Tag 234 | Sprache

Man ist ja hin- und hergerissen angesichts der Frage, ob und wie Deutschland sich im Konflikt im nahen und mittleren Osten engagieren soll. Nichts tun ist auch keine Alternative. Aber ein Beitrag von Ulrich Kasparick über die verräterische Sprache macht auch wieder nachdenklich. Beobachtungen eines Zeitungslesers

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Tag 233 | Einsatz

Ich mach hier ja gerne Werbung für die DGzRS, nicht nur weil mein Jüngster gerade mit Frau und Tochter, also unserer neuen Enkelin, urlaubsmäßig im Wattenmeer rumschippert, sondern auch, weil ich jegliches ehrenamtliche Engagement schätze. Und dass sie gebraucht werden, zeigen sie fast jeden Tag, die Seenotretter. Heute wieder: Pressemitteilung der DGzRS:

Zwei Segler aus den Niederlanden verdanken den Norderneyer Seenotrettern schnelle Hilfe. In der Nacht zu Donnerstag, 21. August 2014, war einer der beiden Männer an Bord ihrer Segelyacht schwer gestürzt und hatte sich eine Kopfverletzung zugezogen. Der Seenotkreuzer BERNHARD GRUBEN der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) eilte der Yacht zu Hilfe.  

Gegen 1.50 Uhr alarmierten die Niederländer über den internationalen Sprechfunk-Notrufkanal 16 die Seenotretter. Wie auf allen Seenotkreuzern der DGzRS laufen auf der BERNHARD GRUBEN die Funkempfänger rund um die Uhr auch in den Kammern der Besatzung, so dass die Nachtruhe der Rettungsmänner jäh unterbrochen wurde und sie den Notruf unmittelbar mithörten.

Der Eigner des etwa neun Meter langen Bootes berichtete, der Skipper habe sich bei einem Sturz eine Platzwunde am Kopf zugezogen, sei zunächst ansprechbar gewesen, aber nun bewusstlos. Zudem hatte das Boot eine Leine in den Propeller bekommen und war für den jetzt allein fahrenden Niederländer schwer zu steuern. Im Revier nördlich Norderney herrschten zu dieser Zeit westliche Winde bis fünf Beaufort (30 bis 40 km/h Windgeschwindigkeit) mit anderthalb Metern Seegang.

Die Segelyacht befand sich auf dem Weg von Schiermonnikoog nach Brunsbüttel. Die BERNHARD GRUBEN legte sofort ab und nahm Kurs auf den Havaristen. Etwa sieben Seemeilen nördlich der Wichter Ee (Seegatt zwischen Norderney und Baltrum) setzten die Seenotretter mit dem Tochterboot JOHANN FIDI einen Rettungsmann samt medizinischer Ausrüstung über. Gemeinsam mit dem zweiten Segler, selbst Arzt, kümmerte er sich um den Verletzten, der inzwischen wieder bei Bewusstsein war.

Der Rettungsmann blieb auf der Yacht, während die BERNHARD GRUBEN den Havaristen auf den Haken nahm und sicher in den Hafen von Norderney schleppte. Dort übergaben die Seenotretter den Verletzten zur weiteren Versorgung an den Landrettungsdienst.

Tag 232 | Zehner

Die Bundesregierung hat heute beschlossen, eine Zehn-Euro-Gedenkmünze zum 150-jährigen Bestehen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) im kommenden Jahr prägen zu lassen und auszugeben. Damit ehrt die Bundesrepublik Deutschland die unabhängige, eigenverantwortliche und rein spendenfinanzierte Arbeit der Seenotretter seit anderthalb Jahrhunderten auf See. Die Sonderprägung soll ab 7. Mai 2015 erhältlich sein. Am 29. Mai 2015 begeht die DGzRS ihren 150. Geburtstag mit Festakt und Taufe eines neuen Seenotrettungsbootes in Bremen.

