Bismarck und Jever – eine besondere Geschichte

Die Getreuen von Jever feiern den Geburtstag des „Eisernen Kanzlers“ Fürst Otto von Bismarck in jedem Jahr am 1. April mit einem Kommers. In diesem Jahr gibt es ein besonderes Jubiläum: Der erste Reichskanzler des Deutschen Reiches, dessen Gründung er selbst vorangetrieben hatte, wurde nämlich vor genau 200 Jahren, am 1. April 1815, in Schönhausen an der Elbe  (Sachsen-Anhalt) geboren. Der Stammtisch der Getreuen von Jever, der auf eine ebenfalls schon 143-jährige Tradition zurückblickt, plant aus Anlass des runden Geburtstages eine Reihe von Veranstaltungen.

Die Bismarck-Tradition in Jever rührt aus Geschenken, die die „Getreuen“ und der „Eiserne Kanzler“ sich gegenseitig machten. Alljährlich sandte der Stammtisch dem Politiker, der ein Genießer war, 101 Kiebitzeier. Bismarck revanchierte sich 1883 mit einem edlen Kiebitz-Pokal, der bis heute jährlich am Geburtstag des „Eisernen Kanzlers“ mit edlem Wein gefüllt die Runde macht.

Vor genau 100 Jahren wollten die Getreuen ihrem Idol am Ortseingang von Jever mit der „Bismarckwarte“ ein grandioses Denkmal setzen. Der Plan scheiterte am Ausbruch des Weltkrieges. Mehr dazu im Friesenblog: Heldenverehrung ist passé

Tag 325 | Heimat

Ein Almanach (mittelniederl. almanag aus mittellatein. almanachus = (astronomisches) Jahrbuch von der arabischen Wurzel منح manaḥa) ist eine periodische, meist einmal im Jahr erscheinende Schrift zu einem thematisch abgegrenzten Fachbereich. Der Duden unterscheidet zwischen einem (früheren) Gebrauch mit einem Kalender verbundene bebilderte Sammlung von Texten aus verschiedenen Sachgebieten wie der Belletristik, Theater, Mode, Reisen und ähnlichem sowie einem aus besonderem Anlass oder aus Werbegründen veröffentlichter Querschnitt aus der Jahresproduktion eines Verlages.

rectangle_heimatkalenderDas war Wikipedia. Ostfriesisches Almanach nennt sich im Untertitel der Harlinger Heimatkalender, und aus der Wikipedia-Definition darf man sich in diesem Fall herausgreifen, dass es sich um eine „mit einem Kalender verbundene bebilderte Sammlung von Texten aus verschiedenen Sachgebieten“ handelt. Im 66. Jahrgang erscheint das Kalendarium aus dem Brune-Mettcker-Verlag in Wittmund inzwischen. Und neben kalendarischen Informationen, die man nicht überall findet, zum Beispiel dass der 15. Oktober der Gedenktag der Hedwig von Schlesien ist, bietet der Heimatkalender wieder eine Vielzahl historischer Informationen. Karl-Heinz de Wall hat „Historische Notizen“ aus der Gemeinde Friedeburg beigesteuert, Gerd Rokahr schribt über Sinti und Roma in Esens, Ude Hangen über 250 Jahre Friedrichsgroden und Friedrichsschleuse. Ein kleines Porträt des ostfriesischen Politikers Jann Berghaus verfasste Martin Stolzenau. Axel Heinz erinnert an untergegangene Marschendöfer im Watt vor Bensersiel. Einen Kunstschatz in der Burg Edenserloog, nämlich einen Fayence-Kachelofen, beschreibt Ulrich Cramer. Rainer Hinrichs stellt das Neudorfer Grashaus bei Buttforde vor und Rolf Adert erzählt, wo das „Alte Tief“ durch Wittmund verlief. Detlef Kiesé, der den Kalender auch redigiert,hat über die fast vergessene Industrie der Muschelkalkwerke in Ostfriesland geforscht und beschreibt das Muschelkalkwerk in Esens. Der Erste Weltkrieg, der vor hundert Jahren den Kontinent erschütterte, hatte seine Auswirkungen bis in die einsamsten ostfriesischen Dörfer. Davon berichtet Rainer Hinrichs.

