Tag 127 | Der Film

dvd_suedzentrale„Die Südzentrale – der Film“  gibt es jetzt als DVD. Schon bei der Premiere im Februar entwickelte sich der ungewöhnliche Dokumentarfilm über das einzigartige Industriedenkmal zum regionalen Blockbuster. Mittlerweile haben an drei Aufführungsterminen 2500 Zuschauer den Film gesehen. Pünktlich zur „Langen Nacht der Kultur“ wurde die von vielen sehnsüchtig erwartete DVD fertiggestellt und konnte bereits in der UCI Kinowelt Wilhelmshaven erworben werden. Ab sofort ist sie auch in weiteren Verkaufsstellen in Wilhelmshaven erhältlich: „Speed & Cotton“ (Marktstr. 23), „Die Weinprobe“ (Rheinstr. 14), NordwestRepro (Freiligrathstr. 14, auch im Onlineversand unter t.ernst@nordwest-repro.de) sowie im Marinemuseum (Südstrand 125). Der Verkaufspreis beträgt 9,50 Euro, der Erlösüberschuss kommt der Arbeit des Vereins zum Erhalt der Südzentrale zugute. Bei NordwestRepro ist auch das Original-Filmplakat (Format DIN A1) für 6 Euro erhältlich.

Tag 26 | Südzentrale

Fassade Corinna Nickel DSC_0431„In der Stille ruhe ich. Ganz allein. Ich bin ein Zeuge der Zeit. Über 100 Jahre lang sah ich euch zu. Spendete euch Energie und Kraft. Doch jetzt nagt der Zahn der Zeit an mir. Nur ein wenig Schönheit ist mir noch geblieben, nur noch ein wenig Licht durchströmt mich. Helft mir! Ich zerfalle!“ 

Na, neugierig geworden? Am 2. Februar wird in Wilhelmshaven der Film über die Südzentrale, ein vom Verfall bedrohtes wunderschönes Industriedenkmal gezeigt. Hier geht’s zur Ankündung, enthalten ist auch ein Link zu dem Trailer, der auf Youtube zu sehen ist: Südzentrale – der Film

Der lange Weg von Jever nach Babelsberg

Nicolai Rohde, Tatort-Regisseur. Er stammt aus Jever.  Foto (c): Helmut Burlager
Nicolai Rohde, Tatort-Regisseur. Er stammt aus Jever.
Foto (c): Helmut Burlager

Der Tatort-Regisseur Nicolai Rohde hat seine Wurzeln in Friesland

Als am 6. Oktober im Vorspann des „Tatorts“ aus Ludwigshafen der Name des Regisseurs über den Bildschirm lief, hat niemand an Jever gedacht. Es sei denn, er wüsste, dass Nicolai Rohde früher einen anderen Namen trug. In einer anderen Zeit, in einer anderen Welt als die, in der er heute lebt, wuchs er nämlich als Nico Görs auf. In Jever, an der Schlachte. Nach langer Zeit kehrte der Filmemacher jetzt dorthin zurück. Erzählte von seinem langen Weg von Jever nach Babelsberg. Mehr lesen…

„Ebb un Flood“ – experimenteller Dokumentarfilm über die Nordsee

Kommentieren "Ebb un Flood" - zwei Dithmarscher am Deich. Foto (c): Olaf Döring
Kommentieren „Ebb un Flood“ – zwei Dithmarscher am Deich. Foto (c): Olaf Döring

Jever – Das Film-Service-Center in der Bahnhofstraße zeigt am Mittwoch, 20. März, um 20 Uhr erstmals in Jever den Film „Ebb un Flood“. Es  ist ein experimenteller Film dokumentarischen Charakters, und zeigt durch Zeitrafferaufnahmen die Funktionsweise des Wattenmeeres, unterbrochen von Szenen in Echtzeit.

In dem zeitlichen Ablauf eines Tages – von null bis vierundzwanzig Uhr – wird der immer wiederkehrende Rhythmus der Nordseeküste deutlich gemacht. Die hohe Geschwindigkeit führt die Veränderungen der Gezeiten, der Meeresströmungen und die Wandlung des Wetters an der Küste, vor Augen. Auf Erklärungen und Beschreibungen wird größtenteils verzichtet, bis auf kurze plattdeutsch gesprochene Statements zweier auf dem Deich sitzender Dithmarscher Rentner, die dadurch das maritime norddeutsche Flair verstärken.

