„Können Sie einen Krankenwagen schicken? Mir ist ein kleines Malheur passiert.“ Dies waren die ersten Sätze, die eine 47-Jährige aus Norden gegenüber der Rettungsleitstelle äußerte, nachdem sie am Abend des 25. Juni den Notruf gewählt hatte. (…) Mit einem Messerstich in die Brust hatte die Frau ihren 45-jährigen Lebensgefährten tödlich verletzt.
(Prozessbericht im Anzeiger für Harlingerland, heutige Ausgabe.)
Schlagwort: Aurich
Tag 278 | Guerilla

Die meisten Versuche, das Plattdeutsche zu retten, kommen ja ziemlich betulich daher, auch im sogenannten „Plattdüütskmaant“, dem von der Ostfriesischen Landschaft ausgerufenen Plattdeutschmonat. Wohltuend anders haben zwei Frauen die Sache angepackt, die Ostfriesland über Wochen mit einer Guerilla-Aktion verblüfft haben. Einen Monat lang blieb das Duo unerkannt und dekorierte im Schutze der Dunkelheit munter die Auricher Innenstadt mit kleinen Kärtchen.
Die darauf gestempelten plattdeutschen Begriffe klebten gut sichtbar an Schildern, Bänken, Türen oder Zäunen. Nicht nur in der Fußgängerzone und rund um den Marktplatz fanden sich frühmorgens – frisch wie Bäckers Brötchen – kleine, fein säuberlich mit Kunststoff laminierte Karteikarten, sondern auch in vielen anderen Straßenzügen der Stadt. Lange wurde gerätselt: Wer mag wohl dahinter stecken? Zeitungsreporter berichteten, Radioleute und Fernsehteams gaben sich in der Ostfriesischen Landschaft die Klinke. Doch alle „Steckbriefe“ von den mutmaßlichen Gesinnungsgenossen, die an Leser, Hörer und Zuschauer ausgesendet wurden, brachten nicht den erhofften „Fahndungserfolg“. Einige vermuteten gar einen findigen Werbegag des Plattdüütskbüros, doch Leiterin Grietje Kammler und ihr Team konnten nur immer wieder beteuern: „Wir haben wirklich überhaupt keine Ahnung, wer sich diese werbewirksame Idee mit den plattdeutschen Begriffen zum Plattdüütskmaant ausgedacht hat!“
Erst ein anonymes Bekennerschreiben, adressiert an die „Oostfreeske Landskupp“, brachte es schließlich an den Tag: Es handelte sich tatsächlich um zwei einfallsreiche Aktivisten, die offenbar die Form des sogenannten Guerilla-Marketings aus dem Effeff beherrschten, nämlich einer Kampagne mit geringem Mitteleinsatz zu großer Wirkung zu verhelfen. Denn wieder gaben die Kärtchenkleber ihre Identität nicht gänzlich preis, sondern stellten die Adressaten neuerlich vor ein „Raadsel“ (Rätsel): Ein Foto zeigte die zwei Plattproter vermummt mit braunen Papiertüten, worauf in Stempelschrift zu lesen war: „De, de dat daan hebben“ (Die, die das getan haben).
Jetzt aber, zum Ende des Plattdüütskmaant, gaben die beiden Platt-Guerilla völlig unverhofft ihre Tarnung auf. Wie die Ostfriesische Landschaft mitteilt, handelt es sich um zwei Frauen, 39 und 40 Jahre alt. Sie scheuen allerdings auch weiterhin das Rampenlicht und möchten ungenannt bleiben. In ersten Vernehmungen legten sie dem Plattdüütskbüro gegenüber ein umfängliches Geständnis ab. Demnach wollen sie im September rund 700 Karteikärtchen mit plattdeutschen Wörtern in Aurich verteilt haben.
Als Motiv für ihr Engagement pro Plattdeutsch gaben die als Kunstlehrerin und Kunsttherapeutin tätigen Frauen an, mittlerweile selten gewordene plattdeutsche Wörter wie duddig (dumm, begriffsstutzig), Fröter (Wühler), kievig (zänkisch) oder Knojeree (Schufterei) im Rahmen eines ungewöhnlichen Kunstprojektes wieder ins Bewusstsein der Ostfriesen bringen zu wollen. Das Geheimnisvolle an dieser Aktion sei letztlich ein zusätzlicher „Kick“ gewesen, denn unbemerkt hätten sie die Karten nur spätabends zwischen 21 Uhr und Mitternacht ankleben können. Selbst ihre Familien hätten weder von den nächtlichen noch von den häuslichen Unternehmungen etwas bemerkt. Immerhin seien das eigens für diesen Zweck angeschaffte Laminiergerät und die Stempel-Utensilien pausenlos im Einsatz gewesen.
