Das Wattenmeer mit allen Sinnen

Wolfgang Half aus Dangast schrieb ein Buch über das Jahr im Watt

Von Dirk von Polenz

Seekajak auf dem Jadebusen. Foto (c): Dirk von Polenz

Dangast – Das Wattenmeer – unendliche Weite, umspielt von Ebbe und Flut. Jetzt mit Beginn der Tourismussaison rückt diese außergewöhnliche Landschaftsform wieder ins Interesse der Reiselustigen und Naturfreunde. Wattwanderungen und Führungen durch die Salzwiesen erfreuen die Gäste genauso wie Krabben pulen und Muscheln sammeln. Doch das Watt liegt nicht nur jetzt an unserer Küste, sondern das ganze Jahr und stellt sich außerhalb der Urlaubszeit oft ganz anders dar.

Wolfgang Half aus Dangast hat ein Buch über das Jahr im Wattenmeer geschrieben.

Diesen „Gezeitenwechsel im Jahreswechsel“, zwischen Eisgang im Winter und Sturmfluten im Herbst erläutert Wolfgang Half aus Dangast in seinem neuen Buch „KIJAUU – zwölf Monate Wattenmeer“.

Der zweite Teil des Titels ist das Leitmotiv des Buches, den Wechsel der Natur im Laufe der Jahreszeiten. Das Schlagwort „Kijauu“ soll den am häufigsten gebrauchten Laut der Möwe in unterschiedlichen Dehnungen wiedergeben. „Laut gesprochen, dabei gedehnt und in einer hohen Tonlage, fühlt man sich gleichsam und unmittelbar ins Watt entführt, den Wind und Geruch der Landschaft spürend, der Unendlichkeit nahe…“, erläutert der Autor in der Einführung.

Das Buchcover.

Diese Erläuterung des Titels ist eine Aufforderung: Man muss sich auf das Wattenmeer mit allen Sinnen einlassen, man muss und darf dem Gefühl Platz einräumen. Wolfgang Half hat dies auf unzähligen Erkundungen getan, die meisten davon auf eigenem Kiel. Alleine oder zu zweit, ist er mit Seekajak oder Faltboot aufs Watt, in die Priele und auf die Sandbänke hinausgefahren. Sich ruhig verhaltend und bewegend hat er seine Beobachtungen gemacht, viele auch auf eindrucksvollen Fotos festgehalten. Dabei beschreibt Half oftmals eigentlich bekannte Phänomene wie das Einsetzen der Flut oder das Aufziehen eines Gewitters. Seine Schilderung ist jedoch so detailreich und mitreißend, dass man die Präsenz des Wattenmeers spürt. An anderen Stellen erfährt der Leser viele Einzelheiten aus der Tierwelt, insbesondere die Aufzucht der Säbelschnäblerküken wird spannend dargestellt.

Doch Half beschreibt nicht die heile Welt des Wattenmeers. Er spart auch dunkle Seiten nicht aus. Das sind natürliche Phänomene wie die soeben geschilderten Küken, die auf der nächsten Seite einer Silbermöwe zum Opfer fallen, als auch menschengemachte Probleme, wie der Todeskampf in einer Fischreuse. Auch die Problematik der Meeresverschmutzung wird im Nachwort, „kein Nachruf!“, wie der Autor betont, deutlich angemahnt. Natürlich ist auch der Mensch verwundbar. Die Episode „Schiffbruch“ im Kapitel „Oktober“ zeigt dies auf bewegende Art.

Das Buch will kein wissenschaftliches Werk und auch keine Anklageschrift sein, obwohl es von beidem etwas hat. In erster Linie ist es eine gefühlvoll geschriebene Schilderung des einzigartigen Lebensraums Wattenmeer. Ein Buch, das Lust macht auf Meer.

