Schleichende Veränderung auf dem einst so vielfältigen Zeitungsmarkt in Ostfriesland. In der Zeitungsgruppe Ostfriesland (ZGO) sind bereits drei ehemals selbstständige Presseverlage aufgegangen, die Ostfriesen-Zeitung (OZ), die Ostfriesischen Nachrichten (ON) und der General-Anzeiger (GA). Für ein paar Jahre bewahrten sie ihre relative Eigenständigkeit, doch inzwischen zieht die Zeitungsgruppe mehr und mehr die Synergien aus dem Zusammenschluss. Jüngst wurde zum Beispiel der Vertrieb der Blätter am Hauptsitz der ZGO zusammengefasst. Die ZVO aus Rhauderfehn ist mittlerweile dorthin verlegt worden. Zum Bericht.
Kategorie: Medien
Tag 39 | Weißkopfadler
Sorry, mir war nach Streiten zumute. Das hab ich dann, um den häuslichen Frieden nicht zu belasten, einfach auf Facebook gemacht. In einer Gruppe, die sich „Jever aktuell – Politik + Gemeinschaft“ nennt. Die ist ja wohl zum Streiten gegründet worden, oder? Was mich also aufregte, war, dass dort ein gewisser Ano-Jesper Nymus Meinungsbeiträge postet, in denen er über die Politik herzieht. Was ja nicht verboten ist. Aber feige, wenn man es nicht mit eigenem Namen und Gesicht, sondern unter Pseudonym und mit dem Konterfei eines Weißkopfadlers tut. Aus der Deckung der Anonymität lässt sich trefflich meckern und lästern, das hat leider im Netz immer mehr um sich gegriffen. Ich hab’s also beanstandet in dem Forum und eine schöne Diskussion ausgelöst. Der einzige, der’s nicht begriff, war übrigens der Weißkopfadler.
Tag 36 | Werkzeug
Die Volontärin von Radio Jade, die ein Praktikum in der Printredaktion absolvierte, kehrte etwas unglücklich vom ersten Termin zurück. Sie habe sich so unwohl gefühlt ohne Mikrofon und gar nicht gewusst, wie sie arbeiten soll, nur mit Block und Stift. Unsereinem geht es ja genau anders herum. Ohne Papier und Schreibgerät in der Hand fällt es schwer, Informationen aufzunehmen. So hat jeder seine Werkzeuge und seine Gewohnheiten. Voller Bewunderung höre ich, wie unsere Kollegin Jutte Przygoda vom NDR allein durch Audio Bilder im Kopf ihrer Zuhörer entstehen lässt, wie hier im Beitrag über die Südzentrale.
Tag 34 | Kollege
„Das ist die neue Ausgabe“, sagt der ziemlich abgerissen aussehende Typ am Eingang des Rewe-Marktes sehr freundlich und hält mir lächelnd das eingeschweißte Zeitungspaket entgegen. „Später“, sage ich und sehe, dass er ein bisschen enttäuscht ist. Er strahlt, als ich auf dem Rückweg wirklich anhalte und ihm ein Blatt abkaufe. 1,90 €. Print ist nicht gerade billig. Dafür bekommt der Verkäufer die Hälfte vom Preis. Das ist fair. Das Blatt heißt schließlich Fiftyfifty. Und es ist vermutlich sein einziger Broterwerb. Wo er heute Nacht wohl schläft?
Tag 31 | Papier
Seit gestern ist mir doch etwas mulmig, was die Zukunft der gedruckten Zeitung angeht. Es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass Papierausgaben journalistischer Produkte bald knapp werden. Ich erfahre es von meiner Blumenhändlerin. Beim Kauf eines Tulpenstraußes offenbart sie mir, was der ganzen Branche zu denken geben müsste. Die Zeitung sei für sie unverzichtbar, erklärt die Verkäuferin. Bei Temperaturen um null ginge es ja noch mit normalem Blumenpapier. Aber wenn es kälter werde… Sie zieht einen schwarzweiß bedruckten Bogen unter der Ladentheke hervor, wickelt die Blumen sorgfältig ein. „Was machen Sie denn, wenn die Leute die Zeitung nur noch im Internet lesen“, frage ich die Dame, um das Gespräch in Gang zu halten. „Ach, das ist nicht so schlimm, wir haben noch einen ziemlichen Vorrat“, erklärt sie. „Lassen Sie mich schauen.“ Sie zieht den nächsten Bogen Zeitungspapier hervor, schaut in die obere linke Ecke der Ausgabe des Blattes und verkündet stolz: „März 2003!“. Man mag sich das Papierlager hinten in der Gärtnerei gar nicht vorstellen. Zehn, zwanzig Jahre wird sie damit locker überstehen, das reicht bis zu ihrer Rente. Aber warum hortet sie Zeitungen? Weiß sie mehr als wir?
