In Dangast: Franz Radziwill – In der Nähe des Paradieses

Der Maler entdeckt die Natur – Ausstellung vom 24.3.2013 – 12.1.2014

Dangast/Friesland – Nach dem 25-jährigen Jubiläum des Franz Radziwill Hauses 2012 steht das zentrale Motiv des Malers im Fokus der Betrachtung: Landschaft und Meer, Flora und Fauna.  An diesem Wochenende wird in Dangast die neue Ausstellung „In der Nähe des Paradieses“ eröffnet. Sie ist bis Anfang 2014 zu sehen.

Deich von Schillig, 1939, Sammlung Würth (Foto I. Barschang)
Deich von Schillig, 1939, Sammlung Würth (Foto I. Barschang)

Betrachtet man das Gesamtwerk von Franz Radziwill, so sind es vorrangig Motive aus der Natur, die der Maler in rund fünf Jahrzehnten geschaffen hat. Bis hin zum späten Werk spielt Landschaft die zentrale Rolle. Um dem Thema insgesamt gerecht zu werden, ist die Ausstellung als zweijähriges Projekt konzipiert. In zwei Jahren zeigt das Franz Radziwill Haus  Landschaft in vielen Formen: zunächst als friedlichen Raum, in dem Reetdachhäuser eingebettet sind und Bauern und Fischer ihrer Arbeit nachgehen. Und als Raum, in dem dicke Pilze wachsen oder Spatzen pfeifen. Einst auf der untersten Stufe der Rangskala der Künste positioniert, ist das Thema Landschaft mithin hochaktuell, es avancierte von der Staffage zum Idyll und zeigt sich immer öfter als Abbild von Zerstörung – die Bandbreite reicht mithin sehr weit.

1895 geboren, fand Franz Radziwill schnell seinen Lebensmittelpunkt, als er sich 1923 in Dangast niederließ. Mit dem Umzug von Stadt zu Land erhält die unmittelbar erlebte Landschaft den ersten Rang in seinem Oeuvre. Im Zentrum seines Interesses stand der nahe Kontakt zur rauen Natur und die sinnliche Erfahrung augenblicksgebundener Atmosphäre. Die Motive sind erlebte Beschreibungen seiner Umgebung. Dangast war damals ein Bauern- und Fischerdorf inmitten einer Landschaft von beachtlicher Vielfalt – vor der Haustür das Wattenmeer und nicht weit entfernt die Nordsee.

Das Plakatmotiv: In der Nähe des Paradieses, 1951, Privatbesitz -Sammlung Würth (Foto I. Barschang)
Das Plakatmotiv: In der Nähe des Paradieses, 1951, Privatbesitz -Sammlung Würth (Foto I. Barschang)

Zwar brachten Reisen und Studienaufenthalte sowie eine Professur an der Düsseldorfer Akademie den Maler auch an andere Orte, doch eigentlich ist die norddeutsche Landschaft das Fundament seines Schaffens. Und deshalb wurde bei der Auswahl der Leihgaben der Fokus auf Motive aus dem Nordwesten gesetzt – von der Ostsee bis zur holländischen Küste.

Das Frühwerk des norddeutschen Malers kennzeichnet noch eine expressive Farbpalette und ein schwungvoller Pinselduktus, was gegenüber dem Ölgemälde „Ostseelandschaft bei Hohwacht“, 1922, zum Ausdruck kommt. Das Gemälde belegt das frühe Interesse an der Natur, in dem sich Mann und Frau bewegen. Üppiges Grün dominiert die Szenerie.

Angesichts der faszinierenden Naturschauspiele, die er in seiner Wahlheimat am Jadebusen erlebte, distanzierte sich Radziwill von der expressionistischen Ausdrucksform und bemühte sich um eine weit mehr naturalistische Wiedergabe des Sichtbaren, wenngleich er seine kräftige Palette nicht ablegte. Mit einer altmeisterlichen Lasurtechnik strebte Radziwill eine stärkere Naturnähe an und studierte dazu die altdeutsche und die niederländische Kunst des 16. bis 18. Jahrhunderts. Gleichzeitig unternimmt er regelmäßig Reisen nach Holland, insbesondere zum nördlichen Küstenort Schoorl. Die hohen Dünen faszinierten ihn derartig, dass er sie gleich in mehreren Varianten auf die Leinwand brachte, eine davon befindet sich in der Ausstellung: „Blick von den Dünen bei Schoorl“. Das Werk aus dem Jahr 1926 wurde jüngst restauratorisch überarbeitet und besticht jetzt durch eine krasse Farbigkeit.