Wolfgang Half: KIJAUU – zwölf Monate Wattenmeer. Erschienen bei BoD-Verlag, Norderstedt, ISBN 978-3-8423-2779-5

Schon sieben Banken gegründet

Großzügige Spende an Opportunity International

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Rüdiger Möllenberg, Botschafter von Opportunity International und einer der Mitbegründer des Freundeskreises Weser-Ems, übergab der Spenderin Verena Voß einen Herzstein aus Afrika als Dank für ihr Engagement. Frau Voß ist seit vielen Jahren in der evangelischen Kirchengemeinde Jever stark engagiert.
Foto (c): Helmut Burlager

Jever – Nicht noch ein Obstkorb und keine weitere Palme: Verena Voß wollte zu ihrem 75. Geburtstag im April keine Geschenke. Und da sie seit Längerem plante, die Entwicklungshilfeorganisation Opportunity International (OID), die von Jever aus mehrere Projekte in Ghana gestartet hat, mit einer Spende zu unterstützen, schrieb sie ihren Gästen in der Einladung, sie könnten ihr dabei helfen. So spendeten die Gratulanten gut 1200 Euro, und Verena Voß, die sich seit Jahren stark in der evangelisch-lutherischen Gemeinde engagiert, stockte auf 5000 Euro auf. Damit ist die „Herzbank Verena“ ins Leben gerufen worden, die mittlerweile siebte „Bank mit Herz“, die auf Initiative des Freundeskreises Weser-Ems von Opportunity gegründet wurde.

Mit jeweils 5000 Euro wird in der Partnerregion am Voltafluss in Ghana eine kleine Kreditgenossenschaft gegründet, die das Geld zumeist an Frauen ausleiht, die mit einem eigenen kleinen Geschäft das Leben ihrer Familien verbessern wollen. Dabei geht die Hilfe weit über den Kredit hinaus: Opportunity bietet über seine Partnerorganisation in Ghana den Klienten auch Sparmöglichkeiten, Mikroversicherungen, Absatzhilfen und Bildung.

Rüdiger Möllenberg vom Freundeskreis Weser-Ems von OID bedankte sich für die großzügige Spende mit einem Herz-Stein, den er aus Afrika mitgebracht hatte. Die jeversche Gruppe ist mehrfach in Ghana gewesen und hat Mikrobanken besucht. „Diese persönlichen Kontakte finde ich wichtig“, sagte Verena Voß. Sie sei überzeugt, dass das Geld sehr gut angelegt sei.

Ein Hauch von Afrika in Ostfriesland

Aboubacar „Bouba“ Diakité bringt Nordlichtern das Trommeln bei 

Von Daniela Buhl 

Der jüngste Teilnehmer John-Wyclef Buhl (9 Jahre) ist besonders begeistert von dem Künstler, „ Es macht sehr viel Spaß, hier zu trommeln, Bouba ist ein sehr guter Lehrer“, sagte er.
Foto (c): Daniela Buhl

Wittmund – Die Musikschule Friesland-Wittmund hat Afrika nach Ostfriesland geholt. Aboubacar „Bouba“ Diakité aus Berlin brachte schon bei seinem ersten Workshop in Wittmund alle Teilnehmer dazu, mit dem guineischen Trommel- und Tanzkünstler gekonnt verschiedener Rhythmen zu trommeln. Nach einer Erklärung der Herkunft des zu spielenden Rhythmus‘ “Makru“ und deren drei Begleitungen wurde diese Schlagfolge auf Djembe, Dundun, Sangban und Kenkeni eingeübt.Mit viel Humor und Geduld von „Bouba“ vermittelt, spielten die Nachwuchstrommler diesen Rhythmus am Ende fast perfekt und sauber.

„ Es ist sehr schön hier oben an der Nordsee, die Gegend stahlt viel Ruhe aus“ so Bouba Diakité. „ Ich freue mich sehr, dass ich hier her kommen durfte und komme auch gerne wieder, wenn ihr möchtet“. Der jüngste Teilnehmer John-Wyclef Buhl (9Jahre) ist besonders begeistert von dem Künstler, „ Es macht sehr viel Spaß, hier zu trommeln, Bouba ist ein sehr guter Lehrer“, sagte er.

