Apropos Willkommenskultur. Da können wir, und erst recht die CSU, vielleicht von den Marokkanern lernen. Seit dem 2. Januar stehen dort Tausende von „Sans Papiers“, illegal im Land lebenden Ausländern, vor den Präfekturen Schlange, um sich registrieren zu lassen. Es sollen sich geschätzt zwischen 25.000 und 40.000 Illegale im Land aufhalten. Das nordafrikanische Land hat eine Kampagne zur „Regulisarisation“ der Immigranten gestartet. Zwar sind die Voraussetzungen streng – zwei Jahre nachgewiesener Arbeit im Lande oder fünf Jahre in gutnachbarschaftlichem Zusammenleben mit Marokkanern – doch hoffen nun viele Menschen aus Subsahara-Staaten, endlich legal im Land leben zu können. Sie erhalten in diesem Fall die gleichen Rechte wie Staatsbürger. Menschenrechtsgruppen in Marokko fordern allerdings, den Kreis der Berechtigten stark auszudehnen und auch jenen Hoffnung zu geben, die noch nicht so lange in Marokko sind.
Der kürzeste Witz der Welt: „Geht ein Journalist an einer Kneipe vorbei…“ Hahaha. In Wirklichkeit ist es ganz anders. Da sind zehn Journalisten auch schon mal bereit, im Dienste der Wissenschaft einen Monat lang auf Alkohol zu verzichten. Interessant: „Ein Monat bringt schon was“
Die erste Ausgabe der „Ostfriesischen Nachrichten“ im neuen Jahr ist draußen, die erste unter neuer redaktioneller Leitung bei den Aurichern. Dort war vor wenigen Wochen überraschend der langjährige Chefredakteur Ralf Klöker abberufen und mit Wirkung zum Jahreswechsel zur ebenfalls bei der Zeitungsgruppe Ostfriesland (ZGO) erscheinenden Ostfriesen-Zeitung (OZ) in Leer versetzt worden. Laut Impressum der ON zeichnet jetzt Stephan Schmidt als Chefredakteur bei den „Nachrichten“ verantwortlich. Der hat bis zum Jahreswechsel als Redakteur bei der OZ in Aurich gearbeitet und dort bis zuletzt fleißig fürs Lokale geschrieben. http://www.oz-online.de/-news/artikel/119082/Boeller-brachten-den-Umsatz-auf-Touren
Neben Schmidt taucht im Impressum auch Carsten Kanna als neuer Geschäftsführer der ON auf. Allerdings nur in der Printausgabe. Auf on-online wird im Impressum aktuell noch Otto Weber als Geschäftsführer genannt – und der längst entschwundene Ralf Klöker weiterhin als Chefredakteur.
Das Jahr fängt schon mal mit Fremdschämen an. Das Krankenhaus in Grenoble, wo Michael Schumacher um sein Leben kämpft, hat Reporter und Übertragungswagen vom Parkplatz und aus der Einfahrt zur Notaufnahme verbannt, weil es durch die Medienvertreter zu Behinderungen gekommen sei. Welcher Politiker war das noch mal, der Journalisten als „Wegelagerer“ bezeichnet hat?
Kreditnehmerin Celina Yelpoe hat mit Mikrokrediten in Ghana eine Hühnerfarm aufgebaut. Foto: OID
Kleinstdarlehen als Instrument für Entwicklung sind zu Unrecht in Verruf geraten, sagt Mariam Dao Gabala, langjährige Regionaldirektorin von Oikokredit in Elfenbeinküste. In einem Interview mit der „taz“ vom 28. Dezember 2013 sagt sie, eine tiefgründige Entwicklung und nachhaltige Strukturen können Mikrokredite allein zwar nicht schaffen. Sie glaube, dass es da eine falsche Erwartungshaltung gibt. „Aber sie können den Menschen Ressourcen an die Hand geben, damit sie produktiv werden und Einkommen generieren können. Das stärkt das Selbstbewusstsein und kann Demokratisierungsprozesse anschieben“, so Dao Gabala. Zusätzlich werde in der Mehrheit der Fälle durch die Mikrokredite Wachstum angeschoben. Mikrokredite seien aber keine Langzeitkredite und ermöglichten keine großen Anschaffungen wie einen Traktor. „Die Mikrokredite gehen dahin, wo ein schneller Ertrag erwirtschaftet werden kann.“ Das Interview im Wortlaut hier: „Gut für das Selbstbewusstsein“
Glocken in aller Welt läuten in wenigen Stunden das neue Jahr ein. Diese hier hängt im Torre del Poniente hoch über der gewaltigen Kathedrale von Cadiz in Andalusien (Spanien). Friesenblog wünscht all seinen treuen Leserinnen und Lesern einen guten Rutsch und ein glückliches, erfolgreiches Jahr 2014!