Tag 25 | Werbeblock
Nicht dass es hier in Friesland wirklich jeden Tag nur um Tee, Seehunde, Windmühlen, Kirchenorgeln und Inselfähren ginge. Aber in der Tourismuswerbung können die Klischees gar nicht klischeehaft genug sein, und nett anzuschauen ist es auch. Nicht umsonst steht „Hin und weg“ über dem Video der Deutschen Welle über Ostfriesland: Seehunde, Tee und Windmühlen
Tag 20 | Freunde
Die Anbahnung von Kontakten auf Facebook hat ja was Naives. „Willst Du meine Freundin sein?“ – das hat man doch zuletzt als Dreizehnjähriger so gefragt und eine Antwort nach dem Motto „Ohne meinen Alltours sag ich nichts“ bekommen. Außerdem kann kein Mensch 345 Freunde haben. „Willst Du mein Bekannter werden?“ ist allerdings auch keine Option, denn das kann man ja nur als Wildfremder fragen, und wie soll ich bei einem Wildfremden entscheiden, ob mir wirklich behagen würde, seine Bekanntschaft zu machen? Da lob‘ ich mir Twitter. Da ist man einfach Follower, und ich muss niemanden fragen, ob ich ihm folgen darf, ich tue es einfach, und wenn ich es nicht mehr tun werde, wird er es kaum merken, es sei denn, er hätte nur einen Verfolger. Das wäre so, als ob man bei Facebook nur einen Freund hätte. Den sollte man dann aber wirklich nicht im Stich lassen.
Tag 19 | Der Tod und das Meer
Mal wieder ein Fernsehtipp: Heute Abend, 18 bis 18.45 Uhr im NDR-Fernsehen: „Nordseereport: Der Tod und das Meer“. Dazu heißt es in der Programmankündigung: Wenn Herbst- und Winterstürme die Nordsee aufwühlen, kann es gefährlich werden an der Küste. Der heutige Nordseereport greift das Thema Lebensgefahr und Rettung auf. NDR-Moderatorin Antje Wöhnke nimmt an einer Seenotrettungsübung teil und macht die Erfahrung, wie schwierig es ist, Rettungsmittel in dem aufgewühlten Wasser einzusetzen. Alle Teilnehmer bekommen hautnah mit, wie wichtig es ist, sich auf den Ernstfall vorzubereiten. Zusätzlich begleitet ein Team des Nordseereports eine Übung der Rettungsflieger, die zum Einsatz kommen, wenn es auf einem Schiff Probleme gibt. Die Sendung erinnert an eines der schwersten Schiffsunglücke in der Deutschen Bucht. Bei starkem Seegang und Sturm sank 2006 der Fischkutter „Hoheweg“ in der Außenweser, vier Seeleute kamen dabei ums Leben. Der Kutter sank offenbar so schnell, dass die Besatzung keinen Notruf mehr absetzen konnte. Weitere Themen in der Sendung: Rettungshunde mit besonderem Spürsinn, das Wrackmuseum auf der niederländischen Insel Terschelling und der Krimiautor Klaus-Peter Wolf, der am Nordseedeich Inspiration für seine schaurigen Geschichten findet.
Tag 18 | Jugendbegleiter
Würde mich jemand nach dem Namen der Lottofee fragen, würde ich ohne großes Zögern antworten: „Karin Tietze-Ludwig“. Das liegt wahrscheinlich daran, dass erstens ich schon etwas älter bin und zweitens die Lottofee nicht täglich präsent ist. Denn auf die Frage nach den aktuellen Nachrichtenmoderatoren würde ich ja auch nicht Werner Veigel nennen, sondern Ingo Zamperoni. Karin Tietze-Ludwig ist es also nicht, die hat schon vor 16 Jahren aufgehört. Ihre Nachfolgerin ist Franziska Reichenbacher. Die hätte ich nun eher bei Müsli eingeordnet, aber nein: Sie macht ihren Job schon so lange, dass sie wohl auch eines Tages ins Fernsehmuseum kommt, zusammen mit den Werner Höfers, Bernhard Grzimeks, Wim Thoelkes und Ernst Hubertys der TV-Geschichte. Heute Abend geht sie übrigens zum 700. Mal auf Sendung und wird uns erzählen, dass wir wieder nichts gewonnen haben. Sollte es anders sein – ich würde mir den Namen Franziska Reichenbacher bis ans Lebensende merken.
Tag 13 | Tee oder Kaffee?
Tee oder Kaffee? In Ostfriesland ist die Vorliebe klar: Tee. Oder doch nicht? Schließlich gibt es auch im Nordwesten Kaffeeröstereien, und auch der berühmte Pharisäer – das Getränk mit dem Sahnehäubchen, das den kleinen „Schluck“ verhüllen soll, der noch drin ist – besteht überwiegend aus Kaffee. Bei Frank Jakobs werden wohl Tee- und Kaffeegenießer auf ihre Kosten kommen und mehr über ihr heißgeliebtes Heißgetränk, dessen Herstellung und den richtigen Genuss erfahren. Heute Abend (13.1., von 19 bis 20 Uhr) geht es im Hörfunk auf NDR 1 Niedersachsen in der Sendung „Plattdeutsch“ um die Frage aller Fragen, auf Platt: „Tee oder Koffje?“