Im September kommt er wieder: Aboubacar „Bouba“ Diakité aus Berlin. Foto (c): Daniela Buhl

Im September kommt Bouba Diakitè , allein schon aufgrund der vielen Nachfragen, wieder nach Wittmund, um für die vielen Freunde der Djembe noch einige Workshops zu leiten. Mehr Infos auf der Homepage von „Bouba“:

www.bouba-diakite.com

Für alle, die auf See geblieben sind

Die Glocke der JOHANNA. Foto (c): Deutsches Sielhafenmuseum

16.Schiffsandacht in Carolinensiel

Carolinensiel  – Im Museumshafen von Carolinensiel wird am Sonnabend, 9. Juni 2012, um 16 Uhr die mittlerweile traditionelle Schiffsandacht gefeiert. Sie wird vom Deutschen Sielhafenmuseum in Zusammenarbeit mit Kirchengemeinden veranstaltet. Mit der Veranstaltung wird der Männer und Frauen gedacht, die auf See geblieben sind.

Wie jedes Jahr stehen die Zahlen der Schiffsverluste des vergangenen Jahres im Mittelpunkt des Gedenkens. Sie werden jeweils pro Land mit je einem Glockschlag der historischen Schiffsglocke der JOHANNE verkündet. Die JOHANNE strandete am 6. November 1854 vor Spiekeroog mit 216 Auswanderern an Bord auf dem Weg in eine neue Heimat. Mindestens 80 Menschen verloren ihr Leben. Die Glocke wird heute im Heimatmuseum bewahrt und vom Vorsitzenden des Verein Dieter Mader in den Carolinensieler Museumshafen gebracht.

Im aktuellen Schwerpunkt wird dieses Jahr aus der Arbeit der Wasserschutzpolizei berichtet. Beamte der Dienststelle Wilhelmshaven werden über die außerordentlich vielfältigen Aufgaben berichten. Musikalisch wird die Schiffsandacht vom Shantychor Carolinensiel begleitet.

Bundespräsident Gauck wird DGzRS-Schirmherr

Bundespräsident Joachim Gauck wird Schirmherr der DGzRS. Foto (C): Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

„Gerne bereit, die Arbeit zu unterstützen“

Berlin/Bremen – Bundespräsident Joachim Gauck hat die Schirmherrschaft über die Seenotretter übernommen. Mit den Worten „Gern ist er bereit, die wichtige Arbeit der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger mit seinem Patronat zu unterstützen.“ ist in diesen Tagen bei Gerhard Harder, Vorsitzer der DGzRS, ein entsprechendes Schreiben aus dem Bundespräsidialamt eingegangen. Damit folgt Bundespräsident Gauck zugleich seinen Vorgängern im Amt, die stets als Schirmherren für die Seenotretter fungierten. Für die DGzRS sei dieses Signal von Seiten des Staatsoberhauptes von besonderer Bedeutung, da die gesamte Arbeit des deutschen Seenotrettungswerks ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen getragen wird, heißt es in einer Pressemitteilung der Gesellschaft. In ihrer Arbeit seien die Seenotretter auf die breite Unterstützung aus allen Teilen der Bevölkerung im ganzen Land angewiesen.

