Auf Armutsbekämpfung zurückbesinnen

OID3 Köln – Der Geschäftsführer der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation mit Sitz in Bonn, Niclaus Bergmann, sieht die Entwicklungshilfe durch Mikrofinanz weltweit in einer „Identitätskrise“, hält sie aber keineswegs für gescheitert. Im Gegenteil: Aus einer Phase der Selbstfindung könnten die Institutionen, die sich mit Mikrofinanzierung beschäftigten, gestärkt hervorgehen.

Es sei nicht die erste Krise, die die Mikrofinanz zu überstehen hatte. Wichtig sei eine Rückbesinnung auf die Ursprungsidee der Armutsbekämpfung in den Entwicklungsländern, sagte Bergmann (Foto) auf einer Tagung haupt- und ehrenamtlicher Mitarbeiter der Stiftung „Opportunity International Deutschland“ am Wochenende in Köln.

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Zugang zu Krediten eröffnet Chancen für 28 Millionen Menschen

Oikocredit legt Bericht zum sozialen Wirkungsmanagement 2010 vor 

Daressalam (ots) – Die sozialen Auswirkungen der Mikrofinanzierung sollten für das Wachstum des Sektors ebenso wichtig sein wie die finanziellen Ergebnisse. Heute stellt Oikocredit auf der Generalversammlung in Tansania ihren Bericht zum sozialen Wirkungsmanagement vor. Dieser Bericht zeigt positive Veränderungen im Leben der Kreditnehmerinnen, vor allem Frauen in ländlichen Gebieten. Das entspricht der Vision von Oikocredit, auf verantwortliche Weise mehr Menschen mit fairen Finanzierungen zu erreichen.

Im letzten Jahr erreichte Oikocredit über ihre Mikrofinanz-Partner mehr als 28 Millionen Menschen, 1,2 Millionen profitierten direkt von Oikocredit-Finanzierungen. Der Anteil der Frauen an den NutzniesserInnen der Finanzdienstleistungen von Oikocredit-Partnern lag bei eindrucksvollen 86%. Die kleinen und mittleren Unternehmen, die mit Oikocredit-Finanzierungen arbeiten, bieten 61.000 Menschen feste Arbeitsplätze.

„Unsere Finanzdienstleistungen sind eng mit unseren sozialen Zielen verknüpft. Um soziale Ziele zu erreichen, ist es sehr wichtig, zu messen, wen wir erreichen und wie sich die finanzielle Unterstützung auf die Lebensbedingungen auswirkt“, erklärt Ben Simmes, Direktor für soziales Wirkungsmanagement und Finanzanalyse bei Oikocredit. „Erste Ergebnisse der von Oikocredit unterstützten Kundenbefragungen in Peru, Ecuador und auf den Philippinen zeigen positive Veränderungen im Leben der Kundinnen über mehrere Jahre. Ähnliche Studien laufen demnächst auch in anderen Ländern an.“

Das Entwicklungsfinanzierungsportfolio belief sich auf insgesamt 481 Millionen EUR, von denen 388 Millionen EUR in der Mikrofinanz und 93 Millionen EUR in Sozialunternehmen investiert sind. Unter den Oikocredit-Partnern befinden sich über 230 Genossenschaften und rund 50 Fairhandelsorganisationen.

Die Unterstützung kleinerer neuer Mikrofinanzinstitutionen (MFI) mit Potenzial zur Erreichung armer Menschen, vor allem in ländlichen Gebieten, ist eine wichtige Strategie von Oikocredit, die mehr Menschen Zugang zu Finanzdienstleistungen verschafft. Die Ergebnisse von 2010 zeigen, dass 90% der neuen Kredite 2010 an MFI des sogenannten zweiten und dritten Segments gingen, neue MFI mit kleinem bis mittlerem Portfolio.