Durch ein Studium der Romantik in Dresden wurden Radziwills Bildräume größer und die Himmel farbiger. Die Inspiration durch die Malerei der Romantiker findet ihren sichtbaren Niederschlag zum Beispiel im Gemälde „Blick auf Dangast“, 1927 oder „Brandungsmauer mit Netzflickern“, 1933. Der Naturraum wird hier nicht als reine Idylle idealisiert, sondern stellt vielmehr den Daseinsraum des Menschen dar, als Fundament und Lebensgrundlage.

Im Gegensatz zu den sehr großformatigen Panoramen entstanden schon seit den 20er Jahren zahlreiche kleine Naturstudien, die einzelnen Entdeckungen gewidmet sind: Gräser mit Schneeglöckchen, ein dicker Steinpilz, ein Vogelnest, das Bild einer Maus – ebenso ein Spatz.

Selbstverständlich sind wieder Bilder dabei, die seit vielen Jahrzehnten nicht öffentlich ausgestellt wurden, darunter „Das kleine Bienenhaus“, 1948 und „Das Stillleben mit Bastkorb“, 1958.

In den späten 50er Jahren wandelte sich das Paradies Franz Radziwills. Kaum hat sich die Natur von den Einschlägen des Krieges erholt, folgt eine neue Bedrohung von Flora und Fauna. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung wuchsen Utopien der Modernisten im Ort und der Tourismus brach in das Kleinod ein. Sich jetzt in idyllische Bildwelten friesischer Natur zurückzuziehen, war Radziwills Sache keineswegs – doch sollen Sie genügend Gründe und Neugier behalten, um 2014 zum zweiten Teil der Ausstellung zu kommen.

Die Ausstellung 2014 wird den späten Werken aus der Nachkriegszeit bis 1971 gewidmet sein. Parallel dazu wird im Schlossmuseum Jever eine Dokumentation zum persönlichen Engagement des Malers für seine Wahlheimat stattfinden. Über das künstlerische Schaffen hinaus hat sich Franz Radziwill seit den späten 50er Jahren auch aktiv als Umweltschützer für die Region am Jadebusen eingesetzt, um die ursprüngliche Landschaft und gleichsam Dangast als pittoresken Künstlerort zu erhalten.

Blick in den Dangaster Groden. 1936. Franz Radizwill Haus
Blick in den Dangaster Groden. 1936. Franz Radizwill Haus

Zur Eröffnung der Ausstellung an diesem Sonntag, 24. März 2013, sprechen Ivo Kügel, 1. Vorsitzender der Franz Radiziwill Gesellschaft, Varels Bürgermeister Gerd-Christian Wagner, Frieslands stellvertretender Landrat Gustav Zielke, Konstanze Radziwill, 2. Vorsitzende der Radziwill Gesellschaft, und Kuratorin Birgit Denizel.

Zur Eröffnung des zweiten Teils – am 30. März 2014 – an den Standorten Franz Radziwill Haus in Dangast und Schlossmuseum inJever erscheint ein umfangreicher und reich illustrierter Katalog, in dem die friedvollen Frühwerke den zivilisationskritischen Spätwerken gegenüber treffend gestellt werden.

