Tag 291 | Braun

Manchmal hat man ja so ein Gefühl…

Wenn einmal im Jahr die Einladung zur „Sonnenwendfeier“ in Conneforde in der Redaktion eintrudelt, schmeiße ich sie in den Papierkorb. Nicht weil der Text, den ein Heimatverein schickt, wirklich anstößig wäre oder ich die Leute kennen würde, die so etwas veranstalten. Aber die Anmutung des Flugblatts – das Logo, die Frakturschrift, das Programm, die Heimattümelei, die Berufung auf die überlieferten Bräuche der Germanen und Kelten – ist: irgendwie braun, irgendwie völkisch, irgendwie nazi. Vielleicht tue ich den Veranstaltern damit unrecht, ich war noch nie zur Sonnenwende in Conneforde.

In Conneforde gibt es auch einen Friedhof, eine sogenannte Ahnenstätte. Und die lässt ahnen, dass der Ort im nördlichen Ammerland, hart an der Kreisgrenze zu Friesland, eine beträchtliche Anziehungskraft auf Leute ausübt, deren Kirchenferne und Atheismus aus einer Zeit rührt, die am Ende doch nicht ganz tausend Jahre gedauert hat. Über die „Letzte Ruhe für alte Nazis“ berichtete jetzt Radio Bremen. Dem Image des Dorfes ist es nicht wirklich zuträglich.

Ich glaub‘, ich schmeiß die Einladungen zu den Sonnenwendfeiern auch in Zukunft weg. Und mögen die Heimatfreunde dort noch so harmlos Volkslieder singen und Feuerräder rollen…

Tag 289 | Erinnerung

In der Ehemaligen Jüdischen Schule in Leer ist gestern Abend die Ausstellung „…Kein abgelegener Ort im gantzen Flecken vorhanden ist…“ über 340 Jahre jüdische Geschichte in Leer eröffnet worden. Bis zum 31. Januar ist sie in der Gedenk- und Begegnungsstätte zu sehen. Die Ausstellung ist Donnerstag bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen sind nach Vereinbarung möglich.

Die vom Stadtarchiv unter der Leitung von Menna Hensmann konzipierte Ausstellung beleuchtet das jüdische Gemeindeleben der Stadt Leer von den Anfängen bis zur Auslöschung jüdischen Lebens. Im Rahmen des Themenjahres „Land der Entdeckungen – Reise ins jüdische Ostfriesland“ im Jahr 2013 wurde diese Ausstellung erstellt und bereits im Historischen Rathaus der Stadt Leer gezeigt.

Die Ausstellung vermittelt einen Überblick und beginnt mit den Anfängen jüdischen Lebens durch die Nennung jüdischer Einwohner in den „Schatzungslisten“ im 17. Jahrhundert. Neben dem ersten Gebetshaus und den drei Leeraner Synagogen werden ebenfalls die unterschiedlichen Standorte der damaligen jüdischen Schulen dargestellt. Thematisiert werden relevante gemeindliche Strukturen sowie gemeindliche Diskussionen wie beispielsweise um den Missionsversuch durch die christliche Mehrheit aus dem Jahr 1748.

Jüdische Bürger waren Bestandteil des sozialen und gesellschaftlichen Lebens und auf wirtschaftlicher Ebene besonders im Viehhandel tätig. Sie verstanden sich als Ostfriesen und sprachen Plattdeutsch.

Mit der Zerstörung der Synagoge in der Heisfelder Straße am 9. November 1938 wurde die Auslöschung jüdischen Lebens in Leer deutlich, die zwei Jahre später in der Auflösung der „Jüdischen Kultusvereinigung Synagogengemeinde Leer“ gipfelte. Heute erinnern nur noch wenige sichtbare Spuren an jüdische Bürger der Stadt und an die einstige Israelitische Kultusgemeinde in Leer.

Ehemalige Jüdische Schule | Ubbo-Emmius-Straße 12 | 26789 Leer | Telefon 0491 999208-32 | Mail juedische.schule@lkleer.de

Tag 288 | Geschichte

Oldenburg„Oldenburg, ein starkes Stück Niedersachsen mit einer spannenden Geschichte“, so umriss Landschaftspräsident Thomas Kossendey den Inhalt des neuen Buches: Das Oldenburger Land ist bis heute eine feste Größe, wenn es um die regionale Identität der Oldenburgerinnen und Oldenburger geht. Fester Bestandteil und Grundlage der oldenburgischen Identität ist die oldenburgische Geschichte. Die jetzt erschienene „Geschichte des Oldenburger Landes“ versteht sich als leicht lesbare und gut verständliche Darstellung des jüngeren Abschnitts der oldenburgischen Landesgeschichte sowie verschiedener wichtiger oldenburgischer Institutionen.

