Nur mal so, für alle, die glauben, dass am Jade-Weser-Port überhaupt keine Schiffe ankommen. Für Ostermontag ist die „Edith Maersk“ angekündigt. Sie kommt von Rotterdam und fährt weiter nach Danzig. Wäre schön, wenn man das bald mal täglich melden könnte …
Autor: Helmut Burlager
Tag 107 | IBAN
Der vorbildliche Bankkunde hat ja so früh wie möglich auf IBAN, die internationale Bankkontonummer, umgestellt und füllt brav all seine Überweisungen mit der ellenlangen Zahlen-Buchstaben-Kombination aus, die kaum einer von uns je auswendig lernen wird. Geh ich also an diesem Mittwoch in die Bankfiliale meines Vertrauens, um ein Sparbuch aufzulösen, und weil ich das Geld von dort nicht per Homebanking überweisen kann, bitte ich die Mitarbeiterin, den Transfer zu veranlassen. Brav lege ich ihr einen Zettel mit dem Namen des Empfängers und dessen IBAN hin, und was macht sie? Zieht einen Vordruck aus der Schublade, friemelt mühsam zuerst die Bankleitzahl und dann die Kontonummer aus der IBAN heraus, trägt sie in zwei Zeilen des fotokopierten Papiers ein, lässt mich den Wisch unterschreiben und sagt: „So, das geht dann klar!“ Das finde ich auch …
Tag 106 | Ehemalige

Wollte ich erzählen, was aus all den jungen Leuten geworden ist, die wir in der Wochenblatt-Redaktion ausgebildet haben, müsste ich mir nicht mehr so viele Gedanken darüber machen, womit ich meinen Blog bis zum Jahresende fülle. Die meisten, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht geblieben sind, haben heute spannende Jobs. Jan-Keno Janssen zum Beispiel ist so einer, der nicht nur bleibenden Eindruck hinterlassen hat (es gilt das Redaktionsgeheimnis), sondern bis heute von sich reden macht. Jetzt zum Beispiel in einem Interview in der Neuen Osnabrücker Zeitung, in dem er über seine Erfahrungen als Google-Glass-Tester erzählt. Zum Interview
Tag 105 | Schrei vor Glück
Besuch bei der Tochter, es klingelt an der Tür, sie geht raus, verhandelt mit einem Boten, kommt mit einem Paket wieder rein, stellt es in den Flur und setzt das Gespräch fort. Zwei Tage später steht es immer noch ungeöffnet da. Mein Glaube an TV-Werbung bekommt einen ordentlichen Knacks, immerhin steht in großen Buchstaben „Zalando“ auf dem Karton. Und geschrien hat sie auch nicht …
Tag 104 | Vom (Nicht-) Rauchen
Ich hab ja mein Leben lang nicht wirklich geraucht, nur mal so eine Zigarette ausprobiert, ein Zigarillo, eine Zigarre oder eine Pfeife gepafft, ohne dass es mir geschmeckt hätte und ohne dass mir nach mehr war. Ich ahne aber, wie schwer es für andere ist, damit aufzuhören, und da hat mir Facebook-Freundin Heike gestern einen Beitrag zur Verfügung gestellt, der mich berührt hat. „Mal so nebenbei“, schreibt sie, „meine letzte Zigarette liegt auf den Tag genau drei Monate zurück.“ Lest selbst:
Mal so nebenbei…
Von Heike Pohl
Meine letzte Zigarette liegt auf den Tag genau drei Monate zurück. Jahrelang hab ich es als große persönliche Freiheit empfunden, zu rauchen. Weil ich das will. Weil ich das kann. Was für ein Irrtum. Die Freiheit besteht darin, nicht mehr zur Zigarette greifen zu müssen.
Sie hat zu mir gehört. Und ich habe gerne geraucht. Am liebsten während des Schreibens bzw. der Arbeit, mit mir allein in meinem Kämmerlein. Die Zigarette gehörte zu mir, sie war ein fester Bestandteil meines Lebens. Natürlich hab ich (mit großem Schrecken) gelesen, gesehen und gewusst, welchen negativen Folgen ich mich aussetze. Es muss da einen Mechanismus geben, der einem ins Ohr flüstert: Das passiert alles den anderen. Dir nicht. Diese Augenwischerei ist nicht auf das Rauchen und seine Folgen reduziert. Man begegnet ihr in allen Lebensbereichen. Und bei (fast) allen Menschen. Und man kann sie zulassen. Oder eben nicht.
Nun weiß ich nicht, ob meine Entscheidung für mein Leben vielmehr für meine Gesundheit (noch) rechtzeitig kam. Aber eines weiß ich: Das Glück das ich empfinde, weil ich nicht (mehr) rauche, das hat mir keine einzige Zigarette je beschert. Am Schönsten war eh die, die ich mir angesteckt hab, nachdem ich mich beim Holzhacken fast von meinem Daumen (ab-)getrennt hatte. Schön war auch die nach bestandener Führerscheinprüfung. Und die, die ich geraucht hab, nachdem ich mich von dem Kerl getrennt hatte, der mir das L(i)eben schwer machte, die war auch gut.
Am Allerschönsten aber war und bleibt die vom 13. Januar 2014, als ich dachte: Lass den Scheißdreck sein, Heike.
P.S.: Es war einfacher, als ich befürchtet hatte.