„IN DER NÄHE DES PARADIESES – Der Maler entdeckt die Natur“
Zeitraum: 24. März 2013 bis 12. Januar 2014
Adresse: Franz Radziwill Haus, Sielstraße 3, 26316 Dangast/Varel, Tel. 04451 – 2777, www.radziwill.de
Öffnungszeiten: Mi – Fr 15-18 Uhr / Sa, So und Feiertag 11-18 Uhr

Quelle: Pressemitteilung des Franz Radziwill Hauses

„Respekt“ – Lebensgeschichten sind zu einem Stück Zeitgeschichte geworden

Buchvorstellung und Ausstellungseröffnung vor großem Publikum in Jever
DRK-Präsident Dr. Rudolf Seiters (v. l.) erhält von den Mitgliedern der Fresenia-Loge zu Jever, Jan-Edo Albers und JörgReents, einen Probedruck des Porträtbandes. Foto: Christoph Hinz, Copyright: Jeversches Wodhenblatt
DRK-Präsident Dr. Rudolf Seiters (v. l.) erhält von den Mitgliedern der Fresenia-Loge zu Jever, Jan-Edo Albers und Jörg Reents, einen Probedruck des Porträtbandes. Foto: Christoph Hinz, Copyright: Jeversches Wochenblatt

Jever – Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Bundesinnenminister a.D. Rudolf Seiters, hat dem Zeitungs-, Buch- und Ausstellungsprojekt „Respekt“  größten Respekt gezollt. Als Festredner war der prominente Emsländer am Freitag, 15. März, zu der Abschlussveranstaltung gekommen, in der das Buch zur Serie vorgestellt wurde. Im vergangenen Jahr waren im Jeverschen Wochenblatt 52 Folgen mit Porträts alter Menschen aus dem Jeverland erschienen. Die Texte und Bilder liegen nun zusammengefasst in einem Buch vor, das demnächst in den Verkauf geht, und in dieser Woche beginnt eine Ausstellung mit mehr als 50 Fotografien der Fotografin Sigrid Kasdorf. Die Porträtbilder werden in jeverschen Geschäften gezeigt.

Rudolf Seiters lobte ebenso wie die stellvertretende Landrätin des Kreises Friesland, Marianne Kaiser-Fuchs, das Engagement der an dem Projekt Beteiligten. Das waren neben dem Jeverschen Wochenblatt die Fresenia-Loge zu Jever, die nicht nur die Idee eingebracht, sondern auch die gesamte Organisation des Projekts übernommen hat, und der Landkreis Friesland, dessen Seniorenbeauftragte Nantke Ihnen aktiv daran mitarbeitete, und der das Buch und die Ausstellung mitfinanziert.

Für die Senioren, die in der Reihe porträtiert wurden, würdigte Hans-Georg Drescher aus Schortens die Arbeit des Autorenteams, das ein „Geschichtsbuch“ geschaffen habe. Lebensgeschichten seien hier zu einem Stück Zeitgeschichte geworden.

Hier die Rede von Hans-Georg Drescher im Wortlaut:

Wir waren damit beschäftigt zu überleben 

 

 

„Respekt“ geht in eine neue Phase: Buch und Ausstellung mit Porträts alter Menschen aus dem Jeverland

Titel des Buches "Respekt", das am 15. März vorgestellt wird. Die Autoren Brigitte Meiners, Cornelia Lüers, Helmut Burlager und Christoph Hinz sowie die Fotografin Sigrid Kasdorf  stellen darin 53 Menschen aus dem Jeverland vor, die 75 Jahre und älter sind.
Titel des Buches „Respekt“, das am 15. März vorgestellt wird. Die Autoren Brigitte Meiners, Cornelia Lüers, Helmut Burlager und Christoph Hinz sowie die Fotografin Sigrid Kasdorf stellen darin 53 Menschen aus dem Jeverland vor, die 75 Jahre und älter sind.

Jever – Zehn Wochen nach Abschluss der Zeitungsserie „Respekt – Porträts von alten Menschen aus dem Jeverland“, in der die Lebensleistung von 53 Senioren gewürdigt wurde, geht das Projekt in eine neue Phase. In der kommenden Woche wird das Buch zur Serie vorgestellt, in der übernächsten Woche startet in Jever eine große Bilderausstellung mit großformatigen Fotoporträts der 53 „Respekt“-Kandidaten.