Gezielt gesucht und gefunden haben die Frauen die Begriffe übrigens in den bekannten ostfriesischen Wörterbüchern von Jürgen Byl/Elke Brückmann und Gernot de Vries. Reiner Zufall sei es indessen gewesen, dass ihr Vorhaben ausgerechnet mit dem Plattdüütskmaant zusammen gefallen sei. „Wir sind dann einfach auf den fahrenden Zug aufgesprungen …“
Hartnäckig in Schweigen hüllen sich die beiden Kunst- und Plattdeutsch-Aktivistinnen bis zur Stunde darüber, ob sie für ihre Mitbürger noch weitere fantasievolle Überraschungen in Petto haben. Ihr knapper Kommentar: „Offwachten un Tee drinken.“
Tag 103 | High Tech
Ich ziehe ja gerne mal über meinesgleichen her und die Ostfriesen durch den Kakao. Und wer, wie ich heute wieder, durchs beschauliche Ostfriesland fährt, macht sich nicht unbedingt bewusst, dass das hier High-Tech-Land ist, ob es um riesige Kreuzfahrtschiffe (Papenburg), um schicke VW Passat (Emden) oder um gewaltige Windkraftanlagen (Aurich) geht. Hier mal wieder so ein Beispiel dafür, was ostfriesische Ingenieure zu leisten imstande sind: Enercon erledigt Großauftrag in Kanada und bringt neue Starkwind-Turbinen heraus
Tag 99 | Breaking News
Wisst Ihr, was ich an meinem Beruf so liebe? Den täglichen Umgang mit spannenden Nachrichten und relevanten gesellschaftlichen Themen. Gestern zum Beispiel bei der Auswertung des Polizeiberichts der Inspektion Aurich dieses spektakuläre Fundstück: „Biotonne umgefahren: Ein unbekannter Verkehrsteilnehmer fuhr in der Nacht zu Montag, 07.04.2014, eine Biotonne um und flüchtete anschließend unerkannt. Die Tonne stand an der Straße Moorweg zur Entleerung bereit, jedoch nicht unmittelbar an der Fahrbahn. Die Tonne ist für eine weitere Nutzung für Bioabfall nicht mehr tauglich. Zeugen des Unfalles werden gebeten, sich bei der Polizei Aurich, 04941/606-215, zu melden.“ Da darf man auf die Aufklärung des Falls gespannt sein.
Tag 65| Lebensbuch

Foto: Reinhard Former
Im Alter von 94 Jahren ist im vergangenen Jahr Johannes Diekhoff gestorben, ein geschätzter zweisprachiger ostfriesischer Autor und Vordenker. Die Journalisten Johann Haddinga und Reinhard Former haben jetzt, sozusagen als Vermächtnis des bekannten Schriftstellers, dessen letztes Buch herausgebracht. „Dat mag Jo good gahn“ verbindet die Biografie des Ostfriesen mit Reportagen, Interviews und Berichten sowie einer Auswahl seiner wichtigen Werke. Mehr über das Buch gibt es hier.
Tag 61 | Spetz

Von „Spetz“ war ja neulich schon in Zusammenhang mit der reiselustigen Seniorin die Rede (Alma will naa Afrika), nun wird das ostfriesische Dorf auch in einer Veröffentlichung des Instituts für Niederdeutsche Sprache (INS) erwähnt. Es dient als Beispiel für die Zweisprachigkeit bei Ortsnamen. Das Dorf Spetzerfehn im Landkreis Aurich (Auerk) wird nämlich gemeinhin „Up Spetz“ genannt. Das Institut dokumentiert solche zweisprachigen Ortsbezeichnungen auf einer interaktiven Landkarte. Alma, die derzeit in Gambia weilt, kehrt übrigens nächste Woche aus Afrika zurück naa Up Spetz.
