Tag 54 | Prognose

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Das Zitat wird dem Physiker Niels Bohr zugeschrieben. Die Klimaforscher sind noch nicht ganz soweit, es ähnlich zusehen. Sie malen düstere Szenarien davon, wie es mit unserer guten alten Erde weitergehen wird. Aber so düster nun auch wieder nicht wie der slowakische Künstler Jay Simons.  Der malt die Zukunft im wahrsten Sinne des Wortes, wie die Rheinische Post in einem kurzen Beitrag (hier nachzulesen) berichtete.

2100Simons zeichnet Landkarten aus verschiedensten Epochen, und eben auch für die Zukunft, und da liegt, wie die Zeitung schreibt, Düsseldorf plötzlich an der Nordsee, während die Nachbarstadt Köln in der überfluteten Kölner Bucht untergegangen ist, was höchstens Fortuna-Fans erfreuen dürfte. In der Konsequenz ist natürlich ganz Norddeutschland verschwunden, Dänemark auch und überhaupt weite Teile des Kontinents, wie auf dieser Karte zu sehen.  Sollte man also schon mal über den Verkauf seiner Immobilie nachdenken? Düsseldorf ist, wegen der Kinder, ja schon länger eine Alternative, und wenn die Nordsee nicht mehr so fern ist…

Preiswerter ist es natürlich, sich an Niels Bohr zu halten.

Tag 53 | Die Lehrerin

Die alte Dame mit dem Rollator sieht so aus, als ob sie in dieser süddeutschen Touristenstadt wohnen könnte, das würde die Suche nach einer Apotheke erleichtern. Bevor ich sie anspreche, sehe ich schon ein Arztrezept im offenen Korb ihres Stützwägelchens liegen, so dass sich die Frage eigentlich erübrigt. „Guten Tag, Entschuldigung. Sie kennen sich hier doch bestimmt aus…?“ „Ich wohne seit fünf Jahren hier“, erklärt die Dame. Also komme ich auf mein Anliegen zu sprechen: „Ich suche eine Apotheke.“ „Dann können Sie mich begleiten, ich bin gerade auf dem Weg dorthin“, antwortet sie.

Gut, das wird also etwas länger dauern als geplant, denn die Schnellste ist sie nicht, dafür sehr nett und auskunftsfreudig, wenn die Stimme auch schon etwas brüchig ist und die Ohren nicht mehr gut hören, so dass ich laut antworten muss. Ich erfahre also auf zweihundertfünfzig Metern, dass sie an der Ostsee geboren wurde, auf einer Insel, deren Namen ich nicht kenne („Sie haben wohl in der Schule nicht aufgepasst, junger Mann?“), dass sie früher in Lübeck gelebt hat, Lehrerin von Beruf war, schon lange hier in der Gegend ansässig ist. Hergezogen, um näher bei ihrem jüngsten Sohn zu sein, und neuerdings, also seit fünf Jahren, wohne sie eben hier in einer Seniorenresidenz. Da sei es recht schön, das Essen lasse sie sich aufs Zimmer kommen. Mal sei es gut, mal nicht, denn es gebe zwei Köche. Der eine könne gut kochen, der andere… Ihr Vater sei Arzt gewesen auf Poel, jener Insel, von der sie stamme, die liege vor Wismar, er habe dort als erster ein Auto gehabt. In die Stadt sei man natürlich mit dem Schiff gefahren.

Wir unterhalten uns blendend. „Oh, Sie können ja lachen, das ist schön“, freut sie sich, als ich eine Bemerkung witzig finde. Doch, erzählt sie auf Nachfrage, ihr gehe es gut, besser jedenfalls als ihren Kindern. Der Älteste sei ja nun auch schon über siebzig und der jüngere mit Anfang sechzig aus gesundheitlichen Gründen bereits im Ruhestand. Ich muss gar nicht fragen, sie erzählt es mir von selbst: Sie ist 95. In der Apotheke angekommen, verlangt sie erstmal freundlich, aber bestimmt, von einer ganz bestimmten Mitarbeiterin bedient zu werden. Als ich aus der Apotheke herauskomme, wartet sie draußen, um sich zu verabschieden, wie es sich gehört. Respekt!

Tag 52 | Fremdsprache

Das Buch bestellen: Hier klicken!
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Wer im Norden wohnt und ab und zu ein paar plattdeutsche Brocken in sein Reden einbaut, wird verstanden und wundert sich, wenn es woanders nicht funktioniert. Die nette Dame aus Süddeutschland, die sich mal kurz das Buch „Respekt“ mit Lebensgeschichten älterer Menschen aus dem Jeverland ausgeliehen hat, erzählt beim Mittagessen, sie habe schon etliche Geschichten gelesen, sie sei sehr beeindruckt. „Da oben wird ja anscheinend noch viel Plattdeutsch gesprochen“, sagt sie, jedenfalls sei sie an solchen kurzen Passagen im Buch hängengeblieben. „Verstanden“, gibt sie zu, „habe ich kein Wort.“