Nix mehr mit Hagebuttentee und Ketchupnudeln

Erste Club-Jugendherberge der Welt entsteht in Neuharlingersiel

Vor dem Haupthaus des zukünftigen DJH Resorts freuen sich Thorsten Richter, Geschäftsführer Deutsches Jugendherbergswerk (DJH) und Oliver Engelhardt, Projektleiter DJH Resort (rechts) auf die Eröffnung zu Ostern 2013.
Foto (c): Deutsches Jugendherbergswerk (DJH)

Neuharlingersiel – Im kommenden Jahr eröffnet in Neuharlingersiel an der niedersächsischen Nordseeküste die erste Club-Jugendherberge der Welt mit einem völlig neuen All-inclusive-Angebot. Mit knapp 400 Betten wird das DJH Resort eines der größten Häuser des Deutschen Jugendherbergswerks. Für Familien mit Kindern, Schulklassen, Sportgruppen und Tagungsgäste wird das Resort ein erlebnisreiches Angebot bereit halten. Geplant ist die Eröffnung für Ostern 2013.

Die Club-Jugendherberge Neuharlingersiel entsteht auf dem 30.000 Quadratmeter großen Gelände einer ehemaligen Reha-Klinik. „Wir haben ideale Rahmenbedingungen vorgefunden“, sagte Thorsten Richter, Geschäftsführer im Deutschen Jugendherbergswerk (DJH) auf einer Pressekonferenz zur Ankündigung des Projekts am 31. Mai 2012. „Insbesondere das große Haupthaus präsentiert sich in hervorragendem Zustand, so dass weniger Umbauarbeiten als in vergleichbaren Projekten notwendig sind, um für unser Resort geeignete Räumlichkeiten und Sport- und Freizeitanlagen zu schaffen. Zudem haben wir früh den Dialog mit der Gemeinde Neuharlingersiel gesucht, um von Beginn an mögliche Kooperationen in die Planung einzubeziehen und das Angebot des Resorts noch attraktiver zu gestalten.“

Das DJH Resort liegt nur wenige Minuten vom familienfreundlichen Sandstrand der ostfriesischen Nordsee und dem charmanten Fischerdorf Neuharlingersiel entfernt. Vom Kanuanleger auf der Westseite des Areals aus ist der Ort sogar auf dem Wasserweg über die zahlreichen Siele erreichbar. 78 komfortable Familienzimmer, 14 Doppelzimmer, vier Apartments und sechs Bungalows – allesamt ausgestattet mit eigenem Badezimmer – bieten Raum für einen entspannten Urlaub. In einem typisch ostfriesischen Backstein-Schlösschen mit eigenem See laden Biergarten, Seecafé und Kaminlounge zu gemütlichen Stunden ein. Das Haupthaus beherbergt unter anderem das Resort-Restaurant sowie verschiedene Wellness- und Fitnesseinrichtungen. Auf dem Freigelände werden zahlreiche Sport- und Aktionsflächen wie Beachsportanlagen, Soccer-Courts oder Slackline-Areale angelegt. Spannende Bildungsprogramme, die insbesondere das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer in den Fokus rücken, machen die Klassenfahrt ins Resort zum echten Gemeinschaftserlebnis und binden das Haus inhaltlich eng an die Region und ihre Besonderheiten. Ein besonderes Highlight stellt zudem das umfangreiche Programm für Kinder und Jugendliche dar: Vom komplett eingerichteten Kindergarten samt Turnhalle über ein Kinderlabor bis hin zum Jugendtreff reichen die Angebote für die jüngsten Gäste.

Das Club-Konzept des DJH Resorts umfasst ein umfangreiches All-inclusive-Paket: Ein abwechslungsreiches Sport- und Unterhaltungsangebot ist ebenso im Preis enthalten wie eine liebevolle Kinderbetreuung vom Baby- bis zum Grundschulalter und eine erlebnisreiche Teenie-Animation, Vollpension inklusive Mittagssnack und alle nicht-alkoholischen Getränke. „Wir sind überzeugt, dass mit diesem komplett neuen Konzept ein extrem attraktives Angebot entsteht, das für unsere Ferien-Region rund um den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer eine sinnvolle Ergänzung darstellt“, so Jürgen Peters, Bürgermeister der Gemeinde Neuharlingersiel. „Vor allem für Familien mit Kindern wird unser Club-Resort eine spannende und dabei günstige Alternative zum bisherigen Unterkunftsangebot darstellen. Zudem wollen wir mit speziellen Tagungs- und Gruppenangeboten sowie besonderen Schulwochen auch außerhalb der Saison Gäste in die Region locken“, ergänzt Oliver Engelhardt, Projektleiter für das DJH Resort.

