Hab ich doch immer gesagt, dass zu wenig gelobt wird. Jetzt wird schon Gotteslob knapp …
Kategorie: Kultur
Tag 61 | Spetz

Von „Spetz“ war ja neulich schon in Zusammenhang mit der reiselustigen Seniorin die Rede (Alma will naa Afrika), nun wird das ostfriesische Dorf auch in einer Veröffentlichung des Instituts für Niederdeutsche Sprache (INS) erwähnt. Es dient als Beispiel für die Zweisprachigkeit bei Ortsnamen. Das Dorf Spetzerfehn im Landkreis Aurich (Auerk) wird nämlich gemeinhin „Up Spetz“ genannt. Das Institut dokumentiert solche zweisprachigen Ortsbezeichnungen auf einer interaktiven Landkarte. Alma, die derzeit in Gambia weilt, kehrt übrigens nächste Woche aus Afrika zurück naa Up Spetz.
Tag 58 | Radio Eriwan

Foto: Sezession Nordwest
Frage an Radio Eriwan: Kann man in Wilhelmshaven armenische Kunst anschauen? Antwort: Im Prinzip ja. Man muss sich allerdings aufraffen, die Ausstellung bei der Sezession Nordwest zu besuchen. Ab heute zeigen vier Künstler aus Jerewan ihre Arbeiten im Schaufenster für regionale Kunst. Es ist ein Gegenbesuch, nachdem Wilhelmshavener Künstler sich in Armenien für ein soziales Projekt eingesetzt haben.
Tag 52 | Fremdsprache

Wer im Norden wohnt und ab und zu ein paar plattdeutsche Brocken in sein Reden einbaut, wird verstanden und wundert sich, wenn es woanders nicht funktioniert. Die nette Dame aus Süddeutschland, die sich mal kurz das Buch „Respekt“ mit Lebensgeschichten älterer Menschen aus dem Jeverland ausgeliehen hat, erzählt beim Mittagessen, sie habe schon etliche Geschichten gelesen, sie sei sehr beeindruckt. „Da oben wird ja anscheinend noch viel Plattdeutsch gesprochen“, sagt sie, jedenfalls sei sie an solchen kurzen Passagen im Buch hängengeblieben. „Verstanden“, gibt sie zu, „habe ich kein Wort.“
Tag 35 | Big Jim
Musik hören und Gutes tun. Wer das kombinieren möchte, hat am 15. März die Gelegenheit dazu. Zum dritten Mal gibt die Rockband „Big Jim“ in der Partyhalle des Restaurants „Jever Fass“ am Alten Markt in Jever ein Benefizkonzert zugunsten des Friedel-Orth-Hospizes. Auch der Lions Club Jever stellt sich an diesem Abend in den Dienst der guten Sache, er organisiert das Konzert und sorgt für die Bewirtung. Wie spät es losgeht und wo man Karten bekommt: Hier klicken
Tag 26 | Südzentrale
„In der Stille ruhe ich. Ganz allein. Ich bin ein Zeuge der Zeit. Über 100 Jahre lang sah ich euch zu. Spendete euch Energie und Kraft. Doch jetzt nagt der Zahn der Zeit an mir. Nur ein wenig Schönheit ist mir noch geblieben, nur noch ein wenig Licht durchströmt mich. Helft mir! Ich zerfalle!“
Na, neugierig geworden? Am 2. Februar wird in Wilhelmshaven der Film über die Südzentrale, ein vom Verfall bedrohtes wunderschönes Industriedenkmal gezeigt. Hier geht’s zur Ankündung, enthalten ist auch ein Link zu dem Trailer, der auf Youtube zu sehen ist: Südzentrale – der Film
Tag 9 | Jan Temme