Tag 55 | Je oller …

Foto: Helmut Burlager
Wo wir doch vorgestern gerade beim Thema Respekt für ältere Menschen waren, da hätte ich noch einen anzubieten. Da gibt es mitten in Ostfriesland, in Spetzerfehn, eine 82-Jährige, die hört Weihnachten, dass ihre Tochter mit Enkelin und Urenkelin nach Gambia reisen will. Und erklärt kurzerhand: „Ich fahre mit.“ Morgen, Dienstag, startet diese ungewöhnliche Reise von vier Generationen Frauen zu den Wurzeln der Jüngsten des Quartetts. Der Vater der kleinen Jaye stammt vom schwarzen Kontinent: Alma will naa Afrika
Tag 42 | Synergie
Schleichende Veränderung auf dem einst so vielfältigen Zeitungsmarkt in Ostfriesland. In der Zeitungsgruppe Ostfriesland (ZGO) sind bereits drei ehemals selbstständige Presseverlage aufgegangen, die Ostfriesen-Zeitung (OZ), die Ostfriesischen Nachrichten (ON) und der General-Anzeiger (GA). Für ein paar Jahre bewahrten sie ihre relative Eigenständigkeit, doch inzwischen zieht die Zeitungsgruppe mehr und mehr die Synergien aus dem Zusammenschluss. Jüngst wurde zum Beispiel der Vertrieb der Blätter am Hauptsitz der ZGO zusammengefasst. Die ZVO aus Rhauderfehn ist mittlerweile dorthin verlegt worden. Zum Bericht.
Tag 2 | Was mit Medien
Die erste Ausgabe der „Ostfriesischen Nachrichten“ im neuen Jahr ist draußen, die erste unter neuer redaktioneller Leitung bei den Aurichern. Dort war vor wenigen Wochen überraschend der langjährige Chefredakteur Ralf Klöker abberufen und mit Wirkung zum Jahreswechsel zur ebenfalls bei der Zeitungsgruppe Ostfriesland (ZGO) erscheinenden Ostfriesen-Zeitung (OZ) in Leer versetzt worden. Laut Impressum der ON zeichnet jetzt Stephan Schmidt als Chefredakteur bei den „Nachrichten“ verantwortlich. Der hat bis zum Jahreswechsel als Redakteur bei der OZ in Aurich gearbeitet und dort bis zuletzt fleißig fürs Lokale geschrieben. http://www.oz-online.de/-news/artikel/119082/Boeller-brachten-den-Umsatz-auf-Touren
Neben Schmidt taucht im Impressum auch Carsten Kanna als neuer Geschäftsführer der ON auf. Allerdings nur in der Printausgabe. Auf on-online wird im Impressum aktuell noch Otto Weber als Geschäftsführer genannt – und der längst entschwundene Ralf Klöker weiterhin als Chefredakteur.
Radio Nordseewelle will in Ostfriesland senden
Ostfriesland – Ein neuer Radiosender geht auf der ostfriesischen Halbinsel an den Start, „Radio Norseewelle“. Die Niedersächsische Landesmedienanstalt hat dem Bewerber Radio Nordseewelle GmbH & Co. KG in ihrer Versammlung am 18. Dezember 2013 lokale UKW-Frequenzen in der Region Ostfriesische Inseln / Küstenstreifen zugesprochen. Nach dem rundfunkrechtliche Zulassungs- und Zuweisungsverfahren muss allerdings noch die Frequenzzuteilung durch die Bundesnetzagentur erfolgen, bevor Radio Nordseewelle an den Start gehen kann. An dem künftigen Sender ist laut einer Pressemitteilung der Landesmedienanstalt die Zeitungsgruppe Ostfriesland (ZGO) mit knapp einem Viertel beteiligt, sie gibt auf der Halbinsel unter anderem die Ostfriesen-Zeitung (Leer), die Ostfriesischen Nachrichten (Aurich) und den General-Anzeiger (Rhauderfehn) heraus. Laut Landesmedienanstalt sind Gesellschafter der Nordseewelle folgende Anteilseigner: 28,1 % Rechtsanwalt Frank Wilken, Leer, 24,9 % ZGO Zeitungsgruppe Ostfriesland GmbH, Leer, 17,0 % TBD Technische Baudienstleistungen GmbH & Co. KG, Friedeburg, 17,0 % Holger Franz, Leer, 13,0 % Joachim Klemm, Leer.