Der Cluburlaub im DJH Resort Neuharlingersiel ist ab sofort buchbar: Eine vierköpfige Familie zahlt für ein Wochenende von Freitag bis Sonntag mit All-inclusive-Paket ab 470 Euro. Buchung und Informationen unter http://www.djh-resort.de. Kostenlose Broschürenanforderung, Informationen und Beratung zu allen Jugendherbergen im Nordwesten Deutschlands montags bis freitags 10 bis 16 Uhr unter Tel. 0421 / 598 30 50, per Mail unter service.nordwesten@jugendherberge.de oder auf www.jugendherbergen-nordwesten.de.

Jugendherbergen im Nordwesten

Die Jugendherbergen des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) sind mehr als 100 Jahre alt und damals wie heute Spezialisten für junge und jung gebliebene Gäste. Die Jugendherbergen im Nordwesten umfassen 32 Jugendherbergen auf den Nordseeinseln und an der Küste, in Ostfriesland, im Emsland, im Oldenburger Münsterland, im Osnabrücker Land und im Bereich Bremen-Unterweser. Die Jugendherbergen sind Teil einer weltumspannenden Idee, die mit über 4.000 Häusern in mehr als 90 Ländern für Begegnung, Austausch, Toleranz und Verständigung steht.

LzO-Gebäude in Jever ist Geschichte

Wer den Abriss des Sparkassengebäudes in Jever in den vergangenen Wochen nur sporadisch beobachten konnte, sieht das Ganze hier im Zeitraffer. Jürgen Eden und Charly Sanders von Wochenblatt-TV haben es dokumentiert. Ein wenig gespenstisch, wie die Monster Beton, Stahl und Glas fressen:

Filmfest mit Blick nach Nordwesten

Preise und Premieren – 23. Internationales Filmfest Emden-Norderney nominiert 21 Filme für den  Wettbewerb

BühneLichtstimmung Emden – Die Wettbewerbsnominierungen des 23. Internationalen Filmfests Emden-Norderney stehen fest: 21 Spiel- und Dokumentarfilme aus Deutschland und dem nordwesteuropäischen Raum gehen in das große Rennen um die vier Langfilm-Preise, den DGB-Filmpreis für den besten gesellschaftlich engagierten Film, den NDR-Filmpreis für den Nachwuchs, den AOK-Filmpreis für gesundheitsbezogene Themen und, allen voran, den Bernhard-Wicki-Preis für den besten Kinofilm. Vier Filme von den britischen Inseln, drei belgische, zwei französische und zwei norwegische sowie eine niederländische Produktion sind in den Wettbewerben vertreten, mit neun Beiträgen stellt Deutschland in diesem Jahr das größte Kontingent. Insgesamt werden auf dem Festival 93 Filme aus 13 Ländern präsentiert. Davon sind 55 Produktionen abendfüllende Langfilme und 38 Kurzfilme.

Der Blick vom Deich aufs Wattenmeer geht in Ostfriesland meist nach Nordwesten. Der Ruf des hier beheimateten Internationalen Filmfests Emden-Norderney als führendes Publikumsfestival für nordwesteuropäische Filme beruht nicht nur auf dieser geografischen Gegebenheit – er hat auch viel mit der Mentalitätsverwandtschaft zu den ebenfalls meist Tee trinkenden Nachbarn zu tun. Schon seit 20 Jahren versteht man sich hier als Schaufenster des britischen und irischen Films. Hinzu kamen mit den Jahren auch immer mehr Filmproduktionen von den direkten Nachbarn aus den Niederlanden, Belgien und Frankreich, aber auch aus Norwegen, wo – ebenfalls an der Küste – Emdens Partnerfestival Haugesund beheimatet ist.