Oikocredit wählt ihre Partner anhand ihres Auftrags, ihrer Reichweite und ihrer Geschäftspraktiken sorgfältig aus. Die „ESG Scorecard“ (Instrument zur Erfassung sozialer Leistungsfähigkeit, Umweltverträglichkeit und verantwortungsvoller Unternehmensführung) wurde von Oikocredit entwickelt, um die Leitungsstrukturen unserer Partner sowie ihr soziales und ökologisches Engagement zu ermitteln und ermöglicht eine sehr detaillierte und sorgfältige Auswahl unserer Partner. In allen neuen Kreditverträgen mit Mikrofinanz-Partnern ist die Einhaltung der Kundenschutzrichtlinien vereinbart, um sicherzustellen, dass sie für transparente Dienstleistungspreise und verantwortliche Finanzierungen sorgen. Die unabhängige internationale Rating-Agentur für die Mikrofinanzbranche M-CRIL hat Oikocredit für ihre soziale Orientierung in Verbindung mit soliden finanziellen Ergebnissen sehr positiv bewertet.

Im vergangenen Jahr haben über 90% der Mikrofinanzpartner von Oikocredit Sozialdaten vorgelegt und damit gezeigt, dass die Berichterstattung über soziale Auswirkungen immer wichtiger wird. Oikocredit ist stolz auf ihre Vorreiterrolle im sozialen Wirkungsmanagement und wird ihren seit 35 Jahren bestehenden sozialen Auftrag weiterhin mit Engagement und Hartnäckigkeit erfüllen. Spürbare Auswirkungen auf die Lebensbedingungen armer Menschen stehen dabei im Mittelpunkt.

Unter http://www.oikocredit.org/socialperformance können Sie den Bericht zum sozialen Wirkungsmanagement in voller Länge lesen und finden weitere Informationen über soziales Wirkungsmanagement und Oikocredit.

Oikocredit ist ein sozialer Investor und eine internationale Genossenschaft, die sich für weltweite Gerechtigkeit einsetzt, indem sie benachteiligten Menschen durch Kredite eine Chance auf wirtschaftliche Eigenständigkeit eröffnet. Seit 1975 vergibt Oikocredit Kredite, Bürgschaften und Investitionskapital an Mikrofinanzinstitutionen, Genossenschaften, Fairhandelsorganisationen und andere Betriebe. Oikocredit hat heute 863 Projektpartner in über 70 Ländern. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.oikocredit.org.

Soziale Mikrofinanz finden Sie auch hier: www.oid.org

“Pingel Anton” beim Wochenende an der Jade

Einen historischen Schienenbus setzt die Wilhelmshavener Tourismus und Freizeit GmbH beim bevorstehenden Wochenende an der Jade (30. Juni bis 3. Juli) als Zubringer von Sande nach Wilhelmshaven ein. Einen Beitrag darüber veröffentlichte jetzt die Neue Osnabrücker Zeitung: “Pingel Anton” kommt an die Jade…

http://www.noz.de/lokales/54919434/huemmlinger-pingel-anton-faehrt-in-wilhelmshaven

Pingel

Hier gibt’s mehr Infos vom Veranstalter und den Fahrplan

Heimspiel für Klaus Spencker

Stimmungsvolle Jazzmusik im Landschaftsforum

Aurich – Ein Abend mit stimmungsvoller Jazzmusik erwartet die Besucher des Landschaftsforum am 24. Juni um 20 Uhr. Der aus Aurich stammende Gitarrist Klaus Spencker bringt zusammen mit Sebastian Merk am Schlagzeug und Bassist Marc Muellbauer nicht nur musikalisch erzählte Geschichten auf die Bühne. Das Trio gibt auch schon einen reizvollen Vorgeschmack auf die Konzerte beim diesjährigen Musikalischen Sommer in Ostfriesland.

KlausSpencker01_CMYKKlaus Spencker, am 24. Juni mit seiner Band in Aurich.

