Den Begriff Industriesterben würde man mit dem Ruhrgebiet in Verbindung bringen, nicht mit Ostfriesland. Und doch hat es das hier gegeben, nicht erst mit dem Aus für die Olympia-Schreibmaschinenwerke. Dass eine ganze Branche ausstirbt und heute nur noch vereinzelte Betriebe existieren, lässt sich auch am Beispiel der Ziegeleien demonstrieren. Einen lesenswerten Beitrag zum Tod der Ziegelindustrie in Ostfriesland hat der Weser-Kurier veröffentlicht, nachzulesen hier: Als Ostfriesland noch Ziegeleiland war
Tag 50 | Kluger Kopf
Der Südkurier, die Stuttgarter Zeitung, die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung liegen morgens im Lesesaal aus. Interessant zu sehen, wer zu welchem Blatt greift. Ein Herr muss immer die FAZ haben, sonst liest er lieber gar nichts. Er schätzt die intellektuelle Herausforderung. Ich bin ja mehr für die Süddeutsche, schon wegen des Streiflichts, und weil sie neuerdings noch investigativer daherkommen, was ein bisschen spannender ist als die behäbige Frankfurter Art, die Leser zu belehren. Das Lokalblatt lese ich natürlich auch gern, schon um mich daran zu erfreuen, dass die auch nur mit Wasser kochen. Heute war die FAZ frei, da dachte ich, doch mal was für den Intellekt tun zu müssen. Im zweiten Artikel im zweiten Absatz beginnt die Autorin einen wunderbar gedrechselten Satz, baut hier einen Nebensatz ein und dort noch einen Einschub, geht in einem weiteren eingeschobenen Zwischensatz noch einen kleinen Umweg und bleibt stecken, führt den angefangenen Gedanken nicht zu Ende. Ich lese ein zweites, ein drittes Mal, gebe auf und denke: Dahinter steckt bestimmt ein kluger Kopf. Morgen dann doch wieder den Südkurier.
Tag 49 | Geburtshelfer

An dieser Stelle berichte ich ja gern mal über die Arbeit der harten Jungs von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, die man als Küstenbewohner einfach unterstützen muss. Sie sind ja nicht nur in Orkannächten unterwegs, um in Seenot geratene Besatzungen zu bergen, ihre Aufgaben sind so unglaublich vielfältig. Wer weiß zum Beispiel schon, dass die Seenotretter jedes Jahr 20 bis 30 schwangere Frauen von den Inseln zum Festland bringen?
In der Nacht zu gestern war es wieder mal so weit. Die Seenotretter transportierten eine hochschwangere Frau von Norderney nach Norddeich, bei der bereits sehr starke Wehen eingesetzt hatten und die dringend in die Klinik musste. Mitten in der Nacht brachte die Besatzung der „Bernhard Gruben“ die Frau bei ordentlichem Seegang ans Festland.
Wie gesagt, so etwas passiert regelmäßig. Zuweilen kommt es sogar zur Geburt an Bord zu einer Geburt – zuletzt am 28. Oktober 2011 auf dem Seenotkreuzer „Vormann Leiss“ der Station Amrum.
Tag 48 | Es-Zett
Dass die Schweizer meinen, ohne das „ß“ auskommen zu können, fand ich etwas sonderbar, aber es wird mir immer sympathischer. Gestern zum Beispiel, in der „Sonntagszeitung“, hieß es in einem Beitrag über ein Gesundheitsthema: „In Massen genossen kann Rotwein durchaus entspannen.“ Das kann ich so unterschreiben …
Tag 47 | Weiterbildung
Hab ja schon ’ne Menge Seminare mitgemacht und interessiere mich trotz fortgeschrittenen Alters weiter für jedes halbwegs sinnvolle Fortbildungsangebot. Man lernt ja nie aus. Aber soll ich mich wirklich in der alljährlichen Frühjahrs-Fitnesskur hierfür anmelden: „Das Auge isst mit. Gemüseschnitzen für jedermann!“ ?!?
Tag 46 | Komma
Tag 45 | Abenteuerurlaub
Tag 44 | Upjever
Der Fliegerhorst Upjever wird seit dem Sommer 2013 nicht mehr als Flugplatz genutzt und wird es wohl nie wieder werden. Was für eine Verschwendung von teuer bezahlter Infrastruktur, sagen die einen, denn schließlich wurde da eine vollständig intakte Start- und Landbahn samt Rollfeld aufgegeben. Was für eine Chance, sagen die anderen. Denn der Fliegerhorst war ja nicht immer da. In den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts im Zuge von Hitlers Rüstungspolitik in einem zusammenhängenden Waldgebiet angelegt und in den fünfziger Jahren für die Royal Air Force der Briten noch einmal drastisch erweitert, hat die Militärbasis über Jahrzehnte einen überregional zusammenhängenden Grünzug zerschnitten, sagt Helmut Wilbers, Sprecher der Initiative „Upjever-lieb-ich“. Er denkt, was viele noch nicht denken mögen: den teilweisen Rückbau der nun ohnehin stillgelegten Betonflächen Mehr lesen: Upjever-lieb-ich
Tag 43 | Verdächtigt
Der Hund auf dem Bürgersteig macht den Rücken krumm, Herrchen am anderen Ende der Leine bleibt stehen. Haben wir ihn endlich erwischt, den Missetäter, der dafür sorgt, dass man im Dunkeln nicht mehr spazieren gehen mag, weil hinterher garantiert die Schuhe versaut sind. Ganz abgesehen davon, wie das seit Monaten aussieht in unserer Straße. Haufen an Haufen, manche dezent an die Hecke gesetzt, viele direkt aufs Pflaster. „He, Sie wollen doch nicht etwa weitergehen, ohne das wegzumachen? Was ist das für eine Sauerei?“ Man wundert sich über sich selbst, wie laut man plötzlich geworden ist. Das Gegenüber kann es allerdings auch. „Was glauben Sie, was ich hier habe?“, schreit er, zieht dünne Plastiktütchen aus der Jackentasche hervor. „Und was glauben Sie, wie mir das stinkt, ständig angepöbelt zu werden, weil ich meinen Hund ausführe?“ Tja, da ist eine kleine Entschuldigung fällig, verbunden mit der Bitte um Verständnis, wie sehr einen das mittlerweile anekelt, dass manche Hundehalter sich so verhalten. Aber eben nicht dieser. Sorry. Irgendwann wird uns der Richtige über den Weg laufen. Das wird dann wirklich laut werden.
Tag 42 | Synergie
Schleichende Veränderung auf dem einst so vielfältigen Zeitungsmarkt in Ostfriesland. In der Zeitungsgruppe Ostfriesland (ZGO) sind bereits drei ehemals selbstständige Presseverlage aufgegangen, die Ostfriesen-Zeitung (OZ), die Ostfriesischen Nachrichten (ON) und der General-Anzeiger (GA). Für ein paar Jahre bewahrten sie ihre relative Eigenständigkeit, doch inzwischen zieht die Zeitungsgruppe mehr und mehr die Synergien aus dem Zusammenschluss. Jüngst wurde zum Beispiel der Vertrieb der Blätter am Hauptsitz der ZGO zusammengefasst. Die ZVO aus Rhauderfehn ist mittlerweile dorthin verlegt worden. Zum Bericht.