Ein besonderes Nachschlagwerk beschließt den Kalender. Von Landkreis, Städten und Gemeinden über Schulen, Kirchen und Gerichten bis zu Vereinen und Verbände im Harlingerland und darüber hinaus sind Namen, Anschriften, Telefonnummern und etliche weitere Informationen über die wichtigsten Institutionen der Region aufgelistet. Das erspart manche schwierige Suche in Telefonbuch, Adressbuch oder im Internet. Dass der Heimatkalender traditionell mit dem Trächtigkeitskalender endet, unterstreicht seine Bedeutung für eine sehr ländliche Region.

Der Kalender kostet 5,95 Euro, bestellen kann man ihn hier (zuzüglich 4  Euro Versandkosten). Es gibt ihn auch in den Geschäftsstellen des Anzeiger für Harlingerland und des Jeverschen Wochenblatts sowie im regionalen Buchhandel.

Tag 315 | Geteilt

Passierschein für den Übertritt vom griechischen in den türkischen Teil der geteilten zyprischen Hauptstadt Nikosia. Foto: Helmut Burlager
Passierschein für den Übertritt vom griechischen in den türkischen Teil der geteilten zyprischen Hauptstadt Nikosia.
Foto: Helmut Burlager

Nach 25 Jahren bin ich vor wenigen Tagen wieder in einer geteilten Hauptstadt gewesen: in Nikosia. Um vom griechisch-zyprischen Südtteil der Stadt in den türkischen Norden zu kommen, muss man durch die Ausweiskontrolle und bekommt einen Passierschein, der bei der „Wiedereinreise“ erneut kontrolliert wird – wie einst in Berlin beim Wechsel von der Bundesrepublik in die DDR und zurück. Die Kontrollen sind allerdings lax. Nikosia ist die Hauptstadt der Republik Zypern und zugleich Hauptstadt der Türkischen Republik Nordzypern, die 1974 nach dem Einmarsch der türkischen Streitkräfte faktisch entstand und 1983 offiziell ausgerufen, bis heute aber von der internationalen Staatengemeinschaft nicht anerkannt worden ist. Die Stadt wird durch eine Grüne Linie (Green Line) geteilt. Friedenstruppen der Vereinten Nationen, die United Peacekeeping Forces in Cyprus (UNFICYP), bewachen die in der Stadt nur meist wenige Meter breite Pufferzone zwischen den beiden Teilen Zyperns. Mehrere hundert Soldaten aus zahlreichen Ländern sind auf Zypern zur Friedenssicherung im Einsatz, obwohl es schon seit Langem nicht mehr zu gewalttätigen Konflikten gekommen ist und die Grenze im Prinzip durchlässig ist – bis auf besagte Personenkontrollen.

Tag 313 | Mauerfall

Und weil ja heute jeder erzählen muss, was er vor genau 25 Jahren gemacht hat, als abends die Mauer fiel: Ich saß drüben und konnte nicht rüber. Habe nur im Fernsehen staunend und ungläubig verfolgt, was sich auf der anderen Seite tat. Auf der anderen Seite des Wassers. Ich war mit meinem damals sechsjährigen jüngsten Sohn im Kurzurlaub in einer Ferienwohnung auf Wangerooge. An Spaziergänge und Inselwanderungen war am nächsten Tag nicht mehr zu denken. Ich hing nur noch vor der Glotze, wie die meisten, die nicht in unmittelbarer Nähe zur innerdeutschen Grenze lebten. Vergessen wird man diese Tage nie.

Tag 297 | Genozid

Das Leid der Yeziden

Von Ludger Heuer

Die Yeziden sind Leid gewöhnt, ihr Volk habe in den letzten siebenhundert Jahren 73 Verfolgungen erlitten. Das erklärte Süleyman Kaya, Mitglied des Zentralrats der Yeziden in Deutschland, gestern dem evangelisch-lutherischen Bischof Jan Janssen und Weihbischof Heinrich Timmerevers bei ihrem Besuch im Yezidischen Forum.  „Doch diese Verfolgung durch den IS wird unser Volk wohl nicht überleben“, befürchtete er. Zu groß seien die Verluste und bestialischen Abschlachtungen durch die Gotteskrieger. Die Yesiden hätten keine Infrastruktur mehr. „Das, was unser Volk jetzt erleben muss, ist unvorstellbar“, bekräftigte auch Sahap Dag, Vorsitzender des Yezidischen Forums in Oldenburg, der kürzlich von einer Fahrt mit Hilfsgütern aus Flüchtlingslagern im Nordirak zurückgekommen ist. Den Gästen gingen die Schilderungen spürbar unter die Haut.

