Tag 210 | 10 Gründe

Heute mal eine Anleihe bei Lousy Pennies. Spricht mir aus der Seele: Zehn Gründe, warum Journalisten nicht bloggen sollten

Tag 206 | Risikoberuf

Traumberuf Journalist – immer öfter ein Alptraumberuf, wenn man über den Tellerrand des grundgesetzlich vor Zugriffen geschützten, wirtschaftlich meist recht komfortabel bis auskömmlich ausgestatteten und Journalismus in unserem Land hinausschaut. 61 tote Journalisten – so lautet die grausige Bilanz des ersten Halbjahrs 2014, die das International News Safety Institute (INSI) gezogen hat. Laut einer Pressemitteilung des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) ist die Zahlt getöteter Journalisten in aller gegenüber dem ersten Halbjahr 2013 in diesem Jahr bereits um 21 gestiegen. Die meisten Opfer waren in der Ukraine zu beklagen: Hier starben sieben Journalisten. Zahllose weitere Berichterstatter wurden verletzt, bedroht oder entführt. Sechs Journalisten ließen im Irak ihr Leben. Jeweils fünf Korrespondenten bezahlten ihren Einsatz in Syrien bzw. Pakistan mit dem Leben, vier in Afghanistan. 23 der 61 getöteten Journalisten arbeiteten für das Fernsehen, bei den meisten Opfern handelte es sich um Berichterstatter, die in dem jeweiligen Krisenland zu Hause waren. Zwölf Auslandskorrespondenten starben in Ausübung ihres Berufs.

Tag 201 | Wulff

Wer das soeben erschienene Interview des Spiegel mit Christian Wulff lesen will, muss dafür bezahlen. Das ist zum einen mal was Nettes für treue Spiegel-Abonnenten, die sich vierteljährlich ihren Beitrag zur Erhaltung des deutschen Qualitätsjournalismus vom Konto abziehen lassen und sich manchmal fragen, warum sie sich nicht mit den kostenlosen Angeboten von Spiegel online begnügen. Zum anderen ist das Interview auch wirklich seinen Preis wert, denn in dem Streitgespräch schonen sich Ex-Bundespräsident und Spiegel-Redakteure nicht im Geringsten. Während beide Seiten nicht von ihrer Position lassen, sich fast jederzeit völlig korrekt verhalten zu haben, geht der Leser schon recht nachdenklich aus diesem spannenden Lehrstück über ethische Fragen in Politik und Journalismus heraus.

Wie gesagt: Wer es lesen möchte, muss es kaufen.

Tag 200 | Hinterzimmer

„Unter dem Deckmantel der Anonymität lästert es sich leicht…“ – ein interessanter WDR-Beitrag über Hintergrundgespräche, wie es sie im Lokalen ebenso gibt wie in Berlin. Wichtiger Hinweis an Politiker: „Besser keinen Alkohol trinken!“. Das hat man jüngst ja schon in dem Dokumentar-Spielfilm über die Spiegel-Affäre gelernt, wo ein völlig abgefüllter Franz-Josef Strauß vor (nüchternen) Journalisten so richtig die Sau rausließ.

Zum WDR-Beitrag

Tag 197 | Kurztrip

Fünf Minuten vom Start bis zur Landung: Die Inselflieger bieten auf der Strecke Harle-Wangerooge eine der kürzesten Linienflüge der Welt. Foto: Helmut Burlager
Fünf Minuten vom Start bis zur Landung: Die Inselflieger bieten auf der Strecke Harle-Wangerooge eine der kürzesten Linienflüge der Welt. Foto: Helmut Burlager

Die „Welt“ beschäftigt sich in einem Beitrag mit den kürzesten Linienflügen der Welt, und bevor man es gelesen hat, ahnt man schon: Da sind wir doch dabei! Fünf Minuten dauert laut Flugplan der Trip von Harlesiel nach Wangerooge oder von der Insel aufs Festland. Je nach Windrichtung kann es auch mal etwas schneller gehen oder ein wenig länger dauern. Aber sonst kommt in Deutschland keine Airline mit den „Inselfliegern“ mit. International allerdings sehr wohl; der kürzeste Linienflug soll laut „Welt“ nur 47 Sekunden dauern und geht von einer Orkney-Insel zu einer anderen. Tomatensaft wird unterwegs nicht angeboten. Zum Bericht

Tag 196 | Praktikanten

Der Mindestlohn soll der „Generation Praktikum“ ein Ende bereiten? Als ob es allen, die Praktikanten einstellen, darum ginge, sie auszubeuten. Es ist doch in den meisten Betrieben völlig anders: Nicht die Unternehmen brauchen die Praktikanten, sondern die Praktikanten das Praktikum. Beinahe täglich meldet sich zurzeit jemand in der Redaktion, der schon letztes Jahr sein Abitur gemacht und danach eine ganze Weile herumgedaddelt hat und dem nun bei der Bewerbung für den Studiengang „Medienwirtschaft und Journalismus“ kurz vor Toresschluss siedend heiß einfällt, dass er gar nicht angenommen wird, wenn er nicht ein vierwöchiges Praktikum nachweisen kann. Geld? Gar kein Thema, dabei bezahlen wir die „Praktis“ ja durchaus. Wir haben nur leider auf Monate überhaupt keine Plätze mehr frei. Es tut einem in der Seele weh, dass man die Bewerber alle wieder wegschicken muss – ohne über das Thema Mindestlohn überhaupt nur nachgedacht zu haben.

