Tag 252 | Literatur

Und Pressemitteilungen der Polizei gehören doch zur großen Literatur. Ihr glaubt es nicht? Hier ungefilterte Nachrichten vom vergangenen Wochenende aus dem Jeverland.

1. Erschleichen von Leistungen Am Samstag, 06.09.14, um 04:15 Uhr, ließ sich ein alkoholisierter 27-jähriger Mann von einer Schortenser Diskothek bis nach Hause ins Wangerland fahren. Dort ließ er sich, abseits seiner eigentlichen Wohnanschrift, absetzen und entfernte sich, ohne den Fahrpreis zu entrichten. Leider vergaß der Mann seine Geldbörse mit etlichen Papieren auf dem Rücksitz. Sichtlich erstaunt wurde er zu Hause angetroffen, wo ihm die Einleitung eines Strafverfahrens bekanntgegeben wurde.

 2. Einfacher Schnaps-Diebstahl Am Samstagnachmittag, 06.09.2014, gegen 17.00 Uhr, betritt ein alkoholisierter Mann die Wohnung der Geschädigten in Jever durch eine offenstehende Tür, entwendet aus dem Wohnzimmer eine Flasche Rum und flüchtet. Hierbei wird er vom Sohn der Geschädigten beobachtet und auch erkannt. Dem 62-jährigen Beschuldigten erwartet nun ein Strafverfahren. Die Bekanntgabe der Einleitung des Strafverfahrens beim Aufsuchen der Wohnanschrift des Beschuldigten misslang, da er aufgrund seiner erheblicher Alkoholisierung die Belehrung gar nicht mehr verstehen konnte.

3. Gefährliche Körperverletzung/ Sachbeschädigung / Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte:    Am Sonntagmorgen, 07.09.2014, gegen 02.43 Uhr, schlug ein 24-jähriger Mann aus Wilhelmshaven einem 39-jährigen Mann aus Schortens in einer Diskothek in Schortens ein Glas gegen den Kopf. Das Opfer würgte daraufhin den Glasschläger. Beide wurden der Diskothek verwiesen. Außerhalb der Diskothek verhielt sich der 24-Jährige weiterhin verbal aggressiv gegenüber anderen Personen und warf mit einer Bierflasche eine Heckscheibe eines geparkten Pkw ein.

Aufgrund der Verhaltensauffälligkeit des Beschuldigten musste dieser dem Gewahrsam des PK Jever zur Verhinderung der Begehung weiterer Straftaten zugeführt werden. Hierbei wehrte er sich zunehmend, schlug und trat um sich, so dass ein Polizeibeamter am Schienbein und ein Polizeibeamter am Handgelenk verletzt wurden. Dem Beschuldigten wurde in der Dienststelle des PK Jever eine Blutprobe entnommen und dieser durfte in der Zelle seinen Rausch ausschlafen. Bei späterer Entlassung wurde dem Beschuldigten die Einleitung mehrerer Strafverfahren bekanntgegeben.

4. Trunkenheit im Verkehr Am Sonntagmorgen, gegen 07.00 Uhr, fiel einer 31-jährigen Fahrzeugführerin in Schortens auf, dass ein vor ihr fahrender Pkw, auffallend in Schlangenlinien geführt wurde. Der Pkw wurde über mehrere Bordsteine gelenkt und beschleunigte zeitweise extrem. Einer entgegenkommenden Funkstreifenwagenbesatzung fiel der Pkw sofort in der Jeverschen Straße in Schortens auf, da ein Reifen augenscheinlich „platt“ war. Bei der anschließenden Kontrolle der Fahrzeugführerin stellte sich heraus, dass diese offenkundig erheblich alkoholisiert war. Ein Test ergab jedoch lediglich eine Atemalkoholkonzentration von 0,87 Promille. Die weiteren Befragungen ergaben, dass die 64-jährige Fahrzeugführerin aus Schortens eine erhebliche Sehschwäche aufwies und zudem etliche Medikamente zu sich genommen hatte. Die Blutentnahme und die vorläufige Entziehung der Fahrerlaubnis wurde richterlich angeordnet.

Tag 248 | Kamikaze

Nachdem mir heute auf dem Weg zur Arbeit ein rasender Autofahrer in einem Wohngebiet die Vorfahrt genommen hat und eine weitere Autofahrerin an einer Einmündung mich erst im allerletzten Moment sah und bremste, also zwei Beinahunfälle auf eineinhalb Kilometern, geht mir das Thema Sicherheit für Radfahrer mal wieder durch den Kopf. Ich fahr ja schon kaum noch auf Radwegen, weil es dort in Jever ziemlich gefährlich ist. Und, siehste: Der Tagesspiegel berichtet just im Moment darüber: Die Straße, der unbekannte Radweg

Tag 244 | Ausflug

Was bedeutete noch mal „hoher Freizeitwert“? Ach ja, jetzt weiß ich’s wieder: Sonntags nach Neuharlingersiel radeln, Familie auf dem Segelboot treffen, im Sonnenschein Kaffee trinken, Kekse essen, zum Schluss am Hafen ein Matjesbrötchen  verputzen, mit Rückenwind zurückdüsen, allen Regenschauern ausweichen, nach 56 Kilometern schön verschwitzt unter die Dusche und anschließend die Beine hochlegen.