„Es war uns ein Anliegen, dass das Buch zwar auf wissenschaftlichen Grundlagen fußt, gleichzeitig aber verständlich bleibt. Wir wollen eine breite Leserschaft damit erreichen und ich bin mir sicher, dass uns das gelingen wird“, erläutert Kossendey die Intention des Bandes.

Die Zeit seit 1773/74, also die Zeit des Herzogtums, des Großherzogtums und des Freistaates Oldenburg, der 1946 im Land Niedersachsen aufgegangen ist, waren prägende Jahre für das Oldenburger Land. Diesem Zeitraum ist die „Geschichte des Oldenburger Landes“ gewidmet.

Die sieben Autoren beleuchten dabei ganz unterschiedliche Aspekte: Jörgen Welp umreißt „Die territoriale Entwicklung des Oldenburger Landes“ von der Grafenzeit an bis ins 20. Jahrhundert. Andreas Lombard behandelt „Haus und Land. Das Herzogtum und Großherzogtum Oldenburg von 1773 bis 1918“ und damit die Zeit, in der das Haus Holstein-Gottorp Oldenburg regierte. Huno Herzog von Oldenburg stellt „Die russische Nebenlinie des Hauses Oldenburg und weitere Mitglieder Angehörigen des Hauses in russischen Diensten“ vor, wobei die engen Beziehungen der Oldenburger zu Russland deutlich werden. Albrecht Eckhardt stellt unter dem Titel „Vom Großherzogtum zum niedersächsischen Verwaltungsbezirk. Das Land Oldenburg 1918-1946“ die Geschichte des Freistaats Oldenburg dar. Burkhard Beyer schreibt zum Thema „Ganz ohne Eile. Die Eisenbahnen des Großherzogtum Oldenburg“ und widmet sich damit einem Stück oldenburgischer Verkehrsgeschichte. Der Beitrag von Peter Betthausen heißt „Der Oldenburger Klassizismus. Ein kaum bekanntes Kapitel deutscher Architekturgeschichte“ und befasst sich damit mit einem bedeutenden Gesichtspunkt oldenburgischer Kulturgeschichte. Thomas Hellmold schließlich schreibt über „Was vom Großherzogtum Oldenburg übrigblieb. Banken, Versicherungen und Wirtschaftskammern“. Hier stellt er Wirtschaftsunternehmen vor, deren Wurzeln weit in die oldenburgische Geschichte zurückreichen.

Der Band ist hochwertig ausgestattet. Unter den Abbildungen finden sich auch bislang unveröffentlichte Staatsporträts Oldenburger Herzöge und Großherzöge.

Die Drucklegung haben private Spender anlässlich des 75. Geburtstages von Landschafts-Ehrenpräsident Horst-Günter Lucke, von dem auch die Anregung zu diesem Buch kam, sowie die Bremer Landesbank Kreditanstalt Oldenburg, die Landessparkasse zu Oldenburg, die Öffentlichen Versicherungen Oldenburg und die Oldenburgische Landesbank dankenswerterweise unterstützt. Die Unterstützung kam damit von Oldenburgern für Oldenburger.

Geschichte des Oldenburger Landes. Herzogtum, Großherzogtum, Freistaat. Herausgegeben von Jörg Michael Henneberg und Horst-Günter Lucke im Auftrag der Oldenburgischen Landschaft, 290 S., zahlreiche Abbildungen, Hardcover, Aschendorff Verlag, Münster 2014, ISBN 978-3-402-12942-5, Preis: 24,80 €.