Torre de Poniente, Kathedrale von Cadiz, Spanien. Foto: Helmut Burlager
Ostfriesland – Ein neuer Radiosender geht auf der ostfriesischen Halbinsel an den Start, „Radio Norseewelle“. Die Niedersächsische Landesmedienanstalt hat dem Bewerber Radio Nordseewelle GmbH & Co. KG in ihrer Versammlung am 18. Dezember 2013 lokale UKW-Frequenzen in der Region Ostfriesische Inseln / Küstenstreifen zugesprochen. Nach dem rundfunkrechtliche Zulassungs- und Zuweisungsverfahren muss allerdings noch die Frequenzzuteilung durch die Bundesnetzagentur erfolgen, bevor Radio Nordseewelle an den Start gehen kann. An dem künftigen Sender ist laut einer Pressemitteilung der Landesmedienanstalt die Zeitungsgruppe Ostfriesland (ZGO) mit knapp einem Viertel beteiligt, sie gibt auf der Halbinsel unter anderem die Ostfriesen-Zeitung (Leer), die Ostfriesischen Nachrichten (Aurich) und den General-Anzeiger (Rhauderfehn) heraus. Laut Landesmedienanstalt sind Gesellschafter der Nordseewelle folgende Anteilseigner: 28,1 % Rechtsanwalt Frank Wilken, Leer, 24,9 % ZGO Zeitungsgruppe Ostfriesland GmbH, Leer, 17,0 % TBD Technische Baudienstleistungen GmbH & Co. KG, Friedeburg, 17,0 % Holger Franz, Leer, 13,0 % Joachim Klemm, Leer.
Großefehn – Der hat sie nicht mehr alle! Oder doch? Jürgen Tjaden betreibt mit seinem „Oll Reef Hus“ das originellste, chaotischste, lustigste Museum des Nordens. Der 71-jährige Landwirt aus Wrisse bei Großefehn will „die Dinge erhalten“, und dafür sammelt er seit 30 Jahren, was ihm in die Finger kommt – vom Trecker bis zum Zuckertopf. Zwischen Mähdreschern und Mopeds hat sich „Jürn“, wie ihn hier in Ostfriesland alle nennen, sein eigenes Reich gebaut. Zehntausende von Objekten türmen sich in seiner Halle, und zu jedem Exponat hat er eine kleine Geschichte parat. Und weil „Jürn“ eben „Jürn“ ist, reist er durch ganz Ostfriesland und schaut auf Dachböden und Scheunen nach „erhaltenswerten Dingen“. Seine Sammlung wächst und wächst. Fragt sich nur, was seine Familie davon hält.
Jürgen Tjaden betreibt mit seinem „Oll Reef Hus“ das originellste, chaotischste, lustigste Museum des Nordens. Foto: NDR
„Jürn“ ist Chronist und Chaot zugleich. Auf der einen Seite kann er nicht genug von „alten Dingen“ (plattdeutsch: oll Reef“) bekommen, auf der anderen Seite stattet er auch schon mal Filmproduktionen mit Requisiten aus oder unterstützt Museen durch Leihgaben.
Das Filmteam Papstein und der Reporter Jens Brombach haben Jürgen Tjaden mit der Kamera begleitet und sind mit ihm auf die Suche nach neuen Schätzen gegangen. Das Portrait „Jürn – der Alles-Sammler “aus der NDR-Reihe „Typisch!?“ ist vor allem eines: typisch ostfriesisch!
NDR-Reihe „Typisch!?“ – “Jürn – der Alles-Sammler”, am Donnerstag, 2. Januar 2014, um 18:15 Uhr im NDR-Fernsehen. Trailer in Kürze unter: http://www.ndr.de/fernsehen/
Autor: Jens Brombach, Kamera: Henning Papstein, Schnitt: Laura Bechtold
Der 71jährige Landwirt aus Wrisse bei Großefehn will „die Dinge erhalten“ und dafür sammelt er seit 30 Jahren, was ihm in die Finger kommt – vom Trecker bis zum Zuckertopf. Foto: NDR
Mir fällt mit fast schon inflationärer Häufigkeit auf, wie sehr sich der Umgang der Menschen miteinander ändert. Im Internet. Besonders im Facebook.