Sichtbarer Auftakt dieser Fortsetzung des „Respekt“-Projekts, das die Fresenia-Loge in Zusammenarbeit mit dem Jeverschen Wochenblatt und der Koordinierungsstelle „Älter werden“ des Landkreises Friesland seit mehr als eineinhalb Jahren vorangetrieben hat, wird ein Großformat-Banner mit dem Titelbild des neuen Buches sein. Das zwei mal drei Meter große Poster wird an diesem Sonnabend am Gebäude der „Spiel-Welt“ am Alten Markt aufgehängt. Es weist auf die Ausstellung hin, die vom 18. März an für einen Monat in zahlreichen jeverschen Geschäften zu sehen sein wird. Die mehr als 50 Porträtaufnahmen, die die Fotografin Sigrid Kasdorf im Laufe eines Jahres von Menschen ab 75 gemacht hat, werden als großformatige Abzüge, versehen mit Sinnsprüchen, in den Ladenräumen präsentiert.

Am kommenden Freitag wird dann das Buch „Respekt“ vorgestellt, das die Bilder und Texte der Serie  zusammenfasst. An der Präsentation des Werkes im „Schützenhof“ nehmen fast alle der Porträtierten teil. Als Ehrengast und Festredner hat der Präsident der Deutschen Roten Kreuzes, Bundesminister a.D. Dr. Rudolf Seiters, zugesagt.

„Big Jim“ spielt wieder für das Hospiz

Benefizveranstaltung am 9. März im „Jever Fass“

Jever – Rocksongs mit Seele – die Band „Big Jim“ gibt am Sonnabend, 9. März, um 20 Uhr in der Partyhalle vom „Jever Fass“ am Alten Markt in Jever ein Benefizkonzert zugunsten des Friedel-Orth-Hospizes. Der Eintritt von 5 Euro fließt vollständig der Arbeit dieser jeverschen Einrichtung zu.

"Big Jim" gibt am 9. März in der Partyhalle des "Jever Fass" in Jever ein Benefizkonzert zugunsten des Jeverschen Hospizes.
„Big Jim“ gibt am 9. März in der Partyhalle des „Jever Fass“ in Jever ein Benefizkonzert zugunsten des Jeverschen Hospizes.

Die Rockband wird den Hospizgedanken damit schon zum zweiten Mal tatkräftig unterstützen, schon im vergangenen Jahr gab es ein Konzert. In diesem Jahr hat die Band den Lions Club Jever mit ins Boot genommen, der sich um die Organisation des Benefiz-Abends und um den Getränkeverkauf kümmert. Auch der Erlös daraus geht vollständig ans Hospiz.

„Big Jim“, das sind Ralf Utler (Keyboard), Sandra Lindemann (Gesang), Volker Weiß (Gitarre), Albert Eckardt (Bass), Jürgen Düren (Gitarre) und Ralf Thaden (Schlagzeug). Sie spielen mit ihrer Sechs-Mann-Besetzung kraftvoll und filigran zugleich ihre selbst komponierten und arrangierten deutsch- und englischsprachigen Rocksongs. Die Band wurde 2009 gegründet und unterscheidet sich auch und gerade mit Sängerin Sandra Lindemanns exzellenter Stimme von anderen Rockbands, die meist männliche Stimmen haben.

„Big Jim“ macht innovative Rockmusik in erster Linie zum Zuhören, weshalb der Raum auch teilweise Sitzgelegenheiten bietet. Zwei Stunden Konzert mit Seele: Lebensweisheiten, Herz- und Schmerzgeschichten, Kurioses und Kritisches werden in strammen Beats sowie in einigen Balladen dargeboten. Lebenserfahrene Musiker spielen ihre Songs mit Spaß an der Sache, ohne Profilierungssucht, ohne nachgestellte Posen und Narrenkostüme. Und „Big Jim“ stellt sich mal wieder gerne in den Dienst der guten Sache.