Vorder- und Rückseite der Gedenkmünze, die 2015 herausgegeben werden soll. (c) BADV
Vorder- und Rückseite der Gedenkmünze, die 2015 herausgegeben werden soll. (c) BADV

Motiv der Gedenkmünze ist das bekannte Hansekreuz der Seenotretter. In Rot und Weiß ist es an den Aufbauten der Rettungseinheiten weithin sichtbar und zudem in Form der offiziellen Dienstflagge der DGzRS an Bord dauerhaft gesetzt, um die ständige Einsatzbereitschaft der Rettungsflotte rund um die Uhr und bei jedem Wetter zu dokumentieren.

Auf der Bildseite der Münze verschmilzt das Hansekreuz mit einem Bootsrumpf zu einer Einheit. Der Entwurf stammt von dem Künstler Joachim Dimanski aus Halle (Saale).  Der glatte Münzrand enthält in vertiefter Prägung die Inschrift: „FREIWILLIG • UNABHÄNGIG •  SPENDENFINANZIERT“. Die Gedenkmünze ist innerhalb Deutschlands gesetzliches Zahlungsmittel. Sie soll in zwei Prägequalitäten und Legierungen geprägt werden.

Die 1865 gegründete DGzRS ist zuständig für den maritimen Such- und Rettungsdienst in den deutschen Gebieten von Nord- und Ostsee. Ihre 180 fest angestellten und mehr als 800 freiwilligen Seenotretter fahren mit 60 Rettungseinheiten fahren Jahr für Jahr mehr als 2000 Einsätze auf Nord- und Ostsee, koordiniert von der SEENOTLEITUNG BREMEN der DGzRS. Die gesamte Arbeit der Seenotretter wird nach wie vor ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen finanziert.

Mehr Informationen: www.150-jahre-seenotretter.de).

Tag 231 | Schnitzel

Was das Essen angeht, ist Holland ja, sagen wir es mal vorsichtig: anders. Man sollte annehmen, dass die Niederländer es genau so wollen, sonst würden sie ja kochen wie wir oder wie die Franzosen oder die Schweizer. Aber irgendwie hadern sie doch mit ihrer eigenen Küche. Dem Besucher aus dem Nachbarland, den wir heute Mittag in eines der besseren Restaurants in Jever führten, gingen schon beim Studieren der Speisekarte die Augen über, und voller Freude bestellte er sich dann etwas, das er offenbar jedesmal bestellt, wenn er in ein deutsches Gasthaus geht: Schnitzel! „Gibt es die bei Euch nicht?“ „Doch“, sagt er. „Aber bei uns kann man sie nicht essen!“

Tag 230 | Pixelpartnerin

Die Regionalgesellschaft „JadeBay“ hat ihren Internetauftritt aufgefrischt, recht ungewöhnlich kommen die „Pixelpartner“ jetzt daher. Besonders gefällt mir natürlich das sympathische PixPar-Porträt von Katharina Guleikoff, Redaktionsleiterin von Radio Jade. „Es ist wichtig zu zeigen, dass das hier eine gute Region in Deutschland ist, in der man gut leben und arbeiten kann“, sagt sie. Zum Porträt…

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Tag 229 | Herr Je

Eine interessante und durchaus beklemmende Dokumentation im Ersten zeigt, wie Menschen (vor allem junge) in die Fänge evangelikaler Glaubensgemeinschaften mit ihrem verqueren Weltbild geraten. Mission unter falscher Flagge. Genauso interessant sind die heftigen Reaktionen darauf, dokumentiert und beantwortet von den Autorinnen des Beitrags, nachzulesen hier.

Tag 228 | Helfen

Flüchtlingen im Nordirak werden von der REACH, der Partnerorganisation der Diakonie Katastrophenhilfe versorgt. Bild: Diakonie Katastrophenhilfe
Flüchtlingen im Nordirak werden von der REACH, der Partnerorganisation der Diakonie Katastrophenhilfe versorgt. Bild: Diakonie Katastrophenhilfe

Der Oberkirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg stellt der Diakonie Katastrophenhilfe 5000 Euro als Soforthilfe für die humanitäre Hilfe für Menschen im Nordirak zur Verfügung. Das Hilfswerk versorgt vertriebene Familien in den kurdischen Städten Dohuk, Erbil und Suleimaniyah mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser und Hygieneartikeln. Die Organisation will ihre Hilfe für die Menschen in der gesamten Region in den kommenden Monaten weiter ausweiten.