Mehr von Heike Pohl und ihrem Blog
Tag 103 | High Tech
Ich ziehe ja gerne mal über meinesgleichen her und die Ostfriesen durch den Kakao. Und wer, wie ich heute wieder, durchs beschauliche Ostfriesland fährt, macht sich nicht unbedingt bewusst, dass das hier High-Tech-Land ist, ob es um riesige Kreuzfahrtschiffe (Papenburg), um schicke VW Passat (Emden) oder um gewaltige Windkraftanlagen (Aurich) geht. Hier mal wieder so ein Beispiel dafür, was ostfriesische Ingenieure zu leisten imstande sind: Enercon erledigt Großauftrag in Kanada und bringt neue Starkwind-Turbinen heraus
Tag 102 | Kranke Akten
Im Deutschen Marinemuseum in Wilhelmshaven hat die Oldenburgische Landschaft jetzt den Band „Vernichtung lebensunwerter Soldaten? Die nationalsozialistische Militärpsychiatrie in der deutschen Kriegsmarine – das Beispiel Wilhelmshaven“ von Roman Behrens vorgestellt. Erschienen ist das Buch als Band 76 der von der Oldenburgischen Landschaft herausgegebenen Reihe Oldenburger Studien.

Psychische Erkrankungen von Soldaten wurden in der NS-Zeit durchweg nicht im Zusammenhang mit deren Kriegserlebnissen gesehen, sondern auf Charaktermängel der Betroffenen zurückgeführt. Die jetzt vorgestellte Veröffentlichung beruht auf einer Auswertung von vier Krankenakten von Marinesoldaten, die im Zweiten Weltkrieg in den Marinelazaretten Wilhelmshaven und Sanderbusch und in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen wegen psychischer Erkrankungen behandelt worden sind. Die als Masterarbeit an der Universität Oldenburg entstandene Untersuchung umreißt anhand der vier Fallbeispiele den Umgang mit psychisch erkrankten Marinesoldaten. Außerdem gibt sie Belege für die Verstrickung von Kriegsmarine und Marinesanitätsdienst in die Sterilisationsverfahren und den Krankenmord in der NS-Zeit.
„Roman Behrens hat mit seiner Studie eine wichtige Anregung für die Wissenschaft gegeben, auf einem bisher nicht untersuchten Gebiet intensiv zu forschen“, charakterisierte Landschaftspräsident Thomas Kossendey die Arbeit.
Roman Behrens, Vernichtung lebensunwerter Soldaten? Die nationalsozialistische Militärpsychiatrie in der deutschen Kriegsmarine – das Beispiel Wilhelmshaven, Oldenburger Studien Band 76, herausgegeben durch die Oldenburgische Landschaft, 90 S., Isensee Verlag, Oldenburg 2014, lSBN 978-3-7308-1009-5, Preis: 19,80 €.
Tag 101 | Nachruf
Er machte es anders als die anderen und er machte „sein Ding“. Zu den untereinander gut vernetzten Journalisten der übrigen Lokal- und Regionalzeitungen im Nordwesten pflegte er eher gar kein als ein distanziertes Verhältnis. Trotzdem schauten die Kollegen mit einiger Hochachtung auf den Mann, der die „Emder Zeitung“ revolutionierte und aus ihr Anfang der 80er Jahre ein Blatt machte, das bis heute völlig anders daherkommt als jede andere Zeitung. Am vergangenen Freitag ist Herbert Kolbe, wie die Deutsche Presseagentur meldet, im Alter von 72 Jahren gestorben.Tag 100 | Hundert Tage
„Geben Sie mir hundert Tage!“ Ja, gewiss, jedem Politiker räumt man hundert Tage ein, um beurteilen zu können, ob er in einem neuen Job was taugt oder nicht. Jeder Wirtschaftsgröße auch, und im Berufsleben sind dreimonatige Probezeiten gang und gäbe. Aber wie sieht’s mit einem Jahr aus? Kann man ihm nach hundert Tagen schon vertrauen und sagen: Es ist ein gutes? Nein, wir können es nicht wirklich. Erich Kästners Weisheit gilt ja im Grunde nicht nur Silvester, sondern jeden Tag. Wird’s besser? Wird’s schlimmer? fragt man alljährlich. Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich! In diesem Sinne: Haltet durch die nächsten 265 Tage. Erst dann wird abgerechnet …
Tag 99 | Breaking News
Wisst Ihr, was ich an meinem Beruf so liebe? Den täglichen Umgang mit spannenden Nachrichten und relevanten gesellschaftlichen Themen. Gestern zum Beispiel bei der Auswertung des Polizeiberichts der Inspektion Aurich dieses spektakuläre Fundstück: „Biotonne umgefahren: Ein unbekannter Verkehrsteilnehmer fuhr in der Nacht zu Montag, 07.04.2014, eine Biotonne um und flüchtete anschließend unerkannt. Die Tonne stand an der Straße Moorweg zur Entleerung bereit, jedoch nicht unmittelbar an der Fahrbahn. Die Tonne ist für eine weitere Nutzung für Bioabfall nicht mehr tauglich. Zeugen des Unfalles werden gebeten, sich bei der Polizei Aurich, 04941/606-215, zu melden.“ Da darf man auf die Aufklärung des Falls gespannt sein.