Tag 82 | Alptraum

Michael Konken. Foto: Anja Cord/DJV
Michael Konken. Foto: Anja Cord/DJV

„Die Vorstellung, dass die Kommunikation von Journalisten abgehört, mitgelesen, gespeichert und ausgewertet wird, ist ein Alptraum für die ganze Gesellschaft“ – sagt der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes, Michael Konken (Wilhelmshaven). Der DJV hat die Mitglieder des Bundestags-Untersuchungsausschusses zur Aufklärung der NSA-Affäre aufgefordert, intensiv möglichen Verletzungen der Pressefreiheit und des Informantenschutzes nachzugehen.  Konken: „Wo die Freiheit der Medien eingeschränkt wird, ist es um die Freiheit der Gesellschaft schlecht bestellt.“

Tag 63 | Fake

Die FDP wäre wieder drin. Im Bundestag. Sagt Prognos, da wird es ja wohl stimmen. Die Nachricht verbreitet sich auf Twitter. Jeder würde sie glauben, der nicht schon mal auf die Quelle @PrognosUmfragen hereingefallen ist, und das sind viele.

Screenshot 2014-02-28 15.08.13

Aber haben sie es bemerkt? Die renommierte Prognos AG in Basel (Schweiz) kann nichts dagegen machen, dass sich da jemand mit ihrem Namen schmückt und angebliche Umfrageergebnisse veröffentlicht, die knapp daneben treffen. Im November 2013 ist übrigens die CDU-Landtagsfraktion in Hannover darauf hereingefallen, als @PrognosUmfrage die absolute Mehrheit der CDU voraussagte (HAZ-Bericht). Wie es wirklich kam, wissen wir. Dicht daneben ist eben auch vorbei.

Tag 39 | Weißkopfadler

Sorry, mir war nach Streiten zumute. Das hab ich dann, um den häuslichen Frieden nicht zu belasten, einfach auf Facebook gemacht. In einer Gruppe, die sich „Jever aktuell – Politik + Gemeinschaft“ nennt. Die ist ja wohl zum Streiten gegründet worden, oder? Was mich also aufregte, war, dass dort ein gewisser Ano-Jesper Nymus Meinungsbeiträge postet, in denen er über die Politik herzieht. Was ja nicht verboten ist. Aber feige, wenn man es nicht mit eigenem Namen und Gesicht, sondern unter Pseudonym und mit dem Konterfei eines Weißkopfadlers tut. Aus der Deckung der Anonymität lässt sich trefflich meckern und lästern, das hat leider im Netz immer mehr um sich gegriffen. Ich hab’s also beanstandet in dem Forum und eine schöne Diskussion ausgelöst. Der einzige, der’s nicht begriff, war übrigens der Weißkopfadler.

Tag 11 | Karl Marx

Ein Tweet machte gestern Furore, weil ein Twitterer auf Google Maps entdeckt hatte, dass da der Theodor-Heuss-Platz am Kaiserdamm in Berlin als „Adolf-Hitler-Platz“ verzeichnet ist. Umgehend behob Google die Panne, doch die Diskussion darüber dauerte an. So meldete der „Tagesspiegel“, dass Google auch ein „Stalin“-Problem habe. Wer „Stalinstadt“ in die Suchmaske von Maps eingebe, lande in Eisenhüttenstadt, das bis 1961 nach dem sowjetischen Diktator benannt war.

Doch nicht jeder ehemalige Promi, dessen Weg in die Irre führte, wird tatsächlich aus den Straßenverzeichnissen getilgt. Wer auf die Idee kommt, „Karl-Marx-Platz“ zu googeln, der wird unter anderem in der Gemeinde Sande in Friesland fündig. Dort gibt es einen Ort, die einstige Arbeitersiedlung Cäciliengroden, in dem alle Straßen nach Sozialisten, Kommunisten und Gewerkschaftlern benannt sind, also nach Friedrich Ebert, Walther Rathenau, Kurt Schumacher, Carl Legien, Carlo Schmidt, aber eben auch nach Karl Marx. Bevor nun jemand auf die Idee kommt, Google Maps einen weiteren Fehler vorzuhalten: Der Karl-Marx-Platz heißt wirklich so, immer noch, und der Rat der Gemeinde Sande hat das vor Jahren auch ausdrücklich bekräftigt. Der Kommunismus hat ausgedient. Karl Marx bleibt!