Diese Entwicklung hat Vorteile. Neue Kontakte entstehen, alte Kontakte werden wiederbelebt und gepflegt, zum Teil über weite Entfernungen hinweg. Informationen stehen zur Verfügung. Immer wieder entwickeln sich spannende Diskussionen.
Die Kehrseite sind öffentliches Kesseltreiben, virtuelle Dauerbeleidigungen, scheinintelektuelle Besserwisserei und vernichtende Polemik unterhalb jeder Toleranzschwelle. Warum eigentlich müssen sich Verantwortungsträger aus Politik, Gesellschaft, Verwaltung, Sport, Kirche und Wirtschaft von Menschen in der virtuellen Welt öffentlich alles gefallen lassen, was ihnen diese selbsternannten „Kritiker“ in der realen Welt nicht einmal abgeschwächt ins Gesicht sagen würden?
Warum erlauben sich Menschen, die gerne auch noch ihren überlegenen Bildungsstatus vor sich hertragen, den virtuellen Pranger zu ihrem persönlichen Eigentum zu erklären? Als Raum frei von Grundrechten (der Angeprangerten) und frei von Regeln eines gesellschaftlichen Grundkonsens’, den ich in meiner Erziehung unter Begriffen wie „Anstand“, „Respekt“ und „Toleranz“ kennengelernt habe?
Was ist denn so anders in der virtuellen Welt? – Vielleicht – und dies ist nur der VERSUCH eines Ansatzes zur Erklärung – ist es die Anonymität, die den Feiglingen den Mut verleiht, ihren Schmutz auszuschütten. Hier, im Netz, wo ich mich hinter Pseudonymen verstecken kann, wo ich nicht über mich und mein Tun Rechenschaft ablegen muss, mich aber dennoch über andere erhaben darf, hier ist noch der größte Feigling mutig genug, andere mit Schmutz zu bewerfen.
Vielleicht – und dies ist der zweite VERSUCH eines Ansatzes zur Erklärung – ist es aber auch der Umstand, dass im Virtuellen selbst die noch Gehör finden, deren geballten Unsinn real niemand mehr hören will und wahrscheinlich noch nie hören wollte. Eine Kommunikationsplattform der Gescheiterten.
Autor dieses Beitrags ist Carsten Feist, Wilhelmshaven, Blogger, Präventionsexperte, Leiter des Jugendamtes, vielseitig sozial und ehrenamtlich engagiert.
Wie auch immer. Ich nutze das Internet, ich mag seine Möglichkeiten. Und zu Weihnachten wünsche ich mir, dass sich alle mal wieder ein wenig besinnen und Kritik als große Chance sehen, Zustände zu verändern, ohne dass die Kritisierten dabei gleich mit vernichtet werden müssen. Bisweilen habe ich leider den Eindruck, dass es den virtuellen Heckenschützen nur noch um Selbstbefriedigung und Vernichtung Dritter geht.
Und je lauter sie durchaus eloquent dieses Motiv bestreiten, desto deutlicher entlarven sie sich selbst!
Appell von Landrat Sven Ambrosy an die Politiker in Friesland und Wilhelmshaven
Sven Ambrosy. Foto (c): LK FRI
Drei Tage vor der entscheidenden Kreistagssitzung, in der über die Frage einer Einkreisung Wilhelmshavens oder einer engeren Kooperation der beiden Nachbarn Friesland und Wilhelmshaven entschieden wird, hat Landrat Sven Ambrosy an diesem Freitag in einem Gastbeitrag für das Jeversche Wochenblatt noch einmal für das Projekt geworben, das er selbst schon fast aufgegeben hat. In einem sehr nachdenklichen Schreiben wirft Ambrosy zahlreiche Fragen auf. Wo sind die Alternativen derjenigen, die alles beim Alten lassen wollen? Welche finanzielle Alternative sehen sie zur Entschuldungshilfe des Landes? Was hindert uns, mehr zu tun? Ist es unsere Angst vor dem Unbekannten? Weil man Angst hat, Macht abzugeben, ohne zu sehen, dass man neue Einflussmöglichkeiten gewinnt?
Nach dem augenblicklichen Stand der Diskussion wird sich wohl weder Frieslands Kreistag noch der Wilhelmshavener Stadtrat, der Mittwoch tagt, für die „Einkreisung“ entscheiden. Ambrosys Beitrag – ein letzter Versuch? Er appelliert an die Politik: „Mehr Region wagen!“ Zum Beitrag