Lehrer können nichts ausrichten? Dass ich gerne Bilder an die Wand hänge und Ausstellungen besuche, schreibe ich jenen Frauen und Männern zu, die mich an der Friesenschule (das unvergessene Ehepaar Bonow) und am Teletta-Groß-Gymnasium (der ebenso unvergessene Jan Temme) unterrichtet haben. Und auch dem Leeraner Bildhauer Karl-Ludwig Böke, dessen abstrakten, erotisch angehauchten Steinskulpturen wir staunend betrachteten und berührten, oder dem Maler und Kunsterzieher Siegfried Kunstreich, allesamt seinerzeit in Leer (Ostfriesland) aktiv. Nicht dass auch nur einer von ihnen es geschafft hätte, mir selbst irgendein künstlerisches Talent zu entlocken. Aber die Liebe zum Betrachten und Entdecken von Bildern haben sie in uns Schülern der sechziger und siebziger Jahre zu wecken verstanden. Auch weil sie selbst sich mit moderner Kunst beschäftigten und Dinge machten, die so ganz „anders“ waren. Im Kunsthaus in Leer läuft nun eine Ausstellung mit Arbeiten von Jan Temme, der 1923 in Veldhausen nahe der niederländischen Grenze geborene Maler und Zeichner Jan Temme wäre nämlich im vergangenen Jahr 90 Jahre alt geworden. Bis zum 2. März 2014 sind sind seine Aquarelle, Gemälde und Zeichnungen noch im Turnerweg 5 zu sehen.
Jan Temme hatte in Nordhorn das Malerhandwerk erlernt und für die Städtischen Bühnen als Bühnenbildner gearbeitet, bevor er von 1951 bis 1953 an der Akademie der Bildenden Künste in Münchenstudierte. Im Anschluss betrieb er wiederum in Nordhorn ein Atelier für angewandte Kunst und schloss ein weiteres Studium zum Gewerbelehrer in Wilhelmshaven ab. Diesen Beruf übte er ab 1959 in Wittmund sowie in Leer aus, ehe er 1970 Kunsterzieher in Leer, später in Brinkum wurde. Temme trat dem Bund Bildender Künstler Ostfriesland bei und hatte dessen Vorsitz von 1971 bis 1981 inne. 1986 verzog der Künstler nach Hannover, wo er nach langer Krankheit 2005 starb. Sein zwischen Realismus und Surrealismus anzusiedelndes künstlerisches Werk entfaltete sich vollends erst in Ostfriesland, nachdem Temme 1960 nach Leer übergesiedelt war. Hier entstanden seit den späten 1960er Jahren gesellschaftskritische Gemälde, Interieurs, detailreiche Zeichnungen, sehnsuchtsvolle Fensterbilder und Landschaften. In den 1980er Jahren experimentierte der Künstler mit der Aquarellmalerei
Tag 7 | Ein Buch
Axel Bürgener lernte ich auf einer langen Autofahrt kennen. Ein Heeresgeneral a. D., der so aussieht und spricht wie ein Heeresgeneral a. D. – ein Mann mit scharfen Konturen, entschiedenen Ansichten, klarer Aussprache, befehlsgewohnter Stimme. Eine Weile redeten wir über seine Bundeswehrkarriere, seine Ansichten über die Notwendigkeit und Aufgaben des Militärs, über internationale Konflikte und über Politik, schließlich auch über meinen Beruf, den Journalismus. Die Fahrt war wirklich lang. Irgendwann sprachen wir über die prächtigen Wolkenbilder an diesem Sommertag, über Fotografie, über die Liebe zur Natur, über Tierschutz, über seinen Hund, sein Pferd, über Katzen und Vögel, über die Liebe zur norddeutschen Landschaft, über unsere Familien. Wie sehr kann ein erster Eindruck täuschen.
Vor wenigen Wochen hat Axel Bürgener mir sein neues Buch geschickt. „Wangerland von oben“ heißt es. Der Heeresgeneral ist in die Luft gegangen, hat Strände, Watt, Priele, Binnentiefe, Häfen, Dörfer, Burgen, Gehöfte, Schiffe, Boote und Robben aus der Vogelperspektive fotografiert. Zusammen mit seinem Nachbarn Klaus Siewert, einem renommierten Sprachforscher, hat er ein wunderschönes Buch daraus gemacht. Siewert stellte die Gedichte zusammen, die die einzelnen Fotos illustrierten, Klassiker von Goethe bis Mörike, aber auch viel Unbekanntes, Überraschendes darunter. „Impressionen aus dem Land zwischen den Gezeiten“ heißt das Buch im Untertitel, der nicht zuviel verspricht. Es geht um die unerfindlichen Sehnsüchte der Menschen und ihre Liebe zum Meer und dem Land, das sie ihm in Jahrhunderte abgerungen haben. Ich habe mich über das Geschenk eines Freundes gefreut. (Verlag Auf der Warft, Wiarden – Hamburg – Münster 2013, ISBN 978-3-939211-70-9)
Tag 6 | Ballou