Tag 4 | Willkommenskultur

Apropos Willkommenskultur. Da können wir, und erst recht die CSU, vielleicht von den Marokkanern lernen. Seit dem 2. Januar stehen dort Tausende von „Sans Papiers“, illegal im Land lebenden Ausländern, vor den Präfekturen Schlange, um sich registrieren zu lassen.  Es sollen sich geschätzt zwischen 25.000 und 40.000 Illegale im Land aufhalten. Das nordafrikanische Land hat eine Kampagne zur „Regulisarisation“ der Immigranten gestartet. Zwar sind die Voraussetzungen streng – zwei Jahre nachgewiesener Arbeit im Lande oder fünf Jahre in gutnachbarschaftlichem Zusammenleben mit Marokkanern – doch hoffen nun viele Menschen aus Subsahara-Staaten, endlich legal im Land leben zu können. Sie erhalten in diesem Fall die gleichen Rechte wie Staatsbürger. Menschenrechtsgruppen in Marokko fordern allerdings, den Kreis der Berechtigten stark auszudehnen und auch jenen Hoffnung zu geben, die noch nicht so lange in Marokko sind.

Wär doch mal ein Modell für Bayern…

http://www.jeuneafrique.com/Article/ARTJAWEB20140102180517/

Ambrosy: Mehr Region wagen

Appell von Landrat Sven Ambrosy an die Politiker in Friesland und Wilhelmshaven

Sven Ambrosy. Foto (c): LK FRI
Sven Ambrosy.
Foto (c): LK FRI

Drei Tage vor der entscheidenden Kreistagssitzung, in der über die Frage einer Einkreisung Wilhelmshavens oder einer engeren Kooperation der beiden Nachbarn Friesland und Wilhelmshaven entschieden wird, hat Landrat Sven Ambrosy an diesem Freitag  in einem Gastbeitrag für das Jeversche Wochenblatt noch einmal für das Projekt geworben, das er selbst schon fast aufgegeben hat. In einem sehr nachdenklichen Schreiben wirft Ambrosy zahlreiche Fragen auf. Wo sind die Alternativen derjenigen, die alles beim Alten lassen wollen? Welche finanzielle Alternative sehen sie zur Entschuldungshilfe des Landes? Was hindert uns, mehr zu tun? Ist es unsere Angst vor dem Unbekannten? Weil man Angst hat, Macht abzugeben, ohne zu sehen, dass man neue Einflussmöglichkeiten gewinnt?

Nach dem augenblicklichen Stand der Diskussion wird sich wohl weder Frieslands Kreistag noch der Wilhelmshavener Stadtrat, der Mittwoch tagt, für die „Einkreisung“ entscheiden. Ambrosys Beitrag – ein letzter Versuch? Er appelliert an die Politik: „Mehr Region wagen!“ Zum Beitrag

 

 

 

Ach, übrigens …

… heute in sechs Monaten, auf den Tag genau …

EU-Parlament in Straßburg. Foto©: Helmut Burlager
EU-Parlament in Straßburg. Foto©: Helmut Burlager

… ist die Europawahl. Die Menschen in 28 europäischen Staaten wählen die 751 Mitglieder des Europaparlaments. Die Deutschen wählen am 25. Mai. Das EU-Parlament ist nicht nur die einzige direkt gewählte supranationale Institution weltweit, sondern auch eines der mächtigsten Parlamente überhaut. Es beschließt Gesetze, die für alle 28 Mitgliedsstaaten gültig sind, und über einen Haushalt von 141,5 Milliarden Euro im Jahr. Das Foto zeigt den Innenhof des Europäischen Parlaments in Straßburg. Das Parlament tagt abwechselnd in der französischen Stadt und im belgischen Brüssel.

„Respekt“ für die Sozialministerin

Das Buch „Respekt“, Ergebnis eines gemeinsamen Projekts des Jeverschen Wochenblatts, der Fresenia-Loge und des Landkreises Friesland, bekam Sozialministerin Cornelia Rundt als Gastgeschenk, als sie jetzt den Landkreis besuchte. Unser Bild zeigt von links Landrat Sven Ambrosy, Geschäftsführer Bernhard Bruhnken von der Wohnungsbaugesellschaft Friesland, Ministerin Rundt, Fachbereichsleiter Soziales Stefan Wiese und Simone Wernli-Lübken, Mitarbeiterin des neuen Pflegestützpunktes Friesland. Foto (c): Helmut Burlager
Das Buch „Respekt“, Ergebnis eines gemeinsamen Projekts des Jeverschen Wochenblatts, der Fresenia-Loge und des Landkreises Friesland, bekam Sozialministerin Cornelia Rundt als Gastgeschenk, als sie jetzt den Landkreis besuchte. Unser Bild zeigt von links Landrat Sven Ambrosy, Geschäftsführer Bernhard Bruhnken von der Wohnungsbaugesellschaft Friesland, Ministerin Rundt, Fachbereichsleiter Soziales Stefan Wiese und Simone Wernli-Lübken, Mitarbeiterin des neuen Pflegestützpunktes Friesland. Foto (c): Helmut Burlager