Tag 287 | Teemuseum

Das Teemuseum im alten Rathaus von Norden. Foto: Deutscher Teeverband
Das Teemuseum im alten Rathaus von Norden.
Foto: Deutscher Teeverband

In Ostfriesland, der Wiege der deutschen Teekultur, wird am 18. Oktober nach umfangreicher Sanierung die Wiedereröffnung des Teemuseums in der Stadt Norden gefeiert. Gefolgt von einem „Tag der Offenen Tür“ am 19. Oktober und rechtzeitig zum 25-jährigen Jubiläum ist das Museum um eine Attraktion reicher. „Mit der vollständigen Sanierung des Historischen Rathauses, dem Kernbau des Teemuseums, eröffnen wir die „Erlebniswelt ostfriesische Teekultur“. Spielerisch und multimedial wird sich die Ausstellung im ersten Spezialmuseum zur Kulturgeschichte des Tees in Europa ganz modern präsentieren“, so Dr. Matthias Stenger, Leiter und Initiator der neu konzipierten Dauerausstellung. Das Teemuseum, das 1989 zum ersten Mal seine Tore öffnete, zog bereits mehr als eine halbe Million Besucher/innen aus dem In- und Ausland an. Ausgehend von der ostfriesischen Teekultur eröffnet das Teemuseum in Norden jetzt ungekannte, faszinierende Einblicke in die weltumspannende Kultur des Teetrinkens.

Das Ostfriesische Tee-Museum zeigt mit einer Gesamtausstellungsfläche von 1.200 Quadratmetern als Kompetenzzentrum die Produktionskette vom Anbau der Teepflanze, über Ernte und Verarbeitung, bis zum fertigen Handelsprodukt. Kernthema ist der echte Ostfriesische Tee und die regionale Teekultur, die seit über 400 Jahren zu dem Land am Meer gehört. Rund um die Uhr wird dort die kräftige „Echte Ostfriesische Mischung“ genossen, die überwiegend Assam-Tee enthalten muss. Minimum drei Tassen genießt der Ostfriese pro „Teetied“, traditionell mit Kandis und Sahne, und schafft es dabei auf stolze 300 Liter pro Jahr und Kopf – zehnmal so viel wie der Deutsche im Durchschnitt trinkt. Zeremonie und Brauchtum dieser kulinarischen Besonderheit werden anschaulich dargestellt und erläutert. Aber auch, wie eng die Geschichte der Stadt Norden mit dem Überseehandel verbunden ist, welche Auswirkungen der Tee auf die Wirtschaft und Lebensart der Region hatte und warum heute  über Deutschland hinaus die „Echte Ostfriesische Mischung“ ein Begriff ist, darüber informiert das Museum auf vielfältige Weise.

Vom Stövchen bis zur Kulturveränderung

Tee richtig genießen - auch ein Teema im Teemuseum. Foto: Deutscher Teeverband
Tee richtig genießen – auch ein Teema im Teemuseum.
Foto: Deutscher Teeverband

Das Thema Tee wird von allen Seiten beleuchtet: In einem Werkstattraum kann man nachvollziehen, wie Porzellan das typische Rosendekor erhält, wie ein Stövchen entsteht und welch herausragende Arbeit die regionalen Silberschmiede geleistet haben. Weiter geht´s mit dem Vergleich des Tees mit anderen weitgereisten Genussmitteln: Kakao, Tabak und Kaffee kommen nicht zu kurz. Es werden die Unterschiede und Gemeinsamkeiten, der Einfluss auf höfische und bürgerliche Kultur, auf Gesundheit und Krankheit diskutiert.

Interaktiv und kreativ

Ein neues Highlight ist der vielfältig nutzbare Aktionsraum. Hier gibt es „Geschichte zum Anfassen“ für Klein und Groß. Schulklassen können  kreativ werden, ganze Tage oder auch mal eine „Nacht im Museum“ verbringen und dabei spielerisch lernen, was es an Außergewöhnlichem und Bestaunenswertem in der Geschichte des Tees zu entdecken gibt.