„Wenn ich mich mit der Gitarre hinsetze und mal Zeit zum Schreiben habe, ist das wie ein riesiger Tisch, auf dem ein Haufen Postkarten, Bilder, Briefe, Zeitungsschnipsel und Zweige, die mein Sohn aus dem Wald mitgebracht hat, liegt. Anfangs schreibe ich nur Skizzen und Formen auf, aber irgendwann macht es Klick und die Geschichten nehmen Gestalt an.“ So beschreibt Klaus Spencker die Entstehung seiner Musik und was aus diesen Skizzen und Formen wird, begeistert ein immer größeres Publikum und sichert seinem Namen einen Platz im deutschen Jazz, nachdem er sein musikalisches Handwerk in Amerika erlernt hat. Neben den Einflüssen von Pat Metheny und John Abercrombie ist seine Musik vor allem geprägt von seiner akustischen Gitarre: „Mir wurde oft nachgesagt, wenn ich begleite, klinge das wie ein E-Piano oder Klavier. Tatsächlich habe ich mich während des Studiums auch intensiv mit Bill Evans beschäftigt.“

Zwar heißt Klaus Spenckers aktuelles Album „December“, passt mit seiner Leichtigkeit und Stimmung aber perfekt zu einem Sommerabend, erzählt Geschichten von Bewegungen in der Zeit und vom Wechsel der Jahreszeiten. Zugleich zeichnen die einzelnen Titel aber auch ein Bild der individuellen Auseinandersetzung des Künstlers mit Traditionen. Ein Kampf mit den amerikanischen Wurzeln des Jazz, die sich nicht einfach in eine deutsche Musiktradition einpflanzen lassen. So gilt es umso mehr, aus der Tradition heraus etwas Eigenes zu entwickeln und das tut Klaus Spencker mit leisen Tönen- weich, transparent und klar. Töne, die Konzerte zum Innehalten und Lauschen versprechen.

Klaus Spencker Trio

Datum: 24.06.2011

Beginn: 20.00 Uhr, Einlass: 19.30 Uhr

Eintritt: 15 €, Schüler und Studenten 7,50 €

Homepage des Künstlers: http://www.spencker.de

Informationen und Karten gibt es unter Tel.:04941 179976, per Fax: 04941 179975 und per E-Mail: karten@ostfriesischelandschaft.de oder im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft, Georgswall 1 – 5, 26603 Aurich.

Märkte in Afrika müssen geschützt werden

Afrikakonzept der Bundesregierung – Welthungerhilfe zieht gemischte Bilanz

Bonn, 15.06.2011. Die Welthungerhilfe bewertet das heute von der Bundesregierung vorgestellte Afrika-Konzept als ersten Schritt in die richtige Richtung. Die Organisation bemängelt aber, dass das Papier zu sehr in der Analyse der Probleme und der verschiedenen Sektoren steckenbleibt.
Wolfgang Jamann, Generalsekretär der Welthungerhilfe, zum Afrika-Konzept:
„Wir freuen uns, dass es erstmalig ein gemeinsames Konzept für die Unterstützung und Zusammenarbeit mit Afrika gibt. Viele zentrale Aspekte wie Umwelt und Klima sowie gute Regierungsführung werden richtig benannt. Was allerdings fehlt, sind die Konsequenzen für die deutsche Politik.”
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Fischproduzentinnen am Voltafluss in Ghana. Afrikanische Märkte müssen zumindest für eine Übergangszeit geschützt werden, meint die Welthungerhilfe. Foto: Helmut Burlager

Jamann: “Es ist gut, dass ländliche Entwicklung und Landwirtschaft als wichtige Sektoren für die Entwicklung Afrikas explizit genannt werden. Wir fühlen uns damit in unserer langjährigen Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium bestätigt.“
Kritischer bewertet die Welthungerhilfe die starke Betonung des Handels. Hier zeige sich, dass die Zielkonflikte der verschiedenen Ministerien in dem Konzept nicht aufgelöst würden. „Afrika ist eine wirtschaftlich erfolgreiche Entwicklung zu wünschen. Für viele Menschen müssen allerdings erst die Voraussetzungen geschaffen werden, um an einer wirtschaftlichen Entwicklung teilhaben zu können. Freier Handel ist oft nicht fairer Handel. Manchmal kann es im Sinne der wirtschaftlichen Entwicklung sein, wenn sich entstehende Märkte für einen gewissen Zeitraum schützen. Auch das Thema ‚Landgrabbing‘ wird mit keinem Wort erwähnt“, so Jamann.