Britisches Kino at its best

Das Feinste des britischen und irischen Kinos findet zum Festival seinen Weg nach Emden. Wo sonst könnte die Zombie-Tragikomödie „Harold’s Going Stiff“ (Regie: Keith Wright) entstanden sein, in der merkwürdige Typen kuriosen Krankheitserregern den Kampf ansagen? Wohin würde das schräge Familienpsychogramm „Black Pond“ (Regie: Tom Kingsley u. Will Sharpe), das gekonnt mit filmischen Konventionen bricht, besser passen? Das Resozialisierungs-Drama „Will Bill“ von Dexter Fletcher wird das Publikum ebenso begeistern wie die typisch britische nostalgisch-romantische Komödie „In Love With Alma Cogan“ (Regie: Tony Britten), in der es nicht nur um die Rettung eines alten Theaters, sondern auch um die Rettung einer alten Freundschaft geht.

Starke Filme aus Belgien

„Hasta la vista“, die berührend-witzige Geschichte dreier behinderter junger Männer auf der Suche nach dem „ersten Mal“ (Regie: Geoffrey Enthoven) entpuppt sich in Belgien gerade als absoluter Kassenmagnet und “Germaine“ von Regisseur Frank van Mechelen erzählt aus der Perspektive eines Mädchens von einem der längsten Streiks Belgiens. Außerordentlich beeindruckend auch „Time Of My Life“ (Regie: Nic Balthazar), eine Geschichte von Liebe, Freundschaft und dem Recht auf ein selbstbestimmtes Leben – und Sterben.

Neues aus Frankreich

Mit zwei herausragenden Filmen präsentiert sich Frankreich im Wettbewerb. In „Dans la tourmente“ (Regie: Christophe Ruggia) wird aus einem Sozialdrama um Entlassungen rasch ein waschechter Polit-Thriller und in „On Air“ (Regie: Pierre Pinaud) spielt die großartige Karin Viard eine Radiomoderatorin mit Geheimnissen in ihrer eigenen Vergangenheit.

Norwegische Filme: komisch und skurril

„King Curling“ von Ole Endresen erzählt ebenso witzig wie dramatisch von dem Versuch eines psychisch erkrankten Spitzensportlers, Geld für die Operation eines Freundes aufzubringen und „Sons Of Norway“ (Regie: Jens Lien, Eröffnungsfilm Haugesund Filmfestivalen 2011) ist eine spannende und humorvolle Geschichte über Rebellion und Punkrock – mit einem Gastauftritt von Johnny Rotten.

Niederländischer Beitrag von Paula van der Oest

„Black Butterflies“ in Regie von Paula van der Oest entwirft ein poetisches Portrait der südafrikanischen Dichterin Ingrid Jonker, das bereits in den Niederlanden und in Südafrika ausgezeichnet worden ist.

Alle bisher aufgeführten Filme sind in deutscher Erstaufführung zu sehen.