www.teemuseum.de

Tag 281 | Adel

Ja Leute, schon klar, der Adel ist abgeschafft. Und interessiert keinen mehr, deshalb haben ja die Hochzeiten und Beisetzungen derer von und zu im Fernsehen so schlechte Einschaltquoten. Die Überschrift Königliche Hoheit zu meinem Blogeintrag von gestern über das neue Buch zur Geschichte des Oldenburger Landes war ja auch nur ein Schmankerl. Und nur deshalb gewählt, weil in der Veranstaltung der Oldenburgischen Landschaft die drei anwesenden Vertreter des Hauses Oldenburg, Caroline Herzogin von Oldenburg, Huno Herzog von Oldenburg und Felicitas Herzogin von Oldenburg (das sind ihre Namen, nicht ihre Titel), von den Rednern durchweg mit „Königliche Hoheit“ (im Falle der Caroline) und mit „Hoheit“ (im Falle der beiden anderen) angesprochen wurden. Ob das noch zeitgemäß ist, ob sich das „so gehört“, ob es verboten werden sollte, darüber lässt sich munter streiten. Die große Anteilnahme, mit der Oldenburg vor wenigen Tagen vom Verstorbenen Anton Günther Herzog von Oldenburg Abschied genommen hat, zeigt allerdings, dass der Adel beim „Volk“ auch fast hundert Jahre nach seiner offiziellen Abschaffung ein Ansehen genießt, das manchem republikanisch Gesinnten doch zu schaffen macht. Ein entschiedener Gegner jeglicher Adelsromantik hat sich übrigens hier zu Wort gemeldet: Ralf Möbius – lesenswert.

Tag 280 | Königliche Hoheit

Buchpräsentation mit  Herausgeber Horst-Günter Lucke, Mitautor Dr. Albrecht Eckhardt, Caroline Herzogin von Oldenburg und Thomas Kossendey, Präsident der Oldenburgischen Landschaft. Foto: Helmut Burlager
Buchpräsentation mit Herausgeber Horst-Günter Lucke, Mitautor Dr. Albrecht Eckhardt, Caroline Herzogin von Oldenburg und Thomas Kossendey, Präsident der Oldenburgischen Landschaft. Foto: Helmut Burlager

Hatte heute übrigens einen Termin mit der neuen First Lady des Oldenburger Fürstenhauses. Caroline Herzogin von Oldenburg nahm in einer Veranstaltung des Oldenburgischen Landschaft das erste Exemplar eines neuen Buches über die Geschichte des Oldenburger Landes entgegen. Caroline (53) , geborene Gräfin von Rantzau, ist die Ehefrau des neuen Familienoberhauptes der Adelsfamilie, Christian Herzog von Oldenburg. Dessen Vater, Anton Günther Herzog von Oldenburg, war am 20. September verstorben und am 4. Oktober in Oldenburg beigesetzt worden.

Die Buchneuerscheinung, herausgegeben von Jörg Michael Henneberg und Horst-Günter Lucke mit Beiträgen von sieben Autoren, geht auch auf die lange Geschichte des Oldenburger Fürstenhauses ein, das laut Wikipedia zu den bedeutendsten Geschlechtern des regierenden europäischen Hochadels gehört. Die Kurzfassung zur Familiengeschichte gibt es auf Wikipedia . Einen Bericht über die Buchvorstellung morgen im Jeverschen Wochenblatt.

Das mag dann Appetit machen auf mehr: „Geschichte des Oldenburger Landes. Herzogtum, Großherzogtum, Freistaat.“ 290 Seiten, Hardcover, Aschendorff Verlag Münster 2014. ISBN 978-3-402-12942-5, Preis 24,80 Euro.

Tag 273 | Autostadt

Screenshot 2014-09-30 17.01.44Das waren noch Zeiten, als in Varel Autos hergestellt wurden. Die Stadt war auf dem Weg, zur Hochburg des Automobilbaus zu werden. Irgendwie ist es dann anders gekommen. Interessante Reportage bei Radio Bremen.

Ein Stück Automobilgeschichte

Der Hörfunk-Beitrag

Tag 269 | Ehrung

Landrat Sven Ambrosy hat den pensionierten Oberstudienrat Hartmut Peters (rechts) am Donnerstagabend mit der Frieslandmedaille für seine Verdienste um die Erforschung der NS-Vergangenheit des Jeverlandes geehrt.  Foto: Helmut Burlager
Landrat Sven Ambrosy hat den pensionierten Oberstudienrat Hartmut Peters (rechts) am Donnerstagabend mit dem Frieslandtaler für seine Verdienste um die Erforschung der NS-Vergangenheit des Jeverlandes geehrt.
Foto: Helmut Burlager