Gleichzeitig ruft Oberkirchenrätin Annette-Christine Lenk die Kirchengemeinden der Oldenburger Kirche und die Bevölkerung auf, die Betroffenen angesichts der dramatischen Lage mit Kollekten, Spenden und Fürbitten zu unterstützen. „Die Berichte, die uns über die humanitäre Katastrophe erreichen, die sich seit Wochen im Norden des Irak ereignet, erschüttern und erschrecken. Für die vom islamistischen Terror verfolgten und ermordeten Christinnen und Christen, Jesiden und andere Minderheiten ist jede Form humanitärer Hilfe dringend notwendig. Allen Menschen in Not gilt unsere Hilfe, unser Gebet und unser Mitgefühl.“

Der schnelle Vormarsch der Kämpfer des Islamischen Staates (IS) im Nordirak hat in den vergangenen Tagen laut Angaben der Vereinten Nationen etwa 200.000 Menschen in die Flucht getrieben. Insbesondere ethnische und religiöse Minderheiten, wie Christen und Jesiden, müssen überstürzt fliehen.

Bereits seit Beginn der IS-Offensive im Juni arbeitet die Diakonie Katastrophenhilfe mit lokalen Partnerorganisationen im Nordirak zusammen, um die Situation der Flüchtlinge, Binnenvertriebenen und aufnehmenden Gemeinden zu verbessern. Der Vormarsch der IS-Kämpfer und die sich schnell verschiebenden Kampfeslinien bringen aktuell Gefahren für Flüchtlinge und Helfende mit sich.

Rita Szekely, Projektkoordinatorin im Regionalbüro Istanbul der Diakonie Katastrophenhilfe, berichtet: „Die Not dort ist so groß wie nie. Die Familien finden zwar Zuflucht unter anderem in Schulen und Kirchen. Dort werden notdürftig mit Stoff Räume abgeteilt und die Menschen leben auf sehr engem Raum. Viele Vertriebene ziehen nach einigen Tagen weiter, um eine sicherere und bessere Unterkunft zu finden. Für unsere lokalen Partner ist die Verteilung daher eine große Herausforderung.“

Spendenkonto:
Diakonie Katastrophenhilfe, Berlin,
Evangelische Darlehnsgenossenschaft Kiel,
Konto: 502502, BLZ 210 602 37
IBAN: DE26210602370000502502, BIC: GENODEF1EDG,
Stichwort: Irak

Tag 227 | Offener Brief

Graffiti und Löcher in Dach und Fenstern tun der Schönheit des Jugendstilgebäudes keinen Abbruch. Foto: Imke Zwoch
Graffiti und Löcher in Dach und Fenstern tun der Schönheit des Jugendstilgebäudes keinen Abbruch. Foto: Imke Zwoch

In einem offenen Brief wirbt Horst von Bassewitz, Architekt und Vorsitzender der Wissenschaftlichen Kommission der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, beim Wilhelmshavener Oberbürgermeister Andreas Wagner eindringlich für den Erhalt der Südzentrale in Wilhelmshaven. Gerade in einer von den Verlusten des Zweiten Weltkrieges so stark betroffenen Stadt dürfen die noch erhaltenen Geschichtszeugnisse nicht aufgegeben werden. Die Südzentrale entstand 1908-12 neben der Kaiser-Wilhelm-Brücke als Energieversorgungszentrale für den wachsenden Hafen Wilhelmshaven.

Von Bassewitz appelliert an die gesamtgesellschaftliche Verantwortung der Politik und fordert diese auf „weitere Planungsschritte und politische Entscheidungen grundsätzlich im Bewusstsein der Achtung vor den Leistungen und Entscheidungen ihrer Vorgänger zu treffen“. Die intensiven und engagierten Diskussionen der Bürgergesellschaft über den Umgang mit dem historischen Erbe dürften bei den Entscheidungen der Kommune nicht unberücksichtigt bleiben.