„Ich habe nie vergessen, woher ich komme“, hat Gerd Brandt in einem Interview mit dem NDR gesagt. Stimmt. Zum Beispiel war er mal Stadtjugendpfleger in Jever in jener Zeit, als die Jugend ein wenig rebellischer war als heute, und leitete das erste Jugendzentrum in der Stadt. Das hatten sich die jungen Leute regelrecht erkämpft. Ein „autonomes“ Jugendhaus wollten sie damals, in das die Erwachsenen nicht reinreden sollten, und den rebellischen alten Juden Fritz Levy wählten sie in den JZ-Beirat. Wilde Zeiten waren das, und ein bisschen wild sieht „Ballou“, wie Gerd Brandt sich schon damals rufen ließ, ja auch heute noch aus. Kaum zu glauben, dass der Folk-Barde bereits für sein „Lebenswerk“ geehrt wird. Am 24. Januar wird ihm der Wilhelmine-Siefkes-Preis der Stadt Leer verliehen. Eine größere Ehre kann jemandem, der sich das Plattdeutsche auf die Fahne geschrieben hat, kaum zuteil werden. Wer hätte das gedacht, als „Ballou“ mit seinen jungen Leuten Jever in Wallung brachte. NDR-Bericht
Freiwild. Kein schönes Wort. Und kein schönes Thema.
Von Carsten Feist
Mir fällt mit fast schon inflationärer Häufigkeit auf, wie sehr sich der Umgang der Menschen miteinander ändert. Im Internet. Besonders im Facebook.
Diese Entwicklung hat Vorteile. Neue Kontakte entstehen, alte Kontakte werden wiederbelebt und gepflegt, zum Teil über weite Entfernungen hinweg. Informationen stehen zur Verfügung. Immer wieder entwickeln sich spannende Diskussionen.
Die Kehrseite sind öffentliches Kesseltreiben, virtuelle Dauerbeleidigungen, scheinintelektuelle Besserwisserei und vernichtende Polemik unterhalb jeder Toleranzschwelle. Warum eigentlich müssen sich Verantwortungsträger aus Politik, Gesellschaft, Verwaltung, Sport, Kirche und Wirtschaft von Menschen in der virtuellen Welt öffentlich alles gefallen lassen, was ihnen diese selbsternannten „Kritiker“ in der realen Welt nicht einmal abgeschwächt ins Gesicht sagen würden?
Warum erlauben sich Menschen, die gerne auch noch ihren überlegenen Bildungsstatus vor sich hertragen, den virtuellen Pranger zu ihrem persönlichen Eigentum zu erklären? Als Raum frei von Grundrechten (der Angeprangerten) und frei von Regeln eines gesellschaftlichen Grundkonsens’, den ich in meiner Erziehung unter Begriffen wie „Anstand“, „Respekt“ und „Toleranz“ kennengelernt habe?
Was ist denn so anders in der virtuellen Welt? – Vielleicht – und dies ist nur der VERSUCH eines Ansatzes zur Erklärung – ist es die Anonymität, die den Feiglingen den Mut verleiht, ihren Schmutz auszuschütten. Hier, im Netz, wo ich mich hinter Pseudonymen verstecken kann, wo ich nicht über mich und mein Tun Rechenschaft ablegen muss, mich aber dennoch über andere erhaben darf, hier ist noch der größte Feigling mutig genug, andere mit Schmutz zu bewerfen.
Vielleicht – und dies ist der zweite VERSUCH eines Ansatzes zur Erklärung – ist es aber auch der Umstand, dass im Virtuellen selbst die noch Gehör finden, deren geballten Unsinn real niemand mehr hören will und wahrscheinlich noch nie hören wollte. Eine Kommunikationsplattform der Gescheiterten.

Wie auch immer. Ich nutze das Internet, ich mag seine Möglichkeiten. Und zu Weihnachten wünsche ich mir, dass sich alle mal wieder ein wenig besinnen und Kritik als große Chance sehen, Zustände zu verändern, ohne dass die Kritisierten dabei gleich mit vernichtet werden müssen. Bisweilen habe ich leider den Eindruck, dass es den virtuellen Heckenschützen nur noch um Selbstbefriedigung und Vernichtung Dritter geht.
Und je lauter sie durchaus eloquent dieses Motiv bestreiten, desto deutlicher entlarven sie sich selbst!