Tag 181 | Per

Nun hab ich das Video mit Per Mertesacker schon fünf Mal oder öfter gesehen und finde ihn immer noch klasse in seiner Kotzbrockigkeit. Was ist das auch für ein bescheuertes Format, Leute zu interviewen, die sich gerade 120 Minuten die Seele aus dem Leib gerannt haben.

Tag 178 | Gemein? Nützlich!

Die FDP im Düsseldorfer Landtag hat ganz ernsthaft den Antrag gestellt, Journalismus auf eine Stufe mit Sport, Kultur und Tierschutz zu stellen und als gemeinnützig anzuerkennen, berichtet der Mediendienst „Newsroom“. Klingt interessant, sollte aber nicht dazu führen, dass Arbeitgeber den Journalisten in Zukunft Spenden statt Gehälter überweisen …

Der Beitrag zum Thema in Newsroom.de

 

Tag 175 | Ethik

Manchmal ist ja nicht selbstverständlich, was selbstverständlich sein sollte. Dann muss daran erinnert werden, was selbstverständlich ist. So hat gestern der Deutsche Journalisten-Verband an alle Journalisten appelliert, die gestohlene Krankenakte von Michael Schumacher, der  am 29. Dezember 2013 beim Skifahren im französischen Meribel verunglückt war, auf keinen Fall zu veröffentlichen. Offenbar wurde die Krankenakte gestohlen, möglicherweise aus der Klinik in Grenoble. DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken warnte: „Die Veröffentlichung dieser Akte wäre Sensationsjournalismus ohne Substanz und Relevanz. Der Inhalt dieser Akte hat schließlich weder politische noch gesellschaftliche Bedeutung. Die Veröffentlichung wäre ein vollkommen inakzeptabler und äußerst schwerwiegender Eingriff in die Persönlichkeitsrechte von Michael Schumacher.“ Konken sagte weiter, er hoffe, dass die Medienmacher ihre ethischen Grenzen kennen würden, wie sie unter anderem in Ziffer 4 und Ziffer 8 des Pressekodex definiert sind.

Wie gesagt: eigentlich selbstverständlich, aber …

Tag 174 | Verkauft

DSC_0222Ob es für die Kolleginnen und Kollegen beim Delmenhorster Kreisblatt wirklich eine „Hiobsbotschaft“ ist, wie der Mitbewerber in der publizistischen umkämpften Stadt an der Delme, die Nordwest-Zeitung, schrieb, muss sich erst noch herausstellen. Die Mitarbeiter beim DK haben ja schon in der Vergangenheit einige unverhoffte Kursänderungen mitmachen müssen oder dürfen, je nach Sichtweise. Outsourcing der Redaktion, neues Outsourcing, Einführung eines Newsdesks, Umwandlung des Newsdesks, Wechsel den Mantels von der Nordwest-Zeitung zum Weser-Kurier, dann Abschied vom Mantel und Aufbau einer kleinen Vollredaktion. Der Weggang des angesehenen Chefredakteurs und Anteilseigners an der Redaktions-GmbH, Ralf Freitag. Jetzt der Verkauf an die Neue Osnabrücker-Zeitung, die 75 Prozent der Anteile an der neuen Verlagsgesellschaft „DK Medien“ übernehmen soll. Und, wie die NWZ meldet, demnächst dann der Mantelbezug des DK aus Osnabrück. Was ja nicht weiter wundert…

Unruhige Zeiten in Delmenhorst, die ein wenig die schwierigen Zeiten in der gesamten Branche widerspiegeln. Für die fähigen und sympathischen Kollegen in der DK-Redaktion kann man nur hoffen, dass sie unter ordentlichen Bedingungen weiter eine gute Zeitung machen können. Das Delmenhorster Kreisblatt gibt’s immerhin schon seit 1832.

Nachtrag am 27. Juni: Wie inzwischen bekannt wurde, soll es zu Entlassungen kommen. Darüber berichtet der Deutsche Journalistenverband (DJV)

Mehr zum Thema:

Interview im Delmenhorster Kreisblatt

Neue Osnabrücker Zeitung

Medienmagazin DWDL

Kress-Report

Finanztreff.de