Dass das Thema „Älter werden“ in Friesland eine große Rolle spielt, machte Stefan Wiese, Fachbereichsleiter Soziales beim Landkreis Friesland, jetzt mit einem Gastgeschenk an Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) deutlich. Er überreichte ihr während eines Besuchs das Buch „Respekt – Porträts alter Menschen aus dem Jeverland“, das in Kooperation des Jeverschen Wochenblatts, der Fresenia-Loge und des Landkreises Friesland entstanden ist. Die Ministerin blätterte sofort darin und meinte: „So etwas müsste man alle paar Jahre wiederholen, es wachsen ja immer neue Generationen mit immer neuen Lebenserfahrungen nach.“ Bei dem Projekt „Respekt“ waren im Jahr 2012 über zwölf Monate hinweg 53 Menschen ab 75 in Wort und Bild porträtiert worden. Zunächst erschienen die Beiträge als Zeitungsserie, dann als Buch und als Bilderausstellung. Die Serie und das Gesamtprojekt wurden im Sommer mit einem Journalistenpreis des Verbandes Deutscher Lokalzeitungen ausgezeichnet. (hbu)

Bloß kein Bild mit einem Loser

Minister im Gespräch - aber nicht mit Lokalpolitikern. Foto (c): Helmut Burlager
Minister im Gespräch – aber nicht mit Lokalpolitikern.
Foto (c): Helmut Burlager

Wenn bekannte Politiker kommen, wollen alle mit aufs Bild. Ein bisschen vom Glanz der Präsidenten, Kanzler und Minister soll in Wahlkampfzeiten schließlich abstrahlen auf die örtlichen Kandidaten. Dafür vor allem werden die Promis durchs ganze Land kutschiert und geflogen. Gern stellen sich, wenn sich die Gelegenheit ergibt, auch Kandidaten und Kommunalpolitiker mit aufs Foto, die einer ganz anderen Partei angehören. Weltmeister darin war SPD-Mann Olaf Lies, als er noch nicht Minister war und die CDU-Leute in der Region zur Weißglut trieb, weil er ungefragt immer dabei war, wenn ein Unionsminister nach Friesland kam. Heute lassen sich andere gern mit ihm fotografieren – so ändern sich die Zeiten. Die haben sich auch für Thomas de Maizière geändert. Einst Hoffnungsträger der CDU, ist der Verteidigungsminister infolge der Drohnen-Affäre schwer angeschlagen, plötzlich umgibt ihn die Aura des Verlierers. So lief er auf dem Fliegerhorst Upjever ziemlich alleine durch die Gegend, als er sich vor ein paar Tagen zwei Stunden lang zum Truppenbesuch bei den Objektschützern aufhielt.

Als ob er eine ansteckende Krankheit hätte. Keiner fragte nach einem Gruppenbild, niemand strahlte beim Shakehands mit dem Minister in die Kameras,  an der Pressekonferenz nahmen  die örtlichen Politiker anderer Couleur gar nicht erst  teil. Und das am „Gewinnerstandort“ der Bundeswehrreform, wie de Maizière Upjever nannte. Undank ist der Welt Lohn. Und die Friesen waren auch schon mal freundlichere Gastgeber…

Einmal heile Welt, bitte

Vielleicht sollte man einigen Kommunalpolitikern medienkundlichen Nachhilfeunterricht anbieten. Im Kulturausschuss der Stadt Schortens haben sie sich jetzt kritisch über eine Veranstaltung der NDR-Sommertour geäußert. Nun ist das ja beileibe kein investigatives Sendeformat, aber einigen Politikern ging es dann doch zu weit, wie sehr sich der NDR dem Einfluss der Politik entzogen hat. Dass ein SPD-Politiker bemängelte, „dass die Politik nicht frühzeitig mit ins Boot geholt worden sei“, wie das Jeversche Wochenblatt in seiner Montagausgabe (12.8.) berichtete, hatte zwar eher mit der Finanzierung der Sendung zu tun, zu der die Stadt gut 20.000 Euro beisteuern musste. Doch dann kritisierte eine CDU-Kommunalpolitikerin im Fachausschuss laut Zeitungsbericht, „dass man dem NDR gestattet habe, über das Aqua Toll zu berichten.“ Das Aqua Toll ist ein Spaßbad, in dem die Kommune aktuell ihr Geld versenkt, und ein bisschen kann man den Wunsch der Politikerin deshalb sogar verstehen, wenn sie meint, „solche kritischen Punkte sollten in einem Fernsehbeitrag lieber nicht erwähnt werden.“ Aber manche Wünsche behält man als Politiker eben besser für sich. Irgendwie beruhigend, dass man sich auch für 20.000 Euro beim Fernsehen keine heile Welt bestellen kann.