Quelle: Pressemitteilung der Welthungerhilfe

Die Welthungerhilfe ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland. Sie leistet Hilfe aus einer Hand: Von der schnellen Katastrophenhilfe über den Wiederaufbau bis zu langfristigen Projekten der Entwicklungshilfe mit einheimischen Partnerorganisationen nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. Seit der Gründung im Jahr 1962 wurden mehr als 6.200 Projekte in 70 Ländern mit 2 Milliarden Euro gefördert – für eine Welt ohne Hunger und Armut.

Interessante Aufnahmen von der Inselbahn

Einmal Inseldorf und zurück: Wer nur die Strecke vom Anleger zum Bahnhof kennt, sollte sich diese Fotos von früheren Inselbahnstrecken auf Wangerooge anschauen. Damals führten Gleise in den Osten:

DEV-Forum für Klein- und Privatbahnen

Wooge

Bildquelle: DEV-Forum, Nanning

Südzentrale – war’s das?

Suedzentrale

Wilhelmshaven – Die Südzentrale in Wilhelmshaven wurde 1908/09 als Kraftwerk der Marine in luftiger Jugendstil-Architektur erbaut und ist seit 1991 eingetragenes Baudenkmal. Seit Betriebsaufgabe 1993 ist es Verwahrlosung und Verfall ausgesetzt.Der stadtgeschichtliche Wert des Bauwerks ist bei den Entscheidungsträgern in den Hintergrund gestellt worden. In den vergangenen Jahren ist weder eine erforderliche Nachnutzung noch notwendige Substanzsicherung ernsthaft angedacht worden. Einem erneuten Abrissantrag wurde Anfang des Jahres entsprochen, obwohl konkrete Planungen über eine zukünftige Nutzung des Areals fehlen.

Sued Ein Panoramabild (Innenansicht) der Südzentrale gibt’s hier (links). Einfach draufklicken.

Mit Vorträgen, Ausstellungen, Architekten-Workshop und Theater-Performance hat das Forum zum Erhalt der Südzentrale in den vergangenen zehn Jahren immer wieder versucht, auf die Besonderheit und einzigartige Qualität des Gebäudes hinzuweisen.Das Symposium, zu dem das Forum am Samstag, 18. Juni 2011, ab 11 Uhr einlädt, zeigt Potentiale des Ortes und (verpasste) Chancen auf. Es soll deutlich werden, inwieweit die Südzentrale heute noch Ausgangspunkt einer zukünftigen Planung und Entwicklung sein kann.

Fachredner werden mit Kurzreferaten den Auftakt der Veranstaltung begleiten. Darunter u. a. Axel Föhl, Wolfgang Neß und Hermann Schiefer aus der staatlichen Denkmalpflege, Prof. Dr. Uwe Meiners (Museumsdorf Cloppenburg), Martin Thumm und Christoph Gerlach (Hochschule für Wissenschaft und Kunst Hildesheim), Jörg Michael Henneberg, Vorsitzender der Stiftung für wilhelminische Studien, Tom Nietiedt, Micaela-Schweers-Sander, Ernst-André Winter u. a. Statements von Gottfried Kiesow, Vorsitzender der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Ingo Sommer und Henning Venske unterstützen den Dialog. Im Anschluss an die Vorträge gibt es eine offene Diskussion.

Eingeladen sind alle Interessierten, die sich in dieser Diskussion um die Südzentrale mit einbringen möchten.

Veranstalter: Forum Wilhelmshaven – Erhaltet die Südzentrale sowie die Oldenburgische Landschaft

Ort: Deutsches Marinemuseum, Südstrand 125, Wilhelmshaven

Bitte kurze Anmeldung zur Veranstaltung, Kontakt: Corinna Nickel 0172.432 46 58

Einmal um die ganze Welt

Wer nimmt sich heute noch die Zeit, in 80 Tagen um die Welt zu reisen? In Bremerhaven erledigt sich das in ein paar Stunden: im Klimahaus 8 Grad Ost, der Attraktion der Havenwelten Bremerhaven. Deutschlands größte Stadt an der Nordsee gilt inzwischen als beispielhaft für einen gelungenen Strukturwandel: „Fischtown“ war gestern, die Havenwelten sind heute – und die sind längst sogar ausgezeichnet als eines der besten deutschen Tourismusprojekte. Der Wirtschaftsverlag N.W. in Bremerhaven gibt Tipps für ein Wochenende in der Stadt:

