Tag 103 | High Tech

Ich ziehe ja gerne mal über meinesgleichen her und die Ostfriesen durch den Kakao. Und wer, wie ich heute wieder, durchs beschauliche Ostfriesland fährt, macht sich nicht unbedingt bewusst, dass das hier High-Tech-Land ist, ob es um riesige Kreuzfahrtschiffe (Papenburg), um schicke VW Passat (Emden) oder um gewaltige Windkraftanlagen (Aurich) geht. Hier mal wieder so ein Beispiel dafür, was ostfriesische Ingenieure zu leisten imstande sind: Enercon erledigt Großauftrag in Kanada und bringt neue Starkwind-Turbinen heraus

Tag 102 | Kranke Akten

Im Deutschen Marinemuseum in Wilhelmshaven hat die Oldenburgische Landschaft jetzt den Band „Vernichtung lebensunwerter Soldaten? Die nationalsozialistische Militärpsychiatrie in der deutschen Kriegsmarine – das Beispiel Wilhelmshaven“ von Roman Behrens vorgestellt. Erschienen ist das Buch als Band 76 der von der Oldenburgischen Landschaft herausgegebenen Reihe Oldenburger Studien.

Das heutige Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch, während des Weltkrieges Militärlazarett. Titelseite des Buches von Roman Behrens. Isensee-Verlag.
Das heutige Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch, während des Weltkrieges Militärlazarett. Titelseite des Buches von Roman Behrens. Isensee-Verlag.

Psychische Erkrankungen von Soldaten wurden in der NS-Zeit durchweg nicht im Zusammenhang mit deren Kriegserlebnissen gesehen, sondern auf Charaktermängel der Betroffenen zurückgeführt. Die jetzt vorgestellte Veröffentlichung beruht auf einer Auswertung von vier Krankenakten von Marinesoldaten, die im Zweiten Weltkrieg in den Marinelazaretten Wilhelmshaven und Sanderbusch und in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen wegen psychischer Erkrankungen behandelt worden sind. Die als Masterarbeit an der Universität Oldenburg entstandene Untersuchung umreißt anhand der vier Fallbeispiele den Umgang mit psychisch erkrankten Marinesoldaten. Außerdem gibt sie Belege für die Verstrickung von Kriegsmarine und Marinesanitätsdienst in die Sterilisationsverfahren und den Krankenmord in der NS-Zeit.

„Roman Behrens hat mit seiner Studie eine wichtige Anregung für die Wissenschaft gegeben, auf einem bisher nicht untersuchten Gebiet intensiv zu forschen“, charakterisierte Landschaftspräsident Thomas Kossendey die Arbeit.

Roman Behrens, Vernichtung lebensunwerter Soldaten? Die nationalsozialistische Militärpsychiatrie in der deutschen Kriegsmarine – das Beispiel Wilhelmshaven, Oldenburger Studien Band 76, herausgegeben durch die Oldenburgische Landschaft, 90 S., Isensee Verlag, Oldenburg 2014, lSBN 978-3-7308-1009-5, Preis: 19,80 €.

Tag 101 | Nachruf

EZEr machte es anders als die anderen und er machte „sein Ding“. Zu den untereinander gut vernetzten Journalisten der übrigen Lokal- und Regionalzeitungen im Nordwesten pflegte er eher gar kein als ein distanziertes Verhältnis. Trotzdem schauten die Kollegen mit einiger Hochachtung auf den Mann, der die „Emder Zeitung“ revolutionierte und aus ihr Anfang der 80er Jahre ein Blatt machte, das bis heute völlig anders daherkommt als jede andere Zeitung. Am vergangenen Freitag ist Herbert Kolbe, wie die Deutsche Presseagentur meldet, im Alter von 72 Jahren gestorben.
Mit den Innovationen, die Kolbe bei der EZ veranlasste, die bis dahin „Rhein-Ems-Zeitung“ geheißen hatte, stieß er auch Neuerungen in anderen deutschen Blättern an. Besonders beachtet wurde in der Branche der Umstand, dass Kolbe in Emden wieder eine Vollredaktion schuf und sich vom sogenannten „Mantelbezug“ bei der Neuen Osnabrücker Zeitung löste. Damit konnte die EZ lokale, regionale und überregionale Nachrichten nach eigener Schwerpunktsetzung zusammenstellen, was seinerzeit noch wenig üblich war, heute bei vielen Lokalzeitungen gang und gäbe ist. Besonders ist auch die Titelseite der Emder Zeitung, die mittlerweile nur noch aus Überschriften, Unterzeilen und Vorspännen sowie Fotos besteht und optisch in jeder Hinsicht ungewöhnlich daherkommt.
2006 hatte Kolbe nach 25 Jahren das Amt an seinen Nachfolger und zuvor langjährigen Stellvertreter Klaus Fackert übergeben.