Vorbesprechung für das Benefizkonzert am 9. März. Von links Oliver Jache, Wirt vom "Jever Fass", Jürgen Düren von der Band "Big Jim", Manfred Schmiga vom Lions Club Jever, Hospiz-Leiterin Irene Müller und Heinz Kurt Schmitz vom Lions Club Jever.
Vorbesprechung für das Benefizkonzert am 9. März. Von links Oliver Jache, Wirt vom „Jever Fass“, Jürgen Düren von der Band „Big Jim“, Manfred Schmiga vom Lions Club Jever, Hospiz-Leiterin Irene Müller und Heinz Kurt Schmitz vom Lions Club Jever.

Die Pflegedienstleiterin des Hospizes, Irene Müller, freut sich sehr über die Initiative der Band „Big Jim“ und das Engagement des Lions Clubs Jever, der im vergangenen Jahr bereits einen stattlichen Betrag aus dem Erlös des Lions-Weinstandes auf dem Altstadtfest ans Hospiz überwiesen hatte. Sie bedankte sich in einem Vorgespräch mit Jürgen Düren von „Big Jim“ und den Organisatoren Manfred Schmiga und Heinz Kurt Schmitz vom Lions Club Jever besonders auch bei Gastwirt Oliver Jache, der seine Partyhalle am 9. März kostenlos für den guten Zweck zur Verfügung stellt.

Rallye Dakar für Bildung in Ghana

Pastor Rüdiger Möllenberg aus Jever startete an diesem Donnerstag, in Richtung Dakar, um an einer 3500 Kilometer langen Autorallye teilzunehmen. Er setzt sich seit Jahren als Botschafter für die Mikrofinanz-Organisation Opportunity International ein. Mit den Zeigefingern markiert er Start- und Zielort, oben links liegt Dakar, unten rechts Accra. Foto (c): Helmut Burlager
Pastor Rüdiger Möllenberg aus Jever startete an diesem Donnerstag, in Richtung Dakar, um an einer 3500 Kilometer langen Autorallye teilzunehmen. Er setzt sich seit Jahren als Botschafter für die Mikrofinanz-Organisation Opportunity International ein. Mit den Zeigefingern markiert er Start- und Zielort, oben links liegt Dakar, unten rechts Accra. Foto (c): Helmut Burlager

„Go4school“ – Pastor Rüdiger Möllenberg nimmt an Tour durch Westafrika teil

Jever – Klar, ein bisschen aufgeregt ist er schon, auch wenn er bereits viele Male in seinem Leben nach Afrika geflogen ist und dort gearbeitet hat. Sein Beruf als Pastor bringt ihn auch diesmal nach Ghana, doch die Umstände der Reise werden gänzlich andere sein als sonst. Rüdiger Möllenberg ist einer von 27 Teilnehmern, die an diesem Donnerstag von Hannover aus nach Dakar gestartet sind und von dort auf eine Rallye durch Afrika gehen.

Es ist nicht die berühmte Rallye Paris-Dakar, sondern sie führt von Dakar im Senegal nach Accra, der Hauptstadt Ghanas. Es geht auch nicht darum, möglichst spektakulär über Wüstenpisten zu rasen und als erster anzukommen, sondern es handelt sich um eine Hilfsaktion ganz besonderer Art. „Go4school“ ist der Name der Rallye, und wollte man ihn einigermaßen plausibel übersetzen, müsste es heißen: Fahren für Schulen. Denn bei der Rallye soll viel Geld herauskommen, und das will die Mikrofinanzorganisation Opportunity International, deren Botschafter Pastor Rüdiger Möllenberg ist, für den Aufbau von Mikroschulen in Ghana einsetzen. Das sind kleine, private Volksschulen auf dem Lande, die Kindern in Landstrichen Unterricht ermöglichen, wo staatliche Schulen wegen weiter Schulwege kaum erreichbar sind. Opportunity finanziert solche Schulen mit Mikrokrediten.

Die Idee zu der Rallye hatte Henning Nathow, ebenfalls Opportunity-Botschafter und Manager in der Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen. Er überlegt seit langem, wie man die Entwicklungsarbeit in Ghana mit gespendeten hochwertigen Fahrzeugen unterstützen könnte. Und kam auf den Gedanken, das mit Abenteuer und Spaß zu verbinden. Ein Spaß, den sich allerdings nicht jeder leisten kann. Wer mitfahren will, muss nicht nur den Flug nach Dakar selbst bezahlen, sondern auch die Kosten für die 3500 Kilometer lange Autofahrt von Dakar durch den Senegal, Guinea, Elfenbeinküste und Ghana bis nach Accra. Und eigentlich sollte jeder Teilnehmer das Auto, das dann in Accra für den guten Zweck versteigert wird, noch selbst finanzieren.