Süleyman Kaya und Sahap Dag dankten Weihbischof Heinrich Timmerevers (von links) und Bischof Jan Janssen für ihren Besuch im Yezidischen Forum Oldenburg. Hanan Ravo Ali, Falah Hasan Khudida und Salah Hasan Khudida schilderten ihre Flucht aus dem Sinjar-Gebirge. Foto: Ludger Heuer
Süleyman Kaya und Sahap Dag dankten Weihbischof Heinrich Timmerevers (von links) und Bischof Jan Janssen für ihren Besuch im Yezidischen Forum Oldenburg. Hanan Ravo Ali, Falah Hasan Khudida und Salah Hasan Khudida schilderten ihre Flucht aus dem Sinjar-Gebirge. Foto: Ludger Heuer

„Die Flüchtlinge leben dort auf engsten Raum“, schilderte Sahap Dag. Im nordirakischen  Dahuk, das noch von Kurden gehalten wird, hätten tausende Yeziden Zuflucht gesucht.  Sie leben in halbfertigen Betonhäusern, ohne Sanitärversorgung, Fenster und Türen. In einem Gebäude habe er 262 Familien gezählt. Pro Familie gibt es fünf Quadratmeter, für zehnköpfige Familien vier Matratzen, mit aufgehängten Tüchern versuchen sie etwas Privatsphäre zu schaffen. Er habe bei seinem Besuch gar nicht gewusst, wo er anfangen sollte, erzählte Dag aufgewühlt.

Auf der Flucht vor dem IS-Terror hätten sich viele Tausende Yeziden – ihre Zahl wird auf bis zu 10.000 geschätzt – in das nordirakische Sinjar-Gebirge geflüchtet. Ohne Waffen, Lebensmittel und Wasser  säßen sie dort aber buchstäblich in der Falle. „Wir haben die Amerikaner und andere Nationen in den letzten Wochen immer wieder um militärisches Eingreifen gebeten“, erklärte Holger Geissler, Sprecher der Yeziden, mit schwerer Stimme. Jetzt sei es im Westen des Gebirges schon zu spät, weil IS-Kämpfer in die Berge eindringen und keine Front mehr existiere, die bombardiert werden könne. Geissler befürchtet in den nächsten Tagen ein grausames Massaker an den Yeziden. Diese Menschen sollten wenigstens die Chance erhalten sollten, selbstbestimmt zu sterben, um nicht von IS-Kämpfern geköpft zu werden, forderte er. Von den Perschmerga-Milizen, klagte er, komme keine Hilfe. Wenige Minuten, bevor er den Bischöfen davon berichtete, hatte er noch von Kämpfern aktuelle Nachrichten aus dem Gebirge erhalten: „Es fehlt nicht mehr viel, die IS-Kämpfer sind nur noch wenige hundert Meter von uns entfernt“, stand in einer SMS.

Gerade noch diesem Hexenkessel entronnen sind Hanan Ravo Ali (18) und ihr Mann Falah Hasan Khudida (20). Zusammen mit Salah, dem minderjährigen Bruder von Hanan, gelang ihnen die Flicht nach Deutschland. Seit wenigen Wochen leben sie in der Sicherheit einer oldenburger Flüchtlingsunterkunft. „Wer ein Auto hatte, floh in die Türkei“, berichteten sie völlig traumatisiert. Wer keins hatte, ging in die Berge. Ihre Eltern und weitere siebzig Familienmitglieder haben sie zurück gelassen. Das junge Ehepaar muss damit rechnen, keinen wieder lebend zu sehen. Andere Yeziden berichteten unter Tränen vom Schicksal anderer Familienangehöriger: von einer hundertfach vergewaltigten Frau, von Zerstückelungen Wehrloser mit dem Schwert oder von Enthauptungen.