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Das Lichtkonzept der Havenwelten wurde international mit Design- und Architekturpreisen ausgezeichnet. Foto: BEAN Bremerhaven

Freitag

14 Uhr: Ankommen – das heißt an der Weser: Erst einmal an den Deich, „unsere gute Stube“ sagen die Bremerhavener selbst über ihre Weserpromenade zwischen der neuen Kaiserschleuse mit dem Schlepperhafen davor und dem historischen Weser-Strandbad mit seinem Wasserstandsanzeiger, dessen Bälle und Kegel aus Korbgeflecht anzeigen, wie hoch das Wasser im Fluss steht. Tief einatmen: Bessere Luft gibt’s kaum im Land. Am Eingang zur Nordsee riecht es schon nach Meer. Der Spaziergang führt vorbei am Deutschen Schiffahrtsmuseum, einem der nur sieben nationalen Forschungsmuseen, dem runderneuerten Zoo am Meer als Europas kleinstem, wissenschaftlich geleiteten Zoo, vorbei an Deutschlands ältestem noch funktionierenden Leuchtturm auf dem Festland und der Seebäderkaje, von der zwischen Mai und Oktober die „Fair Lady“ täglich Kurs auf Helgoland nimmt.

15.30 Uhr: Der Dampfer „Lahn“ fuhr einst bis nach Amerika – mit seiner in Originalgröße nachgebauten Bordwand beginnt noch heute jede Reise im Deutschen Auswandererhaus. Ebenso eindrucksvoll wie anschaulich erzählt das Erlebnismuseum am Neuen Hafen die Geschichte der Auswanderung nach Amerika zwischen 1830 und 1974. ^

Fotos Havenwelten 011Im Auswandererhaus erfahren die Museumsbesucher in der „Galerie der 7 Millionen“, welche verschiedenen Gründe es für die  Auswanderung gab. Hier lernen sie auch die Biografien der realen Auswanderer kennen. Foto: DAH Bremerhaven, Werner Huthmacher

 7,2 Millionen Menschen brachen in dieser Zeit von Bremerhaven aus auf nach Übersee. Die Ausstellung erzählt von ihrem Abschied, von der beklemmenden Enge an Bord der Segler und der hoffnungsvollen Ankunft auf Ellis Island in New York und nimmt die Besucher mit auf die Reise. Seit der Eröffnung vor sechs Jahren hat das Deutsche Auswandererhaus schon mehr als 1,2 Millionen Besucher aus aller Welt bewegt und wurde 2007 sogar als Europas Museum des Jahres ausgezeichnet.

Sonnabend

10 Uhr: Jetzt geht’s auf die einzigartige Weltreise. Im Klimahaus, einem spektakulären Bau aus Glas, Stahl und Beton, erleben die Besucher Wind und Wetter auf fünf Kontinenten.

Fotos Havenwelten 006Eine Flotte historischer Schiffe liegt im Neuen Hafen direkt vor der Haveninsel mit Tourist-Info, historischer Schiffswerft und dem Anleger der Hafenrundfahrt. Dahinter erhebt sich die eindrucksvolle Architektur des Klimahauses Bremerhaven 8 Grad Ost. Foto: BEAN Bremerhaven