Schönen Sonntag noch…

Tag 241 | Toyisten

Dejo, einer der Begründer des Toyismus, mit seiner Marke, mit der er in der Öffentlichkeit auftritt. Die Botschaft: Die Kunst ist wichtig, nicht der Künstler. Foto: Toyism Studio
Dejo, einer der Begründer des Toyismus, mit seiner Marke, mit der er in der Öffentlichkeit auftritt. Die Botschaft: Die Kunst ist wichtig, nicht der Künstler. Foto: Toyism Studio

Grell, bunt, formenreich. Die Kunstrichtung des Toyismus ist nicht zu übersehen – zumindest nicht im niederländischen Emmen, wo ein Hotel und ein Gastank von Toyisten bemalt worden sind. Jetzt kommt der Toyismus auch nach Deutschland. Der Lions Club Jever präsentiert die Künstlerbewegung am Donnerstag, 11. September, um 18 Uhr im Immobilien- und Finanzzentrum der Volksbank Jever mit einer nur wenige Stunden dauernden Ausstellung, einem Vortrag und der Vorstellung eines druckfrischen Kunstkalenders für das Jahr 2015. Die Aktion entstand in Koproduktion mit dem Lions Club Emmen (NL), der seit 25 Jahren partnerschaftlich mit dem Serviceclub in Jever verbunden ist.

Die Bewegung der Toyisten ist vor gut zwanzig Jahren in Emmen entstanden, inzwischen ist sie weltumspannend – und ein wenig rätselhaft, denn alle Künstler treten nur unter einem Künstlernamen und in der Öffentlichkeit stets maskiert auf. Mehr darüber gibt es hier zu lesen: Grell und bunt und anders

Tag 237 | Weitblick

S1Q_DGzRS_15.inddPlanen mit dem sprichwörtlichen „nautischen Weitblick“, das ermöglicht der Viermonatskalender der Seenotretter auch für das Jubiläumsjahr 2015. Erneut kooperiert die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) mit dem Bremer Unternehmen „terminic“, einem der führenden Kalenderhersteller Europas. Dank dessen großzügiger Unterstützung liegt der Spendenanteil bei rund 80 Prozent. Der Erlös kommt direkt dem Seenotrettungsdienst an unseren Küsten zugute.

Im kommenden Jahr wird die DGzRS 150 Jahre alt. Der Viermonatskalender 2015 der Seenotretter trägt deshalb ein ganz besonderes Motiv: Das historische Ruderrettungsboot „August Grassow“ des Vereins Historische Seenotrettung in Horumersiel und der moderne Seenotkreuzer  „Vormann Steffens“sind gemeinsam zu sehen, symbolisch für die technische Entwicklung im Seenotrettungsdienst. Das Jahr 2015 steht für die Seenotretter ganz im Zeichen ihres Jubiläums. Mit einer „Woche der Seenotretter“ vom 29. Mai bis 4. Juni 2015 in Bremen und Bremerhaven begeht die DGzRS ihr 150-jähriges Bestehen. Gemeinsames Ziel von DGzRS und „terminic“ ist es, möglichst viele Unternehmen zu gewinnen, anstelle herkömmlicher Betriebskalender auf den speziellen Seenotretter-Kalender zurückzugreifen.

Die gesamte Arbeit der Seenotretter wird ausschließlich durch freiwillige Beiträge und Zuwendungen finanziert. Der Viermonatskalender kostet pro Stück 6,50 Euro zzgl.  Versandkosten, ab 100 Stück fünf Euro. Zu beziehen ist er im Seenotretter-Shop im Internet. http://seenotretter-shop.de/viermonatskalender-2015.html

Mehr zum DGzRS-Jubiläum:  www.150-jahre-seenotretter.de

Tag 236 | Gedicht

Heute mal was fürs Bildungsbürgertum (lach…) und ein Schnappschuss aus dem Sielhafen Carolinensiel:

Die Ketten streift ich ab, und warf die Seile weg, Und wandte mich vom Tand der Welt in Eile weg! Von frost'ger Nüchternheit, von grübelnder Vernunft, Wie sehn ich mich davon, aus langer Weile, weg! Sagt ihr mir Schlimmes nach, so sagt ich's im voraus, Und nahm euch diesen Ruhm zum besten Teile weg: Ich zöge gern den Weg, den eure Tugend bahnt, Doch blieb ich stets davon um eine Meile weg; Denn wer zur Scheibe sich, zum Ziel die Sonne wählt, Der sendet stets umsonst die leichten Pfeile weg! Nun aber, Dichter, schweig und laß der Welt den Lauf, Und was ihr nicht behagt, vertilge, feile weg! August Graf von Platen, 1834
Die Ketten streift ich ab, und warf die Seile weg,
Und wandte mich vom Tand der Welt in Eile weg!
Von frost’ger Nüchternheit, von grübelnder Vernunft,
Wie sehn ich mich davon, aus langer Weile, weg!
Sagt ihr mir Schlimmes nach, so sagt ich’s im voraus,
Und nahm euch diesen Ruhm zum besten Teile weg:
Ich zöge gern den Weg, den eure Tugend bahnt,
Doch blieb ich stets davon um eine Meile weg;
Denn wer zur Scheibe sich, zum Ziel die Sonne wählt,
Der sendet stets umsonst die leichten Pfeile weg!
Nun aber, Dichter, schweig und laß der Welt den Lauf,
Und was ihr nicht behagt, vertilge, feile weg!
August Graf von Platen, 1834

