere in Haifa mit Waffengewalt vom Schiff und deportierten sie ausgerechnet ins kalte Nachkriegsdeutschland. In niedersächsischen Kasernengebäuden warteten sie einen Winter lang, um schließlich endgültig nach Israel auswandern zu können. Die Geschichte der jüdischen Flüchtlinge wird nun zum Thema der dokumentarischen Theatervorstellung „Exodus“, die vom Theater Das Letzte Kleinod in den kommenden Monaten in Israel und Norddeutschland an originalen Spielorten aufgeführt wird.
Damals in Hamburg hatte man die aus dem Schiff rausgeprügelt. Die wollten nicht an Land. Die kamen ja wieder nach Deutschland, hinter Stacheldraht. Denn mussten sie Namen sagen. Da haben sie alles Mögliche gesagt. Bloß ihren eigenen Namen nicht. (Gerda, Zeitzeugin aus Emden)
Für das Buch interviewte der Autor und Regisseur Jens-Erwin Siemssen zehn Zeitzeugen, die auf der Exodus mitfuhren oder das Geschehen in Emden und Wilhelmshaven als Anwohner miterlebten. Die originalen Aussagen wurden in diesem Buch dialogisiert und nur geringfügig verändert.
Aus den Erzählungen der Zeitzeugen entsteht das Theaterstück „Exodus“. Die Aufführung wird von einem internationalen Ensemble an drei originalen Schauplätzen der Geschichte inszeniert. Die Proben und eine Werkpräsentation fanden an einem besonderen Ort statt: Im ehemaligen britischen Haftlager in Atlit bei Haifa wurden früher illegale Einwanderer interniert. Vom ehemaligen Lager sind die Barracken, Stacheldrahtzäune, Wachtürme und Güterwagen erhalten. In Atlit kam das Ensemble auch mit israelischen Zeitzeugen in Kontakt, die Gedenkstätte wurde zum Schauplatz der dokumentarischen Inszenierung.
Seit Ende April 2014 finden die Proben in Emden statt. Auf dem Gelände der Karl-von-Müller-Kaserne wird die Uraufführung von „Exodus“ an einem weiteren originalen Schauplatz stattfinden. Mit Schauspielern aus Israel, Deutschland und aus den Niederlanden wird das Stück vor den illuminierten Fassaden des Kasernengebäudes gespielt. Die Vorstellung wird an die individuellen Möglichkeiten des Gebäudes angepasst: Bühnenorte, Bewegungsmöglichkeiten und der Raumklang beeinflussen die Spielhandlung. Als zusätzliche Objekte werden Gegenstände genutzt, die in leerstehenden Gebäuden zurück bleiben.
Ein Chor unter der Leitung des israelischen Komponisten Shaul Bustan singt in den brachliegenden Gebäuden der Kaserne. Die Zuschauer sitzen unter freiem Himmel auf einer Tribüne auf dem Kasernenhof. Die Uraufführung von „Exodus“ findet am Mittwoch, 14. Mai 2014, in Emden statt, die Vorstellung wird bis zum 17. Mai jeden Abend kurz vor Sonnenuntergang um 21 Uhr gespielt.
Anschließend wird die Vorstellung in der Armin-Zimmermann-Kaserne in Wilhelmshaven-Sengwarden aufgeführt. Auch hier waren im Winter 1947/48 über Tausend jüdische Flüchtlinge vom Schiff „Exodus“ untergebracht. Bei diesen Vorstellungen wirkt der Jugendclub der Landesbühne Nord mit. Ein weiterer Spielort in Norddeutschland wird eine ehemalige amerikanische Kaserne in Bremerhaven sein, die Carl-Schurz-Kaserne in Bremerhaven.
Mittwoch, 14. Mai 2014, 21:00 Uhr, Uraufführung in Emden 14. – 17. Mai 2014, Karl-von-Müller-Kaserne, Gerhard-Hauptmann-Straße, 26721 Emden, in Kooperation mit dem Kulturbunker Emden,
22. – 24. Mai 2014, Armin-Zimmermann-Kaserne, Wilhelmshaven-Sengwarden, in Kooperation mit dem Heimatverein Sengwarden
29. – 31. Mai, 02. – 04. Juni 2014, Carl-Schurz-Kaserne, Amerikaring, 27580 Bremerhaven
„Die Südzentrale – der Film“ gibt es jetzt als DVD. Schon bei der Premiere im Februar entwickelte sich der ungewöhnliche Dokumentarfilm über das einzigartige Industriedenkmal zum regionalen Blockbuster. Mittlerweile haben an drei Aufführungsterminen 2500 Zuschauer den Film gesehen. Pünktlich zur „Langen Nacht der Kultur“ wurde die von vielen sehnsüchtig erwartete DVD fertiggestellt und konnte bereits in der UCI Kinowelt Wilhelmshaven erworben werden. Ab sofort ist sie auch in weiteren Verkaufsstellen in Wilhelmshaven erhältlich: „Speed & Cotton“ (Marktstr. 23), „Die Weinprobe“ (Rheinstr. 14), NordwestRepro (Freiligrathstr. 14, auch im Onlineversand unter t.ernst@nordwest-repro.de) sowie im Marinemuseum (Südstrand 125). Der Verkaufspreis beträgt 9,50 Euro, der Erlösüberschuss kommt der Arbeit des Vereins zum Erhalt der Südzentrale zugute. Bei NordwestRepro ist auch das Original-Filmplakat (Format DIN A1) für 6 Euro erhältlich.