Landschaft in stetiger Veränderung: das Wattenmeer. Mit unzähligen Aufnahmen dokumentiert Olaf Döring  den Wandel. Foto (c): Olaf Döring
Landschaft in stetiger Veränderung: das Wattenmeer. Mit unzähligen Aufnahmen dokumentiert Olaf Döring den Wandel. Foto (c): Olaf Döring

Längere Zeitrafferpassagen werden durch Echtzeitsequenzen, wie die Deichszenen, eine Wattführung und ein Fangfahrt mit einem Krabbenkutter, aufgelöst. Dadurch wird der Betrachter wieder in die gewohnte realistische Betrachtungswelt geführt und der Spannungsbogen wird so erhalten oder neu aufgebaut. Ziel des Films ist der Aufruf zu mehr Respekt und Achtung vor der Natur. Er zeigt wie bedrohlich die Natur sein kann, wie beinahe bedeutungslos der Mensch dagegen ist (obwohl er die wohl größte Bedrohung für sie darstellt), aber auch wie alles miteinander harmoniert, ebenso die atemberaubende Schönheit des Wattenmeeres mit surreal anmutenden Lichtspielen, bevor der Film mit einem in die blaue Nacht fahrenden Kutter endet, was eine Fahrt in eine ungewisse Zukunft symbolisiert. Eine Einladung, unsere Natur zu beobachten.

Autor von „Ebb un Flood“ ist der gebürtige Dresdener, Jahrgang 1967, der in Düsseldorf. Der PR- und Pressefotograf liebte von Kindheit an die Bilder, ob bewegt oder nicht. Mit elf Jahren gewann er mit einem Foto, das seinen kleinen Bruder zeigte, wie er sich am Portal der Frauenkirche nach der Türklinke reckte, den ersten Platz bei einem Schweizer Fotowettbewerb. Als DDR-Bürger konnte er die Auszeichnung aber nicht entgegennehmen. Mit 22, sechs Tage vor dem Mauerfall, flüchtete Döring in den Westen, arbeitete im Ruhrgebiet, in Hamburg und schließlich in Düsseldorf.

Der Filmemacher Olaf Döring. Foto (c): Rainer Hotz, Hilden
Der Filmemacher Olaf Döring. Foto (c): Rainer Hotz, Hilden

Die Nordsee hat 1989 sein Herz erobert, als er zum ersten Mal hier zu Besuch war. Drei Jahre arbeitete er an seinem Film, schoss dafür neben den Bewegtbildern auch 155.007 Fotos mit seiner Spiegelreflexkameras. Den Film sieht er als sein Lebenswerk.

Kinostart in Wilhelmshaven: Die Nordsee von oben

wattundsalzwiese Am 9. Juni kommt der Dokumentarfilm „Die Nordsee von oben“ in die Kinos, die offizielle Filmpremiere findet im Beisein der Filmemacher Silke Schranz und Christian Wüstenberg im UCI Kino in Wilhelmshaven statt. Die Filmvorführung beginnt um 2o Uhr, vorher und nachher beantworten die Autoren Fragen der Besucher. Mehr über den spektakulären Nordseefilm hier: https://friesenblog.wordpress.com/beifang/nordsee-ein-schatz-wurde-gehoben/

Demnächst im Kino: Die Nordsee von oben

nordsee Erstmal nur ein wunderschöner Trailer, doch auf den Film kann man sich schon freuen: http://www.kino-zeit.de/filme/trailer/die-nordsee-von-oben

Fritz lebt

Der letzte Jude von Jever ist auch knapp 30 Jahre nach seinem Tod unvergessen

Dokumentarstreifen von Elke Baur aus dem Jahr 1994 ist wieder im Handel erhältlich

Jever – „Fritz lebt“ – der Titel des Films Datei0016über den letzten Juden von Jever, der 1994 in die Kinos kam, erinnert eigentlich nicht an das Leben, sondern an den Tod von Fritz Levy. In der Nacht nach dem Suizid des 81-Jährigen hatten Unbekannte auf die Wand eines Supermarktes in der Wittmunder Straße den Satz „Fritz lebt weiter“ gesprüht. Die Filmemacherin Elke Baur verkürzte das Zitat, es ist bis heute programmatisch: Auch knapp 30 Jahre nach seinem Tod ist Levy in Jever wirklich unvergessen. Als ob er weiterspukte, als ständige Mahnung, so nicht mit Menschen umzugehen, wie mit dem Juden und dem Jeveraner Fritz Levy umgegangen worden ist.