Nun ist Rüdiger Möllenberg (55) beileibe kein Millionär, aber sein geistlicher Beistand und seine Afrika-Erfahrung sind gefragt, Opportunity bat ihn mitzufahren, auch ohne gespendetes Auto. Die dennoch hohen Reisekosten tragen seine Ghana-Freunde vom Opportunity-Freundeskreis Weser-Ems, Dr. Karl Harms und Jochen Ewald, zu einem erheblichen Teil mit, und so konnte Möllenberg gestern Nachmittag Richtung Hannover starten, von wo es heute mit einem Linienflug nach Dakar weiter ging.

Mit elf robusten Geländewagen geht es dann Richtung Osten, weit genug südlich von der Krisenregion Mali und auch an anderen problematischen Ländern vorbei, nach Ghana. Abenteuerlich wird es dennoch werden, wenn die Kolonne über staubige Pisten durch Savanne und Dschungel unterwegs ist. Am 5. oder 6. Februar ist die Ankunft in Accra geplant, am 10. Februar der Rückflug. Wenn die Möglichkeit besteht, wird Rüdiger Möllenberg von unterwegs Zwischenberichte geben. Wenn nicht, wird er hinterher viel zu erzählen haben. So eine Reise hat auch der afrikaerfahrene Pastor schließlich noch nicht mitgemacht.

Zum Originalbericht im Jeverschen Wochenblatt

Erster Reisebericht

Zweiter Reisebericht

Klagelied eines Stamm-Liberalen

Dr. Fritz KleinsteuberFoto (c): H. Burlager
Dr. Fritz Kleinsteuber
Foto (c): H. Burlager

Das Dilemma von FDP-Wählern, die einerseits mit ihrer Partei hadern und andererseits die Notwendigkeit sehen, ihr über die Fünf-Prozent-Hürde in Niedersachsen zu helfen, macht der Stamm-Liberale Dr. Fritz Kleinsteuber aus Jever in einem Aufsatz für den Friesenblog deutlich. Die eigene Partei wählen oder doch lieber nicht? Es ist Kleinsteubers Problem, aber auch das seiner Nachbarn und Freunde, die eigentlich ganz andere Parteien wählen. Dr. Fritz Kleinsteuber war langjähriger Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Indonesischen Industrie- und Handelskammer in Jakarta, Indonesien. Heute lebt er in Jever und zeitweise in Jakarta.  Lesen Sie hier:

Mein Problem und das meines Nachbarn

Lions Club Jever gründet eine Bank

Der Lions Club Jever hat eine Bank gegründet. Aus dem Erlös des Weinlokals auf dem Altstadtfest und aus Spenden der Mitglieder stammen die 5000 Euro, mit denen eine neue „Trust-Bank“ in der Voltaregion in Ghana finanziert werden konnte. Dabei handelt es sich um eine kleine Kreditgenossenschaft von Frauen, die sich mit Hilfe von Mikrodarlehen eine bessere wirtschaftliche Existenz aufbauen. Am Montag bekamen die Lions durch Vertreter von Opportunity International Deutschland (OID) den Startbericht ihrer Mikrobank ausgehändigt.

