Tag 29 | Abgefahren

Wie viele Stunden meines Lebens habe ich auf Bahnhöfen verbracht? Vor allem als Kind, wenn wir Fahrschüler auf den Bus warteten, war die Bahnhofsmission mit ihren Spielen und Büchern ein angenehmer Zufluchtsort. Das kam mir wieder in den Sinn, als ich den Beitrag von Bischof Jan Janssen (Oldenburg) bei der Kirche im NDR sah. Erstaunlich, und auch ein bisschen amüsant, wie viele Bezüge er zwischen Bahnhof und Glauben findet.

Auch wir sind nur auf der Durchreise

Bischof Jan Janssen bei den Dreharbeiten im Oldenburger Hauptbahnhof. Foto: ELKiO, Hans-Werner Kögel
Bischof Jan Janssen bei den Dreharbeiten im Oldenburger Hauptbahnhof.
Foto: ELKiO, Hans-Werner Kögel

Tag 28 | Monözie

Mein persönliches Wort des Jahres steht schon fest, es ist die „Einhäusigkeit“. Laut Duden ist das die „Mo|n|ö|zie, die; – <griech.> (Bot. Einhäusigkeit, Vorkommen männl. u. weibl. Blüten auf einer Pflanze)“. Verwendet wurde es jetzt anlässlich einer Pressekonferenz der Stadt Wilhelmshaven, und es ging dabei nicht um den Botanischen Garten, sondern um die Krankenhäuser in der Stadt. Zwei gibt es davon, ein städtisches und ein katholisches, und die beiden sollen in den nächsten Wochen fusionieren. Das ist ja auch so eine Art gleichgeschlechtlicher Vereinigungsvorgang mit nachfolgenden Geburtswehen. Jedenfalls ziehen die beiden Krankenhäuser im Sommer dann unter ein Dach, anders ausgedrückt in ein Haus, oder um es mit den Worten der Klinikchefin und des Oberbürgermeisters auszudrücken: Es kommt die Einhäusigkeit. Welch ein schönes Wort. Ich sehe meinen Arbeitskollegen vor mir, der demnächst mit seiner Freundin zusammenziehen will, wie er sie an einem romantischen Abend bei Kerzenschein fragt: „Könntest Du Dir für unsere Zukunft eine Einhäusigkeit vorstellen?“ Und sie haucht: „Ja, ich habe schon lange von Monözie geträumt!“

Tag 27 | Schnee

Wochenenddienst in der Redaktion und erster Schnee in Friesland. Die Leute schicken Fotos, erzählen auf Facebook, was sie alles unternommen haben, wie sehr die Kinder sich freuen. Die Autos fahren, die Leute gehen spazieren, Väter ziehen Schlitten, Familien bauen Schneemänner. Alles geht. Gegen Abend kippt die Stimmung: Sehr besorgt fragen Kids und Eltern, die den ganzen Sonntag schön draußen unterwegs gewesen sind: „Ist morgen Schulausfall?“

Tag 26 | Südzentrale

Fassade Corinna Nickel DSC_0431„In der Stille ruhe ich. Ganz allein. Ich bin ein Zeuge der Zeit. Über 100 Jahre lang sah ich euch zu. Spendete euch Energie und Kraft. Doch jetzt nagt der Zahn der Zeit an mir. Nur ein wenig Schönheit ist mir noch geblieben, nur noch ein wenig Licht durchströmt mich. Helft mir! Ich zerfalle!“ 

Na, neugierig geworden? Am 2. Februar wird in Wilhelmshaven der Film über die Südzentrale, ein vom Verfall bedrohtes wunderschönes Industriedenkmal gezeigt. Hier geht’s zur Ankündung, enthalten ist auch ein Link zu dem Trailer, der auf Youtube zu sehen ist: Südzentrale – der Film

Tag 25 | Werbeblock

Nicht dass es hier in Friesland wirklich jeden Tag nur um Tee, Seehunde, Windmühlen, Kirchenorgeln und Inselfähren ginge. Aber in der Tourismuswerbung können die Klischees gar nicht klischeehaft genug sein, und nett anzuschauen ist es auch. Nicht umsonst steht „Hin und weg“ über dem Video der Deutschen Welle über Ostfriesland: Seehunde, Tee und Windmühlen