Der Film, der die Geschichte Fritz Levys erzählt und der zumindest in Jever ein Kinohit wurde, ist jetzt als DVD erhältlich. Angeboten wird er von Filmsortiment und vertrieben im Internet über Amazon, er kostet 21 Euro. Billiger ist er bei der Produzentin selbst zu beziehen: http://bit.ly/goP8gT Das Cover der DVD zeigt, wie damals das Filmplakat, ein Foto von Fritz Levy mit seinem Mischlingshund vor der Ruine seines Wohnhauses in der Bismarckstraße, aufgenommen hat es der Verfasser dieses Beitrags. Ansonsten aber ist es der Blick von außen, der diesen Film so besonders und der das jeversche Publikum im Jahre 1995 so betroffen machte. Schonungslos zeigte die Dokumentation auf, welches Schicksal der Jude Levy erlitten hatte, der den Nazis entkommen, ins Exil gegangen und dann in seine Heimatstadt zurückgekehrt war. Er war wieder zu Hause und fühlte sich doch fremd unter seinen Mitbürgern, von denen keiner ein Täter gewesen sein wollte.

1901 in Jever geboren, war Fritz Levy eines von sechs Kindern des angesehenen Viehhändlers und Schlachters Josef Levy. Er besuchte die Volksschule und das Mariengymnasium, begann ein Studium in Berlin, doch als 1918 sein Vater und sein Bruder tödlich verunglückten, kehrte er zurück, um mit seiner Mutter das Geschäft weiterzuführen. Ein Viehhändler aus Naturtalent – im hohen Alter bezeichnete er sich deshalb als „Viehlosoph“. 1934 gab er den Betrieb ab, wurde 1938 ins Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt, kam nach vier Monaten wieder frei und verließ Deutschland im Jahre 1939 mit dem Ziel Shanghai. Zehn Jahre lebte er in China, danach kurz in San Francisco, schlug sich als Lastwagenfahrer durch. 1950 kehrte er nach Jever zurück. Gezeichnet durch Verfolgung und Flucht, hat er nicht wieder Fuß fassen können, wurde verletzt und geschmäht, eckte aber auch selbst vielfach an. Mehr und mehr wuchs er in seine Rolle als Provokateur hinein, wurde schließlich – vor allem von jungen, unangepassten Leuten unterstützt – in den Stadtrat gewählt. 1982 starb er.

Der Film schildert ihn als Eulenspiegel, der den Mitbürgern, die keine Nazis gewesen sein wollten, 61ljLHX62zL den Spiegel vorgehalten hat. Elke Baur kombinierte historisches Material mit dokumentarischen Bildern und inszenierten Szenen. Gespräche mit Verwandten und Freunden Levys verknüpfte sie mit einer Off-Stimme, die aus dem Leben des Weiberhelden, Weltfahrers, Viehhändlers und ehemaligen KZ-Häftlings erzählt. „Baurs Film ist eine Hommage an Levys Eigensinn und an seinen Mut, immer weiter und weiterzumachen“, schrieb damals die Frankfurter Rundschau.   Die Evangelische Zeitung rezensierte: „Die Lebens- und Leidensgeschichte dieses letzten Juden Jevers hat die mehrfach ausgezeichnete Filmemacherin Elke Baur in einem ergreifenden und einfühlsamen Dokumentarfilm nachgezeichnet. Mit Fotos, Stadt- und Landschaftsaufnahmen, mit Aussagen von Bekannten und Freunden, gelang ihr das Filmporträt eines ungewöhnlichen Menschen.“

Zitiert wird in dem Artikel Levys Freund, der Pastor Enno Ehlers, der im Film sagte: „Er war ein Mensch, der nach Deutschland zurückkam, um seine Heimat wiederzufinden, die er nie gefunden hat … Der liebe Gott hat mir einen Freund über den Weg geschickt, verstanden habe ich ihn auch nicht …“

Und Wochenblatt-Redakteur Klaus-Dieter Heimann schrieb nach der Filmpremiere in Jever: „Fritz lebt ist mehr als das Porträt eines Spökenkiekers. Levy steht für viele Menschen, die mit ihrem Witz, ihren Träumen und ihrem Anderssein anecken, auf Widerstand und Ablehnung stoßen. Typen wie ihn gab und gibt es überall. Dass Levy in Jever lebte, ist ein Zufall. Der Film sagt viel über Stimmungen, Strömungen und Neigungen der Nation – vor und nach 1945.

Der Beitrag ist dem Jeverschen Wochenblatt, Ausgabe vom 4. Februar 2011, entnommen. Foto/Copyright: Helmut Burlager

Weitere Fotos zu diesem Beitrag hier: https://friesenblog.wordpress.com/fritz-levy/

Hier habe ich noch ein paar weitere interessante und typische Fotos von Fritz Levy gefunden: http://www.fotocommunity.de/pc/pc/pcat/348733/display/8532735