Tag 230 | Pixelpartnerin

Die Regionalgesellschaft „JadeBay“ hat ihren Internetauftritt aufgefrischt, recht ungewöhnlich kommen die „Pixelpartner“ jetzt daher. Besonders gefällt mir natürlich das sympathische PixPar-Porträt von Katharina Guleikoff, Redaktionsleiterin von Radio Jade. „Es ist wichtig zu zeigen, dass das hier eine gute Region in Deutschland ist, in der man gut leben und arbeiten kann“, sagt sie. Zum Porträt…

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Tag 226 | Der Schrei

Edvard Munch: Der Schrei.  Aufnahme: Archiv Dr. Gerd Presler
Edvard Munch: Der Schrei.
Aufnahme: Archiv Dr. Gerd Presler

Als Edvard Munchs Gemälde „Der Schrei“ zu Beginn des Jahres 2012 in New York für 119,9 Millionen US Dollar versteigert wurde, bewahrheitete sich, was schon lange bekannt war: Munchs „Schrei“ ist das berühmteste und meist reproduzierte Gemälde des 20. Jahrhunderts. Was die wenigsten wissen: Das Werk durchlief eine mehrjährige Entstehungsgeschichte. Munch entwickelte das Thema aus skizzenhaften Anfängen Schritt für Schritt bis zur heute weltweit bewunderten Vollendung. Fünf Fassungen sind bekannt. Eine wurde noch nie öffentlich gezeigt. Prof. Dr. Dr. Gerd Presler, Munch-Experte, kennt das Gemälde.

Im Rahmen eines Vortrags am Sonntag, 24. August, um 11.30 Uhr in der Galerie „Kunstraum“ in der Kuranlage Deichhörn  in Dangast wird er mit beeindruckendem Bildmaterial alle Fassungen vorstellen und die Entstehungsgeschichte der Öl- und Pastellbilder darlegen.

„Der Schrei“ gilt als erstes Bild des Expressionismus und zugleich als Meisterwerk dieser Epoche. Neben Öl und Pastellausführungen existieren Lithographien des Bildes. Im Vordergrund des Bildes steht ein Mann mit leeren Augen, der sich die Hände an die Ohren hält. Sein Mund ist geöffnet als lautloser Ausdruck seines Entsetzens.

Spannend daran ist auch, dass das berühmte Motiv in den Skizzenbüchern Munchs noch nicht kurz als „Der Schrei“ benannt wurde, sondern Munch die Bildidee zunächst als „das Geschrei der Natur“ betitelte. Handschriftliche Äußerungen Munchs vom Januar des Jahres 1892 beschreiben eine Szene, in der der Künstler mit Freunden bei Sonnenuntergang spazieren geht. In dieser Situation fühlte er „das große Geschrei durch die Natur“ und Angst überkam ihn. Dieses Gefühl verewigte er in den Fassungen von “Der Schrei”, sie beschreiben die Verzweiflung und die existentielle Angst des Menschen der Moderne ebenso wie Gefühle gegenüber den Naturmächten. Damit ist das Thema im Begleitprogramm der Ausstellung über Franz Radziwill und die Natur bestens untergebracht.

Gerd Presler wohnt bei Karlsruhe, ist Kunsthistoriker, insbesondere Experte von Deutschem Expressionismus, Radziwill und Munch und er hat kürzlich das Werkverzeichnis von Munchs Skizzenbüchern erstellt.

(Quelle Text und Bild: Franz-Radziwill-Gesellschaft)

Tag 224 | Ausgeladen

Eine Facebook-Gruppe, die sich „Jever aktuell“ nennt, hat sich das Wort von Voltaire zum Motto gemacht:  „Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst“. So tolerant ist man nicht überall im Nordwesten. Sogar die „Süddeutsche“ hat einen Vorgang im Emsland aufgegriffen, der ein bisschen sprachlos macht: Erklärungsnot nach Redeverbot

Tag 221 | Interfriesisch

Die Meldung darf im Friesenblog natürlich nicht fehlen. „Der Interfriesische Rat lädt in diesem Jahr zur Mitgliederversammlung nach Jever ein. Am 12. und 13. September treffen sich die Abordnungen der drei Sektionen Nord, Ost und West in Jever…“, meldet das Jeversche Wochenblatt