Das bereits 1994 vom Bund an private Investoren verkaufte Gebäude ist seither dem Verfall preisgegeben. Alle bisherigen Pläne zur Erhaltung scheiterten, die Stadt Wilhelmshaven sieht sich nicht in der Lage, das Kraftwerk zu übernehmen. Die BGI Unternehmens- und Immobilienbeteiligungs GmbH in Ibbenbüren will das Gebäude nun abreißen und das Gelände neu entwickeln. Für eine gewerbliche Nutzung ist eine Bebauungsplanänderung für das derzeitige Sondergebiet Hafen notwendig.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu der wohl größten privaten Initiative in der Denkmalpflege in Deutschland entwickelt. Nur dank des großen bürgerschaftlichen Vertrauens kann sie ihren wichtigen Beitrag zum Erhalt des kulturellen Erbes und zur Bewusstseinsbildung für die Denkmalpflege leisten.

Hier der Brief im Wortlaut

Tag 226 | Der Schrei

Edvard Munch: Der Schrei.  Aufnahme: Archiv Dr. Gerd Presler
Edvard Munch: Der Schrei.
Aufnahme: Archiv Dr. Gerd Presler

Als Edvard Munchs Gemälde „Der Schrei“ zu Beginn des Jahres 2012 in New York für 119,9 Millionen US Dollar versteigert wurde, bewahrheitete sich, was schon lange bekannt war: Munchs „Schrei“ ist das berühmteste und meist reproduzierte Gemälde des 20. Jahrhunderts. Was die wenigsten wissen: Das Werk durchlief eine mehrjährige Entstehungsgeschichte. Munch entwickelte das Thema aus skizzenhaften Anfängen Schritt für Schritt bis zur heute weltweit bewunderten Vollendung. Fünf Fassungen sind bekannt. Eine wurde noch nie öffentlich gezeigt. Prof. Dr. Dr. Gerd Presler, Munch-Experte, kennt das Gemälde.

Im Rahmen eines Vortrags am Sonntag, 24. August, um 11.30 Uhr in der Galerie „Kunstraum“ in der Kuranlage Deichhörn  in Dangast wird er mit beeindruckendem Bildmaterial alle Fassungen vorstellen und die Entstehungsgeschichte der Öl- und Pastellbilder darlegen.

„Der Schrei“ gilt als erstes Bild des Expressionismus und zugleich als Meisterwerk dieser Epoche. Neben Öl und Pastellausführungen existieren Lithographien des Bildes. Im Vordergrund des Bildes steht ein Mann mit leeren Augen, der sich die Hände an die Ohren hält. Sein Mund ist geöffnet als lautloser Ausdruck seines Entsetzens.

Spannend daran ist auch, dass das berühmte Motiv in den Skizzenbüchern Munchs noch nicht kurz als „Der Schrei“ benannt wurde, sondern Munch die Bildidee zunächst als „das Geschrei der Natur“ betitelte. Handschriftliche Äußerungen Munchs vom Januar des Jahres 1892 beschreiben eine Szene, in der der Künstler mit Freunden bei Sonnenuntergang spazieren geht. In dieser Situation fühlte er „das große Geschrei durch die Natur“ und Angst überkam ihn. Dieses Gefühl verewigte er in den Fassungen von “Der Schrei”, sie beschreiben die Verzweiflung und die existentielle Angst des Menschen der Moderne ebenso wie Gefühle gegenüber den Naturmächten. Damit ist das Thema im Begleitprogramm der Ausstellung über Franz Radziwill und die Natur bestens untergebracht.

Gerd Presler wohnt bei Karlsruhe, ist Kunsthistoriker, insbesondere Experte von Deutschem Expressionismus, Radziwill und Munch und er hat kürzlich das Werkverzeichnis von Munchs Skizzenbüchern erstellt.

(Quelle Text und Bild: Franz-Radziwill-Gesellschaft)

Tag 225 | Zurück

Sorry, Friesenblog war einige Tage offline. Rückreise und Mangel an Zeit und W-Lan und so. Und jetzt muss ich erst mal den Temperatursturz verdauen. Fühle mich wie in der Urlaubsanbieter-Werbung. „Schatz, welchen haben wir heute?“ „Ich glaube November…“ Bei 13,5 Grad frieren einem ja glatt die Gehirnzellen ein…

Die fehlenden Beiträge werde übrigens nachgeliefert, versprochen!