„Es ist schon etwas anderes, schnelle Fernsehbilder zu sehen oder Menschen vor sich zu haben, die gerade ihre Flucht hinter sich haben“, meinte Weihbischof Timmerevers tief berührt. „Ihre Berichte sind mir unter die Haut gegangen und ich bin überzeugt davon, dass die Öffentlichkeit viel mehr darüber erfahren muss“. Ähnlich erging es Bischof Janssen. „Menschen des mittleren Ostens sind unsere Nachbarn und Nächstenliebe endet nicht an der Konfessionsgrenze“, sagte er. „Wir alle müssen zum Lautsprecher für diese Menschen werden, die es noch geschafft haben, dem Terror zu entkommen und jenen, die es nicht mehr schaffen.“ Er dankte den Yeziden dafür, dass sie überhaupt die Kraft hätten, darüber zu berichten. Die internationale Gemeinschaft müsse den Flüchtlingen im Irak und Syrien Schutzräume bieten, forderte er. Außerdem riefen die Bischöfe die deutschen Behörden und die Bundesregierung dazu auf, unbürokratisch menschenfreundliche Hilfe für die schwer gezeichneten Flüchtlinge zu leisten und Familienzusammenführung zu ermöglich. „Es geht um die Humanisierung unserer Gesellschaft“, sagte Janssen.

Denn da sei noch viel möglich, hatte Yeziden-Sprecher Geissler zuvor erklärt. Die lokalen Politiker würden sich zwar immer wieder für das Schicksal von Flüchtlingen einsetzen, doch sie hätten zu wenig Einfluss. Und während Bremen und Baden-Württemberg inzwischen auf eine Erklärung der Kostenübernahme von hier lebenden Verwandten verzichten, die bislang als Vorbedingung für die Einreise von Flüchtlingen galt, und Baden-Württemberg zusätzlich zum Flüchtlingskontingent geschändete Frauen und ihre Kinder aufnehme, fehlten seitens der Bundesregierung und der niedersächsischen Landeregierung entsprechende Zusagen.
„Wir brauchen Ihre Hilfe“, unterstrich Sahap Dag, der sich über den Besuch der Bischöfe sehr freute und ihnen herzlich dafür dankte. In einige Flüchtlingscamps hätten die Yeziden aus Deutschland gute Kontakte. Angesichts des drohenden kalten Winters wollen sie jetzt warme Kleidung und Hilfsgüter sammeln und dorthin bringen. Beide Bischöfe appellierten an die Bevölkerung, sich mit Geld und neuwertigen Sachspenden an den Hilfsmaßnahmen zu beteiligen. „Die Menschen sind auf unsere Hilfe angewiesen“, betonten sie.

(Der Autor Dr. Ludger Heuer ist Pressesprecher des Bischöflich Münsterschen Offizialats der katholischen Kirche in Vechta)

Tag 291 | Braun

Manchmal hat man ja so ein Gefühl…

Wenn einmal im Jahr die Einladung zur „Sonnenwendfeier“ in Conneforde in der Redaktion eintrudelt, schmeiße ich sie in den Papierkorb. Nicht weil der Text, den ein Heimatverein schickt, wirklich anstößig wäre oder ich die Leute kennen würde, die so etwas veranstalten. Aber die Anmutung des Flugblatts – das Logo, die Frakturschrift, das Programm, die Heimattümelei, die Berufung auf die überlieferten Bräuche der Germanen und Kelten – ist: irgendwie braun, irgendwie völkisch, irgendwie nazi. Vielleicht tue ich den Veranstaltern damit unrecht, ich war noch nie zur Sonnenwende in Conneforde.

In Conneforde gibt es auch einen Friedhof, eine sogenannte Ahnenstätte. Und die lässt ahnen, dass der Ort im nördlichen Ammerland, hart an der Kreisgrenze zu Friesland, eine beträchtliche Anziehungskraft auf Leute ausübt, deren Kirchenferne und Atheismus aus einer Zeit rührt, die am Ende doch nicht ganz tausend Jahre gedauert hat. Über die „Letzte Ruhe für alte Nazis“ berichtete jetzt Radio Bremen. Dem Image des Dorfes ist es nicht wirklich zuträglich.