Tag 100 | Hundert Tage

„Geben Sie mir hundert Tage!“ Ja, gewiss, jedem Politiker räumt man hundert Tage ein, um beurteilen zu können, ob er in einem neuen Job was taugt oder nicht. Jeder Wirtschaftsgröße auch, und im Berufsleben sind dreimonatige Probezeiten gang und gäbe. Aber wie sieht’s mit einem Jahr aus? Kann man ihm nach hundert Tagen schon vertrauen und sagen: Es ist ein gutes? Nein, wir können es nicht wirklich. Erich Kästners Weisheit gilt ja im Grunde nicht nur Silvester, sondern jeden Tag. Wird’s besser? Wird’s schlimmer? fragt man alljährlich. Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich! In diesem Sinne: Haltet durch die nächsten 265 Tage. Erst dann wird abgerechnet …

Tag 99 | Breaking News

Wisst Ihr, was ich an meinem Beruf so liebe? Den täglichen Umgang mit spannenden Nachrichten und relevanten gesellschaftlichen Themen. Gestern zum Beispiel bei der Auswertung des Polizeiberichts der Inspektion Aurich dieses spektakuläre Fundstück: „Biotonne umgefahren: Ein unbekannter Verkehrsteilnehmer fuhr in der Nacht zu Montag, 07.04.2014, eine Biotonne um und flüchtete anschließend unerkannt. Die Tonne stand an der Straße Moorweg zur Entleerung bereit, jedoch nicht unmittelbar an der Fahrbahn. Die Tonne ist für eine weitere Nutzung für Bioabfall nicht mehr tauglich. Zeugen des Unfalles werden gebeten, sich bei der Polizei Aurich, 04941/606-215, zu melden.“ Da darf man auf die Aufklärung des Falls gespannt sein.

Tag 98 | Junges Platt

Heute gebe ich aus Bequemlichkeit mal wieder einfach etwas weiter, nämlich eine Mitteilung des Instituts für Niederdeutsche Sprache in Bremen. Es geht um den Wettbewerb „Mien Leven mit Platt – dat is wat!“

Längst haben junge Autoren und Musiker die norddeutsche Regionalsprache für sich entdeckt. Nun können sie zeigen, dass sie mit Plattdeutsch auch im internationalen Vergleich mithalten können: Gerade angelaufen ist der europaweite Online-Sprachenwettbewerb MiLaS, der sich in erster Linie an Jugendliche und junge Erwachsene richtet.

Die Teilnehmer sollen motiviert werden, Texte in ihrer eigenen Sprache zu verfassen und vorzutragen. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt: Alle Formen moderner Literatur und Textkultur sind erlaubt – es können sogar mehrere Sprachen gemischt werden. Möglich ist auch die Verwendung musikalischer Elemente. Besonderen Wert legen die Organisatoren von „language diversity“ auf Regional- und Minderheitensprachen. Schließlich leisten diese einen wesentlichen Beitrag zur sprachlichen Vielfalt in Europa.

Um an dem Online-Sprachenwettbewerb teilnehmen zu können, muss ein maximal dreiminütiger Videobeitrag des selbstverfassten Textes – Kurzprosa, Lyrik, Rap, Sketch oder Lied – bis zum 28. April eingereicht werden. Parallel kann jeder online seinen Favoriten wählen. Die zehn Darbietungen mit den meisten Stimmen werden anschließend einer Fachjury übergeben, die entscheidet, welche fünf Gewinner zum Europatag am 9. Mai 2014 nach Sønderborg (Dänemark) eingeladen werden.

Weitere Informationen unter http://language-diversity.eu/campaigns/milas-wettbewerb sowie http://language-diversity.eu. Kontakt: info@language-diversity.eu

