Die Homepage der Werbeagentur ist wirklich eins a. Das Team sprüht nur so vor Ideen, das kann, soll und wird potenzielle Kunden auf den Geschmack bringen. Auch die Texter der Agentur stellen sich mit einem eingängigen Satz vor: „Man nehme gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge.“ Darauf muss man erst mal kommen. Na ja, Kreative eben. Der Spruch passt perfekt in meine kleine Zitatensammlung. Bevor man es veröffentlicht, sichert man sich allerdings gern noch mal schnell ab, und siehe da: Der olle Schopenhauer hat’s gesagt. Aber wen interessiert schon geistiges Eigentum?
Kategorie: Kultur
Tag 77 | In der Kürze
An Telefonzellen (jüngere Leser wissen mit dem Begriff etwas anzufangen) stand früher (mein Gott, ich werde alt) der Hinweis „Fasse Dich kurz!“ Das war vor allem denen sympatisch, die in der Schlange darauf warteten, dass sie endlich an die Reihe kommen. In Zeiten des Mobiltelefons und der Flatrates labert jeder so lange und so viel er will. Für Schreiber gilt die Aufforderung „Fasse dich kurz“ ja im Grunde auch, wenngleich eher diejenigen berühmt geworden sind, die sich nicht daran gehalten haben, was jeder erinnert, der die „Glocke“ auswendig lernen oder die Buddenbrooks lesen musste. Journalisten aber plagen sich tagtäglich mit mangelndem Platz herum und müssen deshalb schon aus Eigeninteresse einen Weg finden, die Wörterdiarrhoe aufzuhalten. Eine Kollegin einer befreundeten Zeitung hat’s darin inzwischen zu wahrer Meisterschaft gebracht, sie schreibt – wenn auch privat und nicht für die Zeitung – seit einiger Zeit Haikus. Japanisches Versmaß. Drei Zeilen, siebzehn Silben. Konzentrierte Botschaft, alles drin. Vielleicht sollte ich sie abwerben. Würde ja mordsmäßig Honorar sparen, wenn man sie losschickte: „Berichte doch bitte für uns über die Ausstellungseröffnung im Schloss. Ach, übrigens, ein Haiku reicht!“
Susannas neues Buch mit Haikus: Hier
Tag 75 | Weltreise
Von England über die Türkei nach Amerika, und das mit dem Fahrrad, das geht nirgendwo anders als im Friesischen. Allerdings gibt es Ortsnamen, die zugleich Namen von Ländern oder gar Kontinenten sind, nicht nur auf der Ostfriesischen Halbinsel, sondern auch in anderen Regionen Deutschlands, wenn auch nicht so gehäuft. Die Zeit hat in ihrer Serie „Deutschlandkarte“ eine schöne Landkarte dazu veröffentlicht, die man sich glatt als Poster an die Wand hängen könnte. Hier geht’s zum Artikel und hier zur Karte.
Tag 67 | Lob
Tag 61 | Spetz

Von „Spetz“ war ja neulich schon in Zusammenhang mit der reiselustigen Seniorin die Rede (Alma will naa Afrika), nun wird das ostfriesische Dorf auch in einer Veröffentlichung des Instituts für Niederdeutsche Sprache (INS) erwähnt. Es dient als Beispiel für die Zweisprachigkeit bei Ortsnamen. Das Dorf Spetzerfehn im Landkreis Aurich (Auerk) wird nämlich gemeinhin „Up Spetz“ genannt. Das Institut dokumentiert solche zweisprachigen Ortsbezeichnungen auf einer interaktiven Landkarte. Alma, die derzeit in Gambia weilt, kehrt übrigens nächste Woche aus Afrika zurück naa Up Spetz.
Tag 58 | Radio Eriwan

Foto: Sezession Nordwest
Frage an Radio Eriwan: Kann man in Wilhelmshaven armenische Kunst anschauen? Antwort: Im Prinzip ja. Man muss sich allerdings aufraffen, die Ausstellung bei der Sezession Nordwest zu besuchen. Ab heute zeigen vier Künstler aus Jerewan ihre Arbeiten im Schaufenster für regionale Kunst. Es ist ein Gegenbesuch, nachdem Wilhelmshavener Künstler sich in Armenien für ein soziales Projekt eingesetzt haben.
Tag 52 | Fremdsprache