Tag 51 | Ausgestorben

Den Begriff Industriesterben würde man mit dem Ruhrgebiet in Verbindung bringen, nicht mit Ostfriesland. Und doch hat es das hier gegeben, nicht erst mit dem Aus für die Olympia-Schreibmaschinenwerke. Dass eine ganze Branche ausstirbt und heute nur noch vereinzelte Betriebe existieren, lässt sich auch am Beispiel der Ziegeleien demonstrieren. Einen lesenswerten Beitrag zum Tod der Ziegelindustrie in Ostfriesland hat der Weser-Kurier veröffentlicht, nachzulesen hier: Als Ostfriesland noch Ziegeleiland war

Tag 50 | Kluger Kopf

Der Südkurier, die Stuttgarter Zeitung, die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung liegen morgens im Lesesaal aus. Interessant zu sehen, wer zu welchem Blatt greift. Ein Herr muss immer die FAZ haben, sonst liest er lieber gar nichts. Er schätzt die intellektuelle Herausforderung. Ich bin ja mehr für die Süddeutsche, schon wegen des Streiflichts, und weil sie neuerdings noch investigativer daherkommen, was ein bisschen spannender ist als die behäbige Frankfurter Art, die Leser zu belehren. Das Lokalblatt lese ich natürlich auch gern, schon um mich daran zu erfreuen, dass die auch nur mit Wasser kochen. Heute war die FAZ frei, da dachte ich, doch mal was für den Intellekt tun zu müssen. Im zweiten Artikel im zweiten Absatz beginnt die Autorin einen wunderbar gedrechselten Satz, baut hier einen Nebensatz ein und dort noch einen Einschub, geht in einem weiteren eingeschobenen Zwischensatz noch einen kleinen Umweg und bleibt stecken, führt den angefangenen Gedanken nicht zu Ende. Ich lese ein zweites, ein drittes Mal, gebe auf und denke: Dahinter steckt bestimmt ein kluger Kopf. Morgen dann doch wieder den Südkurier.

Tag 49 | Geburtshelfer

Der Seenotrettungskreuzer "Bernhard Gruben". Foto: DGzRS
Der Seenotrettungskreuzer „Bernhard Gruben“. Foto: DGzRS

An dieser Stelle berichte ich ja gern mal über die Arbeit der harten Jungs von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, die man als Küstenbewohner einfach unterstützen muss. Sie sind ja nicht nur in Orkannächten unterwegs, um in Seenot geratene Besatzungen zu bergen, ihre Aufgaben sind so unglaublich vielfältig. Wer weiß zum Beispiel schon, dass die Seenotretter jedes Jahr 20 bis 30 schwangere Frauen von den Inseln zum Festland bringen?

In der Nacht zu gestern war es wieder mal so weit. Die Seenotretter transportierten eine hochschwangere Frau von Norderney nach Norddeich, bei der bereits sehr starke Wehen eingesetzt hatten und die dringend in die Klinik musste. Mitten in der Nacht brachte die Besatzung der „Bernhard Gruben“ die Frau bei ordentlichem Seegang ans Festland.

Wie gesagt, so etwas passiert regelmäßig. Zuweilen kommt es sogar zur Geburt an Bord zu einer Geburt – zuletzt am 28. Oktober 2011 auf dem Seenotkreuzer „Vormann Leiss“ der Station Amrum.

Tag 48 | Es-Zett

Dass die Schweizer meinen, ohne das „ß“ auskommen zu können, fand ich etwas sonderbar, aber es wird mir immer sympathischer. Gestern zum Beispiel, in der „Sonntagszeitung“, hieß es in einem Beitrag über ein Gesundheitsthema: „In Massen genossen kann Rotwein durchaus entspannen.“ Das kann ich so unterschreiben …

Tag 47 | Weiterbildung

Hab ja schon ’ne Menge Seminare mitgemacht und interessiere mich trotz fortgeschrittenen Alters weiter für jedes halbwegs sinnvolle Fortbildungsangebot. Man lernt ja nie aus. Aber soll ich mich wirklich in der alljährlichen Frühjahrs-Fitnesskur hierfür anmelden: „Das Auge isst mit. Gemüseschnitzen für jedermann!“ ?!?

Tag 46 | Komma

KommaErst wenn das Steuertipps-Programm plötzlich eine Steuerrückerstattung von 43.597,13 Euro ausweist und einem die Kaffeetasse aus der Hand fällt, weiß man, wie wichtig ein richtig gesetztes Komma bei der Eingabe der Sonderausgaben ist.

Tag 45 | Abenteuerurlaub

SchweizPlane für heute übrigens eine Fahrt in die Schweiz. Gehe aber fest davon aus, dass mich die 49,7 Prozent der Schweizer, die gegen die SVP-Initiative gestimmt haben, so freundlich aufnehmen wie in all den vergangenen Jahren.