Tag 96 | Nachteulen

Ungeduld hat einen Namen: Jörg. Der hat sich nämlich letzte Nacht Punkt 0:43 Uhr auf Facebook beklagt, dass das Wort zum Tage noch nicht online ist. Zu seiner Ehrenrettung muss ich sagen, dass er sich schon eine Minute später entschuldigt hat, denn inzwischen war „Tag 95“ im Netz. Wer nun, wie mein Freund Jörg, vielleicht glaubt, ich würde mir die Nächte um die Ohren schlagen mit dem Formulieren von Blogbeiträgen, den muss ich enttäuschen. Die Beiträge entstehen rund um die Uhr, so wie sie mir gerade einfallen. Natürlich nicht während der bezahlten Arbeitszeit (das muss ich hier schreiben, mein Arbeitgeber liest mit), aber sonst kommen mir die Dinge morgens, mittags, abends, manchmal, aber nicht oft, auch nachts in den Sinn. Nun hat die Blogsoftware „WordPress“, die ich benutze, viele schöne und nützliche Werkzeuge, unter anderen auch jenes, das mich in die Lage versetzt, die Veröffentlichung von Beiträgen vorzudatieren. Und meist stellt das System die Artikel eben kurz nach Mitternacht ins Netz, während ich friedlich schlafe. So auch diesen kleinen Aufsatz heute, nämlich um 0:13 Uhr, hoffe ich jedenfalls. Damit Jörg sich keine Sorgen machen muss, wenn die Schlaflosigkeit ihn wieder vorm PC festhält. In diesem Sinne: Gute Nacht, lieber Jörg! Sieh zu, dass Du ins Bett kommst!

Tag 95 | Disco

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Foto: DJ-Night 2009, Michael Porath, Dormagen

Die Sonderausstellung „Break on through to the other side“ zur Geschichte der Clubs und Diskos in Weser-Ems ist im Juni 2012 mit einer tollen DJ-Night nach fünf Jahren und mehr als 3 00.000 Besuchern geschlossen worden.

Weil viele Leihgeber ihre Objekte, Materialien und Dokumente dem Schlossmuseum Jever gestiftet haben, konnte sie als Dauerausstellung zum Thema Jugend- und Musikkultur in großen Teilen im Sommer 2013 wieder eröffnet werden. So wird ein fast vergessener Aspekt der regionalen Geschichte Teil der Erinnerungskultur.

Heute besteht ein großes Netzwerk in ganz Weser-Ems und darüber hinaus, das aus dem Interesse an der Ausstellung und den damaligen Läden, der Musik und den Menschen entstanden ist. Regionale Rundfunkprogramme wie das der Ems-Vechte-Welle und vor allem auch das der Wattwerker beim Radio Ostfriesland mit ihren regelmäßigen Sendungen zur Musik, den DJs und den Gästen der einstiegen Clubs und Diskos sind mittlerweile als großartige Impulsgeber hinzu gekommen.

Anlässlich dieser schönen Entwicklungen und auf Grund der vielen Nachfragen wird das Schlossmuseum am 28. Juni 2014 eine weitere DJ-Night mit den DJs und der Musik aus den einstigen Läden starten: goin‘ underground!!

Zugesagt haben:

Rio de Luca (Apollo, Old Crow, Whisky à Gogo), Emil Penning (Red Baloon, Tiffany), Sven Rogall (Meta’s Musikschuppen), Rainer Urbschat (Why Not, Renaissance), Otto Sell (Etzhorner Krug, Ede Wolf), Rolf Joschko (Charts, Novo, Rocktheater), Wolfgang Milewski (Newtimer, Palazzo) und Gisbert Wegener (Scala)

Einlass ab 18 Uhr, Eintritt 8,- €. Der Besuch der Ausstellung an diesem und am nächsten Tag ist im Eintrittspreis inbegriffen.

Und für die Fußball-Fans: Die Spiele des Tages werden auch in diesem Umfeld ganz sicher zu sehen sein!

Karten sind ab sofort erhältlich: direkt im Schlossmuseum Jever, telefonisch unter 04461-969350 oder über das Internet unter www.schlossmuseum.de.
Auch im Whisky/Dr. Jack in Wittmund gibt es Karten im Vorverkauf

 

Tag 94 | Leben und Tod

Ein junger Fotograf, der sich in der Wochenblatt-Redaktion die ersten Sporen verdiente, bevor er in die weite Welt aufbrach, bat mich an einem der letzten Arbeitstage, ihm dabei behilflich zu sein, bei der Bundeswehr für Afghanistan akkreditiert zu werden. Ich versuchte nicht wirklich, es ihm auszureden, aber ich habe mir auch keine Mühe gegeben, sein Ansinnen zu unterstützen, Kriegsfotograf zu werden. Er ist dann ein großartiger Porträtfotograf geworden, der wunderschöne Frauen wunderschön ins Bild setzt. Als ich gestern die Nachricht vom Tod der Kriegsfotografin Anja Niedringhaus in Kabul las, habe ich wieder an den jungen Kollegen gedacht. Er hätte sicher Erfolg gehabt, wäre er den zuerst eingeschlagenen Weg gegangen. Ich bin froh, dass er es anders gemacht hat.