Wer im Norden wohnt und ab und zu ein paar plattdeutsche Brocken in sein Reden einbaut, wird verstanden und wundert sich, wenn es woanders nicht funktioniert. Die nette Dame aus Süddeutschland, die sich mal kurz das Buch „Respekt“ mit Lebensgeschichten älterer Menschen aus dem Jeverland ausgeliehen hat, erzählt beim Mittagessen, sie habe schon etliche Geschichten gelesen, sie sei sehr beeindruckt. „Da oben wird ja anscheinend noch viel Plattdeutsch gesprochen“, sagt sie, jedenfalls sei sie an solchen kurzen Passagen im Buch hängengeblieben. „Verstanden“, gibt sie zu, „habe ich kein Wort.“
Tag 35 | Big Jim
Musik hören und Gutes tun. Wer das kombinieren möchte, hat am 15. März die Gelegenheit dazu. Zum dritten Mal gibt die Rockband „Big Jim“ in der Partyhalle des Restaurants „Jever Fass“ am Alten Markt in Jever ein Benefizkonzert zugunsten des Friedel-Orth-Hospizes. Auch der Lions Club Jever stellt sich an diesem Abend in den Dienst der guten Sache, er organisiert das Konzert und sorgt für die Bewirtung. Wie spät es losgeht und wo man Karten bekommt: Hier klicken
Tag 26 | Südzentrale
„In der Stille ruhe ich. Ganz allein. Ich bin ein Zeuge der Zeit. Über 100 Jahre lang sah ich euch zu. Spendete euch Energie und Kraft. Doch jetzt nagt der Zahn der Zeit an mir. Nur ein wenig Schönheit ist mir noch geblieben, nur noch ein wenig Licht durchströmt mich. Helft mir! Ich zerfalle!“
Na, neugierig geworden? Am 2. Februar wird in Wilhelmshaven der Film über die Südzentrale, ein vom Verfall bedrohtes wunderschönes Industriedenkmal gezeigt. Hier geht’s zur Ankündung, enthalten ist auch ein Link zu dem Trailer, der auf Youtube zu sehen ist: Südzentrale – der Film
Tag 9 | Jan Temme

Lehrer können nichts ausrichten? Dass ich gerne Bilder an die Wand hänge und Ausstellungen besuche, schreibe ich jenen Frauen und Männern zu, die mich an der Friesenschule (das unvergessene Ehepaar Bonow) und am Teletta-Groß-Gymnasium (der ebenso unvergessene Jan Temme) unterrichtet haben. Und auch dem Leeraner Bildhauer Karl-Ludwig Böke, dessen abstrakten, erotisch angehauchten Steinskulpturen wir staunend betrachteten und berührten, oder dem Maler und Kunsterzieher Siegfried Kunstreich, allesamt seinerzeit in Leer (Ostfriesland) aktiv. Nicht dass auch nur einer von ihnen es geschafft hätte, mir selbst irgendein künstlerisches Talent zu entlocken. Aber die Liebe zum Betrachten und Entdecken von Bildern haben sie in uns Schülern der sechziger und siebziger Jahre zu wecken verstanden. Auch weil sie selbst sich mit moderner Kunst beschäftigten und Dinge machten, die so ganz „anders“ waren. Im Kunsthaus in Leer läuft nun eine Ausstellung mit Arbeiten von Jan Temme, der 1923 in Veldhausen nahe der niederländischen Grenze geborene Maler und Zeichner Jan Temme wäre nämlich im vergangenen Jahr 90 Jahre alt geworden. Bis zum 2. März 2014 sind sind seine Aquarelle, Gemälde und Zeichnungen noch im Turnerweg 5 zu sehen.
Jan Temme hatte in Nordhorn das Malerhandwerk erlernt und für die Städtischen Bühnen als Bühnenbildner gearbeitet, bevor er von 1951 bis 1953 an der Akademie der Bildenden Künste in Münchenstudierte. Im Anschluss betrieb er wiederum in Nordhorn ein Atelier für angewandte Kunst und schloss ein weiteres Studium zum Gewerbelehrer in Wilhelmshaven ab. Diesen Beruf übte er ab 1959 in Wittmund sowie in Leer aus, ehe er 1970 Kunsterzieher in Leer, später in Brinkum wurde. Temme trat dem Bund Bildender Künstler Ostfriesland bei und hatte dessen Vorsitz von 1971 bis 1981 inne. 1986 verzog der Künstler nach Hannover, wo er nach langer Krankheit 2005 starb. Sein zwischen Realismus und Surrealismus anzusiedelndes künstlerisches Werk entfaltete sich vollends erst in Ostfriesland, nachdem Temme 1960 nach Leer übergesiedelt war. Hier entstanden seit den späten 1960er Jahren gesellschaftskritische Gemälde, Interieurs, detailreiche Zeichnungen, sehnsuchtsvolle Fensterbilder und Landschaften. In den 1980er Jahren experimentierte der Künstler mit der Aquarellmalerei