In der Schweiz, auf Sardinien, der Sahelzone, in Kamerun, der Antarktis, Samoa, Alaska und durchs Wattenmeer zurück nach Bremerhaven – neun Stationen immer am achten östlichen Längengrad entlang, der auch quer durch die Großstadt an der Wesermündung läuft. Im Mittelpunkt stehen dabei die Menschen und der Einfluss, den der Klimawandel bereits heute auf ihr Leben hat. 4,5 Stunden ist im Durchschnitt bisher jeder Besucher in der Erlebnis- und Wissenswelt geblieben, denn es ist auch ein kleines Abenteuer, das seine Zeit braucht. Eine Expedition – wissenschaftlich fundiert, unterhaltsam und spannend, aber auch ohne den Zeigefinger zu erheben mahnend, künftig behutsamer mit unserer Erde umzugehen. „Ein Liebesbrief an unseren Planeten“ sei die Ausstellung, lobte der Umweltaktivist und Rocksänger Bob Geldof nach seinem Rundgang durchs Klimahaus. Von der erfrischend kühlen Alm in Isenthal in der Schweiz sind es nur ein paar Stationen bis in die 35 Grad heiße Wüste Nigers oder die tropische Wärme Kameruns. Der westafrikanische Regenwald bei Nacht bietet Gerüche und Geräusche von faszinierender Exotik – und Einblicke in das Geschäft mit der Abholzung. Platzregen und grüne Schluchten erwarten die Besucher auf Samoa, bevor ihr Weg sie in eine Unterwasserwelt aus lebenden Korallen führt, deren Pracht schon durch einen Anstieg der Wassertemperatur um nur wenige Grad für immer zerstört werden könnte.

„Diese Reise macht deutlich, wie das Leben der Menschen auf unserem Planeten vom Klima beeinflusst wird und welche Veränderungen uns bevorstehen“, erläutert Klimahaus-Geschäftsführer Arne Dunker. Für den Umwelt- und Klimaschutz möchte er seine Besucher sensibilisieren.

Begeistert waren die Bremerhavener anfangs gar nicht von den Plänen. Klimaschutz als Thema für eine Touristenattraktion? Das passt, wissen sie heute: Seit der Eröffnung im Sommer 2009 kamen mehr als eine Million Besucher in die weltweit einmalige Erlebnis- und Wissenswelt, viel mehr, als erwartet worden waren. „Unser Anspruch war es, eine vollkommen neue Freizeitattraktion zu entwickeln“, sagt Ausstellungsmacher Carlo Petri. Das Klimahaus passt als zentrale Attraktion zu den Havenwelten. „Auf die Themen Klima und Wetter kamen wir, weil heute schon viele Menschen allein wegen des intensiven Naturerlebnisses an die Nordseeküste kommen“, weiß Petri. Aber Bremerhaven ist durch das renommierte Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung AWI auch einer der führenden internationalen Standorte der Klimaforschung.

15.30 Uhr: Inmitten der Havenwelten startet auch die Hafenrundfahrt, und die ist für jeden Besucher natürlich ein Muss. Eine Stunde lang erschließen die Barkassen „Hein Mück“ und „Lady Sunshine“ die Überseehäfen. Es geht vorbei an schwimmenden Autogaragen mit Platz für 6000 Pkw, an Frachtern voll südamerikanischer Bananen und Passagierschiffen, die in den Werften flott gemacht werden für die nächsten Reisen. Das Seemannsgarn spinnt der Rundfahrt-Kapitän gratis dazu und er schwärmt auch von der Sail Bremerhaven, dem alle fünf Jahre in Bremerhaven stattfindenden Windjammer-Treffen. Die größten und schönsten Segelschiffe aus aller Welt laufen zur Sail in die Häfen ein, das nächste Mal im August 2015. Eine Million Besucher werden dann wieder allein in fünf Tagen an den Hafenbecken entlang schlendern.

19 Uhr: Das Abendessen wird in einer ehemaligen Fischpackhalle serviert: Das Schaufenster Fischereihafen wird in diesem Jahr schon 20 Jahre alt, aber die Laden- und Kneipenzeile mit dem TiF – Theater im Fischereihafen, Atlanticum mit Meerwasseraquarium und dem Seefischkochstudio könnte als ein Vorläufer der Havenwelten betrachtet werden. Es war der erste erfolgreiche Versuch des Landes Bremen, eine Industriebrache zum Touristenmagneten umzubauen.