Deutsche Filme im Wettbewerb stark vertreten

Gleich neun Beiträge in den Wettbewerben kommen aus Deutschland.  Als Uraufführung ist dabei Sheri Hagens sensibles Episodengeflecht „Auf den zweiten Blick“ im Programm, das Menschen mit Sehbehinderungen auf ihren Wegen in neue Beziehungen begleitet. Komödienspezialist Bernd Böhlich präsentiert „Bis zum Horizont, dann links!“, in dem Bewohner eines Altenheims bei einem Rundflug das Flugzeug zum Mittelmeer „umleiten“. Annika Wangards Debüt „Crashkurs“ entdeckt die Banken- und Finanzkrise als Filmthema und in „Schuld sind immer die Anderen“ (Regie: Lars Gunnar Lotz) wird ein jugendlicher Gewalttäter mit einem seiner Opfer konfrontiert. „Werden Sie Deutscher“ von Britt Beyer porträtiert mit viel Humor einen VHS-Integrationskurs, während Cornelia Grünberg in „Vierzehn“ vier sehr junge Frauen auf ihrem schwierigen Weg in die Mutterrolle begleitet. In der quirligen Familienkomödie „Pommes Essen“ (Regie: Tina von Traben) geht es um einen Imbissbuden-Wettbewerb und das Geheimrezept für die weltbeste Currysoße. „Zombies from Outer Space“ von Martin Faltermeier mixt aus den B-Movie-Rezepturen der 50er Jahre den ersten deutschen Science-Fiction-Heimatfilm. Offiziell eröffnet wird das Festival mit „Die Männer der Emden“  von Berengar Pfahl, einem historischen Abenteuerfilm über den legendären Marinekreuzer „Emden“ im ersten Weltkrieg.

Filmgäste

Katharina Thalbach, die mit dem „Emder Schauspielpreis“ geehrt wird, kommt zu diesem Anlass nach Ostfriesland und wird im Rahmen der Preisverleihungsgala die Auszeichnung entgegen nehmen. Aus Großbritannien, Irland, Frankreich, Belgien, Norwegen und den Niederlanden haben sich bereits weitere Filmgäste angekündigt. Rund 70 Schauspieler, Regisseure, Produzenten und Autoren werden zum Festival erwartet, darunter Otto Sander, Sheri Hagen, Geoffrey Enthoven, Pierre Sanoussi-Bliss, Pierre Pinaud, Hans-Erich Viet und  Angelica Domröse.

Galas und Events

Neben den Galaveranstaltungen zur Eröffnung und Verleihung der Filmpreise stehen Talks und Filmgespräche, die feierliche Verleihung des Drehbuchpreises sowie der traditionelle Schiffsausflug mit Beachvolleyball-Turnier für Gäste und Akkreditierte nach Norderney auf dem Programm. Der im letzten Jahr eingeführte Filmtee mit Dorothee Wenner wird aufgrund der großen Resonanz wieder aufgelegt.  Im Mitternachtstalk plaudern Hilke Theessen und Volker Bergmeister in lockerer Runde im Grand Café mit Festivalgästen.

– Festivaleröffnung, Mittwoch 6. Juni, 19.00 Uhr

– Eröffnung auf Norderney, Donnerstag 7. Juni, 19.00 Uhr

– Mitternachtstalk mit Hilke Thessen und  Volker Bergmeister, Donnerstag 7. bis Samstag 9. Juni, 23.30 Uhr

– Filmtee mit Dorothee Wenner, Freitag 8. Juni und Samstag 9. Juni, 17 Uhr

– DGB Filmgespräch, Freitag 8. Juni, 14.30 Uhr

– Preisverleihung Drehbuchpreis, Freitag 8. Juni, 19.15 Uhr

– Dünentalk auf Norderney, Samstag 9. Juni, 12.00 Uhr

– Preisverleihung Filmpreise, Sonntag 10. Juni, 20.15 Uhr

Preise und Förderer
Auf der großen Galaveranstaltung am Sonntag sind Preisgelder in Höhe von 51.000 Euro zu gewinnen. Neben dem mit insgesamt 15.000 Euro dotierten, nach Bernhard Wicki benannten, Hauptpreis werden der NDR Filmpreis für den Nachwuchs, der DGB-Filmpreis, der AOK Filmpreis, der Ostfriesische Kurzfilmpreis der VGH und der Emder Schauspielpreis vergeben. Den Emder Drehbuchpreis vergibt die vom Grimme-Institut berufene Jury bereits am Freitag, dem 8. Juni in der Kunsthalle Emden. Der wohl ungewöhnlichste Preis eines deutschen Filmfestivals „Ein Schreibtisch am Meer“ beinhaltet ein zweiwöchiges Kurzstipendium auf Norderney und wird schon am Festivalsamstag auf der Insel vergeben.