Übergabe des Startberichts der "Bank  mit Herz". Das Bild zeigt von links Lions-Präsident Helmut Burlager, Stefan Knüppel und Anke Luckja von OID  sowie die Lions Hermann Neunaber, Andreas Kreye, Dr. Benno Wördehoff und Manfred Molitor.
Übergabe des Startberichts der „Bank mit Herz“. Das Bild zeigt von links Lions-Präsident Helmut Burlager, Stefan Knüppel und Anke Luckja von OID sowie die Lions Hermann Neunaber, Andreas Kreye, Dr. Benno Wördehoff und Manfred Molitor.

http://www.bank-mit-herz.de

 

Klootschießer warten auf den Länderkampf

Bei Kahlfrost gehen Oldenburger und Ostfriesen in Stollhamm an den Start

Von Rolf Blumenberg

Jever – Erst lernen die Friesen das Klootschießen, dann das Laufen, ist eine Weisheit, die aus grauer Vorzeit überliefert ist. Wenn diese Aussage heute auch ein wenig vermessen klingen mag, so hat doch der Friesensport in dem Land zwischen Weser und Ems immer noch einen extrem hohen Stellenwert. Immerhin gehören dem von Jan-Dirk Vogts angeführten Friesischen Klootschießerverband (FKV) mehr als 40.000 Mitglieder an. Während in der Breite das Boßeln im Vordergrund steht, gilt nach wie vor das Klootschießen als Krone des Friesensports. Das mag an der ausgefeilten Technik liegen, ganz sicher aber auch an der Urwüchsigkeit, die sich insbesondere zeigt, wenn sich Oldenburger und Ostfriesen in einem Länderkampf auf freiem Gelände gegenüber stehen.

Bei einem solchen Kräftemessen, dass demnächst in Stollhamm (Landkreis Wesermarsch) stattfinden soll, ist vieles noch so, wie es auch vor 200 Jahren war. Da wird die Anlaufmatte noch von Mattenträgern über zwei Kilometer getragen, da sorgen „Düsselmeister“ auf hart-gefrorenem Boden für eine glatte Anlaufbahn, da kündigen Trompeter mit den jeweiligen „Nationalhymnen“ die Werfer an, da sind einige tausend „Käkler und Mäkler“ dabei und – wenn es sein muss, gibt es auch mal verbale Auseinandersetzungen, natürlich in deftigem plattdeutsch. Und zwischendurch stärkt man sich bei Erbsensuppe und Grogg.

Derzeit trainieren die Werfer der beiden Landesverbände Woche für Woche und lassen sich nur wenig in die Karten kucken. Taktik spielt eine große Rolle. Sicher scheint, dass die Oldenburger eine Reihe von bekannten Namen aufbieten werden, darunter den amtierenden Europameister Thore Fröllje aus Grabstede. Dagegen haben die Ostfriesen möglicherweise einen „Joker“ in der Hinterhand, nämlich den langjährigen oldenburger Paradewerfer Bert Stroje.

In diesen Wochen wird viel darüber gefachsimpelt, mit welchen Stars die alten Rivalen antreten werden und wer die besten Siegchancen hat. Noch haben die Weiden von Carsten Meiners in Stollhamm nicht die nötige Wettkampf-Härte. Doch wenn der ersehnte Kahlfrost kommt, dann wird die Spannung steigen und dann wird es für einen echten Friesen nichts Wichtigeres geben als dabei zu sein.

Quelle: Pressemitteilung des Klootschießer- und Boßelvereins Stollhamm

Die Nacht der Nächte in Jever

Püttbier bei der "Melkenklamppütt" in Jever mit Püttmeisterin Käthe Blumenthal, ihrem Nachfolger Dieter Lübben  und Gastgeber Otto Meents. Foto: Helmut Burlager
Püttbier bei der „Melkenklamppütt“ in Jever mit Püttmeisterin Käthe Blumenthal, ihrem Nachfolger Dieter Lübben und Gastgeber Otto Meents. Foto: Helmut Burlager

Die Stadt Jever wirkt heute morgen ein bisschen verkatert, in der Stadt wurde in der vergangenen Nacht „Püttbier“ gefeiert, ein Traditionsfest der fast 30 Brunnengemeinschaften, die teilweise mehrere Jahrhunderte alt sind und sich alljährlich am Montag nach Heilige Drei Könige zur Rechnungslegung und Neuwahl des Püttmeisters zusammenfinden. Die Wasserprobe gehört dazu, und natürlich wird sie mit Feuerwasser vollzogen.

Mehr über das Püttbier 

Eine Bildergalerie gibt’s beim Jeverschen Wochenblatt und hier den aktuellen Bericht