Das hätte er sich vor 30 Jahren auch nicht träumen lassen, dass er, der damals mit seinen Forschungsarbeiten zur NS-Geschichte des Jeverlandes und zur Verfolgung der Juden in der Nazizeit die Kleinstadtgesellschaft von Jever aufmischte, eines Tages mit der höchsten Auszeichnung geehrt werden würde, die der Landkreis Friesland zu vergeben hat. Hartmut Peters, Oberstudienrat i.R., ist am Donnerstagabend der Frieslandtaler verliehen worden. Der Landkreis würdigt damit seine Verdienste um die Aufarbeitung eines düsteren Kapitels der Regionalgeschichte. An diesem Wochenende wird am Ort der früheren Synagoge in Jever das Gröschler-Haus eingeweiht, ein Dokumentationszentrum und außerschulischer Lernort mit einer Ausstellung, die sich weitgehend auf Peters‘ Forschungen und die Arbeit der Schülergruppe fußt, die sich in den Achtzigerjahren daran machte, die NS-Vergangenheit offenzulegen. Ein  Bericht über die Ehrung am Sonnabend im Jeverschen Wochenblatt. Das Porträt von Hartmut Peters, das aus Anlass seiner Verabschiedung vom Mariengymnasium entstand, ist hier nachzulesen.

Tag 227 | Offener Brief

Graffiti und Löcher in Dach und Fenstern tun der Schönheit des Jugendstilgebäudes keinen Abbruch. Foto: Imke Zwoch
Graffiti und Löcher in Dach und Fenstern tun der Schönheit des Jugendstilgebäudes keinen Abbruch. Foto: Imke Zwoch

In einem offenen Brief wirbt Horst von Bassewitz, Architekt und Vorsitzender der Wissenschaftlichen Kommission der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, beim Wilhelmshavener Oberbürgermeister Andreas Wagner eindringlich für den Erhalt der Südzentrale in Wilhelmshaven. Gerade in einer von den Verlusten des Zweiten Weltkrieges so stark betroffenen Stadt dürfen die noch erhaltenen Geschichtszeugnisse nicht aufgegeben werden. Die Südzentrale entstand 1908-12 neben der Kaiser-Wilhelm-Brücke als Energieversorgungszentrale für den wachsenden Hafen Wilhelmshaven.

Von Bassewitz appelliert an die gesamtgesellschaftliche Verantwortung der Politik und fordert diese auf „weitere Planungsschritte und politische Entscheidungen grundsätzlich im Bewusstsein der Achtung vor den Leistungen und Entscheidungen ihrer Vorgänger zu treffen“. Die intensiven und engagierten Diskussionen der Bürgergesellschaft über den Umgang mit dem historischen Erbe dürften bei den Entscheidungen der Kommune nicht unberücksichtigt bleiben.

Das bereits 1994 vom Bund an private Investoren verkaufte Gebäude ist seither dem Verfall preisgegeben. Alle bisherigen Pläne zur Erhaltung scheiterten, die Stadt Wilhelmshaven sieht sich nicht in der Lage, das Kraftwerk zu übernehmen. Die BGI Unternehmens- und Immobilienbeteiligungs GmbH in Ibbenbüren will das Gebäude nun abreißen und das Gelände neu entwickeln. Für eine gewerbliche Nutzung ist eine Bebauungsplanänderung für das derzeitige Sondergebiet Hafen notwendig.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu der wohl größten privaten Initiative in der Denkmalpflege in Deutschland entwickelt. Nur dank des großen bürgerschaftlichen Vertrauens kann sie ihren wichtigen Beitrag zum Erhalt des kulturellen Erbes und zur Bewusstseinsbildung für die Denkmalpflege leisten.

Hier der Brief im Wortlaut

Tag 215 | 1914

Hundert Jahre, verdammt lang her. Aber mein Großvater zum Beispiel war erst 15 Jahre alt, als der Erste Weltkrieg begann. Er war zu jung, um mitzukämpfen im „großen Krieg“, wie ihn die Franzosen bis heute nennen. Wenn es von seinen Kriegserlebnissen in Frankreich erzählte, dann vom Zweiten Weltkrieg, der ihn bis an den Golf von Biscaya brachte. Wenn ich heute einmal im Jahr nach Frankreich reise, erinnern mich zwei Schilder an der Autobahn immer kurz an den Schrecken dieser ersten Katastrophe, die vor hundert Jahren ihren Lauf nahm. An der Abfahrt Verdun und bei der Überquerung des Flusses Marne befällt mich jedes Mal ein Gefühl der Beklommenheit. Was für historische Orte. Erst recht in dem Jahr, in dem sich das zum hundertsten Mal jährt. Sonderbar, gerade jetzt in Frankreich zu sein. Die Zeitungen hier sind übrigens voll davon. Vom Ersten Weltkrieg. Und von der deutsch-französischen Freundschaft.