Das Festival findet vom 6. bis 13. Juni 2012 statt.  Unter www.filmfest-emden.de steht das vollständige Programm. Aktuelle Informationen auch auf www.facebook.com/filmfestemden.

Quelle: Pressemitteilung des Filmfests Emden

Piraten fordern freien Strandzugang

Demo am Pfingstmontag in Hooksiel

Vor den Strandspaziergang haben die Kurverwaltungen den Eintritt gesetzt. Freien Strandzugang zumindest in nicht bewirtschafteten Zonen fordert die Piratenpartei. Wo Infrastruktur geschaffen wurde wie hier in Horumersiel, können auch nach Auffassung der Piraten Gebühren erhoben werden. Es müssen aber Abschnitte mit freiem Zugang zum Meer bleiben, fordern sie.
Foto (c): Helmut Burlager

Friesland/Hannover – Am Pfingstmontag, dem 28. Mai.2012, ab 14 Uhr will die Piratenpartei Niedersachsen mit einer Deich-Demonstration am Außenhafen in Hooksiel für  freien Strandzugang werben.  Das geht aus einer Mitteilung der Landespressestelle der Piratenpartei Deutschland Landesverband Niedersachsen hervor.

Der  Zugang zu den Nordseestränden soll nach dem Wahlprogramm der Piratenpartei Niedersachsen nur dann kostenpflichtig sein, wenn ein Strandabschnitt tatsächlich zu Kur- oder Badeaufenthalten bewirtschaftet ist. »Nicht jeder legt Wert auf eine Bewirtschaftung und nicht jede Familie kann sich das leisten«, so Andreas Neugebauer, der  Landesvorsitzende der Piraten. »Wer sich sein Essen selbst mitbringen möchte und keine Umkleidekabinen oder Duschen benötigt, soll auch die Chance haben, ohne Bezahlung unsere Natur zu genießen.«

 Die Piraten bedauern, dass der im Bundesnaturschutzgesetz geforderte freie Zugang zu Natur und Landschaft an Niedersachsens Küsten bisher nicht umgesetzt  wird. Strandspaziergänge und Wattwanderungen, oft schon der Blick auf das Meer sind nur gegen Bezahlung möglich.

 »Wir wissen, dass den Gemeinden durch die Kostenrechnungen des Landes Niedersachsen oft keine andere Wahl bleibt, als Eintritt zu nehmen«, so  Dr. Meinhart Ramaswamy, der Spitzenkandidat der Piraten für die  Landtagswahl. »Wir werden hierzu nach der Wahl hoffentlich im Landtag aktiv werden können und auf eine geringere Belastung der Gemeinden drängen.«

 Um ihre Position zu unterstreichen, laden die Piraten alle Bürger zu einem Pfingstausflug nach Hooksiel am Außenhafen ein. Am Pfingstmontag, dem 28. Mai  soll ab 14 Uhr mit einem 1,4 km langen Spaziergang auf dem Deich die Forderung nach freiem Strandzugang und gegen Kassenhäuser und kilometerlange Zäune betont werden. Sollte sich das Wetter für einen Ausflug nicht eignen, wird die Aktion zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Motor der Initiative der Piratenpartei ist der friesländische Kreistagsabgeordnete Janto Just (Bürger für Bürger, seit einigen Monaten für die Piratenpartei aktiv). Er hat in den vergangenen Tagen auf Wochenmärkten und in Fußgängerzonen in Jever und Umgebung intensiv für die Demo und für freien Strandeintritt geworben. In der Vergangenheit hat Just mit anderen, ähnlich hartnäckig verfolgten Initiativen, etwa gegen die Erdgaspreise des Energieversorgers EWE oder gegen die Abfallgebührenpolitik des Landkreises Friesland, Erfolge erzielt.