Sonntag

11 Uhr: Wer mag, kann bei der Touristen-Information eine Führung durch die Havenwelten buchen. Der Rundgang entlang des Alten und Neuen Hafens dauert etwa zwei Stunden. Die Führer erzählen viel aus der Geschichte der größten deutschen Stadt an der Nordsee, vom „Urknall“ für den Tourismus in Bremerhaven 1975 mit der Eröffnung des Deutschen Schiffahrtsmuseums und seiner Hansekogge und natürlich von dem ehrgeizigen Projekt zwei Jahrzehnte später, Bremerhaven für den Städtetourismus neu zu erfinden. Zehn Jahre lang wurden die Havenwelten geplant, gebaut und 2009 mit der Eröffnung des Klimahauses fertig gestellt – eine Fläche von 1,8 Kilometern Länge und 300 Metern Breite mitten in der Innenstadt und sofort ausgezeichnet mit dem Deutschen Städtebaupreis. Wie ein neuer Stadtteil prägen heute die Havenwelten das Gesicht Bremerhavens, denn hinterm Deich sind auch exklusive Wohnungen, eine Marina für 220 Yachten, Büros mit Weser- und Hafenblick, das Einkaufszentrum Mediterraneo und ein „Conference Center“ entstanden. Rund 320 Millionen Euro haben die Stadt Bremerhaven und das Land Bremen in die Entwicklung der Havenwelten investiert. Zum Rundgang gehört auch der Besuch auf der Aussichtsplattform auf dem Dach des Büro- und Hotel-Hochhauses Sail City, dem höchsten Gebäude der Stadt, gebaut in der Form eines aufgeblähten Segels. Aus 86 Metern Höhe liegt uns die Stadt zu Füßen, und bei guter Sicht kann man von hier aus über 30 Kilometer weit sehen, über die Häfen hinweg auf die Nordsee hinaus oder landeinwärts auf die Flusslandschaften der Weser und der Geeste.

13.30 Uhr: Zum Ausklang gönnen wir uns noch einen kleinen Abstecher ans Mittelmeer: ins Einkaufszentrum Mediterraneo. Von Mai bis Oktober öffnen die 40 Geschäfte und Lokale auch sonntags bis 19 Uhr. Auf der großen Piazza plätschert aber das ganze Jahr hindurch ein Springbrunnen, wie er auch in Italien nicht schöner stehen könnte. Cafés und Restaurants stellen ihre Tische und Stühle vor die Tür, und wenn die Sonne durch die gewaltige, 35 Meter hohe gläserne Kuppel scheint, dann geht auch das mediterrane Experiment an norddeutscher Küste auf.

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Detailgenaue Rekonstruktionen und multimediale Inszenierungen versetzen die Besucher im Deutschen Auswandererhaus mitten in die Geschichte. Im Ausstellungsraum „An der Kaje“ stehen die Besucher in einer Hafenszene des Jahres 1888 und sehen die Auswanderer, die sich von ihren Familien verabschieden und voller Hoffnung und Wehmut an Bord gehen, um ihre Reise in eine ungewisse Zukunft anzutreten. Foto: DAH Bremerhaven , Stefan Volk

Bremerhaven hat sich neu erfunden als Zentrum maritimen Städtetourismus’. Urlauber gehören inzwischen ganzjährig zum alltäglichen Bild in der Stadt, und allein im vergangenen Jahr schoss die Zahl der Hotelübernachtungen um 20 Prozent in die Höhe. Auch deshalb hat „Merian aktiv“ nun erstmals einen kompletten Reise- und Freizeitführer für Bremerhaven und das Elbe-Weser-Dreieck herausgegeben. Das handliche, 128 Seiten starke Heft gibt den Besuchern Tipps, die sich nicht auf die Attraktionen der Havenwelten beschränken. Für die 77 Ausflugsziele in der Region reicht da ein Wochenende längst nicht aus…

Auskunft: Tourist-Info Bremerhaven, 0471/414141,

Im Internet: www.bremerhaven.de , www.bremerhaven-tourism.de, www.havenwelten.de

Zum Weiterlesen:

MERIAN aktiv Bremerhaven und das Elbe-Weser-Dreieck, 128 Seiten, 9,99 Euro.

Bildband HAVENWELTEN, 136 Seiten, 24,80 Euro