Dwelle

Tag 24 | Der Blog

Nun könnte ich es ja machen wie der ADAC und behaupten, tausendzweihundert meiner Leser hätten darüber abgestimmt, ob es in Zukunft „Der Blog“ oder „Das Blog“ heißen soll. Das Ergebnis, 83,33 Prozent für die maskuline Form und nur 16,67 für den sächlichen Artikel, klänge dann total überzeugend. Nun haben aber bis gestern um diese Zeit nur zwölf Leute abgestimmt, deshalb ist der Ausgang der Wahl weder repräsentativ noch bindend. Aber da ich das auch keineswegs erwartet habe, sondern mit Anzahl und Ergebnis vollkommen einverstanden bin, heißt es ab jetzt klar: „Der Friesenblog“. Nicht das und auch nicht die Friesenblog, obwohl jemand meinte, wenn es nach einem bestimmten, offenbar feministisch angehauchten Blogger gehe, müsse es wohl „die Blog“ heißen, das sei dann ein sogenanntes „energisches Femininum“. Da sich diese Aussage nicht binnen 30 Sekunden per Google-Abfrage verifizieren ließ und sich auch durch 60-sekündiges Nachdenken nicht erschloss, was der Ausdruck wohl bedeuten könnte, ist „die“ nun also auch aus dem Rennen. Wär ja auch sonderbar gewesen, auf diese Weise zur Bloggerin zu werden.

Tag 23 | Kameraden

Der unvergessene Ferdinand Heinen, dessen Geburtstag sich Mitte Januar wieder jährte, ging in Jever an bestimmten Tagen nur ungern auf die Straße. Fragte man ihn nach dem Grund, sagte er verschmitzt: „Im Wochenblatt stand, dass beim Schützenverein heute Senioren-Schießen ist.“ Nun erklärt hoffentlich eine Ankündigung der Kyffhäuser-Kameradschaft in einer Wochenblatt-Ausgabe nicht den oft beklagten Mitgliederschwund bei Vereinigungen dieser Art. Da stand nämlich, dass in in Kürze wieder ein Kameraden-Schießen stattfindet.

Tag 22 | Der Die Das

Heute könnt Ihr mal abstimmen. Soll ich in Zukunft das Blog oder der Blog schreiben? Ich mach’s ja mal so, mal so. Die Duden-Rechtschreibung lässt beides zu. Für die Kurzform von Weblog (das Weblog?) oder Logbuch (das, natürlich) wäre der sächliche Artikel angemessen, aber „der Blog“ geht irgendwie leichter über die Zunge, und „das Friesenblog“ klingt doch ehrlich gesagt… Na ja, entscheidet Ihr!

Tag 21 | Plagiat

Am Tag 20 meines ziellos begonnenen Projekts, jeden Tag einen Blogbeitrag zu veröffentlichen, merke ich plötzlich, dass eine alte (pardon, Christine, das ist nicht aufs Lebensalter bezogen) Bloggerfreundin offenbar am 1. Januar genau den gleichen merkwürdigen Vorsatz gefasst hat und nun Tag für Tag ein bisschen von sich preisgibt. Sonderbare Fügung, ich kannte noch nicht einmal ihren neuen Blog „Vintage Family“, nun zählt sie wie ich die Tage des neuen Jahres an den Fingern ab, vielleicht auch nur, bis sie im Laufe des Jahres wieder nach Friesland zieht, wie sie heute verraten hat. Es zwingt uns ja niemand, das durchzuhalten, allenfalls der Ehrgeiz, es meinem Kollegen Christoph Hinz nachzutun, der fünf Jahre lang jeden Morgen eine Katze malte, nachzulesen hier: Der Mann, der zweitausend Katzen malte. Da bleibt viel zu tun. Christines Blog jedenfalls findet Ihr hier: Vintage Family

Tag 20 | Freunde

Die Anbahnung von Kontakten auf Facebook hat ja was Naives. „Willst Du meine Freundin sein?“ – das hat man doch zuletzt als Dreizehnjähriger so gefragt und eine Antwort nach dem Motto „Ohne meinen Alltours sag ich nichts“ bekommen. Außerdem kann kein Mensch 345 Freunde haben. „Willst Du mein Bekannter werden?“ ist allerdings auch keine Option, denn das kann man ja nur als Wildfremder fragen, und wie soll ich bei einem Wildfremden entscheiden, ob mir wirklich behagen würde, seine Bekanntschaft zu machen? Da lob‘ ich mir Twitter. Da ist man einfach Follower, und ich muss niemanden fragen, ob ich ihm folgen darf, ich tue es einfach, und wenn ich es nicht mehr tun werde, wird er es kaum merken, es sei denn, er hätte nur einen Verfolger. Das wäre so, als ob man bei Facebook nur einen Freund hätte. Den sollte man dann aber wirklich nicht im Stich lassen.