Ich glaub‘, ich schmeiß die Einladungen zu den Sonnenwendfeiern auch in Zukunft weg. Und mögen die Heimatfreunde dort noch so harmlos Volkslieder singen und Feuerräder rollen…

Tag 289 | Erinnerung

In der Ehemaligen Jüdischen Schule in Leer ist gestern Abend die Ausstellung „…Kein abgelegener Ort im gantzen Flecken vorhanden ist…“ über 340 Jahre jüdische Geschichte in Leer eröffnet worden. Bis zum 31. Januar ist sie in der Gedenk- und Begegnungsstätte zu sehen. Die Ausstellung ist Donnerstag bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen sind nach Vereinbarung möglich.

Die vom Stadtarchiv unter der Leitung von Menna Hensmann konzipierte Ausstellung beleuchtet das jüdische Gemeindeleben der Stadt Leer von den Anfängen bis zur Auslöschung jüdischen Lebens. Im Rahmen des Themenjahres „Land der Entdeckungen – Reise ins jüdische Ostfriesland“ im Jahr 2013 wurde diese Ausstellung erstellt und bereits im Historischen Rathaus der Stadt Leer gezeigt.

Die Ausstellung vermittelt einen Überblick und beginnt mit den Anfängen jüdischen Lebens durch die Nennung jüdischer Einwohner in den „Schatzungslisten“ im 17. Jahrhundert. Neben dem ersten Gebetshaus und den drei Leeraner Synagogen werden ebenfalls die unterschiedlichen Standorte der damaligen jüdischen Schulen dargestellt. Thematisiert werden relevante gemeindliche Strukturen sowie gemeindliche Diskussionen wie beispielsweise um den Missionsversuch durch die christliche Mehrheit aus dem Jahr 1748.

Jüdische Bürger waren Bestandteil des sozialen und gesellschaftlichen Lebens und auf wirtschaftlicher Ebene besonders im Viehhandel tätig. Sie verstanden sich als Ostfriesen und sprachen Plattdeutsch.

Mit der Zerstörung der Synagoge in der Heisfelder Straße am 9. November 1938 wurde die Auslöschung jüdischen Lebens in Leer deutlich, die zwei Jahre später in der Auflösung der „Jüdischen Kultusvereinigung Synagogengemeinde Leer“ gipfelte. Heute erinnern nur noch wenige sichtbare Spuren an jüdische Bürger der Stadt und an die einstige Israelitische Kultusgemeinde in Leer.

Ehemalige Jüdische Schule | Ubbo-Emmius-Straße 12 | 26789 Leer | Telefon 0491 999208-32 | Mail juedische.schule@lkleer.de

Tag 288 | Geschichte

Oldenburg„Oldenburg, ein starkes Stück Niedersachsen mit einer spannenden Geschichte“, so umriss Landschaftspräsident Thomas Kossendey den Inhalt des neuen Buches: Das Oldenburger Land ist bis heute eine feste Größe, wenn es um die regionale Identität der Oldenburgerinnen und Oldenburger geht. Fester Bestandteil und Grundlage der oldenburgischen Identität ist die oldenburgische Geschichte. Die jetzt erschienene „Geschichte des Oldenburger Landes“ versteht sich als leicht lesbare und gut verständliche Darstellung des jüngeren Abschnitts der oldenburgischen Landesgeschichte sowie verschiedener wichtiger oldenburgischer Institutionen.

„Es war uns ein Anliegen, dass das Buch zwar auf wissenschaftlichen Grundlagen fußt, gleichzeitig aber verständlich bleibt. Wir wollen eine breite Leserschaft damit erreichen und ich bin mir sicher, dass uns das gelingen wird“, erläutert Kossendey die Intention des Bandes.

Die Zeit seit 1773/74, also die Zeit des Herzogtums, des Großherzogtums und des Freistaates Oldenburg, der 1946 im Land Niedersachsen aufgegangen ist, waren prägende Jahre für das Oldenburger Land. Diesem Zeitraum ist die „Geschichte des Oldenburger Landes“ gewidmet.

Die sieben Autoren beleuchten dabei ganz unterschiedliche Aspekte: Jörgen Welp umreißt „Die territoriale Entwicklung des Oldenburger Landes“ von der Grafenzeit an bis ins 20. Jahrhundert. Andreas Lombard behandelt „Haus und Land. Das Herzogtum und Großherzogtum Oldenburg von 1773 bis 1918“ und damit die Zeit, in der das Haus Holstein-Gottorp Oldenburg regierte. Huno Herzog von Oldenburg stellt „Die russische Nebenlinie des Hauses Oldenburg und weitere Mitglieder Angehörigen des Hauses in russischen Diensten“ vor, wobei die engen Beziehungen der Oldenburger zu Russland deutlich werden. Albrecht Eckhardt stellt unter dem Titel „Vom Großherzogtum zum niedersächsischen Verwaltungsbezirk. Das Land Oldenburg 1918-1946“ die Geschichte des Freistaats Oldenburg dar. Burkhard Beyer schreibt zum Thema „Ganz ohne Eile. Die Eisenbahnen des Großherzogtum Oldenburg“ und widmet sich damit einem Stück oldenburgischer Verkehrsgeschichte. Der Beitrag von Peter Betthausen heißt „Der Oldenburger Klassizismus. Ein kaum bekanntes Kapitel deutscher Architekturgeschichte“ und befasst sich damit mit einem bedeutenden Gesichtspunkt oldenburgischer Kulturgeschichte. Thomas Hellmold schließlich schreibt über „Was vom Großherzogtum Oldenburg übrigblieb. Banken, Versicherungen und Wirtschaftskammern“. Hier stellt er Wirtschaftsunternehmen vor, deren Wurzeln weit in die oldenburgische Geschichte zurückreichen.

Der Band ist hochwertig ausgestattet. Unter den Abbildungen finden sich auch bislang unveröffentlichte Staatsporträts Oldenburger Herzöge und Großherzöge.

Die Drucklegung haben private Spender anlässlich des 75. Geburtstages von Landschafts-Ehrenpräsident Horst-Günter Lucke, von dem auch die Anregung zu diesem Buch kam, sowie die Bremer Landesbank Kreditanstalt Oldenburg, die Landessparkasse zu Oldenburg, die Öffentlichen Versicherungen Oldenburg und die Oldenburgische Landesbank dankenswerterweise unterstützt. Die Unterstützung kam damit von Oldenburgern für Oldenburger.

Geschichte des Oldenburger Landes. Herzogtum, Großherzogtum, Freistaat. Herausgegeben von Jörg Michael Henneberg und Horst-Günter Lucke im Auftrag der Oldenburgischen Landschaft, 290 S., zahlreiche Abbildungen, Hardcover, Aschendorff Verlag, Münster 2014, ISBN 978-3-402-12942-5, Preis: 24,80 €.

Tag 287 | Teemuseum

Das Teemuseum im alten Rathaus von Norden. Foto: Deutscher Teeverband
Das Teemuseum im alten Rathaus von Norden.
Foto: Deutscher Teeverband

In Ostfriesland, der Wiege der deutschen Teekultur, wird am 18. Oktober nach umfangreicher Sanierung die Wiedereröffnung des Teemuseums in der Stadt Norden gefeiert. Gefolgt von einem „Tag der Offenen Tür“ am 19. Oktober und rechtzeitig zum 25-jährigen Jubiläum ist das Museum um eine Attraktion reicher. „Mit der vollständigen Sanierung des Historischen Rathauses, dem Kernbau des Teemuseums, eröffnen wir die „Erlebniswelt ostfriesische Teekultur“. Spielerisch und multimedial wird sich die Ausstellung im ersten Spezialmuseum zur Kulturgeschichte des Tees in Europa ganz modern präsentieren“, so Dr. Matthias Stenger, Leiter und Initiator der neu konzipierten Dauerausstellung. Das Teemuseum, das 1989 zum ersten Mal seine Tore öffnete, zog bereits mehr als eine halbe Million Besucher/innen aus dem In- und Ausland an. Ausgehend von der ostfriesischen Teekultur eröffnet das Teemuseum in Norden jetzt ungekannte, faszinierende Einblicke in die weltumspannende Kultur des Teetrinkens.

Das Ostfriesische Tee-Museum zeigt mit einer Gesamtausstellungsfläche von 1.200 Quadratmetern als Kompetenzzentrum die Produktionskette vom Anbau der Teepflanze, über Ernte und Verarbeitung, bis zum fertigen Handelsprodukt. Kernthema ist der echte Ostfriesische Tee und die regionale Teekultur, die seit über 400 Jahren zu dem Land am Meer gehört. Rund um die Uhr wird dort die kräftige „Echte Ostfriesische Mischung“ genossen, die überwiegend Assam-Tee enthalten muss. Minimum drei Tassen genießt der Ostfriese pro „Teetied“, traditionell mit Kandis und Sahne, und schafft es dabei auf stolze 300 Liter pro Jahr und Kopf – zehnmal so viel wie der Deutsche im Durchschnitt trinkt. Zeremonie und Brauchtum dieser kulinarischen Besonderheit werden anschaulich dargestellt und erläutert. Aber auch, wie eng die Geschichte der Stadt Norden mit dem Überseehandel verbunden ist, welche Auswirkungen der Tee auf die Wirtschaft und Lebensart der Region hatte und warum heute  über Deutschland hinaus die „Echte Ostfriesische Mischung“ ein Begriff ist, darüber informiert das Museum auf vielfältige Weise.

Vom Stövchen bis zur Kulturveränderung

Tee richtig genießen - auch ein Teema im Teemuseum. Foto: Deutscher Teeverband
Tee richtig genießen – auch ein Teema im Teemuseum.
Foto: Deutscher Teeverband

Das Thema Tee wird von allen Seiten beleuchtet: In einem Werkstattraum kann man nachvollziehen, wie Porzellan das typische Rosendekor erhält, wie ein Stövchen entsteht und welch herausragende Arbeit die regionalen Silberschmiede geleistet haben. Weiter geht´s mit dem Vergleich des Tees mit anderen weitgereisten Genussmitteln: Kakao, Tabak und Kaffee kommen nicht zu kurz. Es werden die Unterschiede und Gemeinsamkeiten, der Einfluss auf höfische und bürgerliche Kultur, auf Gesundheit und Krankheit diskutiert.

Interaktiv und kreativ

Ein neues Highlight ist der vielfältig nutzbare Aktionsraum. Hier gibt es „Geschichte zum Anfassen“ für Klein und Groß. Schulklassen können  kreativ werden, ganze Tage oder auch mal eine „Nacht im Museum“ verbringen und dabei spielerisch lernen, was es an Außergewöhnlichem und Bestaunenswertem in der Geschichte des Tees zu entdecken gibt.

www.teemuseum.de

Tag 281 | Adel

Ja Leute, schon klar, der Adel ist abgeschafft. Und interessiert keinen mehr, deshalb haben ja die Hochzeiten und Beisetzungen derer von und zu im Fernsehen so schlechte Einschaltquoten. Die Überschrift Königliche Hoheit zu meinem Blogeintrag von gestern über das neue Buch zur Geschichte des Oldenburger Landes war ja auch nur ein Schmankerl. Und nur deshalb gewählt, weil in der Veranstaltung der Oldenburgischen Landschaft die drei anwesenden Vertreter des Hauses Oldenburg, Caroline Herzogin von Oldenburg, Huno Herzog von Oldenburg und Felicitas Herzogin von Oldenburg (das sind ihre Namen, nicht ihre Titel), von den Rednern durchweg mit „Königliche Hoheit“ (im Falle der Caroline) und mit „Hoheit“ (im Falle der beiden anderen) angesprochen wurden. Ob das noch zeitgemäß ist, ob sich das „so gehört“, ob es verboten werden sollte, darüber lässt sich munter streiten. Die große Anteilnahme, mit der Oldenburg vor wenigen Tagen vom Verstorbenen Anton Günther Herzog von Oldenburg Abschied genommen hat, zeigt allerdings, dass der Adel beim „Volk“ auch fast hundert Jahre nach seiner offiziellen Abschaffung ein Ansehen genießt, das manchem republikanisch Gesinnten doch zu schaffen macht. Ein entschiedener Gegner jeglicher Adelsromantik hat sich übrigens hier zu Wort gemeldet: